Dieser Fragebogen geht seit Jahren durch die Blogosphäre, ich habe ihn auch einige Jahre ausgefüllt, bis es mir zu doof wurde. In diesem Jahr krame ich ihn noch einmal hervor und ergänze ihn um ein längeres Resümee. 

1. Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Die vielen Kilometer auf dem Golfplatz haben mich jahrelang in Form gehalten, seitdem es damit vorbei ist, kämpfe ich gegen die Kilos. Die gelegentlichen Runden um den Stadtpark sind eben kein Ersatz für mehrmals pro Woche 18 Loch mit jeweils fünf Stunden konzentrierter Bewegung am Stück. Ich muss dringend eine Alternative finden, am ehesten wohl wird es das Schwimmen.

2. Haare länger oder kürzer?
Wie immer. Ein Beatles-Pilzkopf, der zusehends wirrer wird und aus der Form gerät bis ich endlich Lust und Zeit dazu habe, zum Friseur zu gehen.

3. Mehr bewegt oder weniger?

Mehr. S.u.

4. Der hirnrissigste Plan?
„Ich mache jetzt nur noch Illustration und Design.“ S.u. (Ich habe im Sommer auch kurz mit dem Gedanken gespielt, mir eine Katze zuzulegen, aber bin rechtzeitig wieder zu Verstand gekommen. Puh.)

5. Die gefährlichste Unternehmung?
Dieses Jahr war ich brav. Oder aber habe jegliche gefährliche Unternehmung verdrängt. Jedenfalls fällt mir nichts dergleichen ein.

6. Die teuerste Anschaffung?

Eine superschnelle SSD und mehr RAM für mein Macbook Pro, diverse Softwarelizenzen.

7. Das leckerste Essen?
Puh, schwer zu sagen. Ausser Haus teilen sich den ersten Platz eine Trattoria am Strand von Ischia und das Le Canard hier in Hamburg. Selbst gekocht (oder besser: gebraten) war ein simples Goldbarschfilet mit Thymian, Limette, Meersalz und Butter im Sommer.

8. Das beeindruckendste Buch?
Ich habe dieses Jahr wieder etwas mehr gelesen als sonst, und es waren einige beeindruckende Bücher dabei. Zuletzt 1000 Tode schreiben, eine Anthologie von Ultrakurzgeschichten, erschienen im Frohmannverlag. 1000 Autoren schreiben über den Tod. Das Buch ist aktuell nur in digitaler Form erhältlich und in vier Veröffentlichungsabschnitte gegliedert; der erste Abschnitt ist bereits erhältlich (die drei Updates sind im Preis mit drin und werden sukzessive nachgeliefert). Voraussichtlich im nächsten Abschnitt ist mein eigener Beitrag auch mit dabei.

9. Der ergreifendste Film?
Die gesamte Harry Potter Filmreihe. Das mag daran liegen, dass ich die Filme, nachdem ich den Löwenanteil davon jahrelang beruflich intensiv begleitet habe, nicht mehr wirklich unvoreingenommen ansehen und geniessen konnte und die letzten drei gar nicht mehr gesehen hatte (der Kinobesuch zum vorletzten Teil mit Captain Jack ist komplett aus meinem Gedächtnis verschwunden). Nachdem ich im Urlaub am Strand jedoch die Bücher nach Jahren wieder und die ca. 4000 Seiten sogar in einem Zug hintereinanderweg gelesen hatte – ein Hoch auf den e-Reader … – bekam ich erstmals wirklich Lust auf die Filme und habe es nicht bereut. Sie waren überraschend gut und haben mich teils wirklich sehr gerührt. Und erstmals konnte ich sie wirklich rein als Filmfan geniessen und auch das war ein schönes Gefühl: mir ein Stück Freiheit in Sachen Filmgenuss zurückerobert zu haben.

10. Die beste CD bzw. der beste Download?
Ich habe nur eine CD bzw. einen Download in diesem Jahr gekauft, Chilli Gonzalez’ Solo Piano II. Hat mir sehr gut gefallen.

11. Das schönste Konzert?
Die Schülerorchester und -chöre des Christianeums im Michel, zum Advent. Nicht nur, weil das Cousinenkind dabei mitsang und es quasi ein Heimspiel war. Das war wirklich schön.

12. Die meiste Zeit verbracht mit …?
Rechnen. In Euro, in Pixel, in Zoll, in Minuten.

13. Die schönste Zeit verbracht mit …?
Zeichnen.

14. Vorherrschendes Gefühl 2014?
Das könnte klappen. Das klappt!

15. 2014 zum ersten Mal getan?
Yoga. Im Urlaub. Und seither jeden Morgen und manchmal auch abends noch einmal.

16. 2014 nach langer Zeit wieder getan?
Urlaub gemacht. So richtig mit wegfliegen und zwei Wochen am Strand liegen, stundenlang ungestört lesen, im Meer schwimmen, al fresco essen.

17. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Das erzwungene Ende meiner Zeit als aktive Golferin. Schlimmer wurde es glücklicherweise nicht, aber das reicht für drei.

18. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Hat leider noch nicht geklappt, aber ich gebe es niemals auf.

19. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Schwer zu sagen. Vermutlich Zeit.

20. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Zeit.

21. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Wow, das ist wirklich noch viel toller geworden als ich es mir vorgestellt hatte.“

22. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
?

23. 2014 war mit einem Wort …?
Dankbarkeit.

Wenn ich so über dieses bald vergangene Jahr nachdenke, kann ich es nur in diesem einem Wort zusammenfassen: Dankbarkeit. Ich hatte ein gutes Jahr, wie man’s auch dreht und wendet. Alle meine Lieben und Freunde sind gesund oder nach schwerer Krankheit unerwartet rasch und gut genesen, es gab keine echten Katastrophen im näheren Umfeld, ich hatte mit niemandem Streit, ich habe viele tolle neue Dinge gelernt, mir fiel sehr spontan eine Reise in den Schoß, die mir den ersten echten Erholungsurlaub seit vielen Jahren beschert hat, ich habe einige wundervolle neue Kunden gewinnen können und keinen einzigen verloren und einige Projekte fürs kommende Jahr in Aussicht, die mich darin bestärken, beruflich auf dem richtigen Weg zu sein.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass meine Rückenschmerzen das Aus für meine grosse Liebe, den Golfsport, bedeuteten und 2014 das erste Jahr seit über zehn Jahren markiert, in dem ich nicht einen einzigen Ball geschlagen habe. Das war ein harter Schnitt nach vielen Jahren, in denen ich 100 Runden und mehr im Jahr gespielt habe; jedes Wochenende zwei Turniere, sowie oft morgens vorm Büro, im Sommer auch abends nach Büroschluss jeweils 9 Loch. Der Golfschwung ist so ziemlich das irrsinnigste, was man seiner Wirbelsäule antun kann und ich war golferisch eine Kerze, die an beiden Enden hell gebrannt hat. Aber immerhin bin ich gesundheitlich jetzt nach einer Reihe von Behandlungen soweit, dass ich wieder schmerzfrei gehen, sitzen, stehen, laufen kann. Da ist der Verzicht aufs Golf hart, aber verschmerzbar. Und die Leidenschaft für den RyderCup und das Team Europe bleibt ja bestehen.

Im Sommer 2013 fasste ich den – schon länger in mir herangereiften – Beschluss, komplett zurück zu meinen Wurzeln zu kehren und mich beruflich nur noch als Designerin und Illustratorin zu betätigen. Nach sieben Jahren als „Arter“ in Werbeagenturen, Verlagen und beim Fernsehen hatte ich 1997, vielleicht damals folgerichtig, zur „dunklen Seite der Macht“ gewechselt und fortan im Projektmanagement und in der Kundenberatung und bald darauf der strategischen Beratung zum Thema Digital Marketing gearbeitet.

Das war ein aufregender Trip mit vielen spannenden und lustigen Momenten und einer Menge toller Projekte und Kunden, und ich habe sehr viel gelernt in diesen Jahren. Aber ich wurde sehr schleichend mit den Jahren immer unglücklicher. Das, was ich für mich als kreative Arbeit definiere, den Stift in die Hand nehmen und eine Geschichte zu erzählen, ob in einem Bild oder vielen, etwas zu schaffen, das Menschen Freude bereitet und mich mit Freude und Stolz auf meine Arbeit erfüllt – das fehlte mir einfach zu sehr. Langsam begann ich also damit, nebenbei wieder Grafikdesignprojekte anzunehmen, dann kamen die ersten Anfragen nach Webdesignprojekten hinzu und schliesslich die eine oder andere reine Illustrationsanfrage, die mich fraglos immer am meisten begeistert.

Inzwischen habe ich die letzten reinen Marketingprojekte abgewickelt und bin zu dem Thema nur noch äusserst gelegentlich als Dozentin im Einsatz. 2014 ist das erste Jahr, in dem ich zu 100% mein Leben selbstständig aus dem Erlös von Design- und Illustrationsaufträgen bestreiten konnte und das erste Jahr seit langer, langer Zeit, in dem ich wirklich jeden Morgen mit grosser Vorfreude aus dem Bett sprang und mich an den Schreib- bzw. Zeichentisch setzte. Ich werde sicher nicht reich damit, aber ich schwebe, ich freue mich auf Morgen und das macht mich reich. Ich habe genauso viel Stress wie eh und je, nur ist es jetzt meist positiver Stress. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Ich habe auch unendlich viel Zuspruch, oft von unerwarteter Seite bekommen. In sozialen Netzwerken von Wildfremden (von denen einige später zu Kunden wurden) oder von alten Freunden, Kollegen und Bekannten, die ich lange Jahre nicht gesprochen hatte. Auch das erfüllt mich mit Dankbarkeit.

Für 2015 wünsche ich mir, dass es nicht nur so bleibt, sondern dass ich darauf noch etwas aufbauen kann. Ich wünsche mir mehr reine Illustrationsaufträge, z.B. für Geschäftsberichte, Präsentationen, Webseiten etc. und vielleicht sogar den einen oder anderen Auftragscomic (man wird ja wohl noch träumen dürfen). Ich werde mehr digitale Produkte und Projekte für e13 entwickeln und anbieten, das zu diesem Zweck einmal mehr umgestaltet werden wird und ich beschäftige mich in diesem Zusammenhang gerade mit dem Thema Videoerstellung und -schnitt. Der Shirts & Gedöns Shop wird mit neuen Motiven bestückt, die jeweils nur eine kurze Verweildauer haben werden und dann sind sie wieder weg; die alten Motive habe ich bereits herausgenommen.

Ich hoffe auch auf mehr „Hamburg unter sich“, denn das Projekt war die Überraschung des Jahres für mich. Es hat viele Fans gefunden und die quengeln nach mehr neuen Folgen. Um die jedoch regelmässig und kostenlos anbieten zu können, brauche ich einen oder mehrere Sponsoren, da bin ich dann doch inzwischen Hanseatin – was sich nicht trägt ist Liebhaberei und obwohl ich nichts gegen Liebhaberprojekte habe, möchte ich dann doch etwas mehr gestalterische Vielfalt ausprobieren und andere Sachen zeichnen, für die mir dann aber die Zeit fehlen würde; jede „Hamburg unter sich“-Folge kostet mich etwa 2 Stunden Zeit. Sollte sich wider Erwarten doch kein Sponsor finden, stelle ich mir auch eine Crowdfundingkampagne vor, z.B. via Patreon.

Ich wünsche mir, dass meine Pläne in Erfüllung gehen und ich diesen Beruf, der kein Job sondern wahrlich meine Berufung ist, noch viele Jahre gesund und erfolgreich ausüben kann. Und natürlich wünsche ich mir, dass meine Freunde und Lieben und die Leserschaft hier auch weiterhin gesund und munter bleiben und mit mir gemeinsam ein glückliches, schönes, neues Jahr erleben.

Danke, 2014. Du warst toll. Ich freue mich auf 2015.

Dieser Artikel hat 8 Kommentare

  1. Auch wenn Du das wahrscheinlich nicht so sehr magst – ich muß Dich jetzt einfach mal kurz umarmen. Und schon wieder vorbei, war doch gar nicht schlimm, oder?

  2. […] Steffen und Kiki habe ich das wiedergefunden – ein Anlass, den rostigen alten Blogmaschinenmotor mal wieder […]

  3. Schön, dass Dein Mut belohnt wurde und der Weg an den Schreibtisch jeden Morgen Spaß macht! Und überhaupt… Du bist wirklich herrlich unjammrig :)
    (Davon schneide ich mir vielleicht auch heimlich mal ein Scheibchen ab….)

    Auf ein tolles 2015 und weiterhin so viele zauberhafte Bildchen in der Zeichenfeder!

  4. Liebe Kiki,

    vielen Dank für diesen schönen Jahresrückblick. Die Fragen sind klasse und haben mich zu einem eigenen Beitrag inspiriert. Sehr schön!

    Dir wünsche ich eine flotte Feder, guten Mut und Gesundheit. Ich freue mich schon immer sehr auf Deine Blogbeiträge. Wirklich klasse, dass ich über die GLS Blogkooperative auf Dich aufmerksam geworden bin (danke Hannes ;-)).

    Alles Gute und rutsch jut nach 2015,
    Franziska

    Du findest vvv hier vvv natürlich auch Erwähnung. Klaro!
    Sechzehn Mal: Es war ein tolles Jahr 2014 \o/
    http://madiko.com/blog-news-und-presse/-?newsid=197

    • Wow. Danke! (Das meine ich mit Zuspruch von Wildfremden … Und ja, die GLS Blogkooperative ist ein bereicherndes Thema, das hier demnächst auch sehr ausführlich behandelt werden wird.)

  5. […] gerade stolpere ich auf Twitter über Kiki Thaerigens Jahresrückblick, die ebenfalls wie Anne den Fragebogen ausgefüllt hat. Muss ich das jetzt […]