Das Video der Woche beschäftigt sich mit der Anatomie eines Gags – und welcher Filmheld wäre als Anschauungsobjekt besser geeignet, als Jaques Tatis Monsieur Hulot?

Es gibt sie noch, die Drucksachen, die mit Bleisatz von Hand hergestellt werden. Und, schräge Fussnote der Geschichte, den Setzern gehen die Klammeraffen und Hashtags aus.

Aber wer interessiert sich schon für so ’nen altmodischen Kram? Wer braucht schon Informationen und Techniken von gestern, noch dazu im Medium von heute und übermorgen? Die Wikipedia Löschmannschaften finden jedenfalls, dass Pangramme überflüssiger Schnickschnack sind und darum hat hier jemand diese für einen kleinen, aber feinen Kreis von Nutzern – den der Typografen und Gestaltern – gerettet, was gerettet werden muss.

Dass Designer nicht gleich Designer ist, und zwar in vielerlei Hinsicht, das spricht sich langsam herum. Grafikdesign und Webdesign sind miteinander verwandt, aber nicht sonderlich eng. Und so wie ein guter Grafikdesigner etwas von der Druckvorstufe, von Satz und Druck verstehen muss um seine Arbeit gut zu machen (und umgekehrt), sollte ein guter Webdesigner sich mit dem sogenannten Frontendcoding auskennen – also wissen, wie aus seinen in Zeichen- und Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, Illustrator oder Sketch erstellten Werken am Ende gute und funktionierende Webseiten und Apps gemacht werden. War das vor wenigen Jahren noch ein nice to have unter den gestalterischen Fähigkeiten, so darf sich jemand ohne HTML-, CSS- und JavaScript-Kenntnisse heute kaum noch ernsthaft Webdesigner nennen. Da dieser technische Teil der Arbeit von Designern jedoch in aller Regel so innig geliebt wird, wie, sagen wir mal, das Thema Buchhaltung und Steuererklärung (und in etwa ebenso intuitiv und mühelos erlernbar ist), programmieren Designer anders als eben Programierer. Gut so, meint hier ein Mann, der in beiden Welten zuhause ist und wirklich weiss, wovon er redet.

Natürlich gibt es aber auch noch die klassisch aufgeteilte Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen. Wie man seine Photoshopdateien so anlegt, daß die Kollegen entspannt und mühelos damit arbeiten können, wird hier unter Photoshop Etikette zusammengefasst. Sehr schön.

Google schenkt ja der Welt ständig etwas, und oft sogar richtig tolle und nützliche Dinge. Leider nehmen sie oft auch ohne grosse Vorankündigung die Dinge wieder an sich bzw. lassen sie sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden, wie z.B. den beliebten RSS-Feedreader. Ich nutze nur sehr wenige Google Angebote, aber eines davon sind ihre Webfonts. Mit diesen kostenlos zur Verfügung gestellten Schriften haben sie dazu beigetragen, dass das Web nicht mehr so eintönig aussieht wie 1995, aber warum tun sie das, was haben sie davon, und könnten sie die Webfonts einfach wieder einstampfen?

Kommen wir zu einem anderen Designgebiet: Städte- und Verkehrsarchitektur. Die Pariser Strassenbahnen sind wahrlich ein Augenschmaus und die Franzosen können in dieser Hinsicht sicher nicht nur den U.S.-Amerikanern eine Menge beibringen.

Ruinenporn habe ich diese Woche nicht, oder nur indirekt. Sozusagen als Nachtrag zu Halloween stellt jemand hier die Frage, warum Viktorianische Bauten so gruselig sind. Wer hätte es gedacht – mitschuldig war ein Cartoonist! Ich bin ja seit Kindertagen grosser Fan von Chas Addams‘ Zeichnungen der gruseligen Familie, die später eine eigene TV-Serie und ein paar mediokre Filme bekam. Und Edward Gorey ist natürlich sowieso der Beste.

Auch gruselig: Eine der faszinierendsten menschlichen Siedlungen war wohl Kowloons “Walled City”. Bis zu ihrem Abriss 1993 war sie Zuhause für 33.000 Einwohner – nicht sehr viel, was Städte angeht, aber die Fläche, die sich diese 33.000 Menschen teilten, war 0,026 km² klein, was einer Bevölkerungsdichte von 1,3 Mio Einwohner je Quadratkilometer entsprach. Es war also recht eng, könnte man sagen, und die Siedlung war Vorbild für ich weiss nicht wie viele apokalyptische Kulissen in Videospielen, Filmen oder Comics. Ein Japaner hat die Stadt detailliert gezeichnet, bevor sie abgerissen wurde. Seine Zeichnungen wurden in einem leider vergriffenen Bildband veröffentlicht, aber diese Seite hier hat einige faszinierende Illustrationen gesammelt. Die Fotodokumentation der „Ummauerten Stadt“ hier gibt ebenfalls einen bedrückend ausführlichen Eindruck, wer’s noch nie gesehen hat.

 

Dieser Artikel hat 4 Kommentare

  1. So etwas wie die Photoshop Etikette für Sketch kennst Du nicht zufällig, oder?

  2. Von Deinen Lieblinks lasse ich immer gerne meine Zeit fressen…