Vor etwa vier Wochen habe ich angekündigt, den Oktober über automatisiert die Social Media Kanäle bespielen zu wollen. Ich wollte Zeit sparen, etwas weniger Zeit auf besonders Facebook verbringen und auch mal sehen, ob mein automatisiertes Getwitter und Links posten am Ende mehr oder weniger Follower einbringen würde.

Gleich vorab: Es ist anders gelaufen als gedacht und nicht so schwarz-weiss im Ergebnis, wie erhofft. Aus diversen Gründen ist der Test vermutlich auch nicht sonderlich aussagekräftig, aber dazu gleich mehr. Schauen wir uns zunächst die nackten Zahlen an (in Klammern stehen die Zahlen vor Beginn der Aktion):

Twitter: 945 (955) Follower
Facebookprofil: 231 (226) Freunde, 43 (46) AbonnentInnen
Facebookseite („Hamburg unter sich“): 1.317 (1.315) Fans
Instagram: 215 (211) Follower
Pinterest: 419  (408) Follower
Google+: 2.331 (2.327) Follower

Die Zahlen sind also mehr oder weniger gleich geblieben. Da ich diese Zahlen noch nie sonderlich beachtet oder gar regelmässig überprüft habe (ich schreibe, twittere, verlinke immer frei nach Schnauze und nach mir die Sintflut – wem’s gefällt, schön, wem’s nicht gefällt, auch gut) kann ich leider nicht beurteilen, ob das nun tatsächliche Reaktionen auf mein geändertes Social Media-Verhalten waren oder ganz normale Fluktuation. Ich schätze mal, letzteres.

Zu Beginn der Aktion hatte ich brav und wie angekündigt jeden automatisierten Post mit #Kikimatic getaggt. Das habe ich zuletzt weggelassen. Die Tools und Mechanismen, die ich eingesetzt habe, sind folgende:

1. Buffer. Mit Buffer kann man interessante Links nach verbundenem Account (Twitter, LinkedIn, Facebook etc.) getrennt zu vordefinierten Zeiten geplant veröffentlichen und verschlagworten. In der kostenlosen Version hat man pro Account maximal 10 Einträge in der Warteschlange bzw. im Speicher (engl.: Buffer), und in aller Regel werden nur drei über den Tag verteilt gesendet, wenn man nicht manuell umplant. Drei gebufferte Tweets bringen gar nichts, die versenden sich bei der schnellen Schlagzahl meiner Timeline, drei gebufferte Linked In Beiträge bringen hingegen ziemlich viel, habe ich gemerkt. Linked In (das ist wie Xing, nur internationaler, relevanter, besser, unterhaltsamer und unfassbar viel teurer in der Pro-Version) ist ein Portal, das ich bislang mehr so semibelustigt nebenbei laufen liess. Da der Kern meiner Kontakte dort nur Englisch spricht, schreibe ich dort auf Englisch. Nun sind deutschsprachige Blogeinträge und Comics auf einem englischsprachigen Portal relativ sinnfrei, andersherum bekomme ich oft feedback, warum ich so viele englischsprachige Links im Blog habe. Ich habe also den Löwenanteil meiner (hauptsächlich) Designthemen-Links auf LinkedIn gepostet, mit dem Erfolg, daß ich zwei Projektanfragen bekam, eine nette Nachricht einer ehemaligen Kollegin und mein Klout-Score ist auch gewachsen. (Der Klout-Score ist ein totales Bullshitmeter, das ich nicht aktiv bediene, aber das meinen vorgeblichen Einfluss auf Dritte misst und in Zahlen ausdrückt.Vor der Aktion hatte ich einen Klout-Score von 45, nach vier Wochen aktiven Designthemen verlinkens auf LinkedIn liegt er aktuell bei 60. Go figure.)

Die gebufferten Inhalte stammten aus denselben Quellen wie immer: Aus meinen abonnierten RSS-Feeds. Die lese ich auf dem iPhone mittels der Reeder-App, die die Schnittstelle zu Buffer bietet. Buffer selbst hat zwei Apps für iOS, die ich auch beide ausprobiert habe. Die eine ist die reine Buffer-App, bei der kann man noch mal Hand anlegen in Sachen #Hashtag oder Uhrzeit. Die andere schlägt einem Inhalte vor (natürlich englischsprachige). Da ich diese Inhalte zumeist aber schon Tage vorher im RSS-Feed direkt von den Quellen hatte, fand ich diese zweite Buffer-App sinnlos und habe sie wieder gelöscht.

2. IFTTT. Das ist ein Makro-Werkzeug für Social Media, bei dem man eine Bedingung (If This) mit einer Aktionsfolge verknüpfen kann (Then That). Ich habe zwei IFTTT-Rezepte eingesetzt: „Wordpress zu Twitter“ (Wenn ich einen neuen Artikel im Blog habe, dann twittere den automatisch) und „Facebook-Seite zu LinkedIn“ (Wenn ich einen neuen Artikel auf meiner Facebookseite habe, dann verlinke den automatisch bei LinkedIn). Letzteres hat technisch aus welchen Gründen auch immer nicht funktioniert. – Ich hatte auch in den ersten Tagen noch eine Regel „Uhrzeit zu Twitter“ (Wenn es fünf Uhr früh ist, dann poste ein „Moin“ auf Twitter), aber das habe ich recht bald wieder abgestellt. Ich hatte dieses ‚Moin‘ zwar mit #Kikimatic verschlagwortet, aber sie kamen mir dennoch irgendwie seelenlos und unehrlich vor – obwohl ich jeden Morgen (auch im Urlaub) weit vor fünf Uhr wach und auf bin bzw. war, es ist also nicht einmal gelogen gewesen.

Kikimatic

Die Instagram-Bilder, die ich in der Zeit veröffentlicht habe, wurden direkt aus der App heraus bei Twitter und Facebook veröffentlicht, da fand ich ein zusätzliches Makro unnötig.

Direktes Feedback im Sinne von „was twitterst du denn da neuerdings für einen Mist?“ (bzw. „… für geiles Zeug?“)  bekam ich keins. Die meisten gesendeten Links wurden mindestens einmal, einige bis zu zehn Mal weiterverteilt, wie mir die Buffer-Statistik sagt. Auch das entspricht in etwa meinen sonstigen Erfahrungen.

Hat es sich also gelohnt? Ich würde sagen: Jein. Ich habe meine Reichweite nicht nennenswert ausbauen können und habe kein konkretes Feedback bekommen. Die Arbeit hat sich nicht sonderlich verringert, was aber daran liegt, daß ich als geborene Jungfrau natürlich alles noch einmal nachkontrolliert habe, gerade in dieser Testphase. (Das würde ich künftig nicht mehr machen.) Aber ich habe herausgefunden, wie ich LinkedIn sinnvoll und erfolgreich bespielen kann, ohne zu viel Zeit dort zu investieren und es hat mir (s.o.) potentiell ein schönes Auftragsvolumen in die Wege geleitet, während ich am Strand in der Sonne lag – also ganz so, wie man sich das in Werber- und StartUp-Kreisen so vorstellt, wenn man solche Werkzeuge entwickelt.

Vielen Dank für alle, die mir nicht von Bord gesprungen sind. Jetzt würde mich natürlich Euer Feedback interessieren, wie das Experiment denn aus Eurer Sicht gelaufen ist.

Dieser Artikel hat 2 Kommentare

  1. Moin, Kiki,

    mir war es relativ egal, ob das ein #kikimatic Tweet war oder nicht – mir kommt es auf den Inhalt drauf an. Auch ich schätze, dass die Zahlen eine normale Fluktuation sind und daher nichts mit dem automatischen Versenden zu tun haben. Buffer ist das einzige Instrumentarium, das ich einsetze, da ich immer nur früh morgens und abends nach Feierabend aktiv bin (die restliche Zeit sitze ich im Büro). Da ich aber möchte, dass die von mir empfohlenen Artikel (wie auch meine) auch gelesen werden, das aber morgens um 5 Uhr nicht unbedingt der Fall ist, stopfe ich sie morgens in die kostenlos-Buffer-Version (am Rechner, nicht über App. und sie verteilen sich von 09:30 Uhr bis 11:00 Uhr, dann um die Mittagszeit und dann wieder ab 17:00 Uhr. Aber hier handelt es sich grundsätzlich um Links zu interessanten Artikeln, nicht zu meinen vorgefertigten Tweets.

    Ein interessanter Versuch war es allemal.

    • Danke. Hast Du signifikante Unterschiede in den Ergebnissen gesehen, wenn Du zu unterschiedlichen Zeiten twitterst? Bei mir ist das aktuell recht ausgegllichen, wobei ich vermutlich den Grossteil der automatisierten Tweets künftig mal probehalber in die späten Abendstunden legen werde, wenn ich schon schlafe.