In der vergangenen Woche unterhielt ich eine Weile den Gedanken, mir eine Katze zuzulegen. Wer mich kennt, hat sich darüber gewundert (ich habe null persönliche Erfahrung mit Katzen, bzw. nur schlechte), aber ich dachte mir so: du kannst dich nicht ewig an einem vierzig Jahre alten Trauma festhalten, du wirst vielleicht tatsächlich langsam ein wenig wunderlich so ganz allein am Zeichentisch den ganzen Tag, die Tiere sind ja ganz schnuffig und warum eigentlich nicht. Mangelnde Erfahrung, pffrth, die Hälfte der Bevölkerung hat eine Katze, wie kompliziert kann es sein, deine Twittertimeline ist ja süß und nett, aber das sind jetzt auch alles keine Raketenphysiker, was die können, das kriegste ja wohl auch hin. Eine Tierheimkatze würde es aber definitiv nicht werden, denn von null auf Katze fand ich schon ambitioniert genug als Projekt, von null auf Problemkatze hingegen, eine Gleichung mit vielen Unbekannten, war deutlich mehr, als ich mir zutraute.

,Warum eigentlich nicht?‘ ist ja generell die richtige Einstellung, aber dann listete meine innere Jungfrau noch einmal säuberlich sämtliche Vor- und Nachteile auf und fand letzten Endes kein wirkliches Argument mehr pro Katze.

Ich hab‘ nicht gern Chaos in der Wohnung, und das ist noch untertrieben. My home is my castle, mit Betonung auf my. Zu überlegen, wie ich mein Schloss so komplett umkrempeln müsste, damit es katzenkompatibel wird, verursacht mir Bauchschmerzen der Sorte Blinddarmdurchbruch mit Gallenkolik. Die Viecher springen überall drauf, und zwar nicht nur aufs Sofa (meinetwegen), den Röhrenfernseher (meinetwegen), die Fensterbänke (meinetwegen), oder den Lieblingssessel (meinetwegen auch das), sondern auf die Küchenarbeitsplatte (komplett inakzeptabel), den Schreibtisch (komplett inakzeptabel) oder die Bücherregale (gefährlich, weil nicht bündig mit der Wand und wenn das Tier dahinter 2,50 tief in einen Spalt fällt, dann hab‘ ich den Salat). Auf dem Balkon müsste ich ein hässliches Netz anbringen und ja, ich sehe das auch nach Wochen noch, garantiert.

Ausserdem – je nachdem, wem man so Glauben schenken darf im Internet – bräuchte ich pro Katze ein bis drei Katzenklos (auch so’n Thema … ), eine Transportbox, ein Bettchen, ein bis zwei Kratzbäume (idealerweise deckenhoch), einen Fressnapf hier und am anderen Ende der Wohnung einen Trinknapf, denn Katzen mögen es angeblich nicht, beides vernünftigerweise direkt nebeneinander stehen zu haben. Mit anderen Worten: ich bräuchte drei Zimmer mehr, nur für die Katzen.

Hä? Wieso Katzen? War nicht eben nur von einer die Rede? Ja, schon. Aber zwei müssen es angeblich schon sein, denn wenn man sie mal alleine lässt, sterben sie offenbar unmittelbar den Langeweiletod (obwohl sie angeblich sowieso den ganzen Tag schlafen) und brauchen daher einen hoffentlich besten Kumpel, mit dem sie die Hütte dann in meiner Abwesenheit in Trümmern legen können.

Dass sie den ganzen Tag schlafen ist natürlich niedlich, aber irgendwie auch nicht so wirklich praktisch, denn das heisst: Sie sind nachtaktiv. Und man kann mir viel nachsagen, aber wenn es eine Sache gibt auf der Welt, die ich wirklich so ganz und gar nicht bin, dann ist das nachtaktiv. Ich bin sehr früh auf und auch gut wach, aber halt auch recht früh abends im Bett und dann todmüde. Vermutlich genau dann, wenn die Katzen sich räkeln und überlegen „und was machen wir jetzt?“, erhebe ich mich aus dem Lieblingssessel, gucke in ihre erwartungsvollen Augen – und gehe ins Bett.

Allein. Jedenfalls allein ohne Katzen. Denn Tiere im Bett kann ich nicht ab, das finde ich supereklig, und wenn sie noch so sauber und gebürstet sind. Das soll angeblich das nächste Problem sein: Katzen wollen in die Betten ihrer Besitzer, oder zumindest alle KatzenbesitzerInnen in diesem Internet wollen, dass ihre Katze(n) bei ihnen im Bett liegen. Was mir KatzenbesitzerInnen auch irgendwie etwas … suspekt macht. (Übrigens mag es ja sein, daß KatzenbesitzerInnen an ihren Lieblingen ihre wilde, unbezähmbare Unabhängigkeit lieben, aber dafür sind sie selbst um so klammernder: Erzählst du Hundeleuten, daß du dir einen Hund zulegen willst, kommt als Antwort: „Prima.“, eventuell noch: „Was denn für einen?“. Erzählst du Katzenleuten, daß du dir vielleicht eine Katze holst, kriegst du unaufgefordert einen Wasserfall von Fragen, Belehrungen, Anekdoten und Tipps zu hören, gerne auch per Mail oder 35 Direktnachrichten bei Facebook. Und deine Bedenken, so vernünftig sie sein mögen – z.B. zu doppelten und generell sehr hohen Tierarztkosten – werden vom Tisch gewischt. Das war eine beängstigend intensive Erfahrung, die mich ganz sicher auch noch zusätzlich abgeschreckt hat.)

Dennoch war das eine sehr schöne und lehrreiche kurze Phase und es ist ja auch gut, wenn man das mal von allen Seiten beleuchtet und durchspielt. Ich weiss jedenfalls, dass ich mir über kurz oder lang einen Hund zulegen werde und der auch in jeder Hinsicht besser zu mir passt. Also grundsätzlich nix, was ich nicht vorher auch gewusst hätte, aber man soll mir ja nicht nachsagen können, ich sei da irgendwie verbohrt.

Dieser Artikel hat 14 Kommentare

  1. Sie können nicht wissen, ob ich Raketenphysiker bin. So wie Raketenphysiker nicht wissen, ob die Katze, die sie in ihrer Kiste beherbergen, gerade tot oder lebendig ist. In der theoretischen Physik ist das mit Katzen also wirklich höchst kompliziert. (Und praktisch gibt es natürlich genau so viele Erfahrungen.) Ich fand ihre Überlegungen übrigens interessant, hegte ich ähnliche. (Und ich hatte immerhin schon Katzen.) Aber wenn mir hier eine aus dem Leuchtturm fällt… (Der Nachbarin ist das passiert, besser: ihrer Katze.) Da versuche ich, wie ein Raketenphysiker, lieber so Roboterfreunde zu basteln wie im „Blade Runner“.

  2. hallöchen!
    ich habe etwas von deinen gedanken hierzu via twitter mitbekommen und dachte erst, das sei ein scherz.

    ich hatte schon katzen, mit denen ich „gassi“ gehen konnte (ohne leine) und hunde, mit denen ich nur mit leine laufen konnte. ob ich nun ein katzen oder hundemensch bin, weiß ich nicht.
    beides irgendwie und in mein bett kommt auch kein tier

    ein tier (egal ob hund, katze, maus oder fisch) muss zum zweibeiner & dessen lebens- art und -umfeld passen und ich finde ein „nein. passt nicht zu mir“ sehr sympathisch!

    sonnigen gruss!
    stefanie

  3. Du hast eindeutig zu viel im Internet gelesen, der Text dramatisiert sehr.

    Du musst die Wohnung nicht umbauen. Ebenso ist das mit dem Wasser und Futter Napf quatsch. Ein Netz auf dem Balkon hatten wir nie.
    Mit einer Wohnungskatze musst du nicht so oft zum Tierarzt. Wo soll die sich was holen? Wurmkur? Geschenkt. Impfen einmal im Jahr beim billig Tierarzt? Kann man machen. Muss man nicht.
    Unsere Katze schläft nie im Bett, sie will auch nie auf den Schoß. Findet sie beides total doof.

    Ach ja, unsere Katze schläft nachts. Sie wacht zwar früh auf, aber in der Nacht hören wir nichts von ihr.

    Aus meiner Erfahrung mit unserer Katze ist das alles sehr sehr überdramatisiert.

    Das einzige, was auf jeden Fall gemacht werden muss, egal wie die Katze drauf ist: Futter kaufen. Hinstellen. Wasser hinstellen. Katzenklo sauber machen. Ab und an zum Tierarzt. Ende. Alles andere hängt von der Katze ab und unterscheidet sich eben sehr.

  4. Tipp: Nimm eine Schildkröte!

  5. „Der tut nix. Nee, der ist ganz lieb!“

    Und dann saß der Kater doch wieder hinter der Tür und fiel die Gäste an indem er ihnen auf die Füße sprang.

    Zu MIR war er aber wirklich ganz lieb :-)

  6. Sehr gute Entscheidung! Ich habe – wider besseren Wissens – vor drei Jahren gestattet, dass zwei von den Biestern einziehen. Katzen sind wirklich originelle Mitbewohner und ich liebe die beiden sehr. Aber von wegen den ganzen Tag schlafen – pfffft – unsere Attention-Bitches sind extrem aktiv und meine Produktivität ist um mindestens 50 Prozent gesunken, mein schöner roter Sessel ist mehr oder weniger zerfetzt und unzählige zerbrechliche Dinge sind den Weg alles Irdischen gegangen. Ich verbringe täglich eine Menge Zeit mit dem Massieren von Katzenbäuchen und dem Ausdenken von immer neuen Beschäftigungsspielen – mit einem Hund kann man wenigstens spazieren gehen bis er völlig geschafft ist. Katzen am besten nur einziehen lassen, wenn man sehr geduldig ist oder – besser – sie raus können und sich beim Mäusejagen austoben.
    Und BTW – das hier stimmt übrigens total: http://www.jeffbridges.com/catrules.html

  7. Katzen sind das alter ego ihrer Besitzer. Und man macht (aus eigener Erfahrung) relativ viel Bohei drum, wenn das das Leben irgendwie komplettieren soll.
    Ich hatte eine und mochte es, dass sie dekorativ, possierlich und kuschlig war, aber auch ohne Allergie bräuchte ich das nicht mehr. Mir reicht meine in der Hinsicht vollständig durchgeknallte Mutter und ihr Tierschutzverein.

  8. Kiki: wundervoll!

    Und sie hätte(n) sich sowieso immer als erstes auf Deine Tastatur, Dein Wacom oder Deinen Zeichenblock gelegt. IMMER.

  9. Naja, bisschen schräge Vorstellungen hast Du schon dem Tier Katze, warum auch immer. Selbstverständlich kann man Katzen problemlos beibringen nicht auf Arbeitsplatten, Tischen zu springen oder im Bett zu schlafen. (Genauso viel und wenig, wie man es einem Hund beibringen kann.)

    Bei Wohnungskatzen reicht eine Grundimmunisierung und dann kann man auch sehr selten zum TA alternativ zur Impfung, nix mit jährlich. – die Empfehlung der Impfkommissionen liegen heute bei drei Jahren für eine Wohnungskatze. Die Häufigkeit der TA-Besuche mögen sich im Alter ändern. Ich erlebe im Bekanntenkreis Hunde häufiger dort, weil eben schneller mal an der Pfote verletzt bzw. gebissen worden etc.

    Erzählst du Hundeleuten, daß du dir einen Hund zulegen willst, kommt als Antwort: „Prima.“, eventuell noch: „Was denn für einen?“.

    Klingt total schön.Stimmt nur m. E. auch nicht so richtig.Hundebesitzer sind genauso abgedreht, wie abgedrehte Katzenbesitzer. Im übrigen finde ich diese Hundebesitzer sind so, Katzenbesitzer sind so und Wellensittichbesitzer sind so-Schubladisierungen … naja … nicht besonders helle. Jemanden wegen seinem Haustier in Art-Schubladen zu packen? Gähn! Ich hätte unter anderen Umständen und Wohnbedingungen sofort auch einen Hund. Ich hatte auch schon Vögel – trotz Vogelphobie. Die Frage ist nicht, welches Tier sondern welche Entwicklung möchte ich mit dem Tier nehmen können? Mich nervt dieses permanente den einen Tierhalter gegen den anderen Tierhalter auszuspielen. Wer hat davon eigentlich etwas?

    Egal, was man für ein Tier zu sich nimmt, es macht immer auf seine Art Umstände. Mit einem Tier zusammen leben, heißt eben mit jemandem zusammen zu leben, der seine eigenen Bedürfnisse hat. Es gibt Punkte, da gleicht man sich an (meine Viecher pennen nachts mehr und tiefer als ich), es gibt Punkte, da muss man respektieren, dass da eine andere Seele anders tickt. Man opfert und man bekommt dafür sehr viel. Beides ist vom jeweiligen „Partner” individuell und lässt sich im Vorfeld durch Tierart oder Rasse kein bisschen endgültig vorhersehen. Das ist das Spannende im übrigen in dem Miteinander, egal mit welchem Tier. Die eigene Entwicklung am Haustier.Und die Entwicklung des Haustieres selbst. Den am Ende seines Lebens hast Du nie das gleiche Tier, wie am Anfang – insofern sind all diese Einschätzungen eher unrealistisch.

    Sie nicht nehmen zu wollen – aus welchen Gründen auch immer – ist legitim. Deine Entscheidung ist die richtige für Dich, denn Du scheinst nichts oder wenig von Deinem Freiraum abgeben zu wollen. Es ist gut, vor allem für das Tier, das vorher zu erkennen.

    Man kann das aber auch mitteilen, ohne den Leuten – die Dich vielleicht ja auch nur unterstützen wollten in einer Laune an einem einzelnen Abend –, nonmentions like irgendwie vorzuführen.

  10. Und genau deshalb sollte man wahrscheinlich vor Anschaffungen aller Art nicht zu lang im Internet recherchieren.

    (Trotzdem: Hunde für Hundemenschen klingt doch sehr vernünftig. Was für einer denn?)

  11. Ja, zu viele Informationen zu ergoogeln, das sollte man sich nicht nur bei Krankheitssymptomen sparen, das kann wohl nur in einem Kuddelmuddel an Widersprüchlichkeiten scheitern. Natürlich lassen sich nicht alle Katzen über einen Kamm scheren, aber es gibt eben doch einige Verhaltensweisen, über die weitgehend Einigkeit herrscht und die mit meinem Leben eben inkompatibel sind. Ich denke mir das ja nicht aus, wozu auch. Ich habe ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, mir ein solches Tier mit eigener Persönlichkeit zu holen und natürlich auch meinen Freiraum mit ihm zu teilen, alles andere wäre ja auch Quatsch. Nur: je mehr Informationen zu den relevanten und arttypischen Wesensmerkmalen und Krankheiten ich fand, desto klarer schälte sich heraus: Eine Katze ist sicher nichts für mich (was ich Stück weit auch bedauere). Und ich habe mich da bei weitem nicht nur in Katzenforen herumgetrieben oder mal kurz auf Twitter gefragt, sondern eben auch sehr auf Tierarztschilderungen gesetzt, auch im persönlichen Gespräch. Twitter und seine 140 Zeichen sind nicht das Mass aller Dinge und waren, wie gesagt, nicht die einzige Plattform. Ihr dürft mir da schon etwas mehr zutrauen.

    Um Schubladendenken geht es mir nicht, denn auch, wenn ich das hier oben mit einem Augenzwinkern hinsichtlich des Unterhaltungswerts geschrieben habe (das offensichtlich nicht bei allen angekommen ist, so ist das halt im Internet), so sind es schlicht erstaunliche Kommunikationserfahrungen mit KatzenbesitzerInnen gewesen, die ich so in ihrer Intensität weder zuvor je erfahren noch erwartet hätte. Vermutlich ist es so, daß es einem selbst nicht mehr auffällt, wenn man in einem Thema drin ist, wie leicht fürsorgliches Engagement und Begeisterung von aussen auch als beklemmendes Evangelistentum wahrgenommen werden, und eigentlich aufgeschlossene Interessenten dann ggf. auch abstossen können.

    @creezy: Keinesfalls möchte ich die Menschen, die mir in der Entscheidungsfindung geholfen haben, hier vorführen und habe das auch nicht getan. Wenn Du das anders empfindest, dann tut es mir leid, aber ich operiere nicht mit Nonmentions (wenn mir jemand quer kommt, spreche ich ihn oder sie sofort und direkt darauf an) sondern sehe schlicht keine Veranlassung, hier namentlich alle Leute aufzuzählen, mit denen ich mich im Zuge der Entscheidungsfindung (oft per Mail oder PN) ausgetauscht habe.

    @Dentaku: Keine Ahnung, irgendwas kleines, wuscheliges … vielleicht ein enfant d’amour. Mal schauen. :)

  12. „Katzen kratzen, Hunde beissen.“ #irgendwasistjaimmer

  13. Find ich gut. Ich habe über die Hälfte meines Lebens mit Katzen zusammengelebt, von einer Katze im Haus mit Garten und kompletter Freiheit bis hin zu zwei Wohnungskatzen samt Balkon und Netz, habe jahrelang die weniger schönen Pflichtaufgaben ertragen (alle reden immer nur von Katzenklos, aber auch Katzenfutter hat so seine Herausforderungen), habe es geliebt, sie um mich zu haben, ihre ansteckende Entspanntjeit, mit ihnen zu spielen wenn sie ihre dollen fünf Minuten haben, sie zu kraulen und mich anschmusen zu lassen.

    Aber jetzt ist mir schlicht die Freiheit wegfahren zu können ohne für Pflege sorgen zu müssen zu wertvoll, abgesehen davon, dass schon den ganzen Arbeitstag niemand zuhause ist, und das ist doch doof fürs Tier. Genauso wie in einer abgeschlossenen Wohnung zu leben.Es geht, aber es fühlt sich für mich auf Dauer nicht richtig an.

    Ich bin noch auf der Suche nach jemandem mit Katze, bei denen man mal zu Besuch sein und sie kraulen kann, aushilfsweise, um zwischenzeitliche Katzensehnsuchtsanfälle zu stillen. (Unsere Nachbarn haben ja leider nur Hunde.) Vielleicht kennst du ja auch so jemanden. Katzen sind cool, und wenn man ihre Anwesenheit dosieren und dabei auch noch die einem unangenehmen Seiten weglassen kann, ist doch ideal.

    Am Ende sucht einen im Zweifelsfall sowieso die Katze aus.