Was mich schockiert: Die offen zur Schau gestellte blanke Missgunst, die viele Leute zum Ausdruck bringen, wenn es um die Ice Bucket Challenge geht. Da ist eine Krankheit ohne Lobby, die Pharmaindustrie sieht keinen Anlass zur hektischen Forschung, da kein nennenswerter Markt. Die meisten Leute kennen niemanden mit dieser Krankheit, ALS sagt erst mal fast niemandem etwas („Ist das nicht das mit den Zappelphilipps?“), Lou Gehrig’s Disease sagt hierzulande noch weniger Leuten etwas.

Nun kommt durch einen Betroffenen der Stein ins Rollen und das Ding mit dem Eiswassereimer wird viral, ganz ohne Werbegelder und PRoleten. Privatpersonen und Promis beteiligen sich, mal lustig, mal ernsthaft, mal weil sie Betroffene kennen, mal stilvoll, mal peinlich, mal unerwartet, mal rührend. (Meine persönlichen Favoriten unter den Teilnehmervideos sind John Mayer, Dame Judi Dench, Charlie Sheen und die Wahlberg Familie.)
Dann stellt sich heraus, die Stiftung nimmt erstmals nicht nur Beträge ein, mit denen man zur Abwechslung mal echte Arbeitsergebnisse erreichen kann, sondern die Leute da draussen verstehen endlich auch, worum es geht. Wer es nicht weiss, guck sich vielleicht das zunächst albern startende und dann hart zu Ende anzusehende Video dieses jungen Betroffenen an.

Wir first movers and shakers hier alle wissen: die 15 Minuten Ruhm im Social Web dauern mehr so 15 Sekunden. Und dennoch ist selbst das für einige unter uns zu lang: Kann man nicht mal was spenden, ohne groß die Klappe drüber aufzureissen oder sich lächerlich zu machen? Antwort: Nein. Das heisst: Ja, klar, aber bringt halt nix, wie man die letzten Jahrzehnte bei der ALS Stiftung gesehen hat. (Herm hat das übrigens schön beschrieben hier.) Kann man nicht lieber was für die Flüchtlinge/für Kinderhospize/für Depressionskranke, für [hier beliebige Charityinstitution einsetzen] spenden, die brauchen es doch genauso dringend oder viel dringender!!1

Klar könnt Ihr das. Aber ohne den #IceBucketChallenge Hashtag und ohne den Eimer Eiswasser überm Kopf bitte. Den haben sich die ALS-Betroffenen wohl redlich verdient und erarbeitet. Hört auf mit dem Trittbrettfahren. Denkt Euch bitte was neues aus, etwas eigenes. Was kreatives. Oder spendet im Stillen, ohne rumzuhupen, daß Ihr im Stillen gespendet habt, weil sonst isses nich still, merkter selbst, ne?

Dieser Artikel hat 1 Kommentar

  1. Word.
    Fundraising geht schlecht ohne ein bisschen Krach zu machen. Wen’s nicht interessiert, tangiert oder juckt, der kann ja den mentalen (oder auch realen) ignore Button betätigen.