Gern geschehen.

  • Veröffentlicht am 29th April 2013,
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gern geschehen

Für die Tage mit Kunden aus der Hölle, den n00bs und Deppen, die am anderen Ende auf der Leitung stehen. Auch auf Englisch als Mini-Art Print oder T-Shirt hier käuflich zu erwerben.

Der Besucher

  • Veröffentlicht am 25th April 2013,
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Ich kannte die Kollegin nicht sehr gut. Sie schien sehr nett zu sein, allerdings auch immer sehr gestresst. Ich sah sie manchmal über den Flur hetzen, gelegentlich auch mal mittags im Casino auf Kampnagel, wo viele Kollegen die abwechslungsreichen und günstigen Speisenangebote zu schätzen wussten. Ich selbst hatte selten Gelegenheit dazu; meist holte ich mir nur eine Suppe oder ein Sandwich aus dem Café im Erdgeschoss und verzehrte den Imbiss hastig am Schreibtisch. Mittags stand meist eine Telefonkonferenz mit den Kolleginnen und Kollegen in England, Frankreich und Spanien an und so blieb es mir verwehrt, schnell und leicht engeren Kontakt mit den Leuten im eigenen Gebäude, aus den Nachbarbüros auf dem eigenen Flur aufzubauen.

Ich bin nicht sicher, ob sie sehr beliebt war bei den Leuten in ihrer Abteilung, in der sie eine leitende Position innehatte, wenn ich mich richtig erinnere. Ich hatte mit ihrer Abteilung nur sehr wenig zu tun; selten ging ich einmal hinüber um Termin- und Materialfragen zu klären. Ich meine mich zu erinnern, daß sie als anstrengend galt. Aber wer ist das nicht? Es kommt ja immer darauf an, wen man wann dazu befragt. Sie war auch deutlich älter als viele von uns, Mitte vierzig, wie ich später erfuhr.

Sie hatte einen kleinen Sohn, vielleicht acht oder neun Jahre alt, den sie allein erzog. Ein- oder zwei Male brachte sie ihn mit ins Büro, wahrscheinlich hatte er dann gerade Ferien oder es war vielleicht gerade Boys Day, wenn es das damals schon gab. Ich weiss es nicht mehr. Er war ein netter, höflicher Junge, recht still wie mir schien, aber das kann natürlich auch an mir gelegen haben. Ich hatte den Kopf dauernd so voll wie meinen Terminkalender, für Smalltalk mit Kindern hatte ich wahrlich keine Zeit, selbst wenn ich gut in Smalltalk gewesen wäre, was ich ohnehin nie war.

Ich weiss noch, wie wir gerade wieder einmal mit der Firma umgezogen waren, wir platzten aus allen Nähten. Sie ging mit ihrem Sohn durch die Flure und Abteilungen, hielt hier und dort ein Schwätzchen und der Junge fing offenbar an sich zu langweilen und ging auf Entdeckungstour. Plötzlich stand er bei mir im Büro, sah sich still aber aufmerksam um und nahm die vergleichsweise spärliche Dekoration in sich auf. Ich hatte nur zwei gerahmte Filmplakate an den Wänden hängen, sonst nichts. Andere Kolleginnen und Kollegen hatten ihre Büros mit coolem Merchandise und Promotionartikeln vergangener Filmprojekte ausstaffiert; da standen Tweetie und Sylvester aus Plüsch neben lebensgrossen Pappaufstellern von Filmstars, wie man sie in den Kinos sah. Bei meiner eigenen Arbeit fiel so etwas nicht ab. Ich war eine one woman show, meine eigene Abteilung, und die drehte sich ums Internet. Meine goodies waren Trailer, Filmclips, coole Websites. Goodies, die man sich nicht auf den Schreibtisch stellen konnte, selbst wenn ich das gewollt hätte, was ich nicht tat. Auf meinem Schreibtisch stand eine Schale mit Mandarinen und der Schokolade, die wir alle zum Nikolaustag von der Geschäftsführung bekommen hatten.

Der Junge lehnte sich gegen ein Sideboard, das zur Enrichtung gehörte und das auch nach über drei Jahren noch komplett leer war. Während die Produktmanager in Papierfluten ertranken und nicht wussten wohin mit ihren Ordnern, stand bei mir ein leeres, meterlanges Sideboard herum. Ich hatte keinerlei Verwendung dafür; bei meiner Arbeit fiel kaum einmal Papier an. Aber es gehörte nun einmal zu meiner Abteilung und die anderen hätten ohnehin keinen Platz dafür mehr in ihren kleinen, engen Büroschläuchen gehabt.

Er zog seine Jacke aus und legte sie auf das Sideboard, dann studierte er die Plakate.
„Möchtest Du Schokolade, oder eine Mandarine?“ fragte ich ihn. Er nickte.
Ich schob ihm die Schale hin. Er nahm eine Mandarine und wollte ihre Schale mit dem Fingernagel eindrücken, aber sie war zu fest. Er drückte eine Weile verbissen und verlegen daran herum und gab es schliesslich auf. Zu höflich, die Frucht wieder zurück zu den anderen in die Schale zu legen behielt er sie in der Hand, wo er sie verlegen hin- und herdrehte. Ich stand auf, ging zum Garderobenständer und suchte in meiner Manteltasche nach dem Schlüsselbund, an dem mein kleines Taschenmesser hing. Das hielt ich ihm hin, er klappte fasziniert die Schere aus und lachte.
„Das ist ja eine Schere!“
„Da ist auch ein Messerchen, damit dürfte es besser gehen.“ Ich erinnerte mich daran, wie ich in seinem Alter gewesen war und verkniff mir den Hinweis, daß er vorsichtig sein solle.

Er schälte behutsam die Mandarine, dann zog er ein Papiertaschentuch aus seiner Jeans und wischte die Klinge sorgfältig und sauber ab, bevor er sie wieder einklappte und mir das Messer reichte.
„Danke.“
Mit spitzen Fingern zupfte er die weissen Fädchen ab, legte sie in die Schalen in seiner Hand und sah sich suchend um. Ich schob ihm den Papierkorb rüber.
„Danke.“ Ein höfliches Kind.

Er zeigte auf das Plakat, das er zuvor studiert hatte.
„Ist das ein guter Film?“
Ich überlegte. „Ja, doch, der ist ganz okay.“
„Warum hast du …“ er wurde rot und verbesserte sich rasch „… haben Sie das Plakat ausgesucht, wenn das nicht ein toller Film ist? Oder sogar Ihr Lieblingsfilm?“
„Kannst ruhig ‚du‘ sagen. — Weil das Plakat toll ist.“
Er schwieg und aß einen weiteren Mandarinenspalt.
„Aber der ist schon alt, oder?“
Ich musste unwillkürlich lachen. Der Film war drei Jahre alt. Für mich gefühlt von letzter Woche, für ihn aus der Zeit, als er noch klein war.

„Welcher ist dein Lieblingsfilm, der da?“ Er zeigte auf das andere Plakat.
„Nein, der nicht. Obwohl er zu meinen liebsten Filmen gehört.“
„Der ist auch schon alt, oder? Aber welcher ist denn nun dein Lieblingsfilm?“
„Welcher ist denn deiner?“ fragte ich zurück.

Er wollte gerade antworten, als seine Mutter den Kopf durch die Tür steckte, ihren Sohn sah und hereinkam. Sie lächelte uns zu.
„Ah, hier steckst du also.“ Sie setzte sich neben ihn auf das Sideboard und legte ihren Arm um seine Schulter.
„Ich hoffe, er hat dich nicht zu sehr genervt?“ fragte sie mich, während sie ihm über den Kopf strich. Er zog eine Grimasse, es war ihm sichtlich peinlich.
„Ganz und gar nicht“ antwortete ich. „Wir waren gerade dabei, unsere Filmvorlieben auszutauschen.“
Ich bot ihr eine Mandarine an, die sie ablehnte.
„Danke, aber wir müssen los. Es ist noch so viel vorzubereiten, wir fliegen ja bald in den Urlaub.“
„Wo geht’s denn hin?“ fragte ich.
„Nach Khao Lac“ sagte sie, und als sie mein fragendes Gesicht sah fügte sie hilfreich „Thailand“ hinzu.
„Wow.“ Ich sah die beiden an. Er strahlte.
„Wir fliegen dahin!“
„Ja, über Weihnachten und Silvester“ sagte sie.
„Cool!“ sagte ich. „Weit ab von der Matsche, die uns hier garantiert wieder erwartet.“
Sie lachte und sah plötzlich zehn Jahre jünger aus und so fröhlich und locker, wie ich sie zuvor noch nie gesehen hatte.
„Ja, ich kann es auch kaum erwarten. Weihnachten im Bikini!“
„Ich aber nur in der Badehose“ sagte er.
Ich lachte, gratulierte zu diesem tollen Reiseziel und wünschte ihnen eine gute Reise, bevor sie fröhlich hinausgingen und die Tür hinter sich schlossen.

Ich habe die beiden nie wieder gesehen.

In den Tagen und Wochen nach dem Tsunami habe ich mit den Kolleginnen und Kollegen wie betäubt die Webseiten mit den Horrorbildern aus Khao Lac, Banda Aceh und anderen Orten angesehen. Mutter und Sohn wurden vermisst und je mehr Tage ins Land gingen, desto klarer wurde: sie würden nicht wiederkommen.

Als ich vor ein paar Monaten den Trailer zu The Impossible sah, brach ich spontan in Tränen aus. Ich hatte mir die Inhaltsangabe nicht durchgelesen, sondern nur mit einem Auge das Stichwort ‚Ewan McGregor‘ gelesen und gleich auf «play» geklickt. Ich glaube nicht, daß ich mir den Film ansehen kann, obwohl er gut sein soll.

Der Junge, der in meinem Büro eine Mandarine gegessen hat wäre heute fast achtzehn Jahre alt. Wann immer ich mein kleines Taschenmesser benutze, denke ich an ihn und frage mich, welches wohl sein Lieblingsfilm war.

Superheldensorgen II

  • Veröffentlicht am 25th April 2013,
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Superheldensorgen II

Superheldensorgen

 

Es ist ja wie’s ist … aber wer nach dem Latte to go noch ein wenig übrig hat, kann den Cartoon gern hier im Shop in verschiedenen Formen kaufen.

Langsam erdrosselt

  • Veröffentlicht am 24th April 2013,
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Anlässlich der Bekanntgabe der Telekom, daß sie künftig ihre DSL-Flatratetarife nach Verbrauch von 75 GB/Monat auf die Geschwindigkeit einer in Wut geratenen Weinbergschnecke drosseln werden, habe ich gerade mal nachgesehen: ich verbrauche im Schnitt monatlich ca. 100 GB.

Das ist ohne Gaming, denn es gibt keine Konsole im Haushalt und keine Spiele auf dem Rechner, ich habe einfach kein Interesse daran.

Ich habe auch kein Entertainmentabo von T-Mobile (welches allerdings von dem Volumentarif ohnehin ausgeschlossen wäre, da die Telekom die Netzneutralität abschafft und eigene bzw. Partnerangebote bevorzugt) oder von Sky etc. Ich habe keine Zeit, kein Interesse daran, bzw. es gibt kein für mich attraktives Angebot.

Drei oder vier Tage im Jahr gucke ich mehrstündige Videostreams, nämlich wenn die Golf-Majorturniere oder alle 2 Jahre der Ryder Cup anstehen. Ich würde das zugegebenermassen viel lieber im TV sehen, aber die ÖR-Programme übertragen das nicht, sondern nur Sky, die allerdings nur auf den HD-Kanälen und auch nicht vollständig oder gar mit englischem Kommentar. Ich habe jedoch keinen HD Fernseher und will mir nicht extra deswegen einen anschaffen. Ich habe auch neben der GEZ-Zwangsgebühr von über 200€/Jahr weitere etwa 300€/Jahr für ein zu 98% für mich uninteressantes Fernsehprogramm nicht im Budget.

Ich nutze keine datenintensiven Musikstreamingangebote wie Spotify oder Soundcloud oder Internetradio etc, da ich mich nicht auf meine Arbeit konzentrieren kann wenn Musik läuft. Ich bin in dieser Hinsicht leider überhaupt nicht multitaskingfähig; Musik wird hier im Hause ganz bewusst phasenweise eingeschaltet und gehört. Dafür werfe ich z.B. etwa zweimal täglich YouTube an und suche nach einem Lied, was ich dann gerade hören möchte. In den meisten Fällen ist es aufgrund des Google/GEMA Streits für mein Land jedoch leider nicht verfügbar. Ob allein der versuchte Aufruf schon viel Traffic verursacht, weiss ich nicht. Ich kaufe oder leihe etwa einen oder zwei Filme im Monat via iTunes.

Ich lebe allein in diesem Haushalt, wie komme ich also auf sportliche 100 GB, also 30% mehr als das, was die Telekom ab 2016 (!) für ausreichend hält?

Ich arbeite freiberuflich von zuhause aus, was neudeutsch so schön „Home Office“ heisst. Mein Rechner läuft im Schnitt etwa zwölf bis vierzehn Stunden am Tag. Parallel dazu habe ich ein iPad und ein iPhone im Einsatz und die auch im WLAN. Meine Programme, allen voran die Apple-eigenen Programme wie Safari oder das Betriebssystem, aber auch z.B. die Adobe Creative Suite ziehen häufig dicke Updates. Ich schaufele z.B. auch oft mehrere hundert MB große Bild- bzw. Photoshop-Dateien (für Drucksachen) meiner Kunden in die Cloud und zurück. Ich weiß, daß viele Programme auf meinem Rechner im Hintergrund ständig Daten „nach Hause telefonieren“, z.B. die von Apple, Microsoft Office oder besagte Adobe Programme. Ich nutze teilweise die Cloud auch für Testzwecke und Kooperationen bei der Webseitenentwicklung. Ich telefoniere über das Internet (VOIP); allerdings verhältnismässig wenig bzw. selten; vielleicht zwei Anrufe pro Tag. Meist telefoniere ich über das Handy. Durchschnittlich zwei Videokonferenzen kommen noch dazu.

Das alles scheint für die Generierung von rund 100 GB Traffic im Monat auszureichen.

Ich bin bei einem anderen Provider als der Telekom und zahle für meine DSL Flatrate rund 27€/Monat. Aber machen wir uns nichts vor: die anderen werden nachziehen, es ist nur eine Frage der Zeit. Unsere Politiker haben erwiesenermassen weder Interesse an noch Ahnung vom Internet, von den neuen Arbeitswelten (die sie geschaffen haben), geschweige denn von den Interessen der Kinder und Jugendlichen oder Familien heute. Sven hat das hier und hier ausgezeichnet zusammengefasst. Johnny hat übrigens eine Idee dazu.

Unlängst las ich auf Pandodaily einen Artikel zu Googles neuem Dienst ‚Fiber‘. Ganz offensichtlich ist Google in den USA bereits ins Providergeschäft eingestiegen. Kostenlose 5 Megabit Downloadgeschwindigkeit, die Geschwindigkeit für den upload liegt bei 1 Megabit und soll 70 US $/Monat kosten. Wer teilnehmen möchte, muss der Öffentlichkeit einen WiFi-Router bereitstellen und seine Bandbreite teilen. Man wird über kurz oder lang in den USA zumindest in den Ballungsgebieten nirgends mehr ohne kostenlosen WLAN Zugang sein. Klar, Google wird mit Daten bezahlt, ‚kostenlos‘ ist also relativ. Aber wie fasst es der Autor so schön zusammen:

„Google is going to kill AT&T, Verizon, Sprint, T-Mobile and the cable companies. Kids don’t talk on the phone and they don’t have a ton of money. If they can be reasonably sure they’ll have a wifi network, then they are simply not going to sign up for AT&T or Verizon.

It’s game over… in five short years.“

Auch für unseren Global Player, die Telekom. Ich kann trotz all meiner Abneigung gegenüber Google nicht behaupten, daß ich darüber weinen werde.

Badass

  • Veröffentlicht am 24th April 2013,
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Badass

Die Twitterlieblinge im April, Teil 1

  • Veröffentlicht am 17th April 2013,
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Damit das hier nicht wieder am Ende des Monats so in Hektik ausartet, kommt hier mal wieder die Halbzeitzusammenfassung:

Und Anne hat auch schon wieder welche.

Masters Action

  • Veröffentlicht am 13th April 2013,
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Masters Action

Tiger beim 2013 Masters

Das war ein spannender zweiter Tag beim Masters gestern. Dem 14jährigen chinesischen Amateur Tianlang Guan wird wegen zu langsamen Spiels ein Strafschlag aufgebrummt, der ihn um ein Haar den Cut gekostet hätte. Glücklicherweise hat der in Führung liegende Jason Day die beiden letzten Löcher Par gespielt, sonst hätte es «goin’, goin’, Guan» für Tianlang Guan gehiessen, der nunmehr genau zehn Schläge hinter dem Führenden liegt.

Die Pros sind über das harte Vorgehen gespalten: die einen bedauern die Entscheidung und weisen darauf hin, daß die Platzverhältnisse beim Masters gestern sehr widrig waren und jeder Spieler mehr Zeit benötigte für seine Schlägerwahl. Außerdem fehlt Guan die Erfahrung der alten Hasen, oder besser gesagt: der alten Schnecken — den berüchtigten Langsamspielern wie Langer, Crane oder Furyk, die wissen, daß sie in Sichtweite der Regeloffiziellen nur etwas Hektik simulieren müssen um einer Strafe zu entgehen.

Die Bemerkung von Tourspieler Bob Estes, daß Pros auch regelmässig Strafen aufgebrummt bekämen, ist zwar richtig, aber auch scheinheilig: Die verteilten Geldstrafen greifen ganz offensichtlich nicht, denn die werden von den Millionären aus der Portokasse gezahlt. Würden die Offiziellen öfters mal Strafschläge verteilen, gäbe es garantiert sehr bald keine Fünf-Stunden-Runden mehr. Der letzte Spieler auf der Tour, der wegen langsamen Spiels einen Strafschlag bekam, war übrigens Glen Day, 1995 — drei Jahre vor Guans Geburt.

Die anderen sehen die Aktion als okay an. Der Junge spielt das Masters mit, also hat er eine zumindest theoretische Chance auf den Sieg. Warum sollte er dann eine Extrawurst gebraten kriegen? Meint schulterzuckend zumindest der mehrfache Masters Champion Freddie Couples, der mit 53 Jahren am anderen Ende des Altersspektrums sitzt und aktuell nur einen Schlag hinter dem Führenden liegt.

Guan selbst hat sich übrigens nicht nur durch sein tolles Spiel als echter Golfer präsentiert, sondern auch durch seine ruhige Reaktion im Interview hinterher.

Von dem Jungen werden wir hoffentlich noch viel sehen.

Mindestens ebenso kontrovers diskutiert wird aktuell Tiger Woods, der einen ausgezeichneten Schlag machte, den Fahnenmast traf und dessen Ball in Folge seitwärts vom Grün ins Wasserhindernis schoss. Tiger musste also (mit Strafschlag) den Ball droppen, und tat dies vom falschen Ort, wie beobachtet wurde und er auch (unabsichtlich) im Interview zugab. Er hat sich so für den Wiederholungsschlag eine bessere Lage und Position verschafft und damit einen unfairen Vorteil gegenüber dem Feld. In Folge hat er seinen Score falsch notiert und unterschrieben und müsste logischerweise disqualifiziert werden.

Die Entscheidung ist aktuell noch nicht gefallen, aber dürfte so oder so noch heisser diskutiert werden als die um Guans Strafschlag. Tiger ist nicht irgendein Spieler, er liegt gut im Rennen, ist gerade wieder die Nummer eins der Welt und will seinen fünfzehnten Majorsieg holen. Die Einschaltquoten werden ins Bodenlose rauschen, wenn er disqualifiziert und nach Hause geschickt wird — für Missachtung einer Regel, die 90% der golfenden Amateure jedes Wochenende fröhlich missachten und die den zuschauenden Nichtgolfern komplett bekloppt vorkommen wird.

Die berühmten zweierlei Mass wären also noch fetter unterstrichen als sie es ohnehin schon sind und es bliebe ein sehr schlechter Geschmack im Mund zurück, daß die Regeln eben nur für einige gälten.

So oder so wünsche ich dem chinesischen Achtklässler ein fantastisches Wochenende und uns Golffans, daß der Spirit of the Game erhalten bleibt.

Update: Es bleibt bei einem frommen Wunsch. Nach Angaben dieses Blogs, das auch die fragliche Situation und Regel noch einmal sehr schön zusammenfasst, ist der Drops gelutscht. Das Kommitee hat keine Beanstandung festgestellt und daß Tiger sich selbst ehrenhaft disqualifiziert, darauf darf man bei dem Mann wohl kaum hoffen. (Hier das Interview, wo er den Regelverstoss offensichtlich unbewusst zugibt: „TIGER WOODS: Well, I went down to the drop area, that wasn’t going to be a good spot, because obviously it’s into the grain, it’s really grainy there. And it was a little bit wet. So it was muddy and not a good spot to drop.
So I went back to where I played it from, but I went two yards further back and I took, tried to take two yards off the shot of what I felt I hit.“)

Update 2: Tiger kriegt zwei Strafschläge. Die Option wurde wohl vor einiger Zeit anlässlich eines ähnlichen Falls mit Padraug Harrington eingeführt.

Schönes Wochenende!

  • Veröffentlicht am 6th April 2013,
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Läuft.

Der Frühling ist da, der Schnee ist weitgehend geschmolzen und nur noch gelegentliche Matschflecken auf den Hundebesitzern deuten an, daß man beim Elbspaziergang besser nicht den feinsten Zwirn und das beste Schuhwerk herzeigt. Bald blühen die Kirschbäume an Teufelsbrück und andernorts — das Team hier im Bild wartet auf den 36er Bus, den Luxusliner, der Hamburgs schönste Strecke fährt.

Link(s) vom 2. April 2013

  • Veröffentlicht am 3rd April 2013,
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Zwischen dem 27. März 2013 und dem 2. April 2013 aufgelesen:

  • SINNRAUM
    „Dann fragte ich die Gymnasiallehrer („einen mit IQ 110“), wie sie sich nun die Zusammenarbeit mit einem hochbegabten Schüler vorstellen, der zum Beispiel einen IQ von 140 hat. Ist es dann nicht so, dass jemand mit IQ 140 einen anderen mit IQ 110 für entsprechend „unterbelichtet“ hält?“

Herr Dueck stellt mal wieder kluge Fragen. Lesenswert.

Das ist eine sehr gute Idee, die sich wirklich mal rumsprechen sollte. Genau wie die aus meiner Lieblingstweets-März Liste nebenan – einfach mal dem Obdachlosen eine Tageskarte für den ÖPNV spendieren, wenn’s arschkalt ist und die Schergen mal wieder ihre Macht demonstrieren und einen Mitmenschen erfrieren lassen wollen.

  • The New York Times should be ashamed, but only for pandering to idiotic Twitter outrage
    „The New York Times was today pressured into changing the tone and content of an obituary, by a relatively small blip of Twitter outrage. There was no factual inaccuracy in the original piece, no libel, not even an offensive opinion. People on Twitter were just mad that the writer didn’t present a successful women’s achievement in the precise order the crowd felt was most respectful.“

Die Schwarmdummheit in voller Fahrt. Und dann fragen sich einige, warum „uns“ keiner ernst nimmt. #Seufz.

  • Wo der Helikopter noch landen kann, ist es für den Hubschrauber schon zu eng « ReLü
    „Ein Untertitel, der für eine Sekunde eingeblendet wird, soll nur zehn Zeichen lang sein. Und mit zehn Zeichen kommt man nicht weit. In zwei Sekunden dürfen es schon bis zu 30 Anschläge sein, in drei Sekunden 50. Erst wenn vier bis fünf Sekunden zur Verfügung stehen, soll die maximale Zeichenzahl eines Untertitels (zwei Zeilen à 40 Anschläge) ausgeschöpft werden, sonst kommt der Zuschauer im Kinosessel mit dem Lesen kaum hinterher.“

Als jemand, die jeden Film wenn irgend möglich im Originalton sieht, auch wenn sie keinen Schimmer von der Sprache hat, bin ich in exotischen Fällen wie z.B. koreanisch oder kantonesisch auf zumindest englisch- oder französischsprachige Untertitel angewiesen. Da ich andererseits schon häufig „auf Zeile“ texten musste ist mir aus eigener Erfahrung klar, daß man da gelegentlich kreativ werden muss, um den Sinn in eine passende Form zu giessen. (Da ist Twitter übrigens ein hervorragendes Lern- bzw. Lehrmedium. Was alles kreativ in 140 Zeichen passt, ist unglaublich, wenn man es nicht selbst versucht hat.)

Wie man das bei dialoglastigen Genrefilmen angeht (und wie kümmerlich das bezahlt wird), davon wird hier erzählt. Spannend.

Die Lieblingstweets im März

  • Veröffentlicht am 1st April 2013,
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Und die Lieblinge der Anderen gibt’s wie immer bei Anne.