Apple nimmt mir die Zugriffsrechte auf meine iWork Dateien

  • Veröffentlicht am 27th September 2012,
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Das klingt jetzt vielleicht etwas reisserisch, aber ich weiß nicht, wie ich das sonst formulieren soll.

Die Ausgangslage: Ich erstellte Mitte August eine Datei im iWork Programm „Numbers“ (das ist so etwas Ähnliches wie Excel, nur bunter und etwas benutzerfreundlicher und für Leute wie mich, die privat alle Jubeljahre mal eine Tabellenkalkulation brauchen). Heute wollte ich sie bearbeiten und erhielt die verwundernde Meldung, daß mir dafür die notwendigen Zugriffsrechte fehlen würden:

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Neuer Alltag

  • Veröffentlicht am 22nd September 2012,
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Es ist etwas ruhiger hier geworden in letzter Zeit. Ich komme nicht so richtig zur Ruhe; es stapelt sich die unbeantwortete Geburtstagspost, der Gipfel des Bügelwäschebergs scheint wolkenverhangen und ich komme höchstens bis zum Basislager und auch sonst guckt mich aus allen Ecken die Arbeit vorwurfsvoll an.

Ich habe einen neuen Job angenommen; der eine oder andere wird es via den einen oder anderen Tweet erfahren haben. Man hat mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ausschlagen mochte: seit Anfang des Monats bin ich Marketingleiterin eines Hamburger Startups das angetreten ist, die Welt zu verändern oder wenigstens eine doch recht konservative Branche mit modernster Technologie ziemlich auf den Kopf zu stellen. Mehr mag ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen; aber ich freue mich riesig über diese Gelegenheit. Ich arbeite gern mit Startups und hatte in den letzten Jahren einige als Kunden. Die Ärmel-hochkrempeln-und-anpacken Atmosphäre beflügelt mich mehr als jedes das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht. In einem kleinen Team dicke Bretter zu bohren, etwas zu wagen, groß zu denken und zu planen, Improvisationstalent mit Fleiß und Hartnäckigkeit zu kombinieren, das mag ich. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ heisst es ja bei Hesse, mit dessen Werk ich heute weitaus weniger anfangen kann als damals mit vierzehn oder fünfzehn. Aber deswegen stimmt es ja dennoch.

Einige von Euch haben mich gefragt, wie ich denn von der Selbstständigkeit bzw. dem Freiberuflerdasein zurück ins Angestelltenverhltnis wechseln könne und ob das nicht ein Schritt zurück sei? Das kann ich nicht finden. Zum einen ist man nie wirklich „frei und selbstständig“, denn der Arbeitgeber ist in diesem Fall der Kunde und der kann nicht weniger anstrengend sein. Ja, man kann im Home Office im Schlafanzug sitzen und bei der Arbeit Death Metal auf Anschlag hören wenn man will, aber das ist eher nicht so mein Fall.

Sich die eigene Zeit nun nicht mehr so ganz frei einteilen zu können ist ungewohnt, aber dafür hat man jetzt auch mal wieder etwas regelmäßiger ein freies Wochenende. Ich würde sagen, im grossen und ganzen halten sich die Vor- und Nachteile von Freiberuflerdasein und Angestellenleben sehr die Waage und mit dem Social Web haben wir heute ohnehin keine klaren Trennlinien mehr zwischen Berufs- und Privatleben, Arbeitszeit und Freizeit. Es wird nicht ganz zu Unrecht erwartet, daß man als angestellt arbeitender Mensch in einer Führungsposition in heissen Phasen auch am Wochenende und nach Feierabend mal seine Mails checkt oder ranklotzt um einen Meilenstein zu erreichen. Und es erwartet umgekehrt auch kaum noch ein ernstzunehmender Arbeitgeber, daß man nach Stechuhr kommt und geht – Gleitzeit, alternative Arbeitszeitmodelle oder mal einen Tag im Homeoffice einzulegen sind ja nun wirklich nichts exotisches mehr.

Ich habe mir meine Jobs immer danach ausgesucht, ob ich Freude daran haben werden, ob ich dabei etwas wertvolles Neues lernen kann oder ob ich etwas damit bewegen kann. Ob frei oder fest ist diesbezüglich irrelevant und mit dieser Einstellung bin ich auch fast immer sehr gut gefahren.

Ich werde ohnehin definitiv auch weiterhin nebenher frei als Ilustratorin tätig sein, soweit es meine Zeit erlaubt. Wenn ich eines gemerkt habe in den letzten vier Jahren, dann daß ich aufs Zeichnen nicht mehr verzichten mag und mir die Zeit dafür nehmen, die Räume dafür schaffen muss. Ich bin niemand, die wochenlang unter Palmen am Strand liegen kann und will; ich erhole mich am besten mit einem Stift in der Hand oder natürlich auf dem Golfplatz. Damit tanke ich Kraft und Energie für die neue Woche, neue Aufgaben.

Was heisst das fürs Blog? Keine Ahnung. Vermutlich wieder mehr Golfcontent und mehr Zeichnungen. Ich hoffe es wenigstens. Wir werden sehen.

Link(s) vom 15. September 2012

  • Veröffentlicht am 16th September 2012,
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Zwischen dem 14. September 2012 und dem 15. September 2012 aufgelesen:

  • Die Insel der Verdammten
    „Ich verstehe eh nicht wieso die Leute klatschen, wenn der Pilot das Ding runtergebracht hat, das ist sein scheiss Job! Ich applaudiere nicht wenn der Bus hält oder das Taxi vor meiner Tür ankommt, nicht wenn der Müll abgeholt wird und erst recht nicht wenn das Flugzeug landet. Ein Applaus impliziert doch immer, dass es eine zweite Option gibt, nämlich, dass er es nicht schafft. Ich persönlich würde nur klatschen, wenn das Ding von einem der Fluggäste gelandet wird, weil der Pilot einen Schlaganfall hatte.“

Das ist ja genau die Sorte Tüp, auf die man im Urlaub treffen will. Nicht. Aber er schreibt so herrlich! Ach!

  • Mikkel Sommer
    „I always get nervous in front of a piece of good quality paper, I don’t what it is, some pressure I put on myself. I’ve never used a sketchbook either, I never know how to start them, and I’m such a perfectionist that I wanna rip out pages that doesn’t work with the rest, which is a silly thing to do with a book that’s supposed to be for experimentation and trial and error. I sketch on paper that I’ve used before, on the back, and I draw on cheap recycled 80g photocopy paper.“

So geht es mir auch oft. Ich arbeite daran, diese komplett hirnwichsige Marotte zu überwinden, zumal auch das billige 80g/qm Kopierpapier nicht gut mit meinem liebsten Zeichenstift zusammenarbeitet. Aber es ist harte Arbeit, soviel kann ich sagen.

  • Lass uns nicht über Facebook reden | Digitales Leben | DW.DE | 13.09.2012
    „Hier wurde ganz offensichtlich ein dadaistisches Theaterstück aufgeführt. Die Simulation eines digitalen Gesprächs im realen Raum. Ein Reenactment, eine Inszenierung mit Verfremdungseffekt. Auf der Bühne ist das große Kunst. Hier aber ist es die Bankrotterklärung einer Gesprächskultur, die Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende gebraucht hat, um sich zu entfalten. Zunichte gemacht in Minuten. Das Ende! Dank Apple, Facebook und Anna.“

Bashing, hübsch verpackt. Und natürlich wie immer mit einem Körnchen Wahrheit.

Link(s) vom 14. September 2012

  • Veröffentlicht am 14th September 2012,
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Zuletzt aufgelesen:

  • Prometheus – der Spoilerartikel | Das Nuf Advanced
    „Alles anfassen, vor allem natürlich die schwarze todbringende Flüssigkeit und zwar zu jedem Anlass. Landen, eine Stunde rumgucken, niemanden sehen und sagen: “Oh Mann, jetzt muss ich mich aber betrinken, weil da hab ich mir echt mehr versprochen.”“

Das Nuf war im Kino und hat sich Prometheus angesehen. Also, ich würde den ja nicht unter Waffengewaltandrohung angucken, Ridleyfangirl hin oder her. Ich bin Sci-Fi -Hasserin und Schisshäschen in Sachen schleimige Moddermonster, Zombies & Co. Aber bei diesem tollen Verriss musste ich schon sehr lachen.

  • Ryder Cup 2012 — Hunter Mahan says he won’t watch on TV either – ESPN
    „McDowell best remembers the game not by how many birdies were made, but by a strange sensation the following day. „I remember waking up the next morning and my arm was sore,“ he said. „I couldn’t work out why it was sore, and then I remembered. We were high-fiving each other so hard because it was so emotional. Great game.““

Hunter Mahan hat im letzten Ryder Cup geschwächelt, in dem davor war er brillant. Aber er ist aktuell nicht gut in Form und hat nicht zuletzt auch deshalb keine Wildcard von Captain Love gekriegt, der mehr love für den ollen Jim Furyk übrig hatte. Furyks Ryder Cup Bilanz ist unterirdisch schlecht, aber er kann meist gut putten, insofern … na, wir werden sehen.

Wow.

  • Besitz.
    „Als meine Großmutter 1990 starb, hatte sie vier Kleider, einige Pullover, ein paar Röcke und Hosen sowie einen Winter- und einen Sommermantel. Sie war immer sehr schick angezogen, kombinierte leuchende Ketten und Tücher zu schlichten Pullovern und Sweatern. Ihr Schrank war genau einen Meter zwanzig breit und einen Meter fünfundsiebzig hoch. Er beinhaltet heute die Taschensammlung meiner Mutter.“

Ein sehr wichtiger Aspekt der #609060 Aktion. Wir haben alle die Schränke voll, aber nichts anzuziehen.

  • Watzefack?
    „Ich habe noch immer mit haarespalterischem, ideologischen Feminismus meine Probleme. Da denke ich gern an 1990 und die feministische Diskussion unter Theaterwissenschaftlern in Wien, in der es um deformierte Männerhirne ging, wegen der Männer immer so geil glotzen müssen (natürlich etwas akademischer ausgedrückt), bei der ein armes Würstchen ängstlich versicherte, aber ja, er sei Feminist, er hätte sich mit den Positionen der Frauen beschäftigt. – Und ich sah meinen Kommilitonen an und er mich und wir signalisierten uns entsetzt-amüsiert: “Ach du Scheiße! Die meinen das ernst!”“

Das bringt mein Problem mit diesem ganzen Gendergedöns wunderbar auf den Punkt. Ich finde Gleichberechtigung wichtig, auch den Feminismus. Aber ich hab’ was gegen diese selbstherrliche, überhebliche Art von Gören in ihren Zwanzigern, die irgend ein Orchideenfach studiert haben und sich nun bemühen, unfallfrei die ganzen gelernten Fremdwörter anzubringen, auf daß sich der Rest der Welt dabei bescheuert vorkommen mag. Eine Diskussion ist nicht möglich, Differenzieren ist für Weicheier und wer nicht ihren Standpunkt vertritt, ist ärger in Gefahr als ein Mohammedcartoonzeichner, der Urlaub in Mekka machen will. Ich nenne solche Kackbratzen in Mädchenmannschaften etc. gerne Gelehrtenbarbies.

  • Melancholie Modeste: Blaubart und Eisente
    „Irgendwann saß die L. also neben einer Frau, die ihr ganz auffällig ähnelte. Also sehr, sehr. Nun sehen diese Hamburgerinnen ja alle so ein bißchen ähnlich aus. Der Hamburger Genpool ist nämlich nicht so groß. Die Ähnlichkeit dieser Frau mit der L. ging über die normale Ähnlichkeit aller Hamburgerinnen untereinander aber deutlich hinaus. Sie hätten Schwestern sein können oder nicht so ganz perfekte Kopien.“

Äh. Nö. – Aber schöne Geschichte, kchkchkch.

  • Und es war Sommer « wunder / schön aber selten
    „Wir, das waren: Martin, der Physiker mit dem unkontrollierbaren Hang zur Zubereitung von Sprengstoff in der WG-Küche; Jochen, der es geschafft hatte, Taxifahrer zu werden, ohne vorher Musiker oder Geisteswissenschaftler gewesen zu sein; und ich, ich glaube, das war der Sommer, in dem ich mir die Haare mit einer Bastelschere abgeschnitten hatte und die meiste Zeit mit irgendwem knutschend an der Donau lag, wobei “Irgendwem” sich bald zum Problem auswuchs.“

Super.

Jörn hat CSI geguckt. Sort of.

Ach guggemol, in Kairo, das gefühlt jeden Abend in den Nachrichten ist, da geht das, weil die Leute nicht jeden Scheiß akzeptieren. Und hier in Hamburg ist die Straße Alsterufer rund um das US Generalkonsulat für den Durchgangsverkehr gesperrt. Seit elf Jahren. Aufschlussreich.

  • CCC | Staatstrojaner-Überprüfung durch Schaar abgeschlossen
    „Für den Bericht hätte Peter Schaar naturgemäß Einsicht in den Quellcode nehmen müssen. Die Trojaner-Herstellerfirma Digitask erdreistete sich jedoch, dem Bundesdatenschutzbeauftragten nur dann Einsicht zu gewähren, sofern er eine Vereinbarung zum Stillschweigen unterzeichnen sowie 1.200 Euro pro Prüfungstag als „Beratungsdienstleistung“ bezahlen würde. Schaar lehnte mit Verweis auf seine Pflichten als staatlicher Kontrolleur selbstverständlich ab.Damit wurde eine unabhängige Beurteilung durch den Datenschutzbeauftragten faktisch verhindert. Hier zeigt sich das Erpressungspotential durch das Outsourcen von hoheitlichen Aufgaben an private, keiner effektiven Kontrolle unterliegenden Firmen.“

Die Andalucia Masters entfallen in diesem Jahr

  • Veröffentlicht am 12th September 2012,
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Eines der traditionsreicheren Events auf der European Golf Tour, die Andalucia Masters im prestigeträchtigen Valderrama, entfällt dieses Jahr. So steht es auf der Website der European Tour zu lesen. Der Bezahlsender Sky zitiert European Tour Director O’ Grady mit folgenden Worten:

„We’ve used all our relationships down there, the Spanish golf federation, presidents of that body, presidents of central government but this is a political arena we’re now in and the individual concerned now probably doesn’t understand what he’s got.

„Everyone was rallying around to rescue the tournament. There’s a lot of people who see the value of the event for the region, the tourism, the industry that comes there.

„We have a tight, hard, legal contract which is just being ignored. Naturally enough we’ll see if we can sort it out ourselves without using lawyers too much but, if we wanted to, we can.“

Als Golferin und Fan der European Tour und besonders dieses Events zum Saisonende betrübt mich das natürlich sehr. So eine Entscheidung so kurz vor dem geplanten Event bekannt zu geben ist auch nicht gerade die feine, spanische Art. Und vom Problem des Vertragsbruchs wollen wir gar nicht erst anfangen.

Aber wir wollen doch auch mal die Kirche im Dorf lassen. Spanien steht das Wasser finanziell nicht bis zum Hals sondern bisUnterkante Oberlippe. Wie wunderschön die Region ist, das wissen die Touristen, die sich den Urlaub dort überhaupt noch leisten können. Dafür muss nicht weiter geworben werden, besten Dank. Von den in den High End Urlaubsghettos ausgegebenen Euros sieht der Durchschnittsandaluse auch nicht so richtig viel. Andalusien ist die zweitärmste Region Spaniens und dabei eine der bevölkerungsreichsten des Landes. Die sozialistische Regierung der Region boykottiert den Sparkurs der Regierung in Madrid unter Verweis auf die unbillige Härte. Wenn man dort also festgestellt hat, daß es aktuell wirklich in ihrem Interesse ist eine Sportveranstaltung abzusagen, die nicht völlig zu Unrecht als dekadent und elitär verschrieen ist und in erster Linie dem Zeitvertreib der High Society dient, dann wird das wohl so sein. Hier dürfte man ruhig mal etwas Augenmaß beweisen und den geordneten Rückzug anordnen, statt mit der juristischen Keule zu wedeln und das Tischtuch zu zerschneiden und sich auf den Standpunkt „sollen sie doch Kuchen essen“ zurückzuziehen.

Andalusien braucht die European Tour nicht, aber die Tour braucht Andalusien. Es gibt klimabedingt nicht mehr so viele Gegenden und Plätze in Europa, wo man in der Saison ein solches Event durchführen kann. Und ob die europäischen Fans es goutieren, wenn noch mehr Turniere nach Asien und Nahost ausgelagert werden, wage ich mal zu bezweifeln.

Irgendwann wird sich auch Spanien wieder erholen und die Andalucia Masters werden wieder stattfinden. Und falls nicht, ist zumindest Letzteres auch kein Beinbruch.

Domino

  • Veröffentlicht am 11th September 2012,
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Manchmal braucht es gar nicht viel, damit du plötzlich einiges änderst, womit du bis gestern noch total zufrieden warst. Eine kleine Bewegung reicht. Du rutschst mit dem dicken Daumen ab auf dem Touchscreen und öffnest ungewollt das Profil eines Followers, statt auf seinen tweet zu antworten. Und während du ‚ts!‘ mit der Zunge schnalzt und das Fenster wieder zumachen willst, fällt dein Blick auf den Satz „XY is not following you.“

Es dauert eine ganze Weile, bis dieser Satz sich über die Netzhaut in die richtigen Gehirnwindungen fräst und dein erster Gedanke ist lustigerweise die Ergänzung ‚anymore‘. „It should read ‚XY is not following you anymore.‘“ Denn XY ist dir klaglos jahrelang gefolgt. Ihr seid Euch gegenseitig klaglos gegenseitig jahrelang gefolgt, habt Euch gelegentlich retweetet und habt Euch bestens unterhalten. Dachtest du jedenfalls.

Fortan gehst du Punkt für Punkt die Kübler-Ross’sche Liste der Trauerbewältigung durch:

Leugnen – „Twitter spinnt mal wieder. Weiß ja jeder, die schrauben sicher wieder an der API rum und jetzt hat’s halt deinen Lieblingsclient erwischt. #seufz“ Diese Phase hält genau so lange an, bis dir die Twitterwebsite, der Mac client und der client auf dem iPhone dasselbe sagen: ‚XY is not following you‘. Ganz harte Fälle reden sich nun noch ein, XY sei bestimmt nur mit dem Daumen abgerutscht, haha, it happens to the best of us, alles nur ein Missverständnis. Aber irgendwann landen auch sie in der nächsten Phase:

Wut – „WHAT THE FUCK!? WAS GLAUBT ER/SIE WER ER/SIE IST? DER/DIE KANN MICH DOCH NICHT EINFACH SO ENTFOLGEN NACH ALL DEN JAHREN! ICH ENTFOLGE SOFORT ZURÜCK, DANN WIRD ER/SIE SCHON SEHEN, WAS ER/SIE DAVON HAT!!eins11!“ Diese Phase dauert, je nach Grad des Erwachsenseins, ebenfalls nicht sehr lange. (Es ist Twitter, um Himmels Willen. Get a life.)

Schuldgefühle – „Vielleicht habe ich in letzter Zeit wirklich etwas zu viel/etwas zu selten (nichtzutreffendes bitte streichen) getwittert“. Du überlegst, welcher deiner Tweets wohl den Ausschlag bei XY gab, auf ‚entfolgen‘ zu klicken; eine Überlegung, die nicht eben erleichtert wird durch die Tatsache, daß du nicht weisst, wann genau er/sie dich entfolgt hat. Vielleicht ist es ja schon Monate her? Es gibt Tools, die dir das sagen könnten, aber du hast sie natürlich nicht installiert, weil du diese Information ja komplett albern und irrelevant und höchstens für Firmenaccounts interessant findest. Fandest.
Diese Phase dauert etwas länger als die ersten beiden, da sie den Betrachter zwingt, sich selbstkritisch mit den eigenen Verhaltensmustern zu beschäftigen und die eine oder andere nicht von der Hand zu weisende unangenehme Wahrheit ans Licht fördert und geht manchmal fliessend über in die nächste Phase:

Feilschen und betteln – „Ich twittere künftig weniger/mehr/anders/besser (zutreffendes bitte unterstreichen), wenn du mir wieder folgst, ja?“ Diese Phase kenne ich nur aus Erzählungen; mein Selbstwertgefühl ist intakt und ich twittere wie ich bin. Ich werde mich definitiv nicht für jemand anderen ändern; schon gar nicht für jemanden, den ich nur online ‚kenne‘. „Wer nicht will, der hat schon und bye-bye, war schön mit dir“ ist meine Einstellung dazu. Daher kann ich auch nicht viel zur nächsten Phase sagen, der

Depression und Angst – „Das ist das Ende“, „Niemand Neues wird mir je mehr folgen wollen“, „Mein Klout-Score wird in den Keller rauschen“ (das natürlich nur dann, wenn der abgesprungene Follower einen eigenen, höheren Klout-Score als man selbst hat). Es soll tatsächlich Menschen geben, die das denken. Aber am Ende steht auch bei ihnen irgendwann die

Akzeptanz – „Sie ist weg“, „Et is wie et is“, je nun. War schön mit uns, aber nun ist es halt vorbei.

Das Spannende ist, nach Erreichen der Akzeptanzphase kommt die unmittelbare Aufwachphase, jedenfalls kam sie bei mir. Hier manifestieren sich die Erkenntnisse aus der Schuldgefühle-Phase, aber in positiver Hinsicht: „Stimmt, eigentlich sind unsere Interessen in den letzten Jahren ganz schön auseinandergegangen; er/sie/ich twittert/bloggt bzw. twittere/blogge nach wie vor dasselbe bzw. neuerdings über Sachen, die mich/ihn/sie eigentlich (wahrscheinlich) gar nicht interessieren (unzutreffendes bitte streichen). Und darum interessiert bzw. interessiere er/sie/ich sich/mich auch nicht länger für seine/ihre/meine Veröffentlichungen. Ist ja nicht schlimm, wer hat schon jahrelang 1:1 dieselben Interessen?“ Und plötzlich gehst du deinen Feedreader durch und kickst alle Blogs, deren Beiträge dich eigentlich seit Monaten nur noch nerven, obwohl du die Leute dahinter immer noch gut leiden magst. Und du entfolgst Leute, die irgendwie auch nichts mehr twittern, was dich selbst interessiert.

Parallel dazu gehst du erstmals seit langer Zeit aktiv auf die Suche nach neuen Leuten, denen du folgen möchtest. Scheißegal, ob sie dir zurück folgen, darum geht’s gar nicht. Du saugst gierig die neuen Tweets von ungewohnten Avataren auf. Du surfst die Blogrollen deiner Lieblingsblogs ab und dann deren Blogrollen. Ganz schön viele tote Links. Und du öffnest morgens wieder gespannt statt genervt den Feedreader. Erstmals seit Jahren, wie dir scheint. Die Botschaft ‚39 ungelesene Einträge‘ erfüllt dich mit Vorfreude statt dem Gedanken ‚oh Gott, das muss ich jetzt auch noch abarbeiten, ach, was soll’s, einfach alle als gelesen markieren und ich hab’ meine Ruhe‘.

Plötzlich hast du wieder mehr Spaß an diesem social Gedöns. Du willst wieder mehr relevante Sachen bloggen, also, für dich relevante Sachen. Dein Leben hat sich nämlich in den letzten Jahren ganz schön verändert, und das spiegelt dein Blog eigentlich gar nicht wider. Du formulierst im Geiste einige Einträge und fängst an zu schreiben. Du kopierst die Texte aus den angefangenen Blogeinträgen in ein Notizbuch, weil das dann doch irgendwie nicht so recht passen will im Blog. Aus ein paar Notizen werden viele Seiten. Zu lange Texte für ein Blog. Aber nicht zu lang für ein Buch. Du strukturierst Kapitel, denkst über Illustrationen nach, scribbelst Layouts, liest Freunden erste Kapitel vor. Erntest nützliches Feedback und machst weiter. Legst alles erst einmal wieder in die Schublade, weil du plötzlich einen neuen Job anfängst. Und so weiter, und so fort – beständiger Wandel, die einzige Konstante im Leben.

Und das alles nur, weil dein dicker Daumen das falsche Fenster geöffnet hat und enthüllte, daß dir XY nicht mehr folgt. Ein Dominostein nach dem anderen fiel um.

Cool. Und danke, XY.

Link(s) vom 10. September 2012

  • Veröffentlicht am 10th September 2012,
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Zwischen dem 9. September 2012 und dem 10. September 2012 aufgelesen:

  • Goodbye to Britain’s Golden Summer
    „But if sport is often a blend of courage, skill and teamwork then the Paralympics are sport all right – only more so. The name Paralympics hardly does the event justice: they are not to the Olympics what a paralegal is to a lawyer. In some ways, they are a more extreme version: they are the ultra-Olympics.“

Ich hätte gern mehr von den Paralympics gesehen, leider habe ich nur Häppchen mitgekriegt. Aber die hatten es in sich. Der Rückblick im Guardian ist sehr schön geschrieben und der zitierte Satz bringt es für mich auf den Punkt: die Paralympics sind eigentlich die Ultra-Olympics, die Über-Olympiade. Ich bezweifele übrigens, daß Berlin das so schön hingekriegt hätte wie London. Nicht daß wir hier blöder oder unfreundlicher wären, ganz und gar nicht. Aber wir sind es hierzulande schlicht zu wenig gewöhnt, mit Behinderten im Alltag zusammenzukommen. London ist in dieser Hinsicht vorbildlich, wenn natürlich auch nicht perfekt.

Ich glaube wirklich, es läuft nur über den Kommerz. Die Paralympics 2012 haben bewiesen, daß sich ein Massenpublikum für diese Spiele begeistern lässt. Also ist der Weg frei für Sponsoren, sich auch einmal außerhalb diesen unsäglichen „Aktion Sorgenkind Mensch“ Dunstkreises zu bewegen. Das hoffe ich jedenfalls.

  • Update
    „Den Rest des Donnerstags saß ich auf dem Sofa und dachte: fertig. Zu mehr war mein Hirn nicht mehr in der Lage. Ich habe eine Maschine Wäsche angestellt und gedacht: fertig. Ich habe die Wäsche aufgehängt und gedacht: jetzt hast Du frei. Dann habe ich zwei Stunden tief und fest geschlafen. Und zum hundertsten Mal in diesen sechs Wochen gedacht: verblüffend, wie sehr man von geistiger Arbeit körperlich erschöpft sein kann.“

Isabel Bogdan hat fertig. Und schreibt wunderschön darüber.

  • The story BCG offered me $16,000 not to tell – The Tech
    „Analytical skills were overrated, for the simple reason that clients usually didn’t know why they had hired us. They sent us vague requests for proposal, we returned vague case proposals, and by the time we were hired, no one was the wiser as to why exactly we were there.“

Ein ehemaliger MIT Student berichtet über seine Zeit bei der Boston Consulting Group. Aufschlussreich.

Link(s) vom 9. September 2012

  • Veröffentlicht am 9th September 2012,
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Zwischen dem 8. September 2012 und dem 9. September 2012 aufgelesen:

Michalis Pantelouris über Bettina Wulff, Ehe, Familie und Parteifreunde.

  • Apple Never Invented Anything | Monday Note
    „And yet, we can’t escape a key fact: The same chef was involved in all these creations. He didn’t write the code or design the hardware, but he was there in the kitchen — the “executive chef” in trade parlance — with a unique gift for picking ingredients and whipping up unique products.“

Schöne Analogie. Wir haben alle Zugang zu denselben Zutaten, aber es gibt nur selten wirklich begnadete Köche, die daraus ein unvergessliches, einzigartiges Gericht zubereiten.

*schneuz*

Link(s) vom 7. September 2012

  • Veröffentlicht am 7th September 2012,
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Zwischen dem 6. September 2012 und dem 7. September 2012 aufgelesen:

  • Jimi Hendrix Wreaks Havoc on the Lulu Show, Gets Banned From BBC | Open Culture
    „The script called for The Jimi Hendrix Experience to open with “Voodoo Child (Slight Return)” and then play their early hit “Hey Joe,” with Lulu joining Hendrix onstage at the end to sing the final bars with him before segueing into her regular show-closing number. “We cringed,” writes bassist Noel Redding in his memoir, Are You Experienced? The Inside Story of The Jimi Hendrix Experience. Redding describes the scene that he, Hendrix, and drummer Mitch Mitchell walked into that day as being “so straight it was only natural that we would try to combat that atmosphere by having a smoke in our dressing room.”“

Das dazugehörige Video lässt sich nur über VPN oder andere Tricks zur Umgehung der Zwangskasernierung seitens YouTube ansehen, aber es lohnt sich!

Ja!

  • Wieso ich kein Google Video and TV auf meinem Telefon habe – Die wunderbare Welt von Isotopp
    „Ja, lieber Kapitalismus, liebe Wirtschaft und liebe Politik. Globalisierung läuft in beide Richtungen. Und das heißt, ihr müßt endlich Eure Lizensierungsstrategien, Eure Jugendschutzgesetze, Eure Steuergesetze und was da sonst noch an Hindernissen besteht harmonisieren. Nicht irgendwann, sondern gestern. Und nicht ‚deutschlandweit‘ oder ‚europaweit‘, sondern ‚weltweit‘. Kleiner haben wir es nicht, es heißt ja ‚Globalisierung‘, nicht ‚Europäisierung‘.“

So sieht’s aus. Wir dürfen unsere Jobs  in Billiglohnländer verschwinden sehen und sollen kaufen!kaufen!kaufen! aber machen uns strafbar, wenn wir unsere im Ausland gekauften CDs, DVDs oder Downloads hierzulande nutzen oder gar weiterverkaufen wollen.

  • Architecture and the Lost Art of Drawing – NYTimes.com
    „As I work with my computer-savvy students and staff today, I notice that something is lost when they draw only on the computer. It is analogous to hearing the words of a novel read aloud, when reading them on paper allows us to daydream a little, to make associations beyond the literal sentences on the page. Similarly, drawing by hand stimulates the imagination and allows us to speculate about ideas, a good sign that we’re truly alive.“

Ich denke ja am liebsten mit dem Stift in der Hand, aber  offenbar ist das aus der Mode gekommen. Schöner Artikel aus der New York Times über die Zeichnung als Kommunikationsmittel.

Jo.

  • Veröffentlicht am 7th September 2012,
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Die Twitter-Frühschicht, von unten nach oben zu lesen: 05:15 Uhr geht’s los; der Michel markiert die erste Viertelstunde.

Handyticket – was rechnen die da eigentlich?

  • Veröffentlicht am 6th September 2012,
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Ich bin gelegentlich mit Bus und Bahn unterwegs. Eine Monatskarte lohnt sich nicht; ich fahre zu selten dafür, aber weil man im passenden Moment ja doch nie Kleingeld hat, meine Nerven fürs Schwarzfahren zu dünn sind und ich geekig veranlagt bin, kaufe ich meine Fahrscheine über das Handyticket. Die iPhone App ist soweit okay (auch wenn ich mir eine Verzahnung bzw. all-in-one Lösung über die wirklich brillante HVV App wünschen würde), nur gelegentlich erlebt man spannende Momente, wenn man gar keinen oder nur Edge-Empfang hat oder natürlich, wenn der Akku im roten Bereich ist. Aber alles in allem bin ich recht zufrieden mit dieser Lösung.  (mehr …)

Link(s) vom 6. September 2012

  • Veröffentlicht am 6th September 2012,
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Zuletzt aufgelesen:

  • Daring Fireball: Homage vs. Rip-Off
    „The old joke is that homage is when you copy someone else; a rip-off is when someone else copies you. But to me, it’s about the difference between drawing inspiration to create something new, versus slavishly copying to create something derivative. That’s the difference between great artists stealing and bad artists copying.“

John Gruber nimmt schön auseinander, warum die Ähnlichkeiten zwischen Dieter Rams’ Entwürfen für Braun und Joni Ives’ Entwürfen für Apple nicht auf demselben Blatt stehen wie Samsungs Plagiate von Apples Produkten.

  • World Wide Wasteland | Zemanta BlogZemanta Blog
    „People turned to the whispernet of their time – social networks. Links were whispered. Carefully protected as the lore of a people long gone. Tiny parcels of information adapting to shifting conditions like a message in a game of telephones. When spammers caught wind of this they started shouting their own crap. For a small fee you could get content shared to a huge, huge tribe, thousands of people would see it and pass it onwards, the spammers would laud. Just like that, all useful content was screamed out of the collective mind. Only spam remained. But the spammers had another trick up their sleeves – bots started clicking on links. You have to drive those metrics, y’know! Actionable, measurable metrics! Nobody cares about the users. The users have all gone anyway. What matters is proving to your boss that X was shared a bazillion times and seen ten bazillion times.“

Warum wir uns alle wieder mehr verlinken sollten.

  • Happy 100th Birthday, Frank Thomas!
    „When asked whether Frank considers himself a romantic: „Yes, don’t you? Aren’t we all? You’d have trouble defining what a romantic is, but I think it has a lot to do , to me, living with your dreams and dreaming quite a bit about connections between things. Trees, the sky, the grasses, the birds, the animals and you being a part of the whole thing. A Realist would have trouble with some of those concepts, but if you get into an imaginary field like animation, you’d better come equipped with that kind of nonsense.““

Andreas Deja gratuliert Frank Thomas.

  • Remembering Neil Armstrong, First Man on the Moon | Science and Space | TIME.com
    „And then, of course, the boulders appeared. All over the prime landing zone were massive rocks impossible to navigate and deadly to try even to approach. Armstrong took the stick from the harried computer, tilted the half-upright LEM into a head-forward lean and flew in the flat across the boulder field, finally touching down on a spot of soil that had been wholly unremarkable for the entire 4 billion years of the moon’s existence and would now become the most powerfully evocative patch of real estate in all of human history. There were, NASA later calculated, about 30 seconds of fuel left in the tank.“

Toller Artikel über den Mann im Mond.

  • Die berittenen Buddenbohms
    „Die Reitlehrerin sah auf die Uhr und sagte: „Der Muskelkater beginnt in einer halben Stunde. Viel Spaß, da haben Sie jetzt drei Tage etwas davon. Sehen Sie lieber zu, dass Sie es noch auf ein Sofa schaffen.““

Familie Buddenbohm war reiten. Müßte ich auch mal wieder machen. Aber der Knaller ist ja, daß man hierzulande nicht einfach so ein Pferd leihen und losreiten kann, wie in so ziemlich jedem anderen Land der Welt. Nein, hier braucht es a) einen Helm und b) einen Reiterpaß! <vordieStirnpatschGeräusch>.  Bevor man überhaupt aufs Pferd darf, muß man voltigieren lernen. Also, wie man ein Pferd an einer langen Leine im Kreis herumführen kann. – Langsam wundert micht nicht mehr, warum uns keiner für voll nimmt …

So ist es.

Link(s) vom 5. September 2012

  • Veröffentlicht am 5th September 2012,
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Zuletzt aufgelesen:

Wenn Frauen alleine U-Bahn fahren. Und ja, so oder ähnlich hab ich das auch schon gelegentlich erlebt, die Darstellung ist nicht übertrieben, denke ich. Die meisten Männer können oder wollen nicht verstehen, daß ihr Handeln nicht als harmloses Flirten sondern als gruselige, widerliche und oft beängstigende Anmache verstanden wird. In allererster Linie wahrscheinlich deshalb, weil es das in 99 von 100 Fällen auch ist. Es geht nicht um Sex, es geht um Macht.

  • 393 Tage
    „Vielleicht hätte ich einfach auflegen sollen, als eine Kollegin vom besagten Umzugsmenschen No.1 ein Telefonat mit den Worten „Wie flexibel sind Sie wegen des Umzugstermins?“ begann.“

So Umzugsmenschen sind auch von einem anderen Planeten, oder?

Für dumm verkauft

  • Veröffentlicht am 4th September 2012,
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Ich kriege das ja alles nur unmittelbar durch Blogeinträge etc.mit, was da wieder für eine Sau durchs Sommerloch getrieben wird. Ich habe, wie ich schon bei Johnny schrieb, vier Anläufe (via Mediathek) unternommen, mir die ZDF Info Sendung mit ihm und Spitzer anzusehen. Ich hab’s nicht geschafft, mir das Elend zu Ende anzuschauen. Und die Jauch(e)-Sendung habe ich auch nur via Twitter mitgekriegt.

Mir wird übel bei so einer Mischung aus Inkompetenz (zunächst einmal der Moderatorin, die es nicht schafft, diesen blökenden Unsympathen kalt zu stellen, was aber natürlich auch ihr Sendekonzept ad adsurdum führen würde) und aggressiver Selbstdarstellung der Teilnehmer; in diesem Falle Spitzer, der unhöflich jeden anderen Teilnehmer unterbrochen hat bzw. über ihre Einwände hinweggerollt ist. Von seinen Thesen habe ich nichts mitbekommen, weil ich mich nicht anschreien lasse und daher den Stream weggeklickt habe. „Wer schreit, hat keine Argumente, wer schreit, hat unrecht“ haben meine Eltern mir als Kind beigebracht. Das mag nicht in jedem Fall zutreffen, aber hier bin ich mir sehr, sehr sicher, daß dem so ist. Und sollte der Mann tatsächlich valide Argumente haben, dann ist er dennoch dumm (im Sinne von ungeschickt), weil er sich selbst durch sein schlechtes Benehmen disqualifiziert hat, sie mir nahezubringen.

Vielleicht ist der Mensch von Natur aus unzufrieden mit dem, was er hat und neidisch oder wenigstens neugierig auf das, was andere haben. Und wie in der Fabel vom Fuchs und den sauren Trauben macht er das nieder, was er gerne hätte aber nicht haben kann, oder was er einfach nicht versteht. Weniger, um andere davon zu überzeugen, als um sich selbst davon zu überzeugen, daß er das Ding ja gar nicht braucht. Und natürlich braucht er es in den meisten Fällen nicht; wir brauchen bekanntlich überhaupt nur sehr wenig zum Leben. Aber hätten es halt gerne.

Mir geht es inzwischen wie vielen anderen, oft jüngeren FreundInnen, KollegInnen, Followern etc. aus diesem Internet: ich habe keine große Lust mehr, mich anzustrengen den aus-Prinzip-Offline-lebenden zu erklären was sie verpassen, welche Chancen sie sich verbauen, was eigentlich so großartig ist an all dem. Ich bin langsam müde, ein Feuer der Begeisterung entfachen zu wollen wo alle in Asbestklamotten mit verschränkten Armen neben ihren Feuerlöschern stehen. Es ist keine Frage des Alters, der Bildung oder der Herkunft. Es ist eine Frage der Neugierde auf das Leben, wie offen der geistige Horizont ist und die Bereitschaft, sich auf ein Abenteuer einzulassen. Ja, man kann sich im Internet furchtbar weh tun, man kann beraubt, verleumdet, verarscht werden. Newsflash: all das passiert auch täglich in der Offlinewelt, wie man in Zeitungen lesen und im TV sehen kann. Man kann sich im Internet ausschliesslich in sog. walled gardens wie einstmals AOL und CompuServe und heute Facebook aufhalten und trotzdem ein tolles Leben haben, genau wie man einen fantastischen Cluburlaub in einem all-inclusive-Hotel mit Kinderbetreuung, all-you-can-eat Buffet und Animation haben kann. Vielen Menschen reicht das und sie erleben jedenfalls schon mal deutlich mehr als diejenigen, die gar nicht erst vom Sofa aufstehen. Aber sie verpassen so viel. Es gibt so viel mehr!

Andererseits: wir verpassen alle etwas, jeden Tag. Es gibt einfach zuviel. Wir können niemals alles machen, alles lesen, alles sehen, alles lernen. Selbst die aktivsten, belesensten und am weitesten gereisten unter uns werden, im Ganzen betrachtet, am Ende ihres Lebens nicht sehr viel mehr als an der Oberfläche dessen gekratzt haben, was möglich gewesen wäre. Ich möchte gern segeln lernen, und programmieren, mit dem Motorrad durch Indien fahren und eine eigene Schriftart entwerfen, ich will richtig gut kochen können und herausfinden, wie man World of Warcraft spielt, ich will noch mehr Fremdsprachen lernen und mein Buch endlich veröffentlichen und besser Golf spielen und eine neue Band gründen und noch viel mehr. Ich will mir keine künstlichen Grenzen aufbauen und mir keine bauen lassen. Schon gar nicht von Leuten, die mich anschreien und für dumm verkaufen wollen.

 

 

Zum selben Thema: Wenn die Kinder das Internet nicht hätten

Mein #609060 Rant

  • Veröffentlicht am 4th September 2012,
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Ich sag’ dann auch noch mal was zum Thema #609060, denn es wurde ja schon alles gesagt, nur von mir noch nicht.

Einige haben im Zusammenhang mit diesem Mem ein Problem mit dem Begriff „normal“. Äh, ja, das sind normale Leute, die da mitmachen, jedenfalls mal rein von der Optik her. Wer jemals den Fuß vor die Tür gesetzt hat und sich in eine U-Bahn oder Fußgängerzone oder sonst in die Öffentlichkeit begeben hat, der müsste das eigentlich festgestellt haben: Menschen sehen nun mal so aus. Es gibt kleine, große, dürre, fette und die irgendwo dazwischen. Es sind nicht die „irgendwo dazwischen“, die normal sind. Es sind alle. Ihr auch. Ich habe viele von Euch bei den letzten re:publicas gesehen. Ihr seid kein Stück dicker oder dünner oder anders. Ihr seid nix besonderes. Oh, natürlich seid Ihr alle etwas besonderes, schon klar. You’re so fucking special. Aber if everyone’s special, nobody is. Denkt mal drüber nach. Get over it. Ihr seid normal. Ja, einige sind deutlich kleiner als ich, deutlich größer, unfassbar viel dünner oder auch unglaublich viel dicker als ich. Haben Schuhgröße 48, einen Riesenbusen oder keinen erkennbaren, eine gigantische Hakennase oder ein grünes und ein braunes Auge. Kombinationen sind möglich. Aber alle zusammen bildet Ihr, bilden wir die Norm.

Einige wollen also statt von normalen lieber von „echten“ Menschen sprechen. Das wiederum finde ich komplett krank. Denn wer sind denn die anderen, die unechten? Etwa die Models? Sind die weniger Mensch als Ihr, nur weil sie meist dünner sind? Sind die unecht? Das hat für mich einen ganz, ganz fiesen, menschenverachtenden Beigeschmack, sorry. Ist ja eine Sache, wenn Ihr denkt, alle Leute in Konfektionsgröße 42 seien verhältnismässig schlank aus Eurer Perspektive. Klar, schlank ist immer relativ. Aber sind sie deswegen nicht echt? Da sind wir dann gefährlich nahe am Sinn und Zweck der Propagandaposter aus Kriegszeiten, wo dem Feind jede Menschlichkeit abgesprochen wurde, damit man sich nicht so den Kopf macht, wenn man ihn tötet. Da waren Japaner plötzlich Ratten oder Affen und Russen plötzlich geifernde Bestien. Nicht echt? Das heisst, man darf sich drüber lustig machen, drauf rumtrampeln, zur Seite wischen.

Ach, und die abgeschnittenen Köpfe auf den Fotos sind jetzt auch nicht ok und ein Zeichen von Diskriminierung? Was für ein, ’tschuldigung, gequirlter Scheiß. Es will halt nicht jeder sein Gesicht im Internet sehen, egal in welchem Zusammenhang. Es ist kein Zufall, daß die meisten Avatare kein Foto des Nutzers zeigen sondern eine Comicfigur, ein Logo, oder das Gesicht höchstens angeschnitten, mit Sonnenbrille verfremdet oder durch eine Mütze unkenntlich genug gemacht. Das ist sicherlich nicht der Fall, weil sich jeder so hässlich findet oder weil diskriminiert werden soll — wo ist denn da bitte die Logik, ich diskriminiere mich selbst und reduziere mich selbst auf meinen Körper, den ich so hässlich finde, daß ich ihn online präsentiere? Es kann auch tausend andere Gründe dafür geben. Sie müssen nicht unbedingt rational sein, und für manchen Selbstdarsteller mag es sicher unbegreiflich erscheinen, aber: nicht jede(r) will das eigene Gesicht in der Zeitung, im TV oder im Web sehen.

Oh, und es ist alles eine riesige rassistische Diskriminierungskampagne, weil nur weisse, dünne, hübsche Frauen unter 50 mitmachen? Yeah, well, dann nehmt Eure Kameras, Ihr dicken, hässlichen Männer über 50, die Ihr „people of color“ seid. (Das ist übrigens mit Abstand der allerdämlichste Neusprech-Ausdruck. Als ob wir nicht alle eine Hautfarbe hätten, oder sind Weiße etwa durchsichtig?) Es ist ein Mem, Jede(r) darf mitmachen, keiner muss. Wenn Ihr Euch bei dieser Kiste unterrepräsentiert fühlt, dann deshalb, weil Ihr es wollt. Niemand hindert Euch daran, mitzumachen.

Ihr seid normal. Get over it. Was Ihr noch seid: #allebekloppt.

Nachtrag: Nachdem einige Kommentatoren offenbar nicht so ganz wissen, worum es hier geht, verlinke ich hier noch mal auf Journelle, die Initiatorin der Aktion. Hier der Ursprungsbeitrag und hier ein Nachklapp mit einer umfangreichen Linksammlung zum Thema. Eine Twittersuche mit dem Hashtag #609060 findet eine Vielzahl von Bildern von normalen Menschen in Oberbekleidung.

Link(s) vom 3. September 2012

  • Veröffentlicht am 3rd September 2012,
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Zuletzt aufgelesen:

  • The Samsung controversy and the murky world of tech blogging | Technology | guardian.co.uk
    „Quiqueré, who has been a „brand ambassador“ for Samsung since 2010, was told she had won a competition to come at the company’s expense to the Olympics in London in August, along with a group of bloggers. She went expecting to be a guest at events, because Samsung was a major sponsor of the Olympics, for which it paid more than $100m.Instead the group found that the six-day trip involved barely any visits to events. Instead they were meant to create promotional videos and photos, and fill out daily reports on what they had done. They were also instructed to upload videos of promotional events to their personal YouTube accounts – an instruction that Quiqueré resisted strongly. She says that by the end of the five-day trip she saw two events – a table-tennis semifinal and a volleyball eliminator. „We didn’t have the chance to see the Olympic stadium or participate [in] other festive events related to the Olympics,“ Quiqueré complained. „The most embarrassing thing is the surreal feeling of being trapped.“

Offenbar hat Samsungs Art, Blogger als PR-Knechte zwangszuverpflichten, Methode. Interessant ein Kommentator im Blog der Betroffenen: „The lack of communication, the over-reactions, the near-psychotic managemenet behaviour – it’s Korean through and through. This is more or less the same as what happens within Korea, except that people here kind-of expect it.“

  • If You Were the Next Steve Jobs… – Umair Haque – Harvard Business Review
    „After a few days, James, the barista, noticed that I’d come in, order a flat white, write like a man possessed for an hour or so — but never finish my coffee. He asked me why, and I replied that I espresso leaves me too wired to write, but paradoxically, I always need a little. Without missing a beat, James simply proceeded to create an entirely new drink for me, on the spot: a mini flat-white, which he half-jokingly named after me.“

Neue Zeiten erfordern neue Ideen.