Meine Lieblingstweets im Mai

  • Veröffentlicht am 29th Mai 2012,
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Da ich die nächsten zwei Tage offline sein werde und der Monat fast rum ist, kommen hier schon mal etwas verfrüht meine Lieblingstweets desWonnemonats:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Media Monday #48

  • Veröffentlicht am 28th Mai 2012,
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Media Monday #48

Auch Pfingstmontag ruft die Pflicht: es ist Media Monday!

1. Der beste Film mit Chevy Chase ist für mich Caddyshack.

2. Christopher Smith hat mit ________ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil ________ .
Hier muss ich leider passen, da ich noch nichts von dem Mann gesehen nhabe. Wie ich der imdb entnehme, filmt er vorwiegend im Horror-/Gemetzel-/Folterporngenre, das bekanntlich nichts für mich ist.

3. Der beste Film mit Diane Kruger ist für mich ________ . Auch hier muss ich leider passen, da ich nur Troy mit ihr gesehen habe; einen Film, den ich unter optimalste Voraussetzungen als gequirlte Schifferscheiße bezeichnen würde, was zugegebnermassen nicht ausschliesslich an Frau Krüger liegt, aber sie reisst andererseits auch nix raus.

4. Der Sommer scheint endlich und wirklich Einzug gehalten zu haben in unseren Breitengraden. Wirkt sich das (und wenn ja wie) auf euren Filmkonsum aus? Ich gehe nicht mehr oder weniger als sonst auch ins Kino, denn da geht’s ausschliesslich nach dem Filmangebot. Aber ich gucke weniger DVDs als im Herbst und Winter und sitze mehr auf dem Balkon und lese oder bin sonst irgendwo draussen.

5. Mit Filmen über politisch korrekte Dramen in Dritte-Welt-Ländern wie z.B. Slumdog Millionaire kann man mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken.

6. Drogen-Komödien im weiteren Sinne oder auch Kiffer-Komödien im engeren Sinne interessieren mich nicht ganz so brennend wie der Eierpreis in der äußeren Mongolei. Oder, präziser gesagt: So’n Scheiß guck ich nicht.

7. Meine zuletzt gesehener Film ist Dog Day Afternoon und der war wie immer fantastisch , weil es eine irre Story ist, weil die Darstellung der Figuren so leicht ins Lächerliche hätte abgleiten können, weil John Cazale der tragisch unterschätzteste und viel zu früh verstorbene Schauspieler des New Hollywood war und weil der Film für mich den Sommer einläutet.

Feierabend

  • Veröffentlicht am 24th Mai 2012,
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Feierabend

Auf dem Nachhauseweg vom Einkaufen kommt mir ein junger Mann entgegen, vielleicht achtzehn, höchstens zwanzig Jahre alt. Er trägt eine bekleckerte weisse Malerhose, ein dünnes T-Shirt ohne Aufdruck und einen Ohrring, sein Arbeitstag scheint zu Ende zu sein. Sein Gang ist der eines sehr jungen Hundes einer sehr großen Rasse, der noch durch sein zu großes Fell rutscht und mit seinen großen Pfoten nicht umzugehen weiß. Irgendwie hat er schon mitgekriegt, daß er wild und gefährlich sein soll, aber eigentlich ist er viel zu verspielt und niedlich und imitiert daher den rollenden, drohenden Gang der anderen, älteren Rudelmitglieder mehr schlecht als recht. Wenn er alleine ist, vergisst er das auch gelegentlich. So wie jetzt. (mehr …)

Link(s) vom 23. Mai 2012

  • Veröffentlicht am 23rd Mai 2012,
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Zwischen dem 19. Mai 2012 und dem 23. Mai 2012 aufgelesen:

  • The analog twitter wall at re:publica 2012 | precious, strategic design & visual language
    „It was also interesting to see how a quick and transient medium like Twitter feels like when manifested. Since it took about 6 hours to fill the wall, the tweets survived relatively long compared to the usual twitter walls, where they often appear only for a few seconds. The massive wall and the familiar size of DIN A4 sheets also visualized the enormous amount of data far better than an abstract digital representation could. Although these aspects were something we aimed for when developing this installation, we were still surprised about the impact it had on us. Size, in this case, really does matter.“

Ich fand die analoge Twitterwand ganz super. Das war wirklich genial, ganz im Gegensatz zu einer herkömmlichen Twitterwall, die ursprünglich ja mal eine ganz nette Idee war, wenn sie bei Talkrunden oder Vorträgen hinter den Gästen/Rednern installiert war, damit diese umgehend den Puls des Publikums fühlen konnten und Fragen zeitnah beantworten. Tatsächlich  stellte sich dann aber rasch heraus, daß sich kein Schwein um das kümmerte, was hinter ihnen an der Wand entlangflackerte, die Leute im Publikum waren einerseits genervt, weil ihre Fragen nicht beantwortet wurden und ansonsten unkonzentriert, weil sie ihre 140 Zeichen Ruhm nicht verpassen wollten und darüber verpaßten, was eigentlich gerade so erzählt wurde. Nein, eine Twitterwall ist totaler Schwachsinn, aber eine analoge Twitterwand ist Poesie in Reinkultur.

  • Pricing Books and Ebooks
    „Except for a select few products that are the same price everywhere and never go on sale (Wii, Bose, Apple, Xbox) everything has a variable price. Things are cheaper or more expensive depending on who is selling them. Things go on sale. Retailers can discount, or they can jack up the prices dependent on location (the same bottle of Budweiser can cost you 50 cents or $10 based on where you bought it.)This is how almost everything is sold. And this is how products find their natural retail prices. Supply and demand, market fluctuations, and locations all play a part.So who ends up determining the price of a product? The customer. Not so with books. With books, the publisher determines the price. Does this sound familiar for some reason? Perhaps because the DOJ is currently investigating the Big 6 for price-fixing? Why is publishing the only business so concerned with setting the retail price of its products?“

Nicht alles übertragbar auf unsere Vehältnisse hier, aber genügend „points to ponder“ bezüglich einer VÖ in Eigenregie.

  • Die Welt wird kleiner
    „Aber vielleicht ist das gar nicht wahr – vielleicht macht das Internet unsere Welt größer. Denn wo vor zweihundert Jahren die Welt an der Dorfgrenze aufhörte, wo sie vor hundert Jahren von den Rufen der Zeitungsjungen begrenzt wurde, wo wir vor zwanzig Jahren noch darauf angewiesen waren, dass die Macher der Tagesschau aus allem, was ihnen ihre Filter durchließen die richtigen 15 Minuten zusammenstellten – da können wir heute in jeden Winkel der Welt schauen. Und das ist wirklich groß.“

Hach.

 

Endlich Sommer!

  • Veröffentlicht am 22nd Mai 2012,
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Falls es etwas schöneres gibt als am ersten echten Sommertag des Jahres den ersten Abschlag meines geliebten Golfplatzes hochzuklettern, dann weiss ich nicht, was das sein sollte.

Oh, doch, stimmt: mit dem letzten Putt auf dem 18. Grün das Match zu gewinnen!

Media Monday #47

  • Veröffentlicht am 21st Mai 2012,
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Media Monday #47

Montag, Shmontag, Media Monday!

1. Der beste Film mit Giovanni Ribisi ist für mich entweder Lost in Translation (allerdings nicht seinetwegen) oder Tom Tykwers Heaven (seinetwegen). Generell mag ich Ribisis unauffällige Verletzlichkeit, bei der auf den zweiten Blick erst deutlich wird, wie stahlhart der Mann eigentlich ist. Ich würde ihn gern mal gegen den Strich besetzt sehen.

2. Alfonso Cuarón hat mit Y Tu Mamá También seine beste Regiearbeit abgelegt, weil es sehr einfach gewesen wäre, die Geschichte oberflächlich anzulegen und darzustellen und er es geschafft hat, daß ich aus dem Kino kam und unmittelbar eine neue Karte für die nächste Vorstellung gelöst habe, um weitere Ebenen zu finden als die zwölf oder dreizehn, die ich schon beim ersten Ansehen so umwerfend fand.

3. Der beste Film mit Vanessa Redgrave ist für mich moah, wie soll man sich denn da festlegen? Die Frau hat mindestens ein Dutzend unterschiedlichster, fantastischer Filme gedreht! Aber okay, dann eben nur die ersten drei, die mir spontan einfallen: Antonionis Blow-Up, Frears’ Prick up your ears oder Augusts The House Of The Spirits (den ich übrigens sehnsüchtig auf DVD erwarte, im richtigen Bildformat und mit O-Ton, bitte!).

4. Eine Frage an unsere Comic-Freunde, aber freilich auch filmisch betrachtet so relevant wie nie: Marvel (The Avengers) oder DC (Batman)? Da ich Comicverfilmungen extrem skeptisch gegenüberstehe und noch keine einzige, wirklich überzeugende gesehen habe, kann ich da keinen sonderlichen qualitativen Unterschied feststellen. Nolans Dark Knight Trilogie ist gut (auch wenn ich mir den letzten Teil schenken werde), die Spider-Man Wiederbelebung damals mit Schnucki Maguire war zumindest im ersten Teil gut; IronMan gefiel mir; da ich den Comic nicht kenne war ich wahrscheinlich auch die einzige, die mit Daredevil zufrieden war, Ang Lees Hulk hingegen war furchtbar … es ist wohl insgesamt recht ausgegelichen, aber ich bin da ziemlich leidenschaftslos.

5. Wenn Hollywood schon Bücher verfilmt, dann sollen sie gefälligst die Essenz des Buchs einfangen. Ein Buch sklavisch zu verfilmen ist weder möglich noch nötig, aber das Herz eines Buchs rauszureissen und nur das Drumherum zu verfilmen ist sinnlos und ärgerlich.

6. Damit ein Buch mich fesseln kann, muss es gut geschrieben sein. Ja, so einfach ist das.

7. Meine zuletzt gesehener Film ist Michael Manns Collateral und der war auch ein paar Jahre nach dem ersten Ansehen okay, aber nicht wirklich perfekt, weil – schlagt mich – weder Tom Cruise noch Jamie Fox wirklich gute Schauspieler sind. Stars, ja. Schauspieler? Nein. Aber die Optik war, wie in jedem Mann, perfekt und die Szene mit dem Coyoten ist natürlich legendär.

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Link(s) vom 19. Mai 2012

  • Veröffentlicht am 19th Mai 2012,
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Zuletzt aufgelesen:

Eine wunderbare, sehr inspirierende Rede; ein must-see für jeden Kreativen, wie ich finde.

  • lines and colors : » Daniel Xiao
    „His fantastical landscapes have a wonderful sense of scale and atmospheric perspective, the qualities of which don’t really come through in the small images I’m showing above. The visual appeal of his work is much more evident on his on site, and even more so on some larger selections you can see in this post on Concept Ships.“

Sehr schöne Konzeptzeichnungen. Davon gibt es ja so viele, aber die meisten drehen sich ausschliesslich um Raumschiffe, dystopische Szenarios mit Blade Runner Optik einerseits oder andererseits „Conan, der Barbar“ Sujets – muskelbepackte Helden mit behornten Helmen, Schwert und Lendenschurz, die, oft bei gewittrigem Himmel in einer verschneiten Einöde, eine spärlich bekleidete, rothaarige Schönheit, deren üppige Kurven die angelegten Ketten zu sprengen drohen, vor einem flammenspeienden Troll retten müssen. Das kann Xiao natürlich auch alles, aber eben auch mehr. Seine Portfolioseite finde ich sehr gelungen.

  • How Yahoo Killed Flickr and Lost the Internet
    „One of Yahoo’s goals was to move from a system of notice and takedown, to prescreening all the content members posted before it went up online. Flickr saw this as both a costly time-consuming task and one that could very well violate its members privacy, especially when talking about private photos. The Flickr team scheduled a meeting and headed down to corporate headquarters in Sunnyvale for an hour long presentation to make its case. Halfway through the meeting, the vice president who oversaw customer care for Yahoo looked at his watch, announced he had another meeting, and left. It was an open fuck you.“

Schön zusammengefasst und mit einer gesunden Portion Insiderwissen angereichert: Yahoo! hat’s auf ganzer Linie versemmelt und flickr wird sich davon selbst dann nicht mehr erholen, wenn es sich freikauft.

  • Fett wie ein Turnschuh: Ich flehe um mein Leben | ZEIT ONLINE
    „Wie alle guten Dinge im Leben ist natürlich auch Louisville irgendwann vorbei. Ich fahre zurück zum Flughafen, gehe durch die Sicherheitskontrolle und werde sofort von blauen Männern umzingelt. Ich werde in einen separaten Raum gebracht und von Sicherheitspersonal betätschelt. Sie untersuchen jedes einzelne Teil in meinem Koffer mit ihren hochentwickelten Maschinen. Ein Blauer tastet noch einmal meinen Körper ab. Die Beamten befragen mich wieder und wieder, offensichtlich halten sie meine Wenigkeit für einen Top-Terroristen. Und dann, kurz bevor die Navy Seals zu meiner Erschießung hereingebeten werden, starrt mich ein strenger Blaumann an und fragt mich mit zutiefst ernster Stimme: „Haben sie heute Hautcreme verwendet?““

Wir sind alle total bekloppt, daß wir diesen Zirkus mit uns veranstalten lassen.

  • 70 Jahre Einsamkeit
    „Tagsüber dehnt sich das ganze Wrack in der Gluthitze aus. Dann versinkt die Sonne und in den kalten Wüstennächten, zieht sich alles wieder zusammen. Das Material ächzt und knarrt. Jeden Tag.“

Sowas finde ich ja immer total faszinierend: Flugzeugwracks aus einer anderen Zeit und in einer Landschaft, die komplett zeitlos ist.

  • Futuro – the ideal home that wasn’t
    „There it was, painstakingly restored and eye-achingly yellow, resting on its metal frame (the pod house was often helicoptered on to its legs), its hatch door with integrated staircase lowered invitingly. Entering a space that you know well as an image is usually either a shock or an anticlimax.“

Ich erinnere mich aus meiner Kindheit an solche architektonischen Bilder, die einerseits futiristisch, andererseits so total normal erschienen, da im Alltag alle Gebrauchsgegenstände den „Space Touch“ erhielten.

  • How Lousy Cockpit Design Crashed An Airbus, Killing 228 People
    „This stick is of particular note. It’s fly-by-wire technology, meaning that there’s very limited tactile feedback. If a pilot sets the plane to a 10-degree pitch, they can move the stick 10 degrees once and remove their hand from the controls entirely. Furthermore, co-pilots don’t feel any sort of feedback in their controls, meaning that as Bonin was making this momentary adjustment, the only way his colleagues could know was by looking right at his hands.“

Der Teufel ist ein Eichhörnchen.

Das Leben ist kein Kindergarten

  • Veröffentlicht am 14th Mai 2012,
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Gerade las ich diesen interessanten Artikel über Kindergartenkinder und durchgeknallte Eltern und versuche, mich an meine eigene Kindergartenzeit zurückzuerinnern. Die Welt ist doch deutlich anders heute.

Ich habe nur noch verschwommene Bilder aus meiner Kindergartenzeit. Kunststück: die liegt über vierzig Jahre zurück und ich war auch nur sporadisch dort und auch nur im Jahr vor meiner Einschulung, so etwa zwei Vormittage in der Woche. Meine Mutter fand wohl, ich müßte als Einzelkind auch mal langsam mit anderen Kindern in Kontakt kommen, damit die Schule nicht so ein Kulturschock sein würde. Ich habe es damals nicht verstanden und auch heute noch tue ich mich damit eher schwer. Jetzt hatte ich den Kulturschock halt ein Jahr früher. Ich war gerne allein. Ich habe nie andere Kinder vermisst. Ich habe gemalt, gelesen, mit meinen Spielsachen gespielt und mich ruhig für mich beschäftigt. Langeweile hatte ich nie. Aber da der Mensch ja ein Rudeltier sein soll und es „nicht normal sein kann“, wenn ein Kind so gar kein Interesse an anderen Rudelmitgliedern hat, ist es heute wohl noch ungewöhnlich, wenn es keinen Kindergarten oder keine KiTa besucht. Wobei das sicherlich auch daran liegen mag, daß das klassische Familienmodell meiner Eltern, das in den 60ern und mindestens bis Mitte der 70er Jahre noch vorherrschte – Papa arbeitete, Mama war hauptberuflich Mama und schmiß Kind(er) und Haushalt – heutzutage in unseren Breitengraden fast so exotisch anmutet wie eine Kindheit mit Kindermädchen, Privatlehrer, Butler und Chauffeur.

Ich hatte keine Lust auf den Kindergarten. Das fing schon damit an, daß ich mir morgens beim Frühstück darüber Gedanken machen sollte, was ich denn auf mein Pausenbrot haben wolle, das dann drei Stunden später aus dem roten Kindergartentäschchen geholt werden und zeitgleich mit den anderen Kindern gegessen werden sollte. Ich fand das Kindergartentäschchen toll und praktisch, aber für Stifte und Papier und den Piccoloteddy und die Mundharmonika. Ich hatte weder Platz für noch Bedarf an einem Äpfelchen oder in Butterbrotpapier gewickelten Salamischnittchen mit Radieschen. Ich hatte gerade gefrühstückt und würde doch Mittags wieder zuhause sein! Aber das Ritual war wichtig, fand man im Kindergarten. Gemeinsam singen, gemeinsam essen, vorher und nachher gemeinsam Händewaschen und dann gemeinsam etwas spielen oder Sport machen. Ich fand das doof, plöd, unlogisch. Ich wollte gerne die Bücher angucken oder lesen, die in der Kiste lagen, egal wie das Wetter draußen war –  warum sollte ich jetzt mit den anderen etwas singen? Wieso wollten die, daß ich rauskomme und Ball spiele? Die sind doch genug, wozu brauchen die mich unbedingt? Ich bleibe hier einfach sitzen und male noch etwas, okay? Nein, das sei nicht okay, wurde mir beschieden. Die anderen Kinder würden doch so gerne mit mir spielen und seien jetzt ganz, ganz traurig, sagte mir die Kindergärtnerin. Ich weiß nicht mehr, was ich geantwortet habe, wahrscheinlich gar nichts. Das Wort „Bullshit!“ kannte ich noch nicht, außerdem war ich ein höfliches Kind und ohnehin – was soll man auf so einen Käse schon groß antworten? Ich ging also raus, trat einmal gegen den Ball, drehte mich um und ging wieder hinein, fertig malen. Seufz.

Der Einschulungstest, der gemacht wurde um festzustellen ob ein Kind schon schulreif wäre oder gar verfrüht eingeschult werden könnte bestand aus der klassischen den-Arm-über-den-Kopf-legen-und-das-Ohr-berühren Aufgabe, dem korrekten Zeichnen und Benennen von Quadraten, Kreisen und Dreiecken und außerdem sollte man die Farben des berühmten Pelikan Tuschkastens (noch aus Metall) richtig zuordnen können. Das war nicht wirklich schwierig, immerhin verbrauchte ich rund einen von diesen Tuschkästen pro Monat, zusammen mit einem Zehnerpack von diesen Zeichenblöcken, die oben und unten perforiert waren, nur lächerliche zehn Blatt enthielten und auf dem Cover mit viel Glück Winnetou und Old Shatterhand, mit Pech ein Paar Goldhamster abbildeten.

Der Schulpsychologe (oder was das war) zeigte auf den ockerfarbenen Napf und fragte mich, was für eine Farbe das denn sei. „Ocker“ antwortete ich. Er runzelte die Stirn. „das hat die Mami mit dir aber fein geübt! Aber wie würdest du denn die Farbe nennen?“ Ich wurde ungeduldig. „Ocker, steht doch drunter.“ Ich zeigte auf die entsprechende Beschriftung unter dem Napf. Er murmelte empört etwas von „dressiertes Äffchen“ in seinen Bart und beschied mir und meinen Eltern knurrend, für eine frühzeitige Einschulung geeignet zu sein.

Im Familienfotoalbum des Jahres 1972 fand ich letztens ein s/w-Gruppenfoto mit etwa zwei Dutzend Kindergartenkindern, einer Kindergartentante und dem Schild „zur Erinnerung an meine Kindergartenzeit“. Ich bin nicht mit drauf, ich hatte gerade die Windpocken, als das Bild gemacht wurde. Warum es in unserem Album klebt, ich weiß es nicht.

Media Monday #46

  • Veröffentlicht am 14th Mai 2012,
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Media Monday #46

Es ist mal wieder Montag, und das heisst: Media Monday!

Ich muss mich wirklich mal bei Wolf bedanken, denn ohne diesen gefühlten kleinen Tritt in den Allerwertesten würde ich jetzt nicht bloggen, ich leide gerade unter aktuter Bocklosigkeit, das wird auch an der Anstaltspackung Procrastinat Retard liegen, die ich letzte Woche gefuttert habe.

1. Der beste Film mit Gerard Butler ist für mich Beim flüchtigen Überfliegen der imdb stelle ich fest: Ich kenne nur einen Film mit ihm, und den finde ich völlig grottig: 300. Allerdings hatte er noch eine Nebenrolle als Statist oder Matrose in dem Bondstreifen „Tomorrow Never Dies“. Das war zwar auch eine ziemliche Gurke, trotz Hamburg Content, aber immer noch besser als dieser abstoßende Müll 300.

2. Rainer Werner Fassbinder hat mit __________ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil __________ . Ich habe nur zwei Filme von ihm gesehen, die ich beide nicht als besonders gut in Erinnerung habe. Ich mag aber auch diese merkwurdigen Sujets überhaupt nicht, an denen er sich abgearbeitet hat und finde ihn bestenfalls uninteressant, insofern passe ich hier.

3. Der beste Film mit Hilary Swank ist für mich Insomnia. Das ist überhaupt ein sehr sehenswerter Film und eins der besseren Remakes von Skandinavenkrimis.

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4. Thema Lieblingsfilme: Müsst ihr sie BESITZEN oder reicht euch der Kinobesuch/das Ausleihen/die Fernsehausstrahlungen? Lieblingsfilme will ich genauso auf einem physischen Datenträger besitzen wie Lieblingsmusik oder Lieblingsbücher: Damit ich sie ansehen, anhören, lesen kann wann immer ich möchte. Lieblingsfilme möchte ich außerdem in der bestmöglichen Version auf DVD haben: ungekürzt bzw. ungeschnitten, idealerweise im Director’s Cut (gerne auch zusätzlich, wenn vorhanden), ich lege Wert auf Bonusmaterial auch jenseits des EPK, also gerne Audiokommentar(e) und behind-the-scenes Kram. Allerdings ist bei Jahrzehnte alten Filmen dann plötzlich auch das EPK wieder interessant: wie wurden Trailer früher geschnitten, wie wurde ein Film vermarktet etc.
Eine gelungene Verpackung erfreut mein Designerherz zusätzlich; Schnickschnack wie Sammlerfiguren hingegen brauche ich nicht. Beispiele für wahrlich gelungene Editionen sind die Lord Of The Rings Extended Versionen, die meisten Criterion Veröffentlichungen von Filmklassikern (auch neueren). Leider wird für den deutschen Markt zu wenig in dieser Hinsicht produziert, als Sammler muss man sich da schon weltweit umschauen, was natürlich einen codefree DVD Player voraussetzt. Sehr schöne offizielle Editionen in limitierter Auflage – auch von westlichen Filmen – gibt es oft in Asien (Korea, Japan oder Hong Kong) und Autralien. Auch die Franzosen sind diesbezüglich recht extravagant, dort hat Filmkultur auch einen anderen Stellenwert als bei uns.

5. Mein liebstes Stephen King-Buch (alternativ Verfilmung) ist __________ . Das sind drei: sein bestes Buch ist in meinen Augen seine Autobiografie On writing (dt: Das Leben und das Schreiben). Die beiden besten Bücher von ihm sind für mich die Sammlung Hearts in Atlantis und Es, das mir beim ersten Lesen damals wahrlich eine Scheiß Angst eingejagt hat. Die besten Verfilmungen sind für mich Stand by Me (Regie: Rob Reiner), Hearts in Atlantis (Regie: Scott Hicks) und, gleichauf auf Platz drei, Carrie (Regie: Brian de Palma) und Dead Zone (Regie: David Cronenberg). Aber King ist für mich in erster Linie was zum Lesen; die allermeisten Verfilmungen können dem Kopfkino nicht das Wasser reichen, das er in mir hervorruft.

6. Ein zu aufdringlicher Score hat mir noch jeden Film verleidet. Und auch, wenn ich mir jetzt jede Menge Feinde mache: Fast immer ist es ein John Williams Score, der mich nervt, weil er sich zu sehr in den Vordergrund stellt, statt behutsam und unauffällig den Film zu unterfüttern.

7. Meine zuletzt gesehene Serienstaffel ist die aktuelle Mad Men Season 5 und die ist bislang die beste, weil so vielseitig, so überraschend, so unangenehm, so aktuell, so historisch, so … Ihr merkt, die Serie beschäftigt mich. Das hat seit, oh, wartet, Mad Men Season 4 keine Serie geschafft und das ist toll, denn üblicherweise läuft eine Serie so spätestens ab Staffel vier stark Gefahr, über’n Hai zu springen

What’s that noise?

  • Veröffentlicht am 9th Mai 2012,
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Ich war achtzehn oder neunzehn, als die Beastie Boys ihr erstes Album veröffentlichten und das Video zu (You gotta) Fight for your Right to Party auf MTV rauf und runter gespielt wurde. Damals gab es noch MTV, und sie machten das, wofür das M in MTV stand: sie spielten Musikvideos, so ziemlich 24/7. Das war Mitte der 80er, die goldenen Zeiten von Adam Curry und Kurt Loder, in Europa Steve Blame, Ray Cokes, ein Jahr oder zwei nach Live Aid. Madonna war noch nicht die Queen of Pop sondern eine schlampig angezogene, blondierte Tussi mit Piepsstimme, die rumzappelte und mit True Blue über Nacht zur Diva mutierte. Bruce Springsteen herrschte mit seinem Born in the USA Album über die Charts. Auf „Yo! MTV raps“ mit Ed Lover und Dr. Dre (nicht dem Dre, einem anderen) gab es L.L. Cool Jay und De la Soul zu sehen und die Jungs von Nirvana gingen wahrscheinlich noch in die Mittelstufe oder Grundschule. Noch dominierten Schulterpolster und Big Hair Metalpopbands wie Europe oder Poison, Grunge war noch nicht einmal am Horizont zu sehen, Rap und HipHop war etwas für schwarze Ghettokids und Ice-T & Co. wurden sehr selten gespielt.

Videos waren sehr teuer und aufwendig produzierte Miniclips, die LPs von Megastars an weisse Mittelschichtkinder verkaufen sollten, und darum gab es noch nicht so viele davon. Nach einer 24stündigen MTV-Schicht kannte man sie alle. Alle.

Das von den Beastie Boys gefiel mir nicht besonders gut, aber den Song fand ich toll. Der hatte was. Schön punk, ohne dabei ein klassischer Punksong zu sein. Die üblichen Ingredienzien, die einen rebellischen Song ausmachten und in jedem anständigen Rocksong seit Elvis’ erstem, hüftkreisend vorgetragenen Bee-Bop-A-Lula sind drin: er ist laut, handelt von Teeniagerrebellion und das Video ist rückblickend so zuckersüß und harmlos wie Marty McFly, der etwa zur selben Zeit im Kino zurück durch die Zeit reiste. Wie man sich darüber aufregen konnte? Keine Ahnung.

Und doch regten sich einige darüber auf. Denn die Jungs, die hier den Crossover zwischen Rock und Rap machten, waren weisse Jungs. Schlimmer noch: es waren weisse jüdische Jungs aus behüteten Vorstadtelternhäusern, keine Ghettokids. Wie konnten die so einen Lärm machen?

In meiner Schule hörten die coolen Kids (bzw. die, die sich dafür hielten) Michael Jackson oder Whitney Houston, Depeche Mode und die Eurythmics. Die anderen, dazu zählte ich, hörten The Clash, Peter And The Test Tube Babies oder Joy Division. (Die verdammten Smiths ignorierte ich nicht mal.) Nur daß bei mir noch die klassische Musik dazukam: The Who, The Rolling Stones, Bob Dylan, Jefferson Airplane, Led Zeppelin, das ganze Woodstockgedöns  sowie sämtliche Blueslegenden rauf und runter. Ich spielte Gitarre in einer Band, mehr schlecht als recht, aber mit Herz. Die Beasties aber waren für mich schwer greifbar, fast unspielbar.Ich hab’s versucht, aber schnell damit aufgehört. Das war nicht mein Sound.

Wenige Jahre zuvor hatte ich mich mit Freundinnen abends heimlich in die Stadt und in die Spätvorstellung von Wild Style geschlichen. Diese Rapmusik, das war … anders. Sehr, sehr anders als alles bis dahin gehörte. Und auch, wenn ich nicht hundertprozentig überzeugt war, so erkannte ich doch die Coolness darin, den Groove, ich hörte die verwendeten Samples heraus, deren Originale in meiner Plattensammlung stattfanden  und ich staunte. Fab 5 Freddie und Grandmaster Flash … Wow.

Ich vergaß die Beasties wieder, bis fast zehn Jahre später das sensationelle Sabotage auf MTV explodierte. Dieser dreckige, verzerrte Bass! Das Video! Ich bin heute noch überzeugt, daß dieses Video im Alleingang für diese ganze Hipsterscheiße verantwortlich ist, die uns heute noch umgibt. Billige Polyesterklamotten, kurzärmelige Nerdhemden mit Kulis in den Brusttaschen? Verspiegelte Fliegerbrillen und Latte to go? Schnurrbärte, peinliche Frisuren mit pornösen Koteletten und Reminiszenzen an Die Straßen von San Francisco und Hawaii 5-0? Alles drin. Aber dieser Killerbass! Und dieses Gekreische! Was für ein Arschtritt von einem Song!

Aber das anschliessende Album enttäuschte mich und ich vergass die Beasties wieder.

Vor ein paar Jahren spielte mir ein Freund eine fantastische Platte vor. Instrumentaljazzfunkgroove — keine Ahnung, wie ich das nennen sollte, aber was für ein geiler Sound! Er ließ mich raten, wer das sei. Ich hatte keine Ahnung, Medeski, Martin & Wood vielleicht? Es waren die Beasties, mit einem (soweit ich weiss) nur in Frankreich veröffentlichten und äußerst musikalischen Album «The In Sound From Way Out!». Das ist und bleibt wohl mein liebstes Beastie Boys Album (Bester Track: In 3’s). Wer es nicht kennt oder hat, sollte sich schleunigst darum kümmern.

Als ich vor ein paar Tagen vom viel zu frühen Tode Adam Yauchs erfuhr, hat mich das sehr getroffen. Er war nur zwei Jahre älter als ich, das ist ja dann noch so ein zusätzlicher Tritt in den Allerwertesten, ein hässliches Flüstern des Sensenmanns. Am selben Abend stieß ich auf das Video der Fight For Your Right Version von Coldplay, einer Band, die ich — vorsichtig formuliert — nicht besonders mag.

Die Gitarre war nicht mein erstes Instrument, das war das Klavier. Und wenn ich wirklich einen Song auseinandernehmen will, wirklich verstehen will wie er funktioniert, dann setze ich mich noch heute ans Klavier und taste mich ran. Nur am Klavier kann ich Musik schreiben (und lesen); am Klavier machen meine Finger das, was mein Herz ihnen befiehlt, ohne Umweg über den Kopf. Wenn ich einen Song schreibe, dann fast immer am Klavier und zu 99% in Moll. Vielleicht berührt mich diese Version deshalb so stark, weil ich den Song vermutlich so gespielt hätte, wäre er mir in den Sinn gekommen.

An dieser Version stimmt alles. Chris Martin ist von Dur nach Moll gegangen und hat fast eine Akustikversion daraus gemacht. Sein Gesang ist schief und krumm und passt haargenau auf den Text des rebellischen Teenagers, der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich zuhause auszuziehen. Sein Anschlag ist kraftvoll und zärtlich gleichzeitig und perfekt für diesen Song, diesen intimen Moment vor ausverkaufter Hollywood Bowl. Ich bin sicher, Adam Yauch hätte die Version seines Songs gut gefallen, von diesem käsigen Engländer, mit dem er ansonsten musikalisch so wenig gemeinsam zu haben schien, denn sie ist grundehrlich.

„We’re sending all our love to the Beastie Boys“ singt Martin, und ich schliesse mich leise an. Gute Reise, MCA. Alles Gute, Beasties.

Link(s) vom 8. Mai 2012

  • Veröffentlicht am 8th Mai 2012,
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Zuletzt aufgelesen:

  • Paris, I Love You But You’re Bringing Me Down
    „Dude, you’re from, like, New York? So cool, man,“ Claude said in English. Claude was skinny and smelled of cigarettes, with arms sunburned to the color of traffic cones. „I love New York,“ he said. „Why did you leave? You know, no one goes New York to Paris.“

Was passiert, wenn ein Amerianer in Paris landet. Wunderbar!

Ein wichtiger Punkt, der – soweit ich das sehen kann – noch von keinem Piraten so recht erörtert worden ist: Wenn das bedingungslose Grundeinkommen tatsächlic kommen sollte, dann darf es nicht der Brosamen sein, der den Künstlern zum Fraß hingeworfen wird, nach dem Motto: „So, jetzt kannst du überleben, aber nun arbeitest du auch gefälligst offiziell für lau und hast keine Rechte mehr.“ Dann muss es bedingungslos sein. Und genau wie Roxanne de Bastion ist auch für mich das Recht, zu entscheiden, wer meine Arbeit wie und wo(für) verwenden darf, kein Diskussionsgegenstand.

Andreas Deja on some sketches by Milt Kahl.

Re:publica 2012 von A-Z

  • Veröffentlicht am 8th Mai 2012,
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Re:publica 2012 von A-Z

A wie Act!on

Das Motto zog sich gut durch die Veranstaltung: Kriegt Eure Ärsche hoch! Bloggt, was das Zeug hält! Nehmt Eure Stühle mit, seid in Bewegung! Bewegt etwas! Verändert etwas! Denkt quer! Hornbach hat das prima gesponsort mit der Offline Twitterwall und dem eigenen Motto „Es gibt immer was zu tun“ verknüpft. Ein Beispiel für einen gelungenen Markenauftritt auf einer Veranstaltung voller Leute, die zwar gern ihre Blogs monetarisieren aber ansonsten von Werbung im Netz doch lieber nichts wissen möchten.

Die Beobachtung habe ich auch gemacht, wie in meinem Instagram-Stream erkennbar …

B wie Barrierefreiheit

Ich zähle zu den noch-nicht-Behinderten, wie der fabelhafte Raul Krauthausen das so schön formuliert hat. Und insofern sind mir sicherlich viele Punkte noch nicht aufgefallen, an denen es hakte. Aber insgesamt kam mir diese re:publica sehr viel barrierefreier vor, als die vorangegangenen, was nicht nur am sicherlich für Rollstuhlfahrer_innen weitaus zugänglicheren Veranstaltungsort lag. Ähnliche Beobachtungen hat auch Christiane Link gemacht.

Die Sprecher der Panels auf Stage 1 (und einige andere?) wurden live mitgetippt und auf Bildschirmen übertragen, was naturgemäß mit einigen Tippfehlern und teils auch Verständnisfehlern verbunden war, aber das bleibt wahrscheinlich nicht aus, wenn der Sprecher nuschelt, lispelt, zu schnell spricht oder Begriffe benutzt, die dem Mitschreibenden nicht geläufig sind. Und „echte“ Dolmetscherinnen gab es auch vor Ort, aber natürlich zu wenige. Das wäre vielleicht auch mal etwas fürs Crowdsourcing …

C wie Catering

Die neulich von mir vermissten vegetarischen Gerichte gab es im re:staurant, also Entwarnung. Das lag zwar in der hintersten Ecke des Saals und ist mir bei dem super Wetter und dem schönen, sonnigen Innenhof mit seinen Grillständen nicht weiter aufgefallen, hatte aber diverse Pastagerichte und Salate und angeblich sogar Spargel.
Ansonsten war das Catering super, man mußte nirgends lange anstehen, die Leute hinterm Tresen waren unfassbar freundlich und bezahlbar war es auch. Toll!

(Die Kostenloskultur macht auch vor dem Kohlestoffleben nicht halt: Aber @Einstueckkaese bekam seinen Willen.)

D wie Dukummsthiernetrein!

Das Brandschutzteam hat seine Arbeit sehr ernst genommen und gelegentlich die Schotten dicht gemacht, wenn ein Panel zu voll wurde. Das war gelegentlich lästig, aber wat mutt dat mutt und Pünktlichkeit kann man ja auch planen. ;-)

E wie Ersatzbefriedigung

 

F wie Foursquare

Hihi, ich war im Zoo!

Ts, da habe ich nun den Begriff „Affenfelsen“ erfunden geprägt zuerst benutzt und bin nicht mal Mayor von dem Ding geworden!  Auf unfassbare 1000 Punkte, wie @svenonsan vom Hamburg vs. Berlin Blog Pop64 werde ich im Leben nicht kommen (die Punkte gibt’s nur binnen 7 Tagen, dann fängt man wieder von vorne an, oder?), aber immerhin habe ich den Super Swarm Badge (gleichzeitiges check-in mit 250 anderen Leuten in einer Location) dazugewonnen. Ta-daa!

 

G wie Grillschwaden

Ich will nicht sagen, daß ich nach Thüringer stank, aber im Zug schnupperte ein Hund sehr erwartungsvoll und freundlich wedelnd an mir herum.

 

H wie Helfer

Unsichtbar, allgegenwärtig, freundlich, witzig, geduldig – die Helfer_innen der #rp12 waren der Leim, der das ganze Gefüge zusammenhielt. Habt tausend Dank, Ihr wart großartig!!11

 

I wie Instagram

Die Daheimgebliebenen wurden dank Instagram umgehend mit Erinnerungsfotos zugeballert. Meine findet Ihr rechts in der Seitenleiste.
Das Blöde an Instagram ist, daß man nicht ohne Weiteres eine URL findet, über die man das Bild z.B. jetzt hier im Artikel einbinden kann. Das war bei flickr besser gelöst. Dachte, das nutzt niemand mehr außer Herrn Sixtus, der seine Leica spazierentrug, aber hier ist der flickr-Stream der #rp12: Klick!

 

J wie Johnny

Er ist der eigentliche Rockstar der Veranstaltung, und die Medien wissen es. Ich glaube nicht, daß ich ihn länger als eine halbe Minute irgendwo allein gesehen habe, bevor sich ein Kamerateam auf ihn stürzte. Heldenhaft behielt er seine gute Laune (soweit ich sehen konnte) und ich kann ihm und den anderen Erfindern, Organisatoren und Zauberern der re:publica nicht genug danken für diese tolle Veranstaltung.

 

K wie klöternde Flaschen

Echtjetzmal.

 

L wie Latte Macchiato

Gab’s nicht, oder wenn, dann habe ich niemanden damit gesehen. Es gab Kaffee – heiss, schwarz, gut. Erfrischend.

 

M wie Mate

 

N wie Netzgemeinde

 

O wie Orr

 

P wie Plastikstuhl

Diese Plastikstühle waren eine gute Idee: man schnappt sich einen, wenn man ihn braucht. Überall bildeten sich Stuhlkreise mit Gesprächsrunden, wenn die Bestuhlung im Saal nicht ausreichte, bildete man flugs neue Reihen (jedenfalls so lange, bis der Brandschutz dazwischenging) und am Ende konnte man sie sogar kaufen und sich nach Hause schicken lassen, für vergleichsweise okaye 25€ (inkl. Porto).

Lizensiert unter CC-BY-2.0 von re:publica 2012

 

Q wie Qualität der Vorträge

Die war durchwachsen, wenn ich mal nur von denen sprechen darf, die ich besucht habe. Aber den Tweets und der Nachberichterstattung der anderen nach zu urteilen, gab es ein recht großes Gefälle.
Ich muß sagen, daß mir einige Vorträge der „großen Namen“ eher so mittelprächtig gefallen haben und einige der (mir) unbekannteren Referent_innen wirklich super waren.
So oder so hätten es jedenfalls einige Vorträge verdient gehabt, daß ihnen eine größere Bühne bzw. ein größeres Publikum und eine längere Vortragszeit beschieden worden wäre.

 

R wie Re:publicaner

Das dürfte der einzige Kontext sein, in dem man mich (und wohl die Mehrzahl der Anwesenden) ungestraft so nennen darf. Klingt aber immer noch besser als „liebe Netzgemeinde“.

 

S wie Steckdosen

Auf den Affenfelsen gab es Steckdosen, aber die reichten natürlich bei weitem nicht aus. Energielieferant Yello Strom verteilte nicht nur Schokolade, die süßer war als ein mit Käse überbackenes Igelbaby und mir die Zahnplomben aufwimmerte, sondern auch Mehrfachsteckdosenleisten. Und Simyo schoß den Vogel ab mit seinen mobilen Energiepacks, in die man über USB-Kabel sein Handy bzw. Smartphone steckte und den Tag über aufladen konnte. Das alles für lau, nur gegen Pfand. Toller Service, vielen Dank!

 

T wie Twitter

Wer ohne Twitteraccount auf der re:publica ist, ist nur halb dort. Im Ernst – Verabredungen mit den Leuten aus der Timeline, Kommentare zu den Vorträgen, egal was: es findet über Twitter statt. Großartig.

 

U wie U-Bahn

Die U-Bahnstation Gleisdreieck liegt direkt neben dem Veranstaltungsort, was nicht nur äußerst praktisch war sondern gelegentlich auch zu hören (Donnergrollen in Saal 1). Als Auswärtiger hört man ja das ganze Jahr über die aberwitzigsten Dinge über die Berliner Verkehrsbetriebe, aber die U-Bahn fuhr zügig und regelmäßig und der Bahnhof verfügte auch über einen Fahrstuhl (vgl. B wie Barrierefreiheit).

 

V wie VPN

Ich bekam eine ganze Reihe von dubiosen Direktnachrichten auf Twitter – von Freunden, deren Accounts offensichtlich gehackt wurden. Ernsthaft, Kinder, habt Ihr noch nie etwas von Safer Surfen gehört? In öffentlichen und offenen WLANs nur mit VPN-Zugang schwimmen, das lernt man doch im Kindergarten, hoffe ich!!!11

 

W wie WLAN

 

Es gab welches, gerüchtehalber.

 

Z wie Zeit

Mit 15 Minuten Luft zwischen den einzelnen Vorträgen hatte dieses Jahr wirklich jeder genügend Zeit für Saalwechsel, Cub Mate trinken und noch mal Pipi machen gehen. Das war eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorjahren, wo das Zusammenspiel aus langen Wegen zwischen überfüllten Räumen und Veranstaltungen, die unmittelbar aufeinander folgten oft dazu führte, daß man einen Vortrag 5 Minuten vor dem Ende verließ, um es gerade noch zum nachsten zu schaffen.
Manche Themen kann man in den veranschlagten 60 oder weniger Minuten nicht einmal anreissen, andere Panels dauerten hingegen selbst bei tatsächlichen 30 Minuten Vortragszeit ein gefühltes Jahr. Klar, das kann man manchmal im Vorhinein nicht wissen, aber fürs nächste Jahr wünsche ich mir von den Vortragenden noch etwas mehr Spielraum für den oft wichtigen und interessanten Open Mic Teil eines Panels.

Ausführliche Review Tag 1, Tag 2, Tag 3.

Media Monday #45

  • Veröffentlicht am 7th Mai 2012,
  • veröffentlicht von
Media Monday #45

Wieder daheim, wieder im Alltag und schon ist es Medienmontag.

1. Der beste Film mit Robert De Niro ist für mich Ach herrje, ein bisschen schwieriger ging’s gerade nicht? Ich muss bei Robert De Niro zuallererst an Once Upon A Time In America denken, Morricones wunderbares Epos über New York und Freundschaften und Verrat und die Liebe und das Älterwerden. (Hallo Paramount, wir möchten bitte eine Wiederaufführung, und zwar schnell und zwar ohne dieses 3D-Gedöns, ja? Danke!) – Ob das sein bester Film ist, mag ich nicht beurteilen, aber er gefällt mir sehr gut darin. Außerdem liebe ich ihn sehr in Frankenreiters Ronin, wobei ihm da Jean Reno gelegentlich ein bisschen ganz schön die Schau stiehlt. Im völlig überschätzten, aber dennoch einzig erträglichen Michael Mann Film Heat war er ziemlich gut. Inzwischen ist es wirklich schwierig, ihn von seinen Rollen zu trennen; ähnlich wie Jack Nicholson spielt er in letzter Zeit vielleicht nicht sich selbst, aber tritt nicht mehr hinter seine Rollen zurück. Insofern ist es sehr erfrischend, ihn als jungen, noch unbekannten Mann und wirklich sensationellen Schauspieler in Taxi Driver oder Deer Hunter zu erleben, auch wenn die inzwischen so Klischee geworden sind. – Schwierig, sag’ ich ja.

2. Robert Rodriguez hat mit Desperado seine beste Regiearbeit abgelegt, weil das El Mariachi ist, so wie er ihn gedreht hätte, wenn er Geld gehabt hätte und weil der zwar brutal aber auch brutal komisch ist. Und Antonio Banderas singt! :-D

ARVE Fehler: id und provider shortcode Attribute müssen für die alten Shortcodes gesetzt sein. Es ist empfehlenswert auf den neuen [arve] Shortcodes zu wechseln der nur die URL braucht.

3. Der beste Film mit Julianne Moore ist für mich hm, ich habe gerade erst wieder Boogie Nights gesehen, da war sie schon verdammt gut. Aber nicht so gut wie in A Single Man. Gehet hin und seht diesen atmosphärisch dichten Film, in dem nicht nur Colin Firth brilliert.

4. Der einzig gescheite Film zum Thema Zeitreisen, den ich kenne ist natürlich Back To The Future. Ansonsten ist das nicht mein Genre.

5. Am Donnerstag startet die Kinoadaption von 21 Jump Street, der Serie mit der Johnny Depp seine Karriere begründet hat. Wie ist eure Meinung zu dem Remake? Toll, überflüssig oder einfach nur egal? Ich bin ja so alt, ich geb’s zu: ich habe die Serie mit Johnny Depp tatsächlich damals ein paar Male gesehen. Aber ich fand sie auch damals schon doof und belanglos und insofern ist mir auch das Remake schnurz.

6. Die beste Krimi-Serie ist Cracker, auf deutsch: Für alle Fälle Fitz. Robbie Coltranes Darstellung des alkoholkranken und mit sehr schwarzem Humor gesegneten Polizeipsychiaters ist sehenswert, aber die einzelnen Folgen sind jede für sich schon extrem harter Tobak und nichts fürs Vorabendprogramm.

7. Mein zuletzt gesehener Film war Boogie Nights und der war u.a. auch deshalb immer noch toll, weil ich seit dem letzten Mal, als ich den sah ganz vergessen hatte, daß Philipp Seymour Hoffman dort (in einer kleinen Nebenrolle) mitspielt und wie verdammt gut der Mann ist.

Re:publica 2012, dritter Tag

  • Veröffentlicht am 5th Mai 2012,
  • veröffentlicht von
Re:publica 2012, dritter Tag

Der dritte Tag begann für mich mit einem Vortrag des Niederländers Baas van Abel, der über den Einfluss von do-it-yourself, Fablabs und Open Design auf das Verhältnis zwischen dem Selbst und dem Rest der Welt sprach. Das klingt jetzt erst einmal eher trocken, aber war doch ziemlich spannend. Ich hatte z.B. schon von dem Phänomen des 3D-Druckens gehört (und daß solche Torrents wohl auch auf Pirate Bay immer beliebter werden), aber eher am Rande. Und wie wir alle hatte auch ich mir erlaubt, zu verdrängen unter welchen unmenschlichen Bedingungen unser aller mobilen Spielzeuge hergestellt werden. Nein, ich rede nicht von Foxconn (die ja für alle großen Anbieter von Unterhaltungselektronik produzieren, nicht nur für Apple), sondern von den Vorgängen im Kongo, wo in den Kobaltminen die Minerale gefördert werden, ohne die mobile Kommunikationsgeräte nicht gebaut werden können. Van Abel ist Mitbegründer von Fairphone, einer Gesellschaft, die, vereinfacht gesagt, für die Minenarbeiter dort das tut, was Fair Trade Kaffee andernorts für Kaffeeplantagenarbeiter erreicht: faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen.

In der nächsten Session diskutierten Johnny Haeusler (Musiker, Autor, Mitbegründer der re:publica), Roxanne De Bastion (Musikerin), Conrad Fritzsch (Macher von tape.tv), Hans Hafner (Filmmusikkomponist), Konrad v. Löhneysen (Ministry of Sound und im Vorstand Bundesverband Musikindustrie) über „Copyriots“, also das inzwischen glücklicherweise Mainstrreamthema gewordene Urheberrechtsgesetz. Mit auf dem Podium sitzen sollte ein Vertreter der GEMA, der aber in letztere Minute abgesagt hat, aus Gründen. Vermutlich nicht ganz ohne Trotzköpfchenschadenfreude hat Johnny dann Michael Seemann, a.k.a. Mspr0 gebeten, einzuspringen. Der ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen und quakte „Bedingungsloses Grundeinkommen!1elf!“. Okay, das klingt jetzt böser, als es gemeint ist, aber ich mag seine Theorien und Vorschläge nicht, selbst wenn ich ihm attestieren muss, daß er sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat und seine Meinung, das UrhG sei abzuschaffen, konsequent vertritt.
Natürlich kann man das aufgeheizte Thema nicht binnen einer Stunde auch nur annähernd abhandeln. Ich war genervt von Conrad Fritzschs Drang zur Selbstdarstellung bei gleichzeitigem Ausweichen von Johnnys interessanten Fragen. Ich war beeindruckt und überzeugt von den Argumenten Hafners und de Bastions, die ohne die Gelder aus GEMA bzw. dem UK Pendant nicht von ihrer Musik leben könnten. Und ich war sehr überzeugt von v. Löhneysens Argumentation, sowie seinem trockenen Humor. Er war das klare Feindbild dort oben, Lobbyist, Industrieschwein, Abmahner, der Endgegner. Aber am Ende hat seine ruhige, selbstironische Art sicherlich zur sachlichen, weiterführenden Debatte beigetragen.

Dieekt im Anschluss kam dann Felix Schwenzels Vortrag, „Soylent Green, äh, the internet is people!“, den ich zwar recht unterhaltsam fand, aber letztlich nicht lange durchhielt, zumal er auch keine Neuigkeiten enthielt. Bald wurde es für mich langweilig (wahrscheinlich lag es an der etwas leiernd-monotonen Vortragsart, die mir beim Versuch, ein Gähnen zu unterdrücken, fast das Trommelfell zerrissen hätte) und ich bin raus, ab in die Sonne.

Mittagessentechnisch hielt ich mich am dritten Tag an die Bananen (die Nudeln im re:staurant sahen nicht wirklich al dente aus) und Club Mate. Letzteres versuche ich nun schon im dritten Jahr in Folge mir schönzusaufen, wenn ich das so sagen darf. Ich mag das Zeug immer noch nicht, aber das angebotene alternative Radlergetränk war noch weniger mein Fall.

Das Nachmittagsprogramm hielt für mich Katie Stanton bereit, ihres Zeichens Head of Strategy bei Twitter. Sie warf mit Zahlen, Daten, Fakten um sich und versuchte, mit Referenzen zu Tatort, Borussia Dortmund oder dem Versuch, uns zu bewegen, Merkel zum twittern zu bewegen und uns den Bauch zu pinseln, was aber zumindest bei mir nicht verfing. Ich fand sie einfach unsympathisch und ihren Vortrag doch reichlich langweilig.

Regierungssprecher Steffen Seibert twittert unter @regsprecher und stellte sich den harmlosen Fragen der netten, angesichts dieses PRofis völlig überfordert wirkenden Interviewerin. Seibert hat es geschafft, in knapp über einer Stunde mit seinem professionellen Kai Pflaume Charme nicht nur seine Gesprächspartnerin, sondern auch einen Saal voller Digerati einzulullen und mehr Sympathiepunkte für die Regierung zu landen, als diese es in den letzten sieben, gefühlt hundert Jahren jenseits der CDU Stammtische und Hotelierskonferenzen vermocht hat. Faszinierend. Nebenbei hat er noch den Spruch der #rp12 gebracht: Angesprochen auf die Frage, warum er sich für Twitter entschied und nicht z.B. für Facebook, zählte er all die Regierungen auf, die twitterten — USA, UK, Frankreich, Russland und auch der Vatikan. „Man sollte in Sachen Aktualität nicht unbedingt dem Vatikan hinterherhinken“. Solchermaßen zugeflauscht mußte ich erst einmal ein Bier trinken.

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Eigentlich hatte ich mir dann den Vortrag der bloggenden Lehrerinnen vorgenommen, aber da sich immer alle so von Kathrin Passig totschwärmen, bin ich doch wieder in Saal 1 gegangen, um mir ihren Vortrag über Standardsituationen der Technologiebegeisterung anzusehen. Das war jedoch ein Fehler, denn obwohl ich Passig genauso gerne lese wie Schwenzel, und sie auch genauso sympathisch finde, schläfert mich leider ihre meditative Vortragsweise auch auf ähnliche Art ein. Eine Stunde war außerdem definitiv viel zuviel Sendezeit für diesen Vortrag, da hätte auch eine halbe Stunde gereicht. Aber ich ahne, daß ich mit dieser Meinung in der Minderheit sein werde, und inhaltlich war’s ja auch teils echt interessant.

Dann war Tag 3 um, die Macher und Helfer der siebten re:publica (die meine vierte war) enterten die Bühne und ich war etwas ängstlich: würde es zum Abschied wieder Bohemian Rhapsody Karaoke geben, wie spontan vor zwei Jahren, und leider im letzten Jahr lauwarm wiederholt? Aber Johnny enttäuschte nicht: Man kann Spontanität nicht wiederholen. Keine Bohemian Rhapsody. Dafür eine Ansammlung von Musikeren mit analogen Instrumenten, die uns dann musizierend durch den Saal und nach draussen in den sonnigen Innenhof führten. Die re:publica 2012 war vorbei.

Ich lasse das jetzt noch ein bisschen sacken und poste dann, wie in jedem Jahr, die Marginalien und Beobachtungen am Rande. Für heute bin ich leergeschrieben.

Re:publica 2012, zweiter Tag

  • Veröffentlicht am 4th Mai 2012,
  • veröffentlicht von
Re:publica 2012, zweiter Tag

Tag zwei begann für mich mit einem Panel über den digitalen Dorfplatz. Sascha Lobo, Christoph Kappes, Martina Pickhardt (@Picki_HH), ein Herr Lesser und ein Herr Möller diskutierten unter Moderation von Falk Lücke über die Unterschiede zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, bzw. die verschiedenen Arten der Öffentlichkeit und wie wir gesellschaftlich damit umgehen wollen. Unsere Gespräche finden auf Plattformen statt, die uns nicht gehören und morgen geschlossen werden können oder von denen wir aufgrund vonn Nutzerbedingungen willkürlich ausgeschlossen werden können. Facebooks AGB vs. das Grundgesetz – was ist mächtiger und was gilt tatsächlich?
Das wäre spannender gewesen, wenn der Moderator sich selbst nicht so wichtig in den Vordergrund gespielt sondern mehr zurückgenommen hätte, und ausserdem hätte es viel mehr Zeit gebraucht. Aber gut war’s dennoch.

Anschliessend sah ich ein paar der re:health Panels auf Stage 7. Was bedeutet Social Media im Gesundheitsbereich? Wie kann es eingesetzt werden, wozu ist es gut? Ich hatte mir allerdings mehr davon versprochen („Alles böse!“); und auch die Akustik war in den Räumlichkeiten eher unterirdisch. Das war mehr Social Müdia. So sass ich mit Claudine und Frau Mutti zusammen und sinnierte über Katzenzungenpiercings. (Fragt nicht.)

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Also runter zum Affenfelsen und ein bisschen mit alten und neuen Bekannten gequatscht und auf dem Hof eine Grillwurst eingeatmet. Dies ist übrigens das einzig wirklich ärgerliche Ding bei dieser ansonsten so hervorragend organisierten Veranstaltung: Das Essen bzw. Catering ist eher mau. Okay, das war noch nie anders und wahrscheinich müßte man Jesus heissen, um über viertausend Leute so abzufüttern, daß sie anschliessend glücklich sind. Aber es gibt z.B. keine vegetarischen oder gar veganen Gerichte, soweit ich sehen konnte — von den Bananen und Äpfeln an den Ständen in der Halle mal abgesehen. Ich bin weder Vegetariern noch Veganerin, aber ich ernähre mich ganz gerne gut und gesund. Nichts gegen die gelegentliche Thüringer vom Grill, aber über drei Tage!?

Während ich noch auf dem Affenfelsen meine Mails checke, drückt mir ein freundlicher Mensch ein Microfasertuch und einen Eingabestift für mein iPad in die Hand und verschwindet wieder. Ich freue mich sehr darüber, denn ich habe heute meinen sensu brush im Hotel gelassen, aus Angst, ihn zu verlieren. Nun zeichne ich direkt mal unauffällig einen der Besucher.

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Anschliessend gehe ich zum Stand der ARD Mediathek, um mich für das Geschenk zu bedanken und führe eine sehr gute Unterhaltung mit einem der Mitarbeiter dort über Sinn und Unsinn von Depublizieren, GEZ und Urheberrechtsbrandbriefen von Tatortautoren.

Weiter geht’s mit dem Panel über Foodblogs. Dort moderiert die Kaltmamsell eine sehr harmonische Runde von Foodbloggern und -journalisten bzw. Kochbuchautoren über Verfall und Rettung der Esskultur. Soweit jedenfalls die Agenda – de facto geht es mehr über die Vorurteile der Gastro-Journalille und -Verleger über die Amateure, die ihnen angeblich das Wasser abgraben, außerdem darüber, ob man vom Foodbloggen leben kann. Kann man – Überraschung! – nicht, jedenfalls nicht hierzulande und nicht ausschliesslich. Nicole Stich führt die auchvon mir gern gelesene Ree Drummond a.k.a. The Pioneerwoman an, die sich binnen weniger Jahre ein Imperium ähnlich Martha Stewarts aufgebaut hat. Aber die Drummonds sind seit Generationen extrem reiche Rancher der oberen 1%; da fallen zum einen die geschätzt paar hunderttausend Dollar, die Ree mit ihrere Bloggerei und daraus resultierenden Kochbuchdeals, TV-Auftritten etc. reinholt, nicht wirklich ins Gewicht. Zum anderen lässt sich so ein Unterfangen mit dem nötigen Startkapital natürlich leichter anschieben.
Aber unabhängig davon war das ein sehr entspanntes Panel, das Stevan Paul mit dem Fazit schloß, die Verquickung zwischen Nahrung und Werbung doch bitte nicht nur auf Blogs etwas genauer und kritischer unter die Lupe zu nehmen.

Danach blieb Zeit für einen kleinen Schwatz mit meinem Freund Max, seines Zeichens u.a. Saxophonist der Hamburger Band Schmitten, für die ich gerade ihr neues Plakat gestalten darf und dann ging es weiter zu einem Panel darüber, wie Musik, Künstler, Labels und das Netz Freundschaft schliessen. Auch hier hatte ich mir inhaltlich etwas mehr versprochen, da kam für mich nichts Neues, aber vielleicht war das auch in diesem Rahmen nicht zu erwarten. (NB: ich bin nebenbei Partnerin in einer Agentur, die sich das Thema Direct-to-Fan auf die Fahnen geschrieben hat und Künstler, Manager und Labels hinsichtlich ihrer Darstellung und Marketing- u. Vertriebsaktivitäten im Netz berät.)

Noch kurz bei den Goldenen Himbeeren der Webviseos reingeschaut, was dem Vernehmen nach sehr lustig gefunden wurde aber mein Humorzentrum nicht wirklich traf und dann kurz geschwankt, ob lieber die Abschiedsshow von Nilzenburger und Herm oder doch die Mädels mit Poetry Spam gucken. Letztlich zu alle für beides gewesen. Tag 3 wird anstrengend und ich habe nicht zuletzt dank der Klimaanlage im Hotel ein Schlafdefizit und Halsweh.

Re:publica 2012, erster Tag

  • Veröffentlicht am 3rd Mai 2012,
  • veröffentlicht von
Re:publica 2012, erster Tag

Die neue Location ist toll, und ich habe nicht den Eindruck, daß sie zu groß ist, wie zunächst befürchtet. Die Stimmung ist wie in jedem Jahr super. Man kommt überall schnell und gut hin, der „Affenfelsen“ in der Mitte ist mit Steckdosen ausgerüstet und alle sind freundlich, gut gelaunt und freuen sich. Man sucht und findet die Mitglieder seiner Timeline, fällt sich um den Hals, verklönt sich und verpasst darüber fast das nächste tolle Panel. Aber nicht so schlimm, das guckt man sich dann halt nächste Woche zuhause als Videoaufzeichnung an.

Die Eröffnung ist fröhlich, der große Saal randvoll, die Organisatoren sind aufgeregt, hibbelig, voller Energie. Den Partnern wird ausführlich gedankt, und mit Recht, denn so eine gigantische Konferenz muss finanziert werden. Spiegel Online hat jetzt sogar einen Livestream, so hören wir. Danach schwallert irgend ein wichtiger Mensch aus Politik und/oder Wirtschaft vor sich hin, bis der erste im Saal sein Bullshitbingo-Kärtchen voll hat und laut Bingo! ruft. Schallendes Gelächter, nur der Redner hat’s nicht gerallt und dröhnt weiter vom Silicon Valley Berlin. Herr @Schaarsen und ich stimmen mit den Füßen ab und ich schaue mich draußen um.

Die Comdirect Bank hat einen Stand. Ich gehe hin, wirklich neugierig, um zu erfahren was genau sie denn hier machen, anbieten, erzählen wollen. Die armen Mitarbeiter stehen an einem brütend heissen Tag in ihren dunklen Anzügen und Kostümen da, verteilen lauwarme Energydrinks mit der Aufschrift Performancebooster, haha, und erzählen mir, daß sie mit ihrer Onlinebank jetzt auch eine Facebookseite haben. Ah ja. Außerdem küren sie heute hier das Finanzblog des Jahres. Mhmhm. Und daß sie kostenlose Konten anbieten. Ich frage nach: auch für Freiberufler? Äh, nein, nur für Privatleute. Ich blicke nachdenklich auf die Leute um uns herum, die gefühlt zu 90% freelancer sein dürften, „wir nennen es Arbeit“, lehne höflich den lauwarmen Energydrink ab und wandere leicht ratlos zur offline-Twitterwall.

Oflline Twitterwall

Hier druckt Hornbach, der Baumarkt, alle mit einem #rp12 getaggten Tweets aus und tapeziert sie an die Wand, die bis zum Abend voll sein wird. Nette Idee, aber irgendwie auch … hm.

Auf zu meinem ersten richtigen Vortrag des Tages. Ich höre Raul Krauthausen zu, der u.a. über barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Bahnhöfen spricht und nach seinem Erfolg mit wheelmap.org jetzt ein neues Crowdsourcing-Projekt stemmen will, wo man defekte Fahrstühle sammelt. Er spricht locker und mit schön schwarzem Humor und ich hoffe, das Projekt hebt ab. Verdient hätte es das.

Anschliessend höre ich Alexander a.k.a. Not Quite Like Beethoven aus meiner Timeline und zwei weiteren hörbehinderten Redner_Innen bei ihrer Diskussion auf einem Panel über barrierefreies Internet zu. Das Netz hat viel dazu beigetragen, daß behinderte Menschen besser am gesamtgesellschaftlichen Leben teilhaben können, und die technischen Möglichkeiten sind großartig. Aber das muss auch offline mehr, viel mehr unterstützt werden. Das Panel hier ist barrierefrei, d.h., daß eine Gebärdendolmetscherin dabei ist, und daß jemand live die gesprochenen Worte abtippt, die dann über einen Monitor flimmern. Aber die Panels zur Barrierefreiheit sind noch die einzigen, die so begleitet werden. Das ist sicherlich auch eine Ressourcenfrage – finanzieller und personeller Art. Dennoch schade, daß nicht alle Besucher der #rp12 die Qual der Wahl haben, welche der vielen fantastischen Angebote sie denn wahrnehmen wollen.

Ich treffe Johnny und habe endlich mal die Gelegenheit, mich persönlich für die tolle Veranstaltung zu bedanken. Er wird von Kamerateams verfolgt und als das nächste anrückt, gehe ich auf den sonnigen Innenhof, etwas essen. Die nächste Veranstaltung auf meinem Plan ist das Panel von Profilagentin @Kixka, die unterhaltsam und kurzweilig über die digitale Selbstinszenierung spricht, gefolgt von einem Panel übers Selfpublishing, in das ich mit @Claudine und @Writingwoman gehe, aber schnell verlasse, als ich endlich @Frau_Elise treffe. Muss ich mir den Vortrag halt nächste Woche auf Youtube ansehen. Wir brauchen eigentlich alle dringend ein Eis, aber es gibt leider keins. Next stop: Der Vortrag „Your information: Whose is it?“ von Ali Ravi.

Unterbrechung: ich merke gerade, daß dieser Eintrag länger wird als geplant und ich schon jetzt noch nicht einmal die Hälfte der Erlebnisse aufgeachrieben habe. Allerdings muss ich jetzt los zum ersten Vortrag von Tag 2. Habt also bitte Nachsicht, wenn ich hier abbreche und heute Abend oder morgen früh weiterschreibe.

Update, 4. Mai (Star Wars Day), Sternzeit 05:30 Uhr:

Das ursprünglich eingeplante Panel über Leetspeak und Ragefaces von Nerd-Zeichner Johannes Ketzschmar a.k.a. Beetlebum, den ich sehr schätze, habe ich mir geschenkt und statt dessen Cindy Gallops «Make Love Not Porn» auf Stage 1 gesehen. Das war wohl in jeder Hinsicht eine gute Entscheidung, denn zum einen soll Jojos Vortrag doch eher, nunja, dröge gewesen sein (wie Frau Gröner schreibt, was natürlich eine wunderbare Klatsche zur Antwort hatte) und andererseits war das Thema und die Vortragsweise von Cindy Gallop einfach nur unterhaltsam und wichtig. Aber seht selbst: http://spon.de/vfaK6.

Ich blieb auf Stage 1 und sah echte Astronauten auf der Bühne, die mit Verve, Witz und Leidenschaft über ihre Social Media Aktivitäten aus dem All(tag) erzählten, leider vor meist leeren Stühlen. Voller wurde es im Publikum erst wieder, als der anschliessende Überraschungsvortrag von Sascha näherrückte. Vielleicht bin ich ja hoffnungslos altmodisch, aber um die Worte des Außenministers mal sinnvoll abzuwandeln: Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem eine Frisur mehr Leute anlockt als eine Runde Astronauten das kann. Und das ist nichts gegen Sascha, ich liebe Sascha, und sein Vortrag war wie immer prima und wahr, aber Leute, das geht so nicht! Ich habe mich geschämt für Euch.

Am Ende ging es dann endlich hinaus auf den Innenhof, netzwerken, Bierchen trinken, alte und neue Freunde treffen und sich auf morgen freuen.