Onigiri sind japanische Sandwiches bzw. convenience food, so eine Art „Sushi auf die Faust“. Anstelle von Toastbrot nimmt man Reis, und ansonsten ist wie bei westlichen Sandwiches der kulinarischen Kreativität keine Grenze gesetzt, wobei in Japan meist dem Fisch in allen Variationen der Vorzug gegeben wird. Dort sind Onigiri fester Bestandteil jeder Pausenbrotdose a.k.a. Bento im Büro und auf dem Schulhof und es gibt an jeder Straßenecke einen Laden oder Automaten, der leckere und frische Fertigvariationen verkauft. Wie der klassische Sandwich sind sie meist dreieckig in der Form, aber es gibt auch runde Onigiri.

Das fertige Onigiri in meiner schönen Bentobox, mit Sojasauce und Wasabi (optional).

In Hamburg haben zwei pfiffige Gründer den Grundgedanken importiert – lecker, gesund, kalorienarm – und die Dinger Wichy’s genannt. Nun verticken sie ihre Kreationen in mehreren leckeren Sorten entweder direkt ab Herstellung am Hafen, über viele Edeka Läden (z.B. die Niemerszein Filialen) oder liefern auch ins Haus bzw. für Parties, Messestände etc. Ein so’n Wichy kostet allerdings rund 3,– € und da ich die Teile quasi im Dutzend inhalieren könnte, was allerdings mein Budget sprengen würde, und ich außerdem gern koche, habe ich mir das do-it-yourself-Prinzip angewöhnt. Das fällt nicht weiter schwer, denn Onigiri sind meist extrem simpel herzustellen. Ich habe heute welche mit Stremellachs und Koriander gebastelt:

Für etwa 8 Stück braucht man:

4 Nori-Blätter (gibt es im Asialaden und im gut sortierten Supermarkt. Wer gern Sushi isst oder künftig öfter Onigiri machen möchte, sollte auf die Großpackung im Asialaden zurückgreifen; das ist doch deutlich ökonomischer …)
2 Becher Rundkorn- bzw. Sushireis (kein Jasmin-, Uncle Ben’s-, Wild- Risotto- oder Basmatireis – die kleben nicht genügend! Milchreis geht allerdings angeblich; ich hab’s nicht ausprobiert.)
Belag bzw. Füllung nach Belieben. Ich habe
150g Stremellachs (heiß geräucherter Lachs am Stück) mit
1 Sträußchen Koriander (Basilikum geht auch)
vermengt.
Salz, Pfeffer aus der Mühle

Der Reis wird wie bei der Sushiherstellung zunächst gewaschen, um die Stärkereste herauszuspülen. Zwei Durchgänge sollten reichen; mancher sagt, das Wasser muß komplett klar sein, aber wir wollen mal nicht päpstlicher sein als der Papst. Anschliessend den Reis mit Wasser bedecken (1 Becher Reis zu 1,5-2 Becher Wasser) und etwas quellen lassen. Wer einen Reiskocher besitzt darf sich glücklich schätzen, aber natürlich geht’s auch so: Der Reis wird in einem Topf mit geschlossenem Deckel zum Kochen gebracht und die Hitze wird heruntergefahren, sobald der Reis zu kochen beginnt. Etwa 15-20 Minuten lang bei geschlossenem Deckel ziehen lassen, dann vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Idealerweise wird der Reis mit einem klassischen Holzspatel (gibt’s für’n Oiro im Asia-Laden) in einem flachen Holzbottich ausgebreitet und kühl gefächelt, aber wir lassen die Kirche im Dorf und den Reis schlicht abkühlen. Sushi-Reis wird an dieser Stelle aufwendig mit Essig, Salz, Zucker und oft noch einem japanischen Wein etc. gewürzt. Das entfällt klassisch bei Onigiri, wo der Reis nur leicht gesalzen wird. Aber wer lieber den klassischen Sushireis mag, darf den natürlich gern entsprechend zubereiten. Wichtig ist: Der Reis muß kleben und im lauwarmen Zustand verarbeitet werden, denn wenn er zu kalt geworden ist, fällt er auseinander.

Der Stremellachs wird ggf. von der Silberhaut befreit und trockengetupft, anschließend zerpflückt. Der Koriander bzw. das Basilikum wird grob zerhackt und mit dem zerpflückten Lachs vermengt.

Stremellachs und Koriander, zerkleinert mit meinem schweinegeilen, chön charfen Kai Santoku Messer.

Den lauwarmen Reis mit den Händen zu Dreiecken formen. Es gibt passende Onigiriformen im Fachhandel, aber man kann’s auch übertreiben, finde ich. Wer – wie ich – nicht gern klebrige Finger hat, darf natürlich beim Kneten Frischhaltefolie oder Vinyl-Einmallhandschuhe benutzen, warum auch nicht? Anschliessend ein Noriblatt etwa hälftig durchtrennen und mit der glänzenden Seite nach unten auf ein Brett o.Ä. legen. (Ich habe es in alter Gewohnheit auf eine Bambusmatte gelegt, die ich zum Sushimachen benutze, aber ein normales Küchenbrett tut’s auch.) Auf das Blatt das geformte Reisdreieck legen, die  Spitze nach vorn. Und dann nach Belieben die Füllung draufschaufeln:

Erlaubt ist, was gefällt: Wie wäre es z.B. mit Mayonnaise, Meerettich etc. als Unterlage?

Nun noch vorne links und rechts sowie hinten das Blatt um- bzw. hochklappen und fertig ist die Laube!

Übrigens sind die aktuell im Handel befindlichen Noriblätter (Algen) natürlich unbedenklich zu genießen, da vor langer Zeit geerntet, getrocknet, abgepackt und importiert. Und auch Sojasauce (optional) reift ca. ein Jahr lang im Faß, bevor sie zum Verkauf angeboten wird; man kann also noch bedenkenlos zugreifen.

Jetzt wünschte ich nur, ich könnte meine leckeren Onigiri den Erdbebenopfern rüberbeamen, die nicht nur alles verloren haben sondern auch vor leeren Regalen stehen und hungern. Das geht leider nicht, aber Frau Jekylla hat mich auf eine schöne Aktion aufmerksam gemacht und mir ein Bloggerstöckchen der etwas anderen Art zugeworfen. Schokoladenanbieter My Swiss Chocolate hat sich folgendes ausgedacht: Für jedes teilnehmende Blog wird die Summe von 2 CHF an die Schweizer Aktion Glückskette gespendet. Normalerweise bin ich ja gegen die Vermischung aus Kommerz und Spenden, aber da ich mich den Schweizern beruflich wie privat (nomnomnom) sehr verbunden fühle, mache ich hier einmal eine Ausnahme – und My Swiss Chocolate sind einer von den Guten.

So oder so – bon appètit!

Dieser Artikel hat 2 Kommentare

  1. Sie müssen noch 10 ‚Blogger empfehlen :-)
    Ich finde die ‚Aktion auch super, trotz meiner Kommerzallergie ist das eine gute Sache und es rollt ja auch mächtig.

    Und ich LIEBE Schweizer Schoggi.

  2. Ach, herrje, zehn Blogger empfehlen? Die wurden doch schon alle empfohlen. Sonst surft’s halt meine Blogroll ab.

    Bin kein großer Freund von Schweizer Schoggi, da meist zu süß für meinen Geschmack. Ich bin inzwischen ja doch halbwegs erwachsen geworden und mache mir nicht mehr viel aus Vollmilchschokolade … lieber 75% Kakaoanteile und aufwärts. Aber das ist eine gute Akton hier, und die hebt ja auch schon richtig gut ab, wie ich sehe.