Kulinarische Mutproben

  • Veröffentlicht am 23rd Juli 2010,
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Es gibt Dinge, die esse ich einfach nicht. Die können noch so gesund sein, noch so in, noch so edel und teuer, noch so kulturell wertvoll, da schnürt es mir einfach die Kehle zu. Gekochter Karpfen, Schnecken, Austern, vietnamesische Knusperspinnen, Heuschrecken, 5-Minuten-Terrinen, Nieren, Kutteln, Hirn a.k.a. (Kalbs)bries, Zunge… you get the picture. Das geht einfach nicht. Bei Tintenfisch halte ich es mit Col. Potter: Ich esse nichts, was sich am Teller festhält (Ankes Bericht mitsamt Foto hat mir die Haare zu Berge stehen lassen). (mehr …)

Bücherstöckchen, Sonderausgabe II: Gedruckt oder als Pixel?

  • Veröffentlicht am 23rd Juli 2010,
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Ich bin lesesüchtig. Ich liebe Buchstaben, kann mich an Worten berauschen, kann keinen Tag verbringen ohne zu lesen, werde nervös, wenn ich kein Buch in der Tasche habe. Das war schon immer so. Wenn alle Stricke reißen, lese ich eben die Inhaltsangabe auf der Cornflakespackung, ich kann nicht anders. Ich kann Tage und Wochen zubringen, ohne einen Menschen zu sehen oder mit jemandem zu telefonieren, ohne daß es mir auch nur auffallen würde. Aber zu wissen, ich habe nichts zu lesen dabei – das treibt mir den Angstschweiß auf die Stirn. Ich bin ein Lesejunkie. Die schlimmste Strafe als Kind war, wenn Mama das Leseverbot verhängte. Falls ich jemals in den Knast kommen sollte, käme ich vermutlich problemlos und auf gefühlt halber Arschbacke über ein zweifaches Lebenslänglich hinweg, so lange die Gefängnisbibliothek ergiebig genug wäre. Und ich liebe Bücher. Eines der geflügelten Worte meiner Kindheit war „Bücher sind Freunde“, zum ersten Mal von meiner Mutter vernommen, als ich als sehr kleines Kind wutentbrannt ein Buch vom Tisch fegte (vermutlich weil es zu Ende war). „Und Freunde behandelt man mit Respekt.“ Ich bin nicht auf Facebook, aber ich habe ziemlich viele Freunde. (mehr …)

Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen

  • Veröffentlicht am 21st Juli 2010,
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Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen

Meine Begleitung war erkrankt und ich saß auf einer überzähligen Konzertkarte. Der Plan sah folgendermaßen aus: Mit dem Auto ins Dorf zum 3 km entfernten Bahnhof fahren, es dort bis zur spätabendlichen Rückkehr stehen zu lassen und mit dem Zug nach Montreux fahren, dort der Masse nachlaufen bis zur Konzerthalle, hoffentlich das überzählige Ticket noch loszuwerden und abends dann alles wieder retour.

Der Plan scheiterte an einer unerwarteten Baustelle und dazugehöriger Straßensperrung, die mich eine zehnminütige Umleitung zum Bahnhof entlanglotste, durch mir unbekanntes Terrain. Ich kenne das Layout des Dorfs zwar inzwischen grob, aber natürlich nicht die Nebenstraßen und eventuelle Abkürzungen. Als ich auf dem Bahnhof auf den Parkplatz fuhr, sah in den Zug nach Montreux abfahren. Also fuhr ich in nicht besonders gesittetem Tempo zum nächsten Halt, um den Zug vielleicht dort noch zu erwischen. Die Seestraße war verstopf mit Feierabendfahrern, und ich sah zu meiner Linken den Zug gleichauf liegen. Das Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten wir uns bis Nyon, dann mußte ich mir eingestehen, daß ich es nicht mehr schaffen würde. Das Spielchen bis Lausanne zu wiederholen wäre Quatsch gewesen, da ich um das noch zu schaffen auf die Autobahn hätte wechseln müssen, was mich ebenfalls wertvolle Zeit gekostet hätte. Außerdem hätte ich in Lausanne binnen einer Minute den Bahnhof und einen passenden, legalen Parkplatz finden müssen – eher unrealistisch. Der nächste Zug wäre jedoch zu spät gewesen um es noch rechtzeitig zu Konzertbeginn zu schaffen.

Ich könnte mich in den Allerwertesten beißen, hatte ich mich schließlich nicht an meine übliche Maxime „wer nicht fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin da ist, ist zu spät“ gehalten, die mir als Kind einer Fliegerfamilie („geb. Lufthansa“) eigentlich in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Na gut, dann eben nächstes Jahr.

Now playing: „You’ll know when you get there“ (Herbie Hancock)

Noch ein paar Worte zur Schulreform

  • Veröffentlicht am 20th Juli 2010,
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Das Volk hat gesprochen, die Schulreform in Hamburg ist geplatzt. Ich für meinen Teil bin sehr froh darüber, aus verschiedenen Gründen. Andere sprechen von Klassenkampf, noch wieder andere entblöden sich nicht zu behaupten, „der elitäre Rassismus hat heute in Deutschland gesiegt” oder faseln von deutschem Blut. So viel hasserfüllte Verblendung ist schwer zu ertragen, finde ich. Eine Elite ist per Definition eine kleine Minderheit. Wie eine kleine Minderheit eine deutliche Mehrheit bei einer Volksabstimmung gewinnen kann? Äh, ja. Genau. Das geht natürlich nicht, aber wozu mit Fakten verwirren? Die breite Mitte hat gegen die Schulreform gestimmt, anders wäre eine Mehrheit nicht zustande gekommen. (mehr …)

Keine Ahnung!

  • Veröffentlicht am 16th Juli 2010,
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Lieber @timosen, Du hast recht. Es gibt leider viel zu viele Anlässe, bei denen Spenden und Hilfe dringend nötig sind bzw. ist. Sauberes Trinkwasser für einen Großteil der Welt ist einer davon. Ein weiterer wäre Schulbildung für Kinder in Ländern der Dritten Welt. Unterstützung für Menschen, die politisch verfolgt oder aufgrund ihrer Rasse oder sexuellen Orientierung mit dem Tode bedroht werden. Erdbebenopfer in Haiti. Flutopfer in Polen. Obdachlose Drogensüchtige. Abmahnopfer aus Bloggershausen. Versuchskaninchen aus Pharma- oder Kosmetiklabors. Landminenopfer. Orang-Utangs. Man kann leider kaum einen Meter gehen, ohne einen Grund zu finden, für den sich Engagement und Spendensammeln lohnt. Amnesty, Rotes Kreuz, Sternenbrücke, Hinz und Kunst, Brot für die Welt, Live Aid, Oxfam, Hamburg-Leuchtfeuer, Viva con Agua, SOS Kinderdörfer, WWF — die Liste ist grauenhaft lang, fast endlos.

Abgebrannt Tweet

Warum habe ich mich also entschlossen, meine flattr-Einnahmen einer einzelnen Familie zu spenden, der gerade das Dach über dem Kopf abgebrannt ist und die knapp mit dem Leben davongekommen ist? Einer Familie, die ich genauso wenig persönlich kenne wie ein Kriegswaisenkind aus Ruanda? Einer Familie aus einem erste Welt Land, mit (noch) halbwegs funktionierendem Sozialstaat, zumindest im Vergleich zu anderen Ländern? Einer Familie, bei der beide Elternteile einen Job haben und Geld verdienen, soweit ich das mitbekommen habe? Und die mir nicht einmal eine Spendenbescheinigung fürs Finanzamt ausstellen kann? Mein Steuerberater kotzt eh schon im Strahl mit diesem flattr-Kram, nun spende ich diese dubiosen Beträge auch noch, wo nicht einmal klar ist, ob das Spenden oder Einnahmen für mich sind? Argh!

Ich spende seit Beginn der 90er regelmäßig für die Surfrider Foundation und die Electronic Frontier Foundation (EFF), bei denen ich seit damals auch jeweils Mitglied bin. Auch diese Spenden sind für mich übrigens nicht steuerlich absetzbar, da in den USA ansässig. Sauberes Wasser, saubere Strände und Ozeane liegen mir als Surfer am Herzen, ja. Sauberes Trinkwasser natürlich auch, genau wie die meisten anderen der eingangs erwähnten Themen. Ich spende nicht an Vereinigungen mit gigantischem Verwaltungswasserkopf oder mit religiösem Hintergrund, egal welchem. Ich spende nicht für Themen, die aus aktuellem Anlass gerade in aller Munde sind, warum, das habe ich hier im Blog schon einmal erwähnt. Dieser Fall ist zwar aktuell, aber nicht gerade in aller Munde, jedenfalls habe ich noch keinen Tagesschau-Brennpunkt dazu gesehen, no pun intended. („Weltberühmt in Klein Bloggersdorf“ zählt nicht.) Warum spende ich also für diese Familie?

Ich habe ehrlich keine Ahnung. Ich kann nicht einmal die vielbeschworene Bloggersolidarität ins Feld führen, denn ich habe keines der Blogs dieser Familie je vorher gelesen. Ich lese sie auch jetzt noch nicht, da sie mich thematisch nicht so interessieren, sorry. Ich hatte einfach das Gefühl, ich muß hier etwas tun, sofort, und sei es nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Und das war und ist mir Grund genug.

Ich habe keine Ahnung, und deshalb halte ich dazu jetzt einfach die Klappe.

We all came down to Montreux…

  • Veröffentlicht am 14th Juli 2010,
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Ich werde keine Aufnahmen mit dem Mobile machen, ich werde nicht einmal Deep Purple sehen, aber ein mindestens so interessantes Lineup: Quincy Jones and the Global Gumbo All Stars (feat. Richard Bona, Lionel Loueke, Paulinho da Costa, Alfredo Rodriguez, Francisco Mela) sowie Herbie Hancock – The Imagine Project (mit Vinnie Colaiuta, Tal Wilkenfeld, Lionel Loueke, Greg Phillinganes). Und ich werden natürlich berichten – nächste Woche.

…on the lake Geneva shoreline

Hach!

Das Buch, mit dem schönsten Cover, das du besitzt

  • Veröffentlicht am 13th Juli 2010,
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Jeden Tag eine Frage zu einem Buch, das ist das Bücherstöckchen. Heute:

Tag 18 – Das Buch, mit dem schönsten Cover, das du besitzt
Das ist schwierig. So auf Anhieb fallen mir da eine ganze Menge ein, natürlich besonders aus der Abteilung Kinderbücher, Graphic Novels/Comics oder den Kunstbänden. Hier meine drei Lieblinge, ich mag mich nicht für einen entscheiden: (mehr …)

„Ich war als Kind schon scheiße.“

  • Veröffentlicht am 12th Juli 2010,
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Sollte man Kunst für sich betrachten und vom Künstler trennen können? Geht das überhaupt? Oder sind beide untrennbar miteinander verwoben? Neulich noch schrieb ich „mir doch egal, wenn der Autor ein Nazi war. “ Und das meine ich auch so. Es gibt Millionen Bücher, die einfach umwerfend gut sind und von absoluten menschlichen Nullnummern geschrieben wurden. Es gibt Millionen Musikstücke, die von Arschlöchern erster Güteklasse fabriziert wurden, nicht selten unter Drogen. Wie jemand mal sagte: „Heroin ist scheiße, okay. Aber ohne wäre mein Plattenschrank ziemlich öde und leer.“ In der Rapmusik brüsten sich nicht wenige Künstler mit echten oder fürs Image erfundenen Schießereien und Bad Boys Atttüden; bei einigen Rappern scheinen Frauenverachtung oder ein Knastaufenthalt die Einstiegsbedingung für einen Hit in den Charts zu sein. Wer sich ein bisschen durch die Geschichte und Gegenwart Hollywoods liest, kriegt Würgereflexe, wenn er Näheres über das Privatleben so manchen oscarprämierten Filmemachers lernt und darüber, wie nicht wenige Filme unter absurdesten Bedingungen entstanden sind. Die meisten Regisseure sind unerträglich aufgeblasene Egomanen, und bei Schauspielern ist das wahrscheinlich eine Grundvorausetzung, um überhaupt auch nur eine Rolle in einem Werbespot zu bekommen. David Lean hat angeblich seine Crew und Besetzung grundsätzlich zur Verzweiflug und an den Rand der Meuterei gebracht. Über den Wahnsinn von Coppolas Dreharbeiten zu Apocalypse Now hat seine Frau eine ausgezeichnete Dokumentation gedreht. Hitchcock verglich seine Schauspieler mit Vieh und überraschte seine Gattin schon mal mit einer lebensechten Nachbildung seines Kopfes, drapiert auf einem Silbertablett im Kühlschrank. Woody Allen hatte ein Verhältnis mit seiner Stieftochter und hat sie schließlich geehelicht, da war sie immerhin schon volljährig.

Musiker, Maler, Regisseure, Schauspieler aller Couleur und in jedem Zeitalter waren fast durchgängig auch Alkoholiker, drogensüchtig, promisk, psychisch krank oder schlicht ganz normale Charakterschweine. Roman Polanski ist ein großartiger Künstler, wenngleich menschlich ganz offensichtlich nicht wirklich aus der obersten Schublade. Lindsay Lohan kenne ich nur aus dem Ensembledrama Bobby, wo sie mir sehr gut gefiel. Ansonsten säuft sie sich gerade ins Koma oder tut zumindest so als ob. Tom Cruise ist Scientologe und dreht nicht nur fabelhaftes Actionkino sondern läßt auch die Ausscheidungen seiner Tocher vergolden. Vielleicht braucht es Leute mit einem satten Sprung in der Schüssel um Kunst zu produzieren. Vielleicht bekommt man den Sprung auch erst dann, wenn man Kunst produziert. Und wo und wie und warum zieht man die Grenze? Verhaltensweisen, die vor Jahrzehnten kaum ein Augenbrauenzucken hervorgerufen hätten und als völlig akzeptabel und normal galten, kommen heute gesellschaftlichem Selbstmord gleich. Aber mir ist das immer noch schnurz. Jeder von uns ist mehr als nur jeder von uns. Wie kann ich Empathie und Bewunderung für Dr. House empfinden, auf dessen charakterlichen Macken und politisch inkorrekten Verhaltensweisen die ganze Serie beruht – und dann gleichzeitig mit Abscheu einen Film von Mel Gibson boykottieren, weil der das nicht geringe Kunststück fertig gebracht hat, Juden, Schwarze, Frauen und Schwule in ihrer Empörung zu einen indem er sie alle gleich übel beleidigt hat? Sollte ich das nicht trennen bzw. trennen können?

Must-have iPad apps: Weather HD

  • Veröffentlicht am 12th Juli 2010,
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Die absolut wunderschönste App zum Thema Wetter und wahrscheinlich meditativste App überhaupt ist Weather HD für das iPad. Gut angelegte 0.79 Cent.

Was sich hier leider in den Screenshots nicht richtig darstellt: Die Bilder sind animiert, bewegen sich wie eine leicht, kühle Brise, nehmen die Schwüle mit fort und lassen einen merklich cooler zurück. Hier gibt es einen kleinen Videoteaser:

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Wer gerne in tausend kleinen wichtigen und unwichtigen Informationen zum Wetter schwelgt, wird enttäuscht sein und mit anderen Apps besser bedient. Alle anderen kommen nicht wirklich um diese Perle herum.

Flattrn für Melody von Moving Target

  • Veröffentlicht am 12th Juli 2010,
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Ein Hilferuf aus Düsseldorf, via Berlin: Die Bloggerin Melody (Carola Heinze) vom Moving Target Blog, ist komplett abgebrannt. Nicht im übertragenen Sinne, sondern wörtlich: ein Feuer hat ihre Dachgeschosswohnung in Schutt und Asche und sie und ihre Familie obdachlos und nur mit der Kleidung die sie auf der Haut hatten, aber immerhin lebendig zurückgelassen. Ich kann und will mir das Grauen nicht live und in Farbe vorstellen und ich brauche Melody auch nicht persönlich zu kennen um zu wissen: Hilfe tut not. Obdach ist wohl vorerst gefunden worden, aber natürlich fehlt es an allem anderen.

Ich hatte ja letztens hier über meine Flattr-Einnahmen berichtet. Sie sind nicht sonderlich hoch, genau genommen sind es Peanuts. Eigentlich wollte ich aus den genannten Gründen den Button auch schon wieder rausnehmen. Aber ich werde ab sofort und bis es nicht länger notwendig ist, meine sämtlichen Flattr-Einnahmen an Melody und ihre Familie spenden. Jeder Klick auf welchen flattr-Button in welchem Beitrag auch immer auf e13.de läßt die Kasse für diesen Zweck klingeln. Ich werde die Klicks und Einnahmen so transparent gestalten wie flattr das zulässt und die eingegangenen Beträge auf die nächsthöhere runde Summe aufrunden. Kleinvieh macht bekantlich auch Mist, und wer weiß, vielleicht schließen sich ja noch ein paar A-List flattrer an.

Natürlich kann man auch selbst aktiv werden ohne meinen Kram hier zu flattrn und hier direkt via PayPal spenden oder ganz handfest vor Ort unter die Arme greifen. Wäre schön, wenn social media keine abgelutschte leere Worthülse bliebe.

Update: Inzwischen gibt es außerdem eine dezidierte Spendenseite: www.abgebrannt-wir-helfen.de Bitte helft!

Immer dieselbe Leier

  • Veröffentlicht am 8th Juli 2010,
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Aber die wirtschaftliche Realität sieht so aus, dass der Verkauf einer digitalen, autonomen Einheit (unabhängig des Inhalts) in der Regel schlicht kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr ist.

Das ist eine Realität, die die Industrie noch erkennen muss, um entsprechende Strukturen zu schaffen. Dann wird es auch zukünftig schöne neue Musik geben.

(Quelle: neunetz.com)

Wie diese Strukturen aussehen sollen, weiß offensichtlich niemand, weder die Musikindustrie noch der Autor, in seiner Replik auf Sascha Lobos schönen Eintrag hier. Aber er ist sich sicher, daß es durch diese geheimnisvollen Strukturen zukünftig schöne neue Musik geben wird. Aha.

Sorry, aber das ist Quark. Man kann es reißerisch Diebstahl nennen oder beschönigend Umverteilung, aber Fakt ist: Durch filesharing werden Künstler und Rechteverwerter um den Lohn ihrer Arbeit gebracht. Wobei die Künstler in der Regel den Löwenanteil der Arbeit haben und die Rechteverwerter den Löwenanteil der weggebrochenen Gewinne, klar. Für viele Künstler macht es kaum einen Unterschied, sie haben auch vorher meist nur einen Hungerlohn gesehen. Aber 100% von Null ist immer noch weniger als 1% von einem Euro oder sogar einem Cent.

Das Mitleid mit den Labels hält sich bei mir in Grenzen, auch wenn ihre Arbeit dann doch nicht nur aus Handaufhalten besteht, wie ja gerne und oft von Menschen propagiert wird, die selbst ausschließlich filesharing betreiben und somit die Könige im Handaufhalten sind. Und komisch, es läuft ja nur noch Chartscheiße und in den Kinos gibt es nur noch seelenlosen 3D Müll für den man natürlich kein Geld ausgeben darf. Aber genau dieser verwerfliche Mainstreamdreck ist immer auch in den Filesharingcharts ganz oben, wie kommt das? Wenn ich etwas schlecht finde und boykottiere, dann wird es doch nicht plötzlich interessanter, nur weil es für lau zu haben ist? Ich sehe eine Parallele zu den berüchtigten Tütenabgreifern auf jeder beliebigen Messe: Man sackt Tüten, Kulis, Werbegummibärchensamples und Hochglanzbroschüren von Firmen ein, die  bzw. deren Produkte einen Null interessieren. Nur weil das Zeug eben da so herumliegt und verteilt wird. Zuhause fliegt der ganze Schmadder dann unmittelbar ins Altpapier. War ja kostenlos. Und die Firma soll sich doch freuen, sind sie ihre Prospekte doch losgeworden! Der Künstler soll doch froh sein, wenigstens wird seine Musik gehört. Hey, ich helfe ihm dabei, berühmt zu werden!

„Talking Semantics“ sagt man dazu, wenn Haare über Begrifflichkeiten gespalten werden. Natürlich sind die Worte „Raubkopie“ oder „Diebstahl“ für das illegale weil unautorisierte Herunterladen und Weiterverbreiten von Musik, Software, Büchern oder Filmen rein logisch betrachtet Quatsch, genau wie „Piraterie“ null mit Romantik zu tun hat sondern schnödes „du hast’s, ich will’s haben, und gibst du’s nicht freiwillig, so nehm’ ich’s mir eben so bzw. mit Gewalt“ umschreibt.

The Drifter

  • Veröffentlicht am 5th Juli 2010,
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The Drifter
R: Taylor Steele
D: Rob Machado, Kelly Slater
Auf DVD und im iTunes (US Store)
IMDB Eintrag | Offizielle Website

ARVE Fehler: id und provider shortcode Attribute müssen für die alten Shortcodes gesetzt sein. Es ist empfehlenswert auf den neuen [arve] Shortcodes zu wechseln der nur die URL braucht.

Vor 17 Jahren, als unmittelbare Reaktion auf meinen ersten Burnout in meinem ersten Job, schmiss ich alles hin und begab mich ans andere Ende der Welt um zu surfen. Meine Version des Endless Summer dauerte zwar nur zwei Monate, aber ich bin nie so ganz wieder hier angekommen. Gestern fand ich beim Stöbern im US iTunes Store diesen Film. Inzwischen habe ich ihn schon dreimal gesehen und dazwischen läuft der Soundtrack in der Endlosschleife. Und die Planungen für den nächsten Trip nehmen auch schon konkrete Formen an.

Sommerschwalben

  • Veröffentlicht am 5th Juli 2010,
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Schwalben

Man sieht sie nicht mehr ganz so häufig. Das ist schade, denn man kann kaum einen Sommertag besser vertrödeln als damit,  ihren Flugkapriolen zuzuschauen. Wie Sechzehntelnoten tanzen sie über die Linien der Stromleitung. Doch die Haken die sie schlagen könnte höchstens Mozart adäquat umsetzen.

Meine flattr Einnahmen im Juni

  • Veröffentlicht am 1st Juli 2010,
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Wow, wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Natürlich sind das keine Reichtümer, wie sie im Lawblog oder gar bei der taz angefallen sind. Mehr so Richtung Pottblog. Aber ich habe natürlich auch nicht mit deren Schlagzahl gebloggt bzw. veröffentlicht und noch nicht ganz deren Besucherzahlen. Ich war ja auch die ersten beiden Wochen des Monats im Urlaub. € 10,17 deckt die Hostingkosten und reicht dann noch für ein Eis.

Ich danke allen, die meine Beiträge flatternswert fanden und mit einem Obolus bedacht haben. Am beliebtesten war meine Sonderausgabe des Bücherstöckchens. Aber es gab tatsächlich auch jemanden, der mein Impressum geflattrt hat. #flippstevölligaus #allebekloppt

Trotzdem bin ich noch nicht ganz sicher, ob ich dieses Experiment weiterlaufen lassen soll. Es fühlt sich nicht rundherum richtig an, vor Allem die Sache mit dem Datenschutz macht mir Kopfzerbrechen. Und die Buttons sind so häßlich… Es ist schön, wenn meine Gedanken hier eine Anerkennung erfahren. Aber am liebsten werde ich immer noch in Kommentaren bezahlt, und ich würde hier auch schreiben wenn es niemand lesen würde. Ich blogge, weil es mir Freude macht. Aber ich danke Euch trotzdem.

Hausfrauenblues

  • Veröffentlicht am 1st Juli 2010,
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Die Sonne bringt es an den Tag: Es ist Zeit fürs Putzen. Das Badezimmer ist am dransten. Die Hausfrau zieht also mit ihrer chemischen Keule in die Höhle und schrubbt die Wände, den Fußboden, das Waschbecken. Die Toilette ebenfalls; zwar nicht mit der Zahnbürste aber doch rundherum so keimfrei geputzt, als solle sie die „best in show“-Kokarde beim „Unser Dorf soll schöner werden“-Wettbewerb gewinnen. Die gläserne Duschkabine, stets eine besondere Herausforderung in Sachen „streifenfrei und glänzend sauber“, wird mit diesem sauteuren Zeugs eingeseift, das die sauteure Antikalk-Beschichtung nicht angreift und anschließend mit dem Abzieher, der zu diesem Zweck extra eine sauteure neue Gummilippe spendiert bekommen hat, in den streifenfreien Quasi-Neuzustand versetzt. Die Armaturen werden mit von Essigessenz durchtränkten Wattelagen umwickelt, welche die bei unserer Wasserhärte unvermeidlichen Kalkablagerungen weichkochen sollen. Die Spiegel werden so auf Hochglanz poliert, daß man direkt eine Sonnenbrille aufsetzen muss, wenn man reinschaut. Als nach einer guten Dreiviertelstunde schließlich alles heftiger strahlt als ein Körbchen polnischer Pfifferlinge, lege ich die neue Badematte vor die Dusche, wickele ein brandneues Seifenstück aus, hänge ein frisch gewaschenes Handtuch hin, ziehe mich aus und begebe mich zur Belohnung für die ganze Schufterei unter die Dusche.

Was folgt, ist mit WAAAAAAHHHHH! nur sehr unzureichend beschrieben. Die Verbindung zwischen Duschkopf und Schlauch hat sich offenbar irgendwie gelöst und der Schlauch tanzt wie ein wildgewordener Derwisch durch die Dusche. Mein Griff nach dem Einhandmischer ist schnell, aber nicht schnell genug: Alles ist klatschnass: Die Spiegel, die Wände, das Fenster, die Waschmaschine, meine Klamotten, der Wäschekorb, das frische Handtuch, der Duschvorleger, es tropft sogar von der Decke – unfassbar.

Morgen ist die Küche dran. Mal sehen, was da so abgeht.

Das 9. Buch in deinem Regal v.r.

  • Veröffentlicht am 1st Juli 2010,
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Jeden Tag eine Frage zu einem Buch, das ist das Bücherstöckchen. Heute:

Tag 16 – Das 9. Buch in deinem Regal v.r.
Peter Biskind: Seeing Is Believing

Der Autor des Standardwerks über die Zeiten des New Hollywood, Easy Riders, Raging Bulls, und des ziemlich desillusionierenden Buchs über Aufstieg und Fall des Independantfilms, Down And Dirty Pictures, (neben dem unterhaltsamen Gossip über die Weinsteins, Tarantino und Miramax mit einer bitterbösen Abrechnung über Robert Redfords Sundance Institut) schreibt hier über das Hollywoodkino der Fünfziger. Aliens, UFOs, Monster, Atomkraftverherrlichung, Kalter Krieg – alles drin, in all seiner herrlichen Verrückheit, unfreiwilligen Komik, Paranoia und mit diesem gefährlichen, düsteren Unterton, den die Filme zu jener Zeit hatten und den man vermutlich nur feststellen kann, wen man mehrere Jahrzehnte Abstand gewonnen hat und diese Zeit vielleicht besser gar nicht aus eigener Anschauung kennt.