„Das kommt, weil das so ist.“

  • Veröffentlicht am 29th April 2010,
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„Das kommt, weil das so ist.“ – Das ist ziemlich offensichtlich, daß sich einige unter den Linken, Kriegsgegnern, Pazifisten, Vegetariern, Veganern, Feministinnen, St. Pauli-Fans, Atomkraftgegnern, Antifaschisten so fühlen. Ja, genau, das ist so, die fühlen sich so. Das macht sie allerdings weder zu Gutmenschen noch zu guten Menschen. Höchstens zu besonders dummen. Und damit unterscheiden sie sich dann null von ihren Gegnern, die sich ihrerseits genauso überlegen fühlen.

Zwei Seiten derselben Medallie, die sich am Wochenende wieder mal so richtig schön ausleben – angeblich im Namen, aber de facto auf Kosten der vernünftigen und friedliebenden Menschen in der Schanze und in Berlin und überall sonst wo gerade unter vorgeschobenen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Ansprüchen Bock auf Krawall herrscht.

Pflastersteine werden fliegen, Schaufenster zu Bruch gehen, Wasserwerfer in Marsch gesetzt, nach der epischen Berichterstattung der geifernden Medien, Eurem Komplizen in diesem perfiden Spiel, werden noch härtere und noch sinnlosere Gesetze gefordert und nach Abzug der Rauchschwaden auch durchgedrückt werden. Es wird Verletzte geben, vielleicht sogar Tote.

All dies nehmt Ihr billigend in Kauf, kalt lächelnd herabblickend von Eurem hohen Ross der moralischen Überlegenheit. Ein paar Tage später gibt es dann ein geschwurbeltes, selbstgerechtes Pamphlet aus dem Linke/Antifa-Textbausteinkasten, in dem sämtliche Schuld an den bedauerlichen Vorfällen auf unreife Einzeltäter geschoben und ansonsten der Gegenseite zugesprochen wird.

Das Schlachtfeld wird von Euren Opfern aufgeräumt: den Anwohnern, die die Schmierereien an ihren Häuserwänden übertünchen, den Geschäftsleuten, die schweigend zum Besen greifen und die Scherben ihrer Existenz wegfegen, den Männern und Frauen von der Stadtreinigung, die die abgefackelten Müllbehälter entsorgen und neue aufhängen, den Ärzten und Schwestern, die stillschweigend die Wunden der Unbeteiligten versorgen und natürlich auch Euch und Eure Gegner wieder fit machen für den nächsten Kampfeinsatz.

Es ist Eure geistige Armut, die mich so ankotzt.

Geschichten aus der Schattenwelt

  • Veröffentlicht am 28th April 2010,
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1. Ein Apple-Mitarbeiter lässt spät abends nach Besuch einer Gastwirtschaft und Genuss mehrerer leckerer deutscher Biere versehentlich sein iPhone auf dem Tresen zurück.

2. Ein anderer Gast findet das Gerät, sieht, daß der Besitzer nicht mehr da ist und schaltet das iPhone an, vorgeblich um herauszufinden, wem es gehört. Er findet den Namen des Besitzers via der facebook-app heraus.

3. Als er am nächsten Morgen erwacht, ist das Gerät tot, vermutlich per Fernbedienung über die mobile.me-Deaktivierungsseite abgeschaltet. Der Finder wundert sich, daß keine Nachricht mit einer Adresse und der Bitte um Rückgabe darauf auf dem Display erscheint (wie es technisch möglich wäre) und besieht sich das Gerät erstmals näher: Das scheint kein normales iPhone zu sein? Er pult die Verkleidug ab und legt einen Prototypen der nächsten iPhone Generation frei.

4. Der Finder versucht vergeblich, Apple das Gerät zurückzugeben. Angeblich nimmt ihn am Telefon niemand ernst, wenn er von seiner Geschichte des gefundenen iPhone Prototypen erzählt.

5. Keiner sagt, wie und über wen es genau passiert ist, aber das Gerät wechselt irgendwie über eine dritte Person für 5.000 US $ den Besitzer. Gekauft hat es ein berühmtes, werbefinanziertes Technikblog, das sich davon den Coup des Jahres verspricht, das Teil genau unter die Lupe nimmt und ausführlich und bebildert über die Details bloggt.

6. Apple meldet sich bei dem Technikblog und fordert höflich und bestimmt sein Eigentum zurück. Das Blog antwortet ebenso höflich, es werde dem umgehend nachkommen.

7. Lufthansa nutzt die Gunst der Stunde und feuert aus allen PR-Rohren und twittert: Der arme Tropf, der nach Genuss des deutschen Bieres den Prototypen hat liegen lassen, bekommt von ihnen einen Business-Class-Freiflug nach München und zurück, Freibier bis  zum Umkippen inklusive.

8. Der Blogger kommt spät abends mit seiner Gattin vom Essen nach Hause und findet sein Haus voller Polizisten, die bei der Vollstreckung eines Durchsuchungsbefehls aufgrund seiner Abwesenheit die Haustür aufgebrochen haben und dabei sind, eine Reihe von Computern, Kameras, Festplatten und andere Gegenstände zu beschlagnahmen. Der Grund für die Aktion ist vorgeblich Hehlerei, bzw Beteiligung an einem Diebstahl. Man will wissen, von wem er das Gerät gekauft hat.

9. Der Anwalt des Bloggers sagt, der Blogger sei Onlinejournalist und Verlagsangestellter und somit greife der Informantenschutz, wie bereits schon zu einem früheren Anlass und in anderem Zusammenhang gerichtlich festgestellt. Der Blogger hätte also niemals durchsucht werden dürfen.

10. Die meisten Apple-Fanboys finden: Wer mit geklauten Sachen herumprotzt, muß halt damit rechnen, daß die Polizei und der Eigentümer etwas dagegen haben und auch etwas unternehmen. Die meisten Apple-Hasser schreien „Pressefreiheit“ und finden ansonsten offenbar nichts an dem Verhalten des Technikbloggers anrüchig; Apple habe selber schuld, das sei halt dumm gelaufen für sie.

Manchmal muss man einfach mal den Abflug machen.

  • Veröffentlicht am 26th April 2010,
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Manchmal muss man einfach mal den Abflug machen.

Keinesfalls verpassen wollte ich sie, die gestrige Frühlingslesung mit Percanta, Isabo, Merlix und Bov. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir, daß ich trotzdem nicht vor Ort war: ich mußte einfach dringend durchatmen und meine Batterien aufladen, die waren schon nicht mal mehr im roten Bereich. So fuhr ich auf meine Insel, vergaß alle anderen Termine und jetzt geht es mir wieder besser. Manchmal muss man eben einfach mal den Abflug machen.

Wir sind das Volk, aber wen interessiert ’s?

  • Veröffentlicht am 22nd April 2010,
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Der aktuelle Rundfunkstaatsvertrag besagt, daß Sendungen der öffentlich-rechtlichen Medien nur für einen begrenzten Zeitraum online angeboten werden bzw. verfügbar sein dürfen. Die gebührenfinanzierten Sender, denen von Seiten der Verleger und privaten Konkurrenz erst unlängst noch vorgeworfen wurde, sie drängten mit aller Macht ins Netz und wollten den Wettbewerb unfair verzerren, löschen daher gerade große Teile ihrer Onlinearchive.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Inhalte, die durch Gebührenzahler finanziert wurden, und von denen man also entsprechend erwarten können sollte, daß sie bis in alle Ewigkeit auf Abruf in Online Mediatheken stehen, werden gerade vorsätzlich gelöscht. Wer keinen Fernseher oder kein Radio besitzt, sondern nur einen PC oder ein entsprechendes Handy, wird bekanntlich ebenfalls von der GEZ zur Kasse gebeten, denn er könnte ja die Online-Angebote der ÖR-Sender nutzen. OK, man mag über die Höhe der Gebühren streiten und natürlich auch über die rüden Methoden der GEZ, den Schwarzsehern auf die Spur zu kommen. Auch die Frage, was teure Produktionen wie „Wetten, dass?…“ mit dem Auftrag der Grundversorgung zu tun haben, darf ruhig mal gestellt werden. Aber ich glaube, die meisten Menschen haben nichts per se gegen einen gebührenfinanzierten staatlichen Rundfunk. Nur die Verhältnismäßigkeit und Nachhaltigkeit sollte gewährleistet sein.

Unabhängig von der Frage der Finanzierung, und warum die Gebührenzahler kein Anrecht darauf haben ihre bezahlten Inhalte anzusehen, wann und wie sie es für richtig halten: Was ist mit dem kulturellen und historischen Aspekt? Sind diese Archive nicht  Teil unserer gemeinsamen Geschichte und damit auch Teil unserer Zukunft? OK, ich vermute und hoffe mal, daß die Daten nicht unwiederbringlich gelöscht werden, sondern nur nicht mehr öffentlich zugänglich sind. Sie werden wahrscheinlich weiterhin in den Kellern der Sender schlafen und ggf. vermodern. Vielleicht werden irgendwann nur noch akkreditierte Wissenschaftler und Forscher Zugang zu einer Tagesschausendung von 1990 haben. Aber macht es das besser?

Zu einer anderen historischen Baustelle: Das Fraunhofer-Institut wird vermutlich Ende nächsten Jahres die Pilotphase des e-Puzzler-Projekts abgeschlossen haben. Der e-Puzzler soll aus den rund 15.000 Säcken mit Papierschnipseln, die Stasi-Angestellte in den letzten Minuten des DDR-Regimes aus den Akten fabriziert hatten, eines Tages wieder les- und verwertbare Dokumente machen. Die Kosten für das Projekt liegen irgendwo zwischen 40 und 40 60 Millionen Euro, ca. 6,3 Millionen EUR sind bislang geflossen, woher die restliche Summe kommen soll steht in den Sternen. Einen interessanten Artikel über das Projekt hat TIME.com diese Woche online gestellt.

Ich habe weder an den Inhalten von ARD, ZDF & Co. noch an den Stasi-Akten ein persönliches Interesse. Insofern könnte es mir bestenfalls egal sein, wie viele Gebühren und Steuergelder dort jeweils fliessen. Aber ich bin nicht der Nabel der Welt und ich glaube, ein Volk kann es sich nicht leisten, kein Geld für die Dokumentation der Vergangenheit auszugeben. Sonst hat es keine gute Zukunft.

Die re:publica Marginalien

  • Veröffentlicht am 19th April 2010,
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“Ein‘ hab‘ ich noch, ein‘ hab‘ ich noch!” und dann ist auch Ruhe zum Thema, versprochen.

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Ich habe anlässlich der re:publica meinen Twitteraccount geöffnet (also von protected auf öffentlich umgeschaltet) und auch auf die tägliche Löschung meiner Tweets verzichtet. Ich werde es auch vorerst dabei belassen. Ich habe nicht besonders viel getwittert in den drei Tagen, ca. 80 Tweets nur (wir hatten ja nix damals kaum Netz). Hochgerechnet auf die Zeit die ich schon twittere (seit Mai 2007), sind das etwa 22.000 Tweets, die ich bislang geschrieben und abends jeweils wieder gelöscht habe. Ich habe auf der re:publica ca. 30 neue Follower gewonnen, davon ca. ein Drittel Spammer, die ich gleich wieder geblockt habe, und folge nun auch einigen neuen Bekannten.

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Nächstes Jahr nehme ich mein Longboard mit. Die Bürgersteige und Straßen in der Gegend sind ja wohl der Hammer!

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Allen Frotzeleien zum Trotz: einen stabilen Internetzugang für ca. 2.500 Leute, die mit ihren Notebooks und Smartphones oder gar beidem alle gleichzeitig ins Netz wollen – das kann es wahrscheinlich (noch) nicht geben. Es ist also eher ein Wunder, daß wir überhaupt online gehen konnten und ich verstehe viel zu wenig von der Technik, um diese Leistung der hinter den Kulissen eifrig werkelnden Heinzelmännchen angemessen würdigen zu können. Aber ich danke ihnen sehr, genau wie den Organisatoren Johnny und Tanja Haeusler von Spreeblick und Markus Beckedahl von netzpolitik.org und allen anderen, die dieses wunderbare Event auf die Beine gestellt haben.

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Ich habe einmal mehr festgestellt: Die meisten Menschen sind freundlich und hilfsbereit.

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Das Hotel war gewöhnungsbedürftig. Nur daß ich mich daran niemals gewöhnen werde. Ein Einzelzmmer ist ja auch in jedem Hotel auf der Welt nur eine umgebaute Wäschekammer mit Blick auf den Schornstein, und für 50€/Nacht kann man nicht viel erwarten, schon klar. Aber das Bett war viel zu weich und irgendwie auch zu kurz, das Teil erinnerte an ein 70er-Jahre klappbares Campingbett. Das warme Wasser funktionierte am ersten Morgen nicht und kam auch anschliessend nicht richtig in die Gänge. Die Handtücher waren nicht viel dicker als Kleenex, nicht viel größer als Waschlappen und bretthart. Grundsätzlich liebe ich brettharte Handtücher, aber im Hotel, und noch dazu einem, das sich als tolles Day-Spa anpreist, erwarte ich irgendwie mehr Flausch, ich weiß auch nicht. Auf dem Flur roch es heftig nach Chlor. Der Getränkeautomat auf dem Flur war defekt, die Minibar komplett leer, man sollte sich unten im Foyer für 2,50 €/Getränk eindecken. Alles war irgendwie ein wenig sehr angeranzt, aber das soll wohl in Berlin so üblich sein, habe ich mir sagen lassen. Der Fernseher ging auch nicht, oder trägt Niki Lauda neuerdings eine grün-lila gestreifte Gesichtsfarbe? (Da will man einmal im Leben fernsehen und dann…) Der Fahrstuhl ging nur sporadisch (na gut, ich nehme sowieso immer die Treppe, aber ich wollte es der Vollständigkeit halber erwähnt haben). OK, es lag quasi neben der Veranstaltung, das war praktisch. Und die Leute am Empfang waren superfreundlich (alle in Berlin waren superfreundlich, ausnahmslos!), obzwar sie das Tempo von in Wut geratenen Weinbergschnecken drauf hatten.

Naja, Schwamm drüber. Nächstes Jahr ziehe ich drei Meter weiter ins Mélià. Ich bin halt verwöhnt, ich geb’s ja zu.

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Club Mate schmeckt wie… also ich weiß auch nicht, aber mir schmeckt’s jedenfalls nicht.

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Eine Twitterwall jeweils im Foyer hätte ich gut gefunden. Aber schön, daß während der Vorträge keine lief.

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Nächstes Jahr sollte die Golfer unter uns dann am Samstag eine re:publica Open hinkriegen, finde ich. Zwei, drei flights kriegen wir mindestens allein aus meiner kleinen Timeline zusammen.

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Meine Lieblingstweets aus drei Tagen re:publica:

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Die beste Currywurst gibt’s fraglos in Hamburg, tut mir ja leid für Euch.

Die re:publica, dritter Tag

  • Veröffentlicht am 18th April 2010,
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Ein guter Plan ist das halbe Leben.

Am Freitag früh um 10h ging es im kleinen Saal der Kalkscheune weiter mit einem sehr inspirerenden Vortrag über Open Government, den der Neuseeländer (und bald naturalisierte Brite wie er gleich stolz erzählte) Rob McKinnon hielt. Wer sich noch nicht näher mit dem Thema befasst hatte bekam einen sehr guten Überblick über die Aktivitäten und Erfolge von Bürgern aller Herren Länder, die ihren Regierungen auf die eine oder andere Art mehr Offenheit abringen, aber auch willens und fähig sind, sich selbst und ihr Können anzubieten und einzubringen. Mehr Transparenz kann ganz sicher nicht schaden, ist jedoch den meisten Regierungen ein Dorn im Auge, wie wir noch aus dem Wikileaks-Vortrag des Vortages wissen. Immerhin, es tut sich etwas und ich überlege auch schon, was ich tun kann und wofür ich mich engagieren will. Denn eines ist klar: Nur meckern geht nicht. Mitmachen und besser machen!

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Anschliessend begab ich mich rüber in den Friedrichstadtpalast, um den eigentlich für 11 Uhr angekündigten Themenblock “Netzneutralität” anzuhören. Statt dessen erzählte Götz Werner etwas übers Grundeinkommen, auch gut.

Götz Werner hat die Drogeriemarktkette dm gegründet und tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Obwohl es schwer ist, sich einigen seiner Argumente zu verschliessen (natürlich hat nicht nur diejenige Arbeit einen Wert, die bezahlt wird), sind mir da noch viel zu viele Löcher in der Argumentationskette und natürlich ist mit vollen Hosen gut stinken… seine Sicht auf die Dinge dürfte wohl nicht 1:1 der seiner Angestellten entsprechen. Abgesehen davon, daß sein Vortragsstil ziemlich schnarchig und leicht von oben herab rüberkam, hielt er aber doch einen interessanten Vortrag und war kein kompletter Fehlgriff in der Themenauswahl. Die anschliessende Diskussion habe ich nur über Twitter verfolgt, da ich schon wieder zum nächsten Panel eilte.

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Das war natürlich das von MC Winkel, dem ich seine freundliche persönliche Einladung natürlich nicht abschlagen konnte. His Winkelness ist sicherlich die größte Rampensau der deutschen Bloggeria und blieb sich treu: Der winzige Blaue Salon war seit zehn Minuten gerammelt voll, ich überlegte kurz, à la Blues Brothers ein rhytmisches  “Wir-wollen-die-Show!” anzustimmen, und dann kam er auch schon: direkt aus Kiel, natürlich standesgemäß im absoluten Halteverbot geparkt, hat erst einmal die Orga verwirrt, die seinen Auftritt nicht auf dem Zettel hatte und eiligst WLAN-Kabel etc. herbeischaffte und begrüßte seine Fans. Der Einblick in das Leben eines Faulancers war kurzweilig und unterhaltsam vorgetragen, was natürlich auch niemand ernsthaft anders erwartet hätte. Wie man vom Bloggen leben kann, ohne sich ein Bein auszureißen? Das dürfte auch MC Winkel nicht wissen, denn er ist verdammt rührig, auch wenn es nach Nichtstun aussehen soll. Aber das ist ja immer so bei großen Sportlern: Die scheinbare Leichtigkeit ist nur durch hartes Training zu erreichen. „Spacken sind doch die interessanteren Menschen“ sagt er, und hat Recht damit. Reich wird man mit Bloggen nicht, aber MC Winkel hat seine Nische gefunden, tut das, was er liebt, hat offensichtlich ein Auskommen mit dem Einkommen – und wer unter uns (außer natürlich you-know-who, aber wer kann den schon ernst nehmen?) wollte es ihm nicht gönnen?

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Der Vortrag von Simon Rogers über „Datajournalism and Tthe Guardian“, den ich mir als nächstes vorgenommen hatte anzuschauen, fiel leider aus: aufgrund der wohl unwahrscheinlichsten Begründung seit “der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen”, nämlich ”da ist eine Vulkanaschewolke, die den Flugverkehr in halb Europa lahmlegt“, konnte der Redner leider nicht antreten. Die Leistungsschutzrechte-Diskussion konnte mich nicht locken und so quatschte ich ein wenig mit Kixka Nebraska und ging mit ihr in den Quatsch Comedy Club, um das Panel „Vom Livestream zum Lifestream“ anzusehen. Dort wurde es mir allerdings schnell zuviel, denn einerseits bin ich Klaustrophobikerin und musste. da. raus. JETZT!, dann war die Luft war so dick, als hätte sich die Aschewolke noch mit in der proppenvollen Saal gequetscht und außerdem hielt ich’s auch sonst nicht mehr aus:

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Der so fluchtartig verlassene Raum würde sich wahrscheinlich in der nächsten Stunde noch mehr füllen, denn Felix Schwenzel (wirres.net) wollte uns erzählen “Warum das Internet scheiße ist”. Also begab ich mich lieber dahin “Wo wilde Trolle wohnen”, den Vortrag des Rechtsanwalts Joerg Heidrich, der aus dem Leben eines Forenmoderators erzählte und ein paar Schwanks zum Thema “Umgang mit Abmahnungen” und “fliegender Gerichtsstand” zum Besten gab. Da ich selbst schon Foren moderiert habe, war das alles nicht wirklich neu für mich (im Internet gibt’s aufmerksamkeitssüchtige Bekloppte? Echt? Und Wasser ist wirklich nass?), aber daß es einen echten Klagetourismus gibt zu den Gerichten, bei denen man am ehesten mit einer für die eigene Sache günstige richterliche Entscheidung rechnen kann, weil man nämlich ohne Rücksicht auf Sitz des Anbieters überall dort klagen kann, wo das Internet zu empfangen und damit die beklagte Seite zugänglich ist – das ist ein Tritt in die Magengrube für jeden Menschen mit gesundem Rechtsempfinden.

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Anschließend gab’s noch einen netten Plausch mit @littlejamie und eine wahrscheinlich ökologisch-dynamisch-politisch-korrekte schwedische Limonade, die allerdings schmeckte als hätte jemand ein paar Tütchen Ahoi-Brausepulver mit Himbeergeschmack aufgelöst. Ich machte mich auf zur großen Verabschiedung, bei der Johnny Haeusler eigentlich live auf der Bühne mit Twitter-Gründer Biz Stone skypen wollte. Der kam aber nicht, wir sollten doch bitte noch ein paar Minuten auf ihn warten wie seine Sekretärin ausrichten ließ, und so kam es zur absolut bestmöglichen Verabschiedung überhaupt: Der ganze Saal sang inbrünstig zu Queens Bohemian Rhapsody Karaoke und ließ Biz Stone einfach mal Biz Stone sein:

ARVE Fehler: id und provider shortcode Attribute müssen für die alten Shortcodes gesetzt sein. Es ist empfehlenswert auf den neuen [arve] Shortcodes zu wechseln der nur die URL braucht.

It really did send shivers down my spine!

Die Party danach war klasse, ich lernte u.a. endlich auch die offizielle Haus- und Hoffotografin der re:publica, Mme Creezy persönlich kennen und outete mich als fangirl und wurde @writingwoman vorgestellt, die kurz vorm Gefrierbrand stand (es war aber auch kalt in Berlin!). Ein mitternächtliches Abendessen mit @rajue und @frankkleinert beim Thai beschloß den Abend eines schönen, dritten re:publica-Tages für mich.

Die re:publica, zweiter Tag

  • Veröffentlicht am 17th April 2010,
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Vorab: diesen Beitrag hatte ich ursprünglich schon einmal getippt, nämlich gestern früh mühsam ins iPhone, über die WordPress-App (Ich hatte keinen Rechner mit in Berlin). Als ich auf „save“ klickte, verschwand die Arbeit von knapp 2 Stunden im Datennirvana. Sonst wäre der natürlich schon gestern früh hier erschienen, sorry.

Gute Frage.

Tag 2 beginnt mit einem Vortrag Matthias Kröners, seines Zeichens Vorstand der FIDOR AG. Ein Banker, der über „Banking mit Freunden“ spricht. Ich traue Bankern ja nicht ganz so weit über den Weg, wie ich ein Klavier werfen kann, aber sein Vortrag ist kurz, knackig, mitreissend und regt zum Nachdenken an. Ich werde mich jedenfalls näher mit diesem Projekt beschäftigen, das steht mal fest. Eine Bank, die ihren Usern Geld für ihre Mitarbeit gibt?

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Unmittelbar im Anschluß sprach Alvar Freude, Netzaktivist, Mediendesigner und u.a. auch Mitbegründer des AK Zensur über die möglichen Auswirkungen der Änderungen am Jugendmedienschutz-Staatsvertrag auf das Web 2.0. Leider beschränkte er sich darauf, bekannte Allgemeinplätze polemisiert zu wiederholen. Jegliche Form von Zugangskontrolle für Kinder und Jugendliche zu verteufeln, statt Lösungswege aufzuzeigen oder konkrete Vorschläge zu unterbreiten, wie man den Nachwuchs vor dem dunklen Teil des Netzes schützt, den es ja leider auch gibt – das kann es ja nun auch nicht sein. Nur weil das der Teil ist, auf den sich die Holzmedien stürzen und den sie wichtiger und größer schreiben als er ist, heißt es ja nicht, daß man ihm nicht wachsam und misstrauisch gegenüberstehen sollte. Ziemlich genau das sagte ihm dann auch ein sichtlich genervter Zuhörer sehr deutlich in den Frage- und Antwort Minuten. Freudes einziger Vorschlag der dann kam, und für den es auch verdienten Applaus gab, lautete: Medienkompetenz zu vermitteln, und zwar den Eltern (fast noch wichtiger) und den Kindern.

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Sehr nettes und unterhaltsames Mittagessen mit @rajue, dem Macher von (u.a.) photoappar.at (geniale URL, oder?), der den wohl schönsten Schnappschuss von Jeff Jarvis gemacht haben dürfte.

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Weiter ging es mit dem Vortrag der Wikileaks Macher, bzw. Daniel Schmitt, einem der Mitgründer – Julian Assange war (für mich nicht wirklich überraschend) nicht am Start. Schmitt gab einen kurzen aber intensiven Abriss über die Arbeit und die daraus resultierenden Skandale und Erfolge von Wikileaks. Frisch im Gedächtnis ist natürlich das letzte Woche unter dem Schlagwort „Collateral Murder“ bekannt gewordene Video der US Armee, aufgnommen mit einer Bordkamera eines Apache-Helikopters, auf dem zu sehen ist wie die Besatzung lachend und als ob es sich um ein Videospiel handelte, mittels ihrer Bordkanone auf unbewaffnete Journalisten schießt und anschließend noch einen Kleintransporter voller Zivilisten und Kinder unter Beschuss nimmt, dessen Fahrer den sterbenden Journalisten zu Hilfe eilen wollte.
Schmitt betonte, daß Wikileaks sich nicht als Konkurrenz zu Journalisten und kommerziellen Medien verstehe sondern ihnen im Gegenteil als Partner helfen wolle, investigativen Journalismus zu betreiben. (Wie ich die Journallie so einschätze, dürfte das allerdings wohl ein frommer Wunsch bleiben – denen geht es doch meist nur um Neid und Eifersüchteleien und ums Pimmelfechten, wer den dicksten Scoop zuerst findet. Eine unabhängige, spendenfinanzierte Seite da als Quelle zu nutzen, geht ihnen wohl gegen das, was sie für ihre Berufsehre halten.)

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Jérémie Zimmermann

Anschliessend sah ich Monica Horten von der University of Westminster in London, die einen Überblick über die Planungen der EU zum Telekommunikationspaket und der sog. „Three Strikes-Regelung“ gab (wie sie das franz. Verfassungsgericht bereits abgeschmettert und das britische Parlament gerade durchgewunken hat). Ihr folgte auf dem Fuße Jérémie Zimmermann, ein kleiner, quirliger Franzose, der uns über die Auswirkungen dieser Pläne aufklärte und uns alle beschwor, unsere Abgeordneten zu beleuchten und dazu zu bewegen, gegen die teilweise absurden Massnahmen zu stimmen, die unmittelbar aus dem Wunschkatalog der Lobbyisten der Unterhaltungsindustie stammen und das Ende der persönlichen Informations- und Redefreiheit und damit schlussendlich das Ende der Demokratie bedeuten.

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Weiter ging es mit einem Panel über Sexismus im Netz, bei dem Susanne Klingner Anna Berg, Anne Roth und Klaus Schöneberger auf dem Podium saßen und sehr akademisch, schnarchlangweilig und meiner Meinung nach teilweise wirklich ärgerlichen Stuss über die Diskriminierung der Frau im Netz sprachen. Ich hätte ja gern nach wenigen Minuten genauso fluchtartig den Saal verlassen wie @DonDahlmann, aber ich hatte endlich eine freie Steckdose für mein durstiges iPhone gefunden und einen schönen Platz auf einem gemütlichen Sofa, das nach zwei Tagen auf unbequemen Holzstühlen eine echte Wohltat für meinen Rücken war. Solchermassen quasi festgebunden erduldete ich  das Gesülze. Nicht, daß es keinen Sexismus im Netz gäbe. Aber wenn es schon damit los geht, daß es ein untrügliches Anzeichen für die Diskriminierung weiblicher Blogger sein soll, daß die erste Frau in den (komplett irrelevanten) deutschen Blogcharts auf Rang 35 erscheint, dann kann man sich vorstellen, wieviel beknackter die Diskussion noch wurde. Das iPhone mußte schließlich mit 3/4 Ladekapazität auskommen; ich hab’s dann doch nicht länger als eine Viertelstunde durchgestanden und bin gegangen.

Allerdings habe ich erst später am Abend davon gehört, daß offenbar ein paar Trolle den Livechat gekapert hatten und wirklich widerwärtige Kommentare abgelassen haben. Mehr darüber gibt es bei Antje Schrupp und beim Piratenweib im Blog. Das ist eklig und ich kann die Wut und Empörung der Betroffenen verstehen. Ich bin eine Frau und fühle mich nicht betroffen, weil ich solchen Dreck nach all den in diversen Foren und Communities verbrachten Jahren in- und auswendig kenne und inzwischen eigentlich „nedamol mehr ignorier“, wie der Bayer so schön sagt. Aber ich kann auch verstehen, daß nicht jede Frau so ein dickes Fell hat oder zulegen will. Ich würde es lieber so machen wie es Sascha Lobo ja schon am Vorabend in seinem “How To Survive A Shitstorm”-Vortrag zeigte. But that’s just me – to each her own.

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Die folgende Stunde verbrachte ich im angeregten Gespräch mit Frau Serotonic, die sich live und in Person als genauso super herausgestellt hat, wie ich mir das schon damals™ dachte, als ich ihr Blog entdeckte. Zum Abschluß gingen wir zum Laberflashmob, einer spontanen Veranstaltung mit dadaistischen Zügen, die mich dann auch zum Aufbruch reizte (DaDa war noch nie meins). Alles in allem war es aber ein schöner und streckenweise sehr lehrreicher und unterhaltsamer zweiter Tag.

19.04.10 Update: Bei der Nennung der Namen der “Sexismus im Internet” Diskussionsteilnehmer ist mir bedauerlicherweise ein Fehler unterlaufen. Auf dem Podium saß nicht Susanne Klingner, wie im gedruckten Programm und auch noch auf der offiziellen re:publica-Seite zu lesen steht. Statt ihrer war Anna Berg von der Mädchenmannschaft dabei. Ich bitte um Entschuldigung.

Die re:publica, erster Tag

  • Veröffentlicht am 15th April 2010,
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Irgend jemand twitterte „es ist ein bisschen wie Klassentreffen“ und genauso fühlt sich das an. Nur eben genau umgekehrt: ich treffe nicht Menschen, die ich zwanzig Jahre weder gesehen noch vermisst habe und mit denen ich mich über die gemeinsame Vergangenheit unterhalte, sondern solche, die ich größtenteils noch nie gesehen habe, aber mit denen ich durch das Netz auf Twitter oder in Blogs und Kommentaren täglich in direktem oder wenigstens indirektem Kontakt stehe. Und wir sprechen über die Gegenwart und die Zukunft, wie die alten Vertrauten die wir irgendwie ja auch sind, und ganz gemäß des Konferenzmottos: „Now.Here.“

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Der Eröffnungsvortrag von Peter Glaser hat mir gut gefallen. Aber den „Ausknopf als menschliches Grundrecht“ zu fordern ist dann schon irgendwie albern: Es gibt auch keinen Ausknopf für den Fluss vor meinem Hotelfenster. Man schaltet sich selbst ein oder aus, nicht das Netz. Das ist immer da, wie der Rest der Welt. „Now.Here.“

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Eine Konferenz zum Thema Internet, bei der weder WLAN noch Handyempfang sonderlich funktioniert; auch das ist das Netz. Es ist spannend, weil die Menschen, aus denen es besteht, so spannend sind. Es geht hier nicht um Technik. Die meisten Leute in den Vorträgen hören aufmerksam („Now.Here.“) zu statt zu twittern oder auf dem MacBook per Videostream zu verfolgen, was sie vielleicht im anderen Saaal gerade verpassen und nicht wenige schreiben tatsächlich in Notizbücher statt auf Notebooks.

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Prof. Dr. Peter Kruse

Der Vortrag Peter Kruses über unsere unterschiedlichen Wahrnehmungen, Perspektiven („Now.Here“) und Bewertungen derselben Ereignisse ist fraglos inhaltlich wie formell das Highlight des ersten Tages. Hier ein Link zum Video des Vortrags.

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Udo Vetter vom Lawblog hält einen gut besuchten Vortrag über das, was man früher einfach „gute Kinderstube“ genannt hätte, wahlweise „gesunden Menschenverstand“: Schreibe nichts über andere, was du ihnen nicht auch ins Gesicht sagen würdest. Benutze keine Fotos oder Filme von anderen, ohne vorher um Erlaubnis gefragt zu haben. Traurig, daß man das hier und heute („Now.Here.“) noch sagen muss.

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Sascha Lobo

Sascha Lobos Vortrag „How to survive a Shitstorm“ fängt stark an und läßt dann doch stark nach. Bei aller persönlichen Betroffenheit, die hier offensichtlich unter einer dicken Schicht Sarkasmus verborgen werden soll (und ja, es gibt schon kranke Leute da draussen): So zu überziehen riecht nach Thomas Gottschalk und krampfhaften Festhaltens an den 15 Minuten Ruhm. („Now.Here.“)

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Die Twitterlesung war lustig, aber auch dieses Konzept wirkt inzwischen nicht zuletzt auch dank der Darbietung etwas abgelutscht und Gottschalkesk. Dieselben Leute lesen Tweets von immer denselben Leuten vor, die dasselbe Publikum sowieso schon längst selbst gefaved hat. Das führt ja auch nirgendwo hin („Now.Here.“).

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Schade, daß die (allerdings stets höflichen) Gorillas am Eingang zur Kalkscheune auch nach Ende des ersten Konferenztages nur die Teilnehmer zum Feierabendbier zulassen. Wer kein schwarzes Armband hat, kommt nicht rein — blöd, wenn man als Berliner den Tag über im Büro saß und abends extra herkam, um sich mal die Nasen hinter den Twitteraccounts persönlich anzuschauen und ein gemeinsames Bier zu trinken. Das ist dann wohl die Offline-Variante einer Netzsperre („Now.Here.“) und wird mit einem fetten #FAIL belohnt.

Ab nach Berlin!

  • Veröffentlicht am 13th April 2010,
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Ab morgen bin ich in Berlin auf der re:publica. Das Programm liest sich sehr vielversprechend und das eine oder andere Bier mit dem einen oder anderen Blogger, Leser, Follower, Twitteraturprofessor passt sicherlich auch noch dazwischen.

Ich werde für die Dauer der Veranstaltung meinen Twitteraccount öffentlich machen und auch auf die tägliche Löschung meiner Tweets verzichten. Wer mag, folge mir gerne auf twitter.com/e13kiki. Und wer mich vor Ort sieht, darf mich gerne ansprechen :-)

Ein schönes Twitter-Visualisierungs-Tool findet sich hier: http://re.twittermap.de/

Zitat des Tages

  • Veröffentlicht am 12th April 2010,
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The iPad is emphatically not a serious readers’ device: the only people who would genuinely consider it a Kindle killer are those for whom the idea of reading for pleasure died years ago; if it was ever alive. The people who will spout bullshit like “I read on screen all day” when what they really mean is “I read the first three paragraphs of the New York Times article I saw linked on Twitter before retweeting it; and then I repeat that process for the next eight hours while pretending to work.” That’s reading in the way that rubbing against women on the subway is sex.

Paul Carr (TechCrunch)

„Der iPad ist ausdrücklich kein Medium für passionierte Leser: die einzigen Menschen die ihn wirklich als den Untergang des Kindle sehen sind diejenigen, für die das das Lesen als angenehmer Zeitvertreib schon vor Jahren gestorben ist, wenn es je gelebt hat. Die Leute, die Schwachsinn wie „ich lese den ganzen Tag am Bildschirm“ von sich geben, obwohl sie eigentlich meinen „ich lese die ersten drei Absätze des Artikels in der New York Times den ich auf Twitter verlinkt sah bevor ich ihn retweeted habe, und dann wiederhole ich den Prozess die nächsten acht Stunden während ich so tue als arbeitete ich.“ Das kann man als Lesen bezeichnen, so wie man sich in der U-Bahn gegen eine Frau pressen als Sex bezeichnen kann.“

Seh-Fahrt tut Not!

  • Veröffentlicht am 11th April 2010,
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Anlässlich einer Veranstaltung des Hamburg Macht Kinder Gesund e.V. war ich heute in das Internationale Maritime Museum (Sammlung Peter Tamm) geladen, wo Mitarbeiter und Ehrenamtliche des Museums und der TU Hamburg-Harburg angetreten waren, den Gästen und vor allem den anwesenden Kindern einen unterhaltsamen und aufregenden Tag zu bescheren. Es wurde anschaulich, kurzweilig und liebevoll erklärt, warum Schiffe schwimmen, wie sich der Schiffbau entwickelt hat, wie man einen Achterknoten, Schotstek und Palstek macht und einen Origami-Katamaran baut.

Und natürlich konnte man das Museum begucken; eine Gelegenheit, die ich vier Stunden lang ausführlich genutzt habe – und ich wette, ich habe noch nicht einmal die Hälfte wirklich gesehen! Dieses Museum hat es aus dem Stand auf die Liste meiner liebsten Hamburger Museen geschafft und ich kann es jedem Hamburger und Besucher , der sich auch nur ein Bisschen für Maritimes interessiert, nur wärmstens empfehlen. Mein nächster regnerischer Sonntag ist jedenfalls verplant.

The Masters 2010

  • Veröffentlicht am 7th April 2010,
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Morgen beginnt in Augusta, GA, U.S.A.  das Masters Turnier 2010. Für meine nichtgolfenden Leserinnen und Leser: Das ist das erste von vier jährlich stattfindenden Major-Turnieren im Profigolf der Herren, vergleichbar mit einem der Grand Slam Turniere im Tennis. Es ist außerdem ein Einladungsturnier, für das man sich zwar über eine Reihe von Wegen qualifizieren kann, aber das letzte Wort hat der ausrichtende Club.Am Start sind traditionell auch die Sieger der wichtigsten Amateurturniere dieses Sports, von denen nicht wenige in der Vergangenheit unmittelbar im Anschluss an das Masters ihren Wechsel ins Profilager bekanntgegeben haben. Der Masters Champion hat lebenslanges Spielrecht bei künftigen Masters, was zu im Profigolf ansonsten eher ungewöhnlichen deutlich dreistelligen Ergebnissen nach der ersten Runde führen kann, gespielt von Golfern, deren Alter nicht sehr weit von der Dreistelligkeit entfernt liegt. Allerdings verzichten doch die meisten der früheren Champions auf das Vergnügen und beschränken sich auf die Rolle der passiven Dekoration.

Die meisten Masters Siege hält der größte Golfer aller Zeiten, Jack Nicklaus. Er hat das Turnier sechsmal gewonnen, bei seinem letzten Sieg 1986 war er 46 Jahre alt, womit er auch der älteste Sieger war. Tiger Woods hat erst viermal in Augusta gewonnen und braucht auch noch vier Major-Trophäen, um mit Nicklaus’ Rekord (18 Major-Siege) gleichzuziehen. Der jüngste aller Teilnehmer geht morgen an den Start: Es ist der 16jährige Italiener Matteo Manassero, ein Amateur. Er wird, wie traditionell jeder Amteur, die Möglichkeit bekommen im „Krähennest“ des Clubhauses zu übernachten. Auf der offiziellen Masters-Website, die übrigens sehr schön gestaltet ist und einen Besuch lohnt, findet sich auch ein kleines Video über das Krähennest.

Der Club hat schon im vergangenen Jahr eine gut gemachte iPhone App herausgebracht und überträgt live darüber und auf seiner Website von einigen Schlüsselstellen des Platzes, sogar in 3D. Allerdings muss man trickreich über eine amerikanische IP Adresse surfen, das Angebot gilt leider nicht international. Bei uns überträgt natürlich Bezahlsender Sky, wer eine Satellitenschüssel hat, bekommt vielleicht einen Kanal der Briten rein.

Für mich ist das Masters das unwirklichste aller vier Majors im Golf. Der Platz ist zwar wunderschön und perfekt , aber wirkt wie eine Szene aus einem Disneyfilm. Sie färben sogar das Wasser blau, damit es natürlicher aussieht – ein Sinnbild für alles, was in meinen Augen an den U.S.A. einfach nur komplett und bis zum Kern hin krank und verrottet ist. Dieses gerade einmal 76 Jahre altes Turnier tut so, als ob es Golf erfunden hätte und zelebriert sich mit vielen kleinen Marotten und Regelungen hauptsächlich selbst, aber nicht den Sport an sich. Aus europäischen Augen ist der ganze Zirkus dort einfach nur lächerlich zu nennen. Aber hübsch anzusehen, keine Frage.

Tiger Woods ist natürlich wieder dabei, es ist sein erster sportlicher Auftritt nach der Sexpause. Ob er eiche echte Chance auf den Sieg hat? Natürlich, der Mann hat auch auf einem Bein die U.S. Open gewonnen und ihrem Gestammel bei Interviewfragen nach zu urteilen, haben seine Kollegen nach wie vor die Hosen voll vor ihm. Aber ich hätte auch nichts gegen einen Sieg des jungen Martin Kaymer, der sich ja für einen Platz im europäischen Team für den Ryder Cup im September qualifizeiren will. Überhaupt: ein Sieg eines Europäers wär’s doch mal wieder. Der letzte war 1996 1999, Sir Nick Faldo José-María Olazábal holte sich sein drittes zweites grünes Jackett. Doch würde ich um Geld wetten, setzte ich ein paar Euro auf  den Südafrikaner Ernie Els, der sein lange anhaltendes Tief endlich überwunden zu haben scheint. Am Sonntag wissen wir’s.