Noch mehr musikalische Hilfe für Haiti

  • Veröffentlicht am 28th Februar 2010,
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Der lauwarme Aufguss der Ansammlung heutiger „Stars“ von We Are The World neulich hatte wirklich nur ein Gutes: Es war für einen guten Zweck. Ansonsten sollte man wirklich den Mantel des Schweigens darüber bereiten. Aber es geht auch besser: Das irische Urgestein Shawn McGowan hat seine Freunde, darunter Nick Cave, Chrissi Hyndes und Johnny Depp ins Studio gebeten für eine Alternative zu dem peinlichen Gejodel der Amis:

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Hier käuflich zu erwerben.

Geht doch! Meinetwegen können die gleich im Studio bleiben und noch einen Song für Chile hintendranhängen.

Alle bekloppt am Millerntor

  • Veröffentlicht am 27th Februar 2010,
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Ich bin seit vielen Jahren Fan und seit sechs oder sieben Jahren Mitglied des FC St. Pauli, „dem einzig wahren“ oder „dem anderen“ Fussballverein in Hamburg – je nach dem, wie man das sehen will. Ich bin nicht sehr oft da, weil ich an den Wochenenden offengestanden lieber auf dem Golfplatz bin statt in der Kurve oder der Gegengeraden, aber zum Freundschaftsspiel gegen Celtic Glasgow im Mai, anläßlich der 100-Jahr-Feier des Vereine, das möchte ich schon gern. Ich bin also kein Schönwetter-Fan, denn bei schönem Wetter bin ich natürlich erst recht zum Golfspielen. Und  mir ist es auch recht schnurz, in welcher Liga die Jungs gerade kicken, denn der Fußball interessiert mich auch nur sekundär. Ich mag einfach den Verein, den Stadtteil, die Leute und die Atmosphäre, fertig.

Als Mitglied und/oder als Dauerkartenbesitzer hat man seit dieser Woche Mittwoch ein Vorkaufsrecht auf die Celtic-Tickets, die sicher nicht in allzugroßen Mengen in den freien Verkauf gehen werden. Als ich am Dienstag in meiner Twitter-Timeline also die üblichen Verdächtigen wie @ring2, @Jeky, @sparschaeler, @textundblog oder @Curi0us tweeten sah, die sich für „ab 10h in der Schlange“ verabredeten, dachte ich, es gehe um die Schlange für die Celtic-Tickets und zwitscherte fröhlich, ich sei dabei. Nach einer Weile jedoch stellte sich heraus, daß es um die Dauerkarte und um den Sonnabend ging. Und zwar um die Dauerkarte für die Südkurve, deren Ausgabe von den Ultra-Fans des Vereins quasi in Selbstverwaltung reglementiert wird. Die Kurzfassung: Es gibt mehr Interessenten als Dauerkarten, daher kriegen nur Dauerkarteninhaber jedes Jahr garantiert eine neue. Mitglieder oder Normalsterbliche kommen erst danach an den Topf (also nie im Leben). Aber wer bereit ist, ein absurdes Prozedere auf sich zu nehmen um eine Dauerkarte für einen Stehplatz in der Südkurve zu ergattern, der hat eine kleine Chance auf das begehrte Stück. Das ist also nichts für mich, denn obwohl ich schon ein echter Fan bin würde ich ja nur jedes zweite Wochenende einem Menschen,für den der Verein wirklich alles bedeutet den Platz wegnehmen, und das hätte ja wohl nichts mit Fairness zu tun.

Zu dem absurden Prozedere gehört, sich im Winter in die Schlange zu stellen und hoffentlich eine Wunschzettel gegen eine Quittung zu tauschen, die man dann im Sommer gegen die eigentliche Dauerkarte für die Südkurve tauschen kann. Als ich heute früh dann gegen halb neun in St. Pauli aus de U-Bahn stieg und auf den Anschlußbus wartete, sah ich schon eine ziemlich lange Schlange von ca. 1.000 Fans um den Block des Telekomgebäudes herumstehen. Ich dachte kurz an meine Twitterfreunde, die erst in eineinhalb Stunden hier aufschlagen wollten und kratzte mich am Kopf. Ob das reichen würde? Ich fuhr nach Blankenese zum frühstücken und schaute immer mal wieder auf den Stand der Dinge bei Twitter. Wie es aussah, hatte man schon Spaß:

Angrillen im Bollerwagen? WTF? Only in St. Pauli…

Aber am Ende hat es dann doch nicht gereicht; es waren nicht genügend Tickets für alle da. Bitter, vor allem nach über fünf Stunden vergeblichen Wartens und Anstehens. Ein echtes Debakel, keine Frage. Aber ich wette, es hat sich dennoch auf eine Art gelohnt. Und wir sehen uns spätestens im Mai am Millerntor, okay?

Facebook…

  • Veröffentlicht am 25th Februar 2010,
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Hihi!

Golfkrieg ohne eingebetteten Journalismus

  • Veröffentlicht am 19th Februar 2010,
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Tiger Woods wird heute eine Erklärung zur Lage der Nation zu seinem Major Fuckup abgeben. Dazu hält er eine Pressekonferenz im Clubhaus der TPC Sawgrass ab, die keine ist: Wie sein Agent Mark Steinberg von IMG verlauten ließ, dürfen einige ausgewählte Freunde und Kollegen live dabei sein. Fragen werden nicht zugelassen. Die Presse ist nicht zugelassen, nur Vertreter der Agenturen AP, reuters  und Bloomberg (was bedeutet, daß wir anschließend denselben, unredigierten und garantiert nichtssagenden Text auf allen Kanälen zu lesen bekommen werden). So faszinierend und unglaublich seine Errungenschaften und Taten auf dem Platz sein mögen – Tiger hat vor einem Mikro noch nie etwas wirklich Interessantes oder Berichtenswertes gesagt; er ist ein aalglatter Medienprofi, totaler Kontrolletti und strahlt jenseits des Golfplatzes etwa so viel Charisma wie eine Playmobilfigur aus.

Eingeladen war auch Vartan Kupelian in seiner Funktion als Vorsitzender der Golf Writers Association of America, also des 950 Mitglieder starkenVerbands der US-Golfjournalisten. Er hat nicht nur abgesagt, sondern der Verband hat eine Erklärung abgegeben, daß die Pressekonferenz für die Presse zugänglich sein sollte und daß Journalisten Fragen stellen dürfen sollten, in anderen Worten: ihrer Arbeit nachgehen dürfen sollten.

“The position, simply put, is all or none. This is a major story of international scope. To limit the ability of journalists to attend, listen, see and question Woods goes against the grain of everything we believe.
The GWAA also believes strongly that its presence, without the ability to ask question, gives credibility to an event that isn’t worthy of it.“

(Wieso haben eigentlich ausgerechnet US-Golfberichterstatter die cojones um journalistische Prinzipien zu vertreten, und unsere Politjournallie legt sich umgehend auf den Rücken wenn’s ums Rückgrat zeigen geht? Aber ich schweife ab…)

Tiger bläst nicht nur von der Golfpresse, die ihn mehrheitlich seine gesamte Karriere lang und auch während seines Skandals mit Samthandschuhen angefasst hat, ein schärferer Wind ins Gesicht. Auch seine Kollegen sind recht angefressen ob des Timings der Verlautbarung. Ernie Els nannte Tigers Entscheidung, die Erklärung am heutigen Freitag statt am Montag abzugeben „egoistisch“. Heute beginnt Am Donnerstag begann das WGC Matchplay Turnier, gesponsored von Accenture, einem der Sponsoren, die Tiger jüngst wie eine heiße Kartoffel fallenließen. Wer glaubt, daß Tigers Timing Zufall ist, glaubt auch an die elf Asse, die der geliebte Führer Nordkoreas, Kim-Jong Il, auf einer Runde erzielt haben will. Aber die Zeiten, da Tiger für Spieler und Presse unantastbar war, dürften vorbei sein. Die Aura des Unbesiegbaren ist dahin. Ob er unter diesen Umständen tatsächlich noch eine echte Chance hat, zum größten Golfer aller Zeiten zu werden und Jack Nicklaus‘ Rekord von 18 gewonnen Majorturnieren brechen kann? (Zum Vergleich: Tiger hat jetzt 14 Majors gewonnen; Roger Federer 16 GrandSlam Turniere.) Golf wird nicht auf den Kilometern zwischen dem 1. Abschlag und dem 18. Grün entschieden sonden auf den Zentimetern zwischen den Ohren.

Eigentlich wird es ab jetzt erstmals wirklich spannend, Tiger bei der Arbeit zuzuschauen.

Der Müll, die Stadt und das Wetter

  • Veröffentlicht am 16th Februar 2010,
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Als ich gestern früh den Müll runterbrachte, traute ich meinen Augen kaum: Alle Container waren verschwunden. Verwundert stapfte ich mit der Tüte in der Hand zurück die Straße hinauf, als ich unseren Hausmeister traf. Der erklärte, daß die Stadtreinigung unsere Straße nicht mehr durchfahren wolle, weil diese zu vereist sei, das sei ihnen zu gefährlich. Wenn er die Straße freilegen würde, also die Buckelpiste voller Eisplatten zerschlagen und entfernen, oder anders gesagt: ihren ureigenen Job machen würde, dann kämen sie wieder. Sie hätten auch schon vergangene Woche keine Mülltonnen geleert und wollten ihm für diese Woche wieder einen Korb geben, also hat dieser einzelne Mann im gestandenen Alter von über 50 Jahren insgesamt sechs große, volle, überquellende Müllcontainer olympiareif jeweils gut 100 Meter über verschneite und vereiste Wege, vorsichtig vorbei an all den parkenden Autos an die obere und untere Einmündung der Straße bis zur Hauptstraße gewuchtet, in der Hoffnung daß die Müllabfuhr sich ihrer erbarmen würde.

Das Problem hat nicht nur unsere Straße, wie man auf der offiziellen Seite der Stadtreinigung Hamburg nachlesen kann. Als Anwohner, der täglich Heizöltankwagen und Umzugslaster problemlos und höchstens etwas umsichtiger als sonst durch die Straße rumpeln sieht, kommt man sich da schon etwas verschaukelt vor. Sie sollen ja schließlich hier nicht einparken. Aber in der nächsten Trinkgeldsaison steht mein Favorit jetzt schon fest.

AGB wie wir sie gerne öfter sehen würden

  • Veröffentlicht am 16th Februar 2010,
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Falls das jemand nicht lesen kann: Da steht unter dem Punkt Allgemeine Geschäftsbedingungen „Für Sie als Verbraucher gilt grundsätzlich das Bürgerliche Gesetzbuch“. Ehrlich, mir kamen da fast die Tränen der Rührung, insbesondere, nachdem ich letztens mal wieder iTunes, Microsoft Office und irgendwas von Adobe aktualisiert hatte. Oder wie Sven es mal so schön auf den Punkt gebracht hat:

We Are The World… again?

  • Veröffentlicht am 14th Februar 2010,
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Bei MC Winkel fand ich das neue Video zur Haiti-Auflage von We Are The World.

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Damals bei Band Aid habe ich noch daran gegalubt, daß die Aktion wirklich etwas bringen könnte. Und zwar beim eigentlichen spontanen get-together der (UK)-Pop-Titanen der damaligen Zeit, „Do They Know It’s Christmas“. Sehr lesenswert übrigens die Autobiografie von Sir Bob Geldof, wo er genau das Dilemma beschreibt, das in Winkelsens Kommentarecke auch schon angesprochen wurde. Er selbst (und seine Band, die Boomtown Rats) war zu jener Zeit de facto tot und vergessen und die Charts gehörten Duran Duran, Spandau Ballet, Kajagoogoo und Konsorten. Aber Geldof war auch klar, daß es nicht darum ging, wer hier künstlerisch wertvolle Musik machte sondern wer die meisten Platten verkaufte und damit wahrscheinlich auch die meisten Leute bewegen konnte, zu spenden. Und Live Aid war ein halbes Jahr später deshalb so aufregend, weil es das erste Konzert seiner Art war, weltweit über Satellit übertragen und wir haben damals wirklich alle geglaubt, es würde etwas bewegen und nutzen. Funny ol‘ world, innit?

Als die Amis dann etwas später mit ihrer eigenen Nummer USA for Africa und „We are the World“ nachzogen, wurde dieser Gedanke natürlich beibehalten. Im damaligen Lineup finden sich zwischen den Giganten des Showbiz wie Michael Jackson, Bruce Springsteen oder Bob Dylan auch eine Menge musikalischer Eintagsfliegen, die aber eben eine Menge Platten verkauften zu ihrer damals besten Zeit. Und es ging ja auch nur ums Verkaufen dieser Platte, damit der Hilfszweck erfüllt werden konnte. Radiomoderatoren haben einem in den Song gequatscht, damit niemand den Song auf Cassette mitschnitt, oder wenigstens dann hinterher ein schlechtes Gewissen hatte… man sollte die Platte kaufen und spenden. Das ist natürlich heute nicht mehr machbar – wer den Song für lau will, streamt ihn sich und schneidet halt mit.

Ich finde die neue Version rein musikalisch nicht besonders gelungen und fände es besser, wenn sie einen neuen Song aufgenommen hätten. Michael Jackson hätten sie auch weglassen können, die ganzen Rapper können nicht singen und sollten dann auch keine Stimmenverfremder benutzen, das ist nur peinlich. Bob Dylan kann auch nicht singen, aber ich bezweifele, daß jemandem bei Lil‘ Waynes Auftritt ähnliche Schauer den Rücken hinuntergelaufen sind wie mir damals, als Dylan seine Zeilen krächzte. (Oder wenigstens aus denselben Gründen…) Enrique Iglesias finde ich insofern nicht schlimmer oder besser als die anderen; wirklich singen können die allerwenigsten (Celine kann man mögen oder nicht, aber sie hat wenigstens Stimme und verkauft Platten) und echte Präsenz hat auch kaum jemand der Beteiligten.

Die Star-Dichte und -Qualität war vor 25 Jahren um Klassen höher muß ich sagen, und schön war auch, daß es wirklich quer durch alle Genres ging: es zählte nur, ob jemand erfolgreich Platten verkaufte. So fanden sich Folksinger wie Paul Simon neben Rockstars wie Tina Turner, Soul-Legende Diana Ross neben Pop-Sternchen Cindi Lauper oder Country-Sänger wie Willie Nelson neben Stadionrockern wie Steve Perry von Journey wieder. Das vermisse ich in der neuen Fassung etwas; allerdings muß ich auch gestehen daß ich kaum noch aktuelle Musik höre, kein TV sehe und daher wahrscheinlich nur sehr wenige Musiker überhaupt erkannt habe, womit ich sicher nicht alleine bin. Und natürlich ist es heute schon schwieriger, Millionen Platten zu verkaufen und seinen Ruhm länger als die berühmte Viertelstunde aufrechtzuerhalten. Insofern ist das neue Projekt eine interessante Momentaufnahme.

Tipps für Reisen nach Ost-Berlin

  • Veröffentlicht am 14th Februar 2010,
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Beim Ausmisten meines Bücherschranks habe ich mich in alten Reiseführern festgelesen. Ein paar schöne Zitate aus dem dtv MERIAN Reiseführer Berlin (4. aktualisierte und überarbeitete Ausgabe Juni 1989) möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Reisezeit und Klima: Es scheint manchmal, als sei es in Ost-Berlin kälter als in West-Berlin, besonders auf dem riesigen Alexanderplatz oder in den großen Straßen der Neubaugebiete. Das kommt daher, daß der Wind heftiger weht, es sind keine Ecken und verwinkelten Straßen da, um ihn aufzuhalten. Wettervorhersage: Tel.: 162

Sprache: Was bei uns ein „Supermarkt“ ist, nennt sich in Ost-Berlin „Kaufhalle“. Jugendliche benutzen häufig Ausdrücke wie „einwandfrei“ oder „das fetzt“.

Treffpunkte: Wenn Sie Ostberliner treffen wollen, können Sie zu den Fußballspielen des FC Union gehen, dessen Fans Sie an ihrem ziemlich gammeligen Aussehen und den rot-weiß-gestreiften Hemden und Schals erkennen.

Junge Leute: In Ost-Berlin werden Sie vergeblich Folklore-Schuppen und Diskotheken suchen. In der DDR geht der Jugendliche zum „Jugendtanz“. […] Die Ausstattung der Räumlichkeiten ist weniger poppig, die Licht- und Phontechnik ist mit der westlicher Beatschupppen nicht vergleichbar.

Kinder: [Im Pionierpark Ernst Thälmann] kommen Kinder vor allem in Arbeitsgemeinschaften zusammen. Wenn sie zehn Jahre alt sind, können sie auf der Eisenbahn eine halbjährige Ausbildung zum Schrankenwärter, Streckenläufer oder Zugschaffner absolvieren.

Nachtleben: Ost-Berlin hat kein nervenzerfetzendes Nachtleben. Harten Porno, schummrige Sex-Klubs, Peep-Show und Striptease werden Sie hier vergeblich suchen.

Ich sehe meinem Besuch auf der re:publica mit banger Vorfreude entgegen.

Die Unglaublichen

  • Veröffentlicht am 9th Februar 2010,
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Die kleine Nebenstraße in der ich wohne ist, wie fast alle kleinen Nebenstraßen in Hamburg, komplett vereist. Sie gleicht momentan einer Kitzbühler Buckelpiste, auch weil sie leicht abschüssig verläuft und eine sanfte Kurve beschreibt. Das Ein- und Ausparken gestaltet sich für die Autofahrer also zum Risikosport (unser Gehweg ist allerdings vorbildlich geräumt bzw. gestreut, da gibt es nichts zu meckern).

Von Zeit zu Zeit höre ich daher seit Wochen vom Schreibtisch aus das Geräusch durchdrehender Autoreifen, gefolgt von dem Gebrüll oder Gefluche kurz darauf durchdrehender Autofahrer. Gestern hielt diese Geräuschkulisse länger an als üblich und ich unterbrach ohne großes Bedauern meine Arbeit und begab mich auf den Balkon, um mir ein Bild zum Ton des Dramas zu machen. Unten stand der Transporter eines Klempners halb in der Parklücke, halb auf der Straße und kam offensichtlich trotz  angestrengten wiederholten und lauten Gasgebens nicht vom Fleck. Nach einer Weile gelangte der Fahrer zu der Einsicht, daß die bisherige Taktik in absehbarer Zeit nicht zum gewünschten Ziel führen würde und beorderte seinen in einen dünnen Klempneroverall gewandeten und daher ziemlich bibbernden Lehrling aus dem Wagen und ans Heck zum Anschieben. Der Meister gab Gas, der Lehrling schob, aber der ersehnte Effekt trat nicht ein. Inzwischen hatte sich hinter dem die Straße blockierenden Wagen eine kurze Schlange aus wartenden Autos gebildet, deren Fahrer geduldig die Motoren abgestellt hatten und der kommenden Ereignisse harrten.

Ich hatte inzwischen ziemlich kalte Füße, schloß die Balkontür, machte mir einen heißen Latte Macchiato und hüllte mich dann erst einmal in meinen Parka und dicke Stiefel, bevor ich wieder hinaustrat um die Fortsetzung des Dramas zu verfolgen. Unten hatte sich unser Hausmeister zum inzwischen dampfenden Lehrling gesellt, und gemeinsam versuchte man, den Wagen aus der Parklücke zu schieben während der Meister weiter Gas gab.

Nichts passierte.

Der Geduldsfaden des ersten Wartenden riß ab und ein Mann schälte sich aus seinem Audi, eierte vorsichtig die vereiste Straße hinab und half nun ebenfalls, mit anzuschieben. Aber der Wagen wollte nicht. Zwei weitere Wartende kamen, ebenfalls wie auf rohen Eiern balancierend, die Straße hinunter, schimpften laut und schoben mit an, aber der Wagen rührte sich nicht.

Mein Kaffee war alle, mir wurde trotz Parka kalt und ich beugte mich daher über die Balkonbrüstung und rief hinunter, sie mögen es doch einmal mit einem Paar Fußmatten vor den Antriebsrädern versuchen. Sechs Augenpaare starrten zu mir hoch. Der Lehrling zerrte die Fußmatten aus dem Transporter und nach kurzer Zeit war die Kiste frei und rumpelte die Straße hinunter. Einer der Wartenden schüttelte verlegen grinsend den Kopf. Ich machte mir noch einen Kaffee und begab mich seufzend wieder an die Arbeit.

Männer sind manchmal schon komisch seltsam unglaublich.

Zitat des Tages

  • Veröffentlicht am 8th Februar 2010,
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Denn Fernsehen ist vor allem eine Billiglösung und verhält sich zur DVD wie Ryanair zur Lufthansa. Wenn man sich nichts besseres leisten kann, dann schaut man sich die Angelegenheit eben schlecht übersetzt, mit Einblendungen, Werbegezappel und verstümmeltem Abspann an.

Quelle

100 Bücher

  • Veröffentlicht am 7th Februar 2010,
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Winterzeit, Stöckchenzeit. Frau Kaltmamsell sagt, das ZDF sagt, das hier seien die 100 liebsten Bücher der Deutschen. Frau Gröner und Herr Dahlmann haben das Stöckchen aufgenommen, hier jetzt mein Senf.

1. Der Herr der Ringe, JRR Tolkien
Ich war 18 oder 19, lag eine Woche mit (bzw. ohne) frisch rausoperierte Mandeln im Krankenhausbett und konnte nur Vanilleeis und Dosenpfirsiche schlucken, ohne laut zu schreien. Genau das richtige Ambiente für Mittelerde also. Die giftgrüne Klett-Cotta Taschenbuchedition in der (einzig wahren) Carroux-Übersetzung haben mich in eine Welt entführt, die ich sonst nie entdeckt hätte. Ich mag keine Fantasyromane und hätte das Buch nie auch nur mit der Kneifzange angefasst, aber mein Herzbube hatte mir davon vorgeschwärmt und obwohl ich den dritten Band dann dank der verschwurbelten Sprache nur noch überflogen habe, war ich doch insgesamt sehr beeindruckt. Irgendwann fiel mir beim Lesen auf, daß ich Ende der 70er in einem Münchner Kino mal einen verdammt gut gemachten Zeichentrickfilm gesehen hatte, der damals seltsam unbefriedigend mitten in der Geschichte zu enden schien und der rückblickend betrachtet ganz offensichtlich eine Art Verfilmung darstellen sollte. Hm. (mehr …)

Unerwartete Handicaps

  • Veröffentlicht am 6th Februar 2010,
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@ankegroener twitterte heute ein schönes Scones-Rezept und ich dachte bei mir, och, haste fast alles da außer Rosinen und clotted cream, aber Rosinen magste eh nicht und du hast ja Mascarpone, mach‘ man. Und dann wurschtelte ich mich so durch Mehl und Salz und Zucker und Backpulver und Butterklümpchen und Milch mit dem Zauberstab (Küchenmaschine hab‘ ich keine, wüßte allerdings auch nicht wo ich die noch unterbringen sollte) und kam an den Punkt, an dem ich den ganzen Schmadder mit der gut bemehlten Hand auf gut bemehltem Backbrett zu Klump formen sollte und scheiterte kläglich an mir selbst. Der Teig klebte wie Sau, und ich ekelte mich vor Matsch an den Fingern, wie ich mich schon immer vor Matsch an den Fingern geekelt habe, ich hasste es schon als Kleinkind,  Löcher am Strand zu buddeln und mit Fingerfarben zu malen und in Watt und Schlick herumzustochern, das ist einfach ein Urinstinkt, „nur weg damit, mach‘ das ab, Hilfe! Mama! Waaaaaaah!“. Ich habe mir in der 6. Klasse im Kunstunterricht einen fetten Rüffel von der blöden, unsensiblen Schlampe Lehrerin eingefangen, weil ich es nicht über mich brachte, mittels Tapentenkleister Pappmaché zu machen und daraus einen Kopf für die Marionettenfigur zu formen, die wir basteln sollten. Dieses Gefühl von matschig-verklebten Händen ist ein absoluter Horror für mich, weshalb ich in der Regel auch selten Hackfleisch mache oder Kuchen backe, und wenn, dann Teige, die ich nicht mehr mit der Hand kneten muß. Es ist schon schräg, ich kann Gänse rupfen, Wildschweine, Hasen und Rehe schießen, ausnehmen und lecker zubereiten und scheitere an einem blöden Teig. Und nein, Gummihandschuhe ändern nichts daran. (Und auf Sylt gehe ich am Watt spazieren aber im Leben nicht hinein.)

Und so landete der blöde Teig im Müll, ich habe mir heulend die Hände geschrubt wie gestört, die Küche geputzt und das Ei in die Pfanne gehauen, das ich eigentlich fürs Scones-bepinseln nehmen wollte. Das Leben kann manchmal ein Arschloch sein.

Was soll’s, geh‘ ich halt morgen zu Lühmann’s.

Freitag Mittag, kurz vorm Frühling

  • Veröffentlicht am 5th Februar 2010,
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seillans

Für 2 Personen

250 g Riesengarnelen (frisch oder komplett aufgetaut)
400 g möglichst kleine rosa Kartoffeln
200 g tiefgefrorener Mais
3-4 reife Strauchtomaten
1 kl. Bund Frühlingszwiebeln
1 Chilischote
1 Limette
Crème Fraîche
Rotweinessig
gutes, fruchtiges Olivenöl
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer
Cachaça (alternativ einen Schuß Weißwein)

Dauert: ca. 20 Minuten

Die Teller im Ofen auf 50° vorheizen. Die Riesengarnelen abspülen und  trockentupfen. Einen großen Topf Wasser zum kochen bringen, salzen und die Kartoffeln dazugeben. Die Kartoffeln ca. 10 Minuten kochen, bis sie fast gar sind, dann den Mais dazugeben und alles noch ca. 2 Minuten weiterkochen lassen. Während die Kartoffeln und der Mais kochen, die Tomaten achteln, die Frühlingszwiebeln in gleichmäßige kleine Ringe schneiden und die Chilischote entkernen und in möglichst winzige Stücke schneiden. Tomaten, Frühlingszwiebeln, einen halbe ausgepresste Limette und etwa die Hälfte der Chilischote in einer Schüssel mit Olivenöl, Rotweinessig, Salz und Pfeffer anmachen und beiseite stellen.

Die Kartoffeln und den Mais abgießen und warm stellen. Eine Pfanne erhitzen, einen Schuß Öl hineingeben und die Riesengarnelen ca. 2-4 Minuten (je nach Größe) braten.  Die andere Hälfte der kleingeschnittenen Chilischote dazugeben, außerdem eine Prise Meersalz und ggf. noch etwas Pfeffer. Mit einem Schuß Cachaça und dem Saft der anderen Limettenhälfte ablöschen, dann einen ordentlichen Löffel  Crème Fraîche darunterrühren, die Hitze abdrehen und die Sauce mit der Restwärme etwas runterblubbern lassen. Währenddessen rasch die Kartoffeln und den Mais zu Mus zerstampfen.

Die vorgewärmten Teller aus dem Ofen holen, das Kartoffel-Mais-Mus, die Shrimps in der Sauce und einen Klecks Tomatenrelish darüber hübsch darauf anrichten und mit einem guten Glas trockenen Weißweins genießen. Bon appétit!

Dekadent und desorientiert

  • Veröffentlicht am 5th Februar 2010,
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Zu meinen liebsten dekadenten Beschäftigungen zählt es, im Bett zu liegen und zu lesen. Hauptsächlich abends vor dem Einschlafen, manchmal auch morgens ein halbes Stündchen vor dem Weckerklingeln. Das iPhone ist dafür zwar einerseits ideal, da man die wichtigsten Tageszeitungen und Feeds schon vor dem Aufstehen gelesen hat und dann unter der Dusche sinnieren kann, wie sich das Gelesene nutzen lässt oder im Geiste schon mal einen Kommentar oder Blogeintrag formulieren.

Andererseits ist eine herausragende Eigenschaft des Geräts in diesem Zusammenhang gleichzeitig sein Haken: Der Bewegungssensor, der die Bildschirmorientierung automatisch vom Hoch- aufs Querformat dreht, wenn man das Gerät kippt. Dieser lässt sich nicht abschalten, man kann nirgends einstellen, vorerst z. B. nur noch das im Liegen praktischere Querformat zu nutzen. Der Bildschirminhalt flupscht dauernd hin und her und man kann nicht so liegen, wie es eigentlich bequem wäre, weil dann die das Gerät haltende Hand unnatürliche Verrenkungen machen muß um zu verhindern, daß es wieder zurück ins Hochformat springt. Das eiskalte Händchen ist vorprogrammiert – und das im gemütlichen Bett!

Das klingt jetzt vielleicht nach der Sorte Probleme, die manche Leute im Austausch gegen echte Sorgen gerne hätten, und da ist natürlich was dran. Ich sag’s ja: dekadent. Aber wenn das iPad, das für diese Zwecke schon aufgrund des größeren Bildschirms viel geeigneter erscheint (und mir damit auch noch die im Liegen eher unbequem drückende Lesebrille ersparen würde) dieses Problem nicht löst, dann sehe ich schwarz für eine Anschaffung in naher Zukunft.

Ist das iPad eigentlich wasserdicht? Ich lese ja auch gern in der Badewanne…

Die Oscars sind weiblich

  • Veröffentlicht am 4th Februar 2010,
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Die Oscarnominierungen sind raus und wie’s aussieht, ist die Saison 2009/2010 die Saison der Frauen:

In der Kategorie Best Director hat Kathryn Bigelow für ihr Irak-Kriegsdrama The Hurt Locker die erst vierte Oscar-Nominierung einer weiblichen Regisseurin überhaupt eingefahren. Ob das gegen ihren Ex-Ehemann James Cameron und sein „Pocahontas trifft Die Schlümpfe trifft Der mit dem Wolf tanzt“-CGI-Spektakel Avatar die Trumpfkarte sein wird? Den inhaltlich in meinen Augen wertvolleren Preis ihrer Regisseurskollegen der Director’s Guild Awards hat sie letzte Woche, ebenfalls als erste Frau, bereits entgegennehmen dürfen. Mit neun Nominierungen liegt The Hurt Locker übrigens gleichauf mit Avatar. Ebenfalls für die beste Regie nominiert ist die Dänin Lone Scherfig, für die Verfilmung eines Nick Horny Drehbuchs, An Education.

Bei den Nominierungen für die besten Hauptdarstellerinnen hat Meryl Streep ihre 16. Oscarnominierung eingefahren (was wohl der neue Rekord sein dürfte), dieses Mal für Julie & Julia. Zweimal hat sie schon gewonnen, zuletzt allerdings for einem Vierteljahrhundert. Auch Dame Helen Mirren ist erneut nominiert; insgesamt zum vierten Mal, gewonnen hat sie 2007 für ihre Rolle als Die Queen. Beide sind über vierzig Jahre alt, genau wie die zum ersten Mal nominerte Sandra Bullock, die mit der true story-Verfilmung The Blind Side zwar einen Publikumliebling hingelegt hat, aber in meinen Augen dennoch kaum echte Chancen haben dürfte. Die Newcomerin Gabourey Sidibe ist für ihre Darstellung in Precious nominiert und für denselben Film, allerdings in der besten Nebenrolle, Mo’Nique (ebenfalls über 40).

Inhaltlich drehen sich sowohl An Education, als auch Precious, The Blind Side und Julie & Julia um Frauen, also es gibt kein Entrinnen: May the best women win! :-)