„Flash! Aaaaahhhaaaa!“*)

  • Veröffentlicht am 31st Januar 2010,
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Steve Jobs hat also neulich das iPad vorgestellt und bei seiner Präsentation eine Website auf dem Ding  aufgerufen, die Flash enthielt. Was passierte, man mag sagen: erwartungsgemäß? Das kleine, blaue Quadrat mit dem weißen Fragezeichen darauf erschien, welches immer dann erscheint, wenn eine Seite Flash-Inhalte enthält, diese aber nicht dargestellt werden können. So wie Flash auf dem iPhone und iPod Touch nicht läuft, so wenig wird es auf dem iPad laufen.

Jetzt jammert ein Adobe-Mitarbeiter namens Adrian Ludwig im offiziellen Firmenblog, daß Apple mit seiner DRM-Technologie seinen Usern beim Surfen des Webs Restriktionen auferlegen würde und den quasi-Standard für Animation im Web, nämlich Adobes Flash doch tatsächlich einfach nicht implementiert hätten! Somit müßten die iPad-User auf 75% der im Web verfügbaren Videos und 70% der Browsergames verzichten. Unter den Seiten, die man nicht mit dem iPad aufrufen können wird seien solche Publikumslieblinge wie Hulu, Disney, Farmville oder ESPN. Flash sei doch, wie Adobes PDF-Format auch, Teil des „Open Screen Project“!

Und dann folgen ca. 500 Kommentare von Usern zu dieser widerwärtigen Heuchelei, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrigen lassen. Darunter schallende Ohrfeigen wie:

Could you please explain how the Open Screen Project is not as proprietary and limiting as Apple’s iPad decision? It seems that it is focused on making Flash, a proprietary product, a true standard? Even if it works on all devices it is still owned and controlled by Adobe.

I though the internet was based on standards.

HTML
CSS
JPEG
HTTP
RSS

etc..

I must have missed it when Adobe submitted flash as a Standard.
Oh. Wait.

Technology evolves and in some ways I think Flash is like the RIAA in its attempts to maintain its grip on its existing business models. Flash had its day, it was good, but time and technology marches on. Lead, Innovate, or get out of the way.

This is the same Adobe that produces Digital Editions, which doesn’t allow me to read the same eBook on two different computers, let alone two different types of devices?

The DRM on books comes from the publishers and not the technology providers. It’s the reason that porting eBooks across computers pales next to the difficulty of finding an online store that’ll sell most of them to me, since I’m not in the US.

Und so weiter, und so fort.

Adobes Flash ist auf dem Mac schlicht eine Qual, das ist die traurige Wahrheit. Zu den beliebtesten Browser-Plugins gehören Flash-Blocker, weil diese Software den Rechner gnadenlos verlangsamt und den Löwenanteil des Arbeitsspeichers in Beschlag nimmt. Ich habe auf meinen Macs Flash standardmäßig deaktiviert und kann nicht feststellen, daß mir irgend etwas im Netz tatsächlich entgeht. Außer beispielsweise nervige Werbung, die unaufgefordert Videos und Musik abspielt. OK, ich kann keine Browsergames wie Farmville etc. spielen, aber das würde ich sowieso nicht tun.

Adobe hat seinen Siegeszug ursprünglich von der Macintosh Plattform aus angetreten. Ende der 80er, Anfang der 90er wurden Macs hauptsächlich in Werbeagenturen, Verlagen und Designstudios eingesetzt und waren der Standard bei Grafikern. Ja, ein Mac war immer etwas teurer, aber er lief stabil. Das war zu Zeiten von Windows 3.1 und seinen Vorgängerversionen, die, um es vorsichtig zu sagen, nicht auf Performance und Stabilität ausgelegt waren. Zeit ist Geld. Ein Grafiker am Mac arbeitete an seiner Aufgabe und nicht daran, die Aufgabe technisch irgendwie lösen zu können, weil sein Rechner dauernd abschmierte – Stunden, die man keinem Kunden in Rechnung stellen kann. Insofern war der Mac immer im wahrsten Sinne des Wortes preiswert. Photoshop beispielsweise gab es die ersten 4 oder 5 Jahre gar nicht für Windows.  Adobe wäre ohne den Mac nicht da, wo sie sind. Leider scheinen sie das vergessen zu haben oder es ist ihnen inzwischen egal, jedenfalls haben sie sich nie ernsthaft um die Entwicklung einer auf dem Mac reibungslos funktionierendes Flashversion bemüht. Und nun sagt Steve Jobs natürlich zu Recht: Geht sterben.

I don’t blame Apple at all. Not one bit.

Don’t play the victim card. Apple refuses to include Flash for two simple reasons both of which are fixed with a single answer:

1. Flash Crashes – Flash is one of the top reasons computers crash regardless of platform. It’s no surprise that every browser has been re-designed to isolate problem-causing plug-ins as independent
2. Flash is Proprietary, closed, and by a single company. It is dangerous giving so much power over content on the Internet to one company. Apple has its own, not entirely selfless reasons, for avoiding technology they cannot directly control.

Both these problems that keep Flash out of Apple’s devices would be solved by making the Flash format an OPEN STANDARD that everyone can improve upon. That manufacturers and developers can truly integrate into their own products rather then dropping a shoddy pre-fab version into. Moreover it returns the Web to the standards-based vision originally intended. Not the proprietary web with content delivered via proprietary, inefficient, and frankly unreliable method that Flash represents.

Hope is on the horizon as HTML5 promises to replicate much of what Flash already does for video in a way that is based on open-standards that anyone can interface with and improve. YouTube opening a beta for their Flash 5 site already shows the massive potential and an incredible performance boost for anyone using that version of the site. You can opt-in/out to the beta here: http://www.youtube.com/html5

Adobe, I’m afraid this is a pissing contest you simply cannot win without changing your strategy to align with the ideals the web was built upon: openness.

Ach ja: Weder der Autor noch sonst ein offizieller Adobe Mitarbeiter hat sich bislang (Sonntag früh, 10:15 MEZ) zu den inzwischen doch sehr zahlreichen und deutlichen Kommentaren und den überwiegend sehr sachlich angesprochenen Kritikpunkten geäußert. OK, es ist Wochenende, aber gutes Krisenmanagement in einem Konzern sieht doch anders aus. Andererseits: Was sollen sie schon groß sagen, außer „Ihr habt Recht, unser Produkt stinkt“? Update: Niklas weist in den Kommentaren auf einen Folgeeintrag hin, der mir entgangen war.

*) Die Überschrift erinnert an einen zu Recht vergessenen B-Film aus dem Jahre 1980, bei dem nur Queens Titelsong den Zahn der Zeit sehr gut überstanden hat.

Liebes Apple-Team,

  • Veröffentlicht am 28th Januar 2010,
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das ist ja alles ganz supi-dupi mit FileVault und der Verschlüsselung meiner Daten. Und auch TimeMachine ist eine tolle Idee, ich muß mich nicht mehr aktiv um Backups kümmern, das läuft alles ganz automatisch im Hintergrund, klasse.

Ja, wenn’s denn läuft.

Meist läuft’s nämlich eher nicht. Und, hier kommt der Brüller: TimeMachine und FileVault können sich nicht leiden. Ich muß mich erst als Benutzer abmelden, damit TimeMachine auch mit FileVault funktioniert. Wenn ich das tue, kann ich anschließend übrigens getrost eine Woche in den Urlaub fahren, so lange dauert es nämlich gefühlt, bis FileVault mein Backup auch nur VORBEREITET hat, geschweige denn bis TimeMachine dann meine geschützten Daten gesichert hat. Meinen Rechner kann ich in der Zeit natürlich nicht benutzen, ist klar.

Im Ernst: So lange wie sichere Verschlüsselungsmethoden nicht benutzerfreundlicher und sehr viel schneller laufen, so lange werden Leute darauf verzichten und sich denken „passiert eh‘ nix, das Leben ist zu kurz um auf so’n Scheiß zu warten“. Ich würde mich daher sehr freuen wenn Ihr da mal ansetzen würdet, statt der Welt mit stolzgeschwellter Brust einen aufgepumpten iPod Touch auf dem als Tablett zu präsentieren. Oder, wie meine Eltern früher zu sagen pflegten: „Erst die Schularbeiten machen, dann spielen gehen.“

Danke und Grüße,

Eure Kiki

Zwei Drei Vier

  • Veröffentlicht am 27th Januar 2010,
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„Zwei Drei Vier – Wie ich eine Familie wurde“ ist das Buch von Maximilian Buddenbohm, a.k.a. Merlix. Wer regelmäßig die Herzdamengeschichten liest, wird mit dem Löwenanteil des Buchs bereits vertraut sein, aber die sorgfältige Zusammenstellung der Geschichten um den Autoren, seine Herzdame und die aus unerfindlichen Gründen durchnummerierten Söhne Römisch I und II ist mehr als gelungen und das Ganze ist auch hier wie so oft mehr als die Summe seiner Kapitel. (mehr …)

Van Nistelrooy kommt zum HSV

  • Veröffentlicht am 25th Januar 2010,
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Bitte alle Leser mal melden, die für 100.000 € einen zehn Jahre alten Sportwagen kaufen würden, der zwar noch toll aussieht und ordentlich „brumm-brumm“ macht wenn man das Gas aufdreht, aber bereits mehrere heftige Unfallschäden auf dem Buckel und auch ein paar hässliche Kratzer im Lack hat.

Keiner?

Aber der Wagen ist legendär, hat sogar mal einige Rennen gewonnen in jüngeren Jahren und gehörte einer Reihe von wichtigen und prominenten Leuten! Das ist ein Schnäppchen!

Echt nicht? Och kommt, Leute, seid nicht so geizig! Überlegt doch mal, was das hergibt, wenn Ihr damit zum Baumarkt fahrt, oder zum Pokerabend mit den Jungs! Alle werden Euch beneiden und Respekt vor Euch haben!

Was? Verbrauch? Unfallschäden? Werkstattkosten? Wiederverkaufswert? Je nun, ein bisschen Patina ist natürlich dran, aber ohne wär’s ja auch keine Legende, oder? Und ein kleines bisschen Risiko darf schon sein, sonst könnt Ihr auch gleich einen Volvo Kombi fahren, oder?

Also der Wagen macht sich echt schick vor Eurem Haus, man nimmt auch die Mülltonnen gar nicht mehr so wahr!

OK? Echt? Super! Topp!

Viel Spaß damit!

Nachtrag: Der Herr vom Kiez hat sich ganz ähnliche Gedanken gemacht. Aber es gibt natürlich auch andere Meinungen dazu.

Sprung in der Schüssel

  • Veröffentlicht am 22nd Januar 2010,
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Vor ca. sechs bis acht Wochen machte ein neues Spielzeug die Runde auf Twitter: formspring.me. Auf der Seite kann man Fragen beantworten, die einem von anonymen oder registrierten Usern gestellt wurden, und man kann das Spielzeug auch als Widget im Blog, bei Facebook und noch ein paar anderen Social Web Seiten einbinden. Ich habe es zu Beginn hauptsächlich aus beruflichen Gründen gleich ausprobiert  (allerdings auch weil „Ich gestehe, daß mir wie den meisten Menschen Neugier nicht fremd ist“) und für irgendwo zwischen überflüssig und fishy befunden. Aus der Seitenleiste des Blogs habe ich das Teil ebenfalls schon nach wenigen Tagen wieder rausgeworfen. Mir war der Laden irgendwie extrem suspekt. Die Nutzungsbedingungen waren derselbe knebelnde „wir dürfen alles, Ihr dürft gar nix“-Dreck wie bei fast allen anderen Services des Social Web auch, und daß man seinen Account nur stilllegen aber nicht löschen kann, fand und finde ich auch hochgradig widerwärtig. Google sagt, ihr Motto sei „don’t be evil“ und ich glaube und vertraue Google nicht weiter als ich ein Klavier werfen kann. Twitter transportiert in Image, Aufbau und Funktionalität „don’t be evil“ und ich vertraue ihnen keinen Zentimeter weiter als Google (deshalb lösche ich auch täglich meine Tweets wieder). Aber formspring stinkt für meine Nase zehn Meilen gegen den Wind nach „let’s be fucking evil!“ (genau wie Facebook übrigens) und deshalb war ich froh, daß ich nur 24 Fragen zu löschen hatte, als ich meinen Account damals stilllegte.

Jetzt hat Kixka Nebraska bei ihren Recherchen noch ein schmutziges Detail ausgebaggert:

Im Gegensatz zu der Behauptung von Formspring.me verschwinden die Antworten damit allerdings nicht von der Bildfläche. Zumindest bei denjenigen, die den Account abonniert haben, erscheinen sämtliche Posts zurückverfolgbar bis zur ersten Frage in der Timeline.

Also, liebe Kinder: 1. Accountnamen ändern in irgend einen Bullshitnamen wie „qwertzui“, 2. alle Fragen und Antworten löschen, ggf. Hintergrund- und Profilbild entfernen, 3. Account stillegen (disable), 4. gehen und sich nicht mehr umschauen.

Und ab und zu mal wieder das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein lesen. Ihr wißt schon: Kreide, Stimme, Pfote. Happy End, immerhin.

Verstehen Sie Spass?

  • Veröffentlicht am 21st Januar 2010,
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Zur Packstation gehen, dabei auf dem eisglatten, nicht gestreuten Bürgersteig so hinfallen, daß das Knie laut aufschluchzt. Angekommen, aber die Plastikkarte „kann nicht gelesen werden“. Nach manueller Eingabe von ID-Nummer und PIN endloses Warten, dann „diese Packstation steht momentan nicht zur Verfügung.“ Anruf bei der DHL-Hotline, man will sich darum kümmern und mich zurückrufen. Auf dem Nachhauseweg gerade noch  den DHL-Wagen wegfahren sehen. Laut fluchend die Benachrichtigungskarte für eine andere, ebenfalls sehnsüchtig erwartete Sendung aus dem Briefkasten fischen, die Treppen hinaufhumpeln und den Anrufbeantworter abhören: „Die Packstation sollte jetzt wieder funktionieren, vielen Dank.“

Wie’s mir geht?

  • Veröffentlicht am 20th Januar 2010,
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Ich könnte es nicht besser ausdrücken.

Die Bilder in unseren Taschen und Köpfen

  • Veröffentlicht am 20th Januar 2010,
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Die Bilder in unseren Taschen und Köpfen

Ich steige St. Pauli aus der U-Bahn und ziehe mir rasch eine Ergänzungskarte zu meiner CC-Karte, bevor ich die mal wieder still stehende Rolltreppe ins dichte Schneegestöber hinaufschnaufe: hoffentlich ist mein Anschlußbus noch nicht weg, der fährt nur alle Viertelstunde. Die will ich nicht wartend einschneien. Aber ich habe Glück, er kommt gerade und ich steige ein und grüße die Fahrerin. „Moin!“

„Fahrausweis!“ herrscht sie mich an. Ihr Blick ist die pure Verachtung. Ich begebe mich im Geiste in ihren Sitz und schaue mich prüfend an. Eine nasse, verschneite Gestalt mit viel zu langem, verstrubbeltem Haar, in einen tropfenden und nicht mehr ganz neuen Parka mit kaputtem Reissverschluss gehüllt, die St. Pauli einsteigt und einen grauen Rucksack trägt: Vermutlich würde ich mich auch nach der Fahrkarte fragen.

Ich lächele sie an, stelle den Rucksack auf den Sitz und nestele mein Portemonnaie aus der Jackentasche. Sie schnaubt ungeduldig, klar, sie hat einen Fahrplan zu befolgen, aber es ist Sonntag früh neun Uhr und der Bus ist so leer wie die dick verschneiten Straßen. Ich zeige ihr meine CC-Karte und die gerade für die zusätzlichen Zonen gekaufte Ergänzungskarte. Sie starrt auf das Foto und dann auf mich.

„Das ist ein Scherz, oder?“

Ich sehe mir das Foto an. Darauf bin ich fünf Jahre jünger und trage kurz geschnittenes, weißblond gefärbtes Haar. Momentan sehe ich eher aus wie ein dunkelbrauner Bobtail: Nur die Nase schaut noch raus. Ich muß lachen:

„Doch doch, das bin ich, wirklich!“

Sie schnaubt, schütelt den Kopf grunzt etwas und fährt an. Ich setze mich, betrachte mir das Foto und stelle fest, daß die Karte darunter noch die vom letzten Jahr ist, gültig bis 12/09. Die neue liegt zuhause irgendwo in einem Stapel Papiere, die ich auch mal sortieren könnte. Das mache ich dann nächste Woche, gleich nach dem Friseurtermin.

Oh, the Drama!

  • Veröffentlicht am 18th Januar 2010,
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Früher©, als die Leute sich ihre Flamewars noch in Foren und nicht in Blogs, auf Twitter oder Facebook geliefert haben, gab es ganze Seiten mit „lustigen Forenpics“, die man zur Illustration seiner jeweiligen Meinung zum Thema nutzen konnte. Einer meiner Lieblinge zeigte das sepiagetönte Bild einer amerikanischen Hausfrau aus den 50ern, die entsetzt die Hände wrang und sich „Oh, the Drama!“ kaum beruhigen konnte – worüber, wird auf ewig ihr Geheimnis bleiben.

Inspiriert von der Empörung hier über den Versuch der Sueddeutschen, ihre neue iPhone App mittels bezahlter Blogpostings und damit schlussendlich natürlich gekaufter Meinungen zu bewerben, habe ich mal Google angeworfen und nur „Vodafone“ eingegeben. Die Älteren unter uns werden sich erinnern: im vergangenen Sommer(loch) hatte der Mobilnetzanbieter sich mit tatkräftiger Unterstützung der üblichen Verdächtigen ins Haifischbecken Social Web begeben und wurde erwartungsgemäß gnadenlos zerfleischt. Eine Bloggerin, die sich der Dunklen Seite Der Macht als Testimonial zur Verfügung gestellt hatte und ein paar Haifischbisse abbekam, trat vom Bloggen zurück (ist aber inzwischen wieder dabei). Und allenthalben hämte es: Wenn Vodafone künftig nach dem Firmennamen googelten, würden sie noch Jahre später zusammenzucken vor den Folgen dieser Nummer; der longtail Effekt werde sie teuer zu stehen kommen.

So, da wären wir dann sechs Monate später. Auf den ersten beiden Seiten der Suchergebnisse findet sich bei der Suche nach „Vodafone“ zu diesem Skandal im Goldfischglas nicht ein einziges Ergebnis. Auf Seite 3 Mitte, also Platz 25 der Suchergebnisse dann der SpOn-Artikel von damals, zwei Reihen darunter ein Artikel von Kosmar. Danach erst mal wieder nichts mehr, auf Seite 4 kommt dann Sascha Lobos Blogbeitrag zur Kampagne und ein Artikel der FAZ. Das war’s dann vorerst. Der lange Schwanz schlägt dreimal matt und träge auf den Boden der Tatsachen: Die Aktion hat Vodafone null geschadet.

Die Sueddeutsche tut das, was Firmen eben tun: Für PR und Werbung bezahlen. Wer bei Trigami mitmacht tut das, was gekaufte Schreiber eben machen: Das schreiben, was der Kunde in Auftrag gegeben hat. Die Frage, ob sich die Sueddeutsche als angeblich internetfeindiche Zeitung (ich lese das Blatt eher selten und mir ist es in dieser Hinsicht bislang nicht negativ aufgefallen, oder wenigstens nicht negativer als jede andere überregionale Tageszeitung) ausgerechnet das Medium Internet und darin ausgerechnet die Blogger als Sprachrohr hätte aussuchen sollen, geht meines Erachtens am Thema vorbei. Die iPhone App ist, wie bei den Apps der Konkurrenz auch, aktuell ein Imageprodukt. Weder braucht ein iPhone User die App, um die Sueddeutsche auf seinem Telefon zu lesen, noch braucht die Sueddeutsche die App, um neue Leser zu generieren oder ihr Produkt zu veröffentlichen. Es geht, wie meist in der Werbung, darum, jung, hip und trendy rüberzukommen. Oh, the Drama!

Warum ich nicht für Haiti spende.

  • Veröffentlicht am 17th Januar 2010,
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Vor etwa fünfzehn Jahren arbeitete ich in einer kleinen Agentur, die pro bono für Ärzte ohne Grenzen Informationsbroschüren, Flyer etc. entwarf. Nicht offiziell, sondern mehr so auf Bitten eines in dieser Hilfsorganisation aktiven Arztes, der mit dem Geschäftsführer befreundet war. Er kam gerade aus einem Tagesschauland, also einem dieser Länder die man nur deshalb kennt, weil sie dank Putsch, Krieg, Hungersnot oder sonstigen Katastrophen dauernd in den Nachrichten präsent sind und die nur von Verrückten, Journalisten oder Waffendealern bereist werden. Dieser Arzt zählte sich ganz offen selbst zu den Verrückten. Er erzählte mir ein wenig über die Spendenwirtschaft und die aberwitzigen Probleme, die durch falsch oder gar nicht informierte Spendenwillige entstünden. Daß sich viele gemeinnützige Organisationen irrwitzige Werbekampagnen (natürlich steuerlich absetzbar) leisteten und nicht wüßten wohin mit dem Geld, während kleinere, unbekanntere Organisationen vielleicht flexibler und unter Umständen in einer bestimmten Region sogar kompetenter seien aber von Glück sagen konnten, wenn sie am Ende eines Jahres einen vierstelligen DM-Betrag an Spendengeldern eingenommen hätten. Er erzählte von den Omis, die ihr Geld unter der Matratze horteten und es testamentarisch „dem Tierschutzverein“ vermachten, der sich damit dann ein neues Verwaltungsgebäude bauen würde, komplett mit Chefparkplatz. Er erzählte von dem Kaufmann, der ihm einen fünfstelligen Betrag in Aussicht stellte, aber nur unter der Bedingung, „daß wir diesem verdammte Schwulenpack nicht die dreckigen Ärsche retten würden, denn AIDS ist vom Herrgott persönlich als Geißel für dieses Gesocks gekommen, und wenn mein Geld dafür benutzt wird einen von denen zu retten, das wäre furchtbar, damit könnte ich nicht leben.“

Er erzählte von den Erdbeben, Hungersnöten, Flutkatastrophen, die die Weltbevölkerung spontan zu Spendenmarathons bewegen würde und von der Verzweiflung über diese zweckgebundenen Spenden bei allen Helfern in allen Organisationen: „Das weiß ja kaum einer: wenn da „für Komlumbiens Erdbebenopfer“ draufsteht, dann darf das Geld auch nirgends sonst eingesetzt werden, so will es das Gesetz. Nur: wenn hunderttausende jetzt an alle Organisationen „für Kolumbien“ spenden und Kolumbiens Bedarf ist vorerst mal gedeckt, dann darf dieses Geld nicht für Erdbebenopfer in Algerien oder Flutopfer in Bangladesh verwendet werden, wo es plötzlich an allem fehlt, eben weil sich gerade alles auf die Kolumbienhilfe konzentriert. Zweckgebundene Spenden sind gut gemeint, aber das Gegenteil von ‚gut gemacht‘ ist eben ‚gut gemeint‘!“

Also: Spendet gerne, jeder soviel er kann oder mag, an die Einrichtung, die Euch am vertrauenswürdigsten, erfahrensten, sinnvollsten erscheint. Aber bitte nicht „für Haiti“ draufschreiben.

Ein paar weitere do’s and don’ts zum Thema Katastrophen-Spenden finden sich hier (in englischer Srache).

Chuzpah

  • Veröffentlicht am 17th Januar 2010,
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Kleine Medienrückschau

  • Veröffentlicht am 16th Januar 2010,
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Im vergangenen Jahr habe ich das erste Mal wieder mehr Bücher als DVDs gekauft und wieder mehr gelesen als Filme gesehen. Auch einiges an Musik wurde angeschafft. Und das erste Mal seit 2001 kann ich die Anzahl der gekauften DVDs wieder an den Fingern einer Hand abzählen, und die Anzahl der im Kino gesehenen Filme ebenfalls.

Im Kino gab’s vier Filme, von denen mich nur Gran Torino überzeugte. Wenn auch mit einem Eastwood’schen Augenzwinkern, das die Kritiker wie üblich nicht wahrgenommen haben, weil sie sich zu sehr auf „Dirty Harry ist zurück“ und ähnlichen Quatsch gestürzt haben. Man muß wohl wirklich nach Frankreich auswandern, um dämlichen Eastwood-Rezensionen aus dem Weg zu gehen.

Der Baader Meinhof Komplex war starbesetzt, toll ausgestattet und rundherum nichtssagend, weil hier alles, was in den 60ern und 70ern politisch relevantes passiert ist, und das ist bekanntlich einiges, in einem Film verwurstet wurde. Ich hatte das Glück, das Buch vor rund 20 Jahren gelesen zu haben und alt genug zu sein um mich noch an viele Zusammenhänge selbst zu erinnern. Ob die 18ährigen im Publikum sonderlich viel verstanden haben, darf bezweifelt werden.

Mullewapp war einfach nur ärgerlich. Dieser Kinderfilm hatte null Charme und ist keiner Erwähnung wert. Es sollte der erste Kinofilm meines Patensohns Nr.2 (Captain Jacks kleinem Bruder) werden, wenige Tage vor dessen 5. Geburtstag. Mir schwante ja schon etwas, aber er wollte unbedingt da rein. „Da rein“ war eine Schuhschachtel des Westerländer Kinocenters, in dem die Leinwand nur unwesentlich größer ist als ein Fernsehbildschirm. Wenn ich so bedenke, was ich bei meinem ersten Kinofilm damals™ für ein Glück hatte: Susi und Strolch, ein echtes Disney Meisterwerk, und auch in einem tollen Kino. Captain Jack hatte zwar nur Lauras Stern als ersten Film, aber wenigstens bei der Premiere, komplett mit rotem Teppich, Blitzlichtgewitter, kostenlosem Popcorn und einer Geschenketüte für jedes Kind. (Das hat ihn natürlich auch fürs Leben geprägt; sein Vater war dem Vernehmen nach sehr irritiert, als er ein paar Wochen später bei einem anderen Kinobesuch von seinem Ältesten gefragt wurde, wo denn jetzt die Geschenke und der rote Teppich abgeblieben seien.)

Willkommen bei den Schti’s war teilweise recht witzig, aber letztlich auch reichlich banal und mehr so ein TV-Film der Woche, nur halt im Kino. Ich hoffe ja nach wie vor darauf, daß ich irgendwann im Leben noch einmal eine französische Komödie sehen werde, die mein Humorzentrum trifft. Es gibt so viele tolle französische Filme, ich gebe die Hoffnung nicht auf. Solange halte ich mich an die Briten.

Auf DVD habe ich mich hauptsächlich auf TV-Serien gestürzt, nicht zuletzt dank der Finanzkrise und dem dadurch sehr geschwächtem Britischen Pfund Sterling. House, MD (Season 5) hat mir entgegen aller Unkenrufe sehr gut gefallen, da sich die Serie entwickelt und experimentiert. Nicht immer in eine plausible Richtung oder erfolgreich, aber wenigstens wird hier nicht nur Schema F gefahren und Hugh Laurie ist einfach klasse, fertig.

Die Sopranos hatte ich schon immer im Visier, aber trotz meiner knapp fünf bei Warner Bros. verbrachten Jahre (WB als Schwesternfirma von HBO unter dem TIME/Warner Dach veröffentlicht die Serie hierzulande) habe ich es nie geschafft, mehr als zwei Folgen oder einige Ausschnitte zu sehen. Diesmal bin ich immerhin bis zur vorletzten Staffel gekommen, bevor mich die Langeweile packte und ich die schweren Jungs erst einmal wieder ins Regal verbannte. Ein paar Wochen später habe ich dann den Rest gesehen und war insgesamt doch recht angetan. Aber in die Top 5 meiner liebsten TV-Serien wird sie es nicht schaffen.

Anders The Wire, die sich aus dem Stand auf Platz 3 meiner Lieblingsserien katapultiert hat. Ob die Serie so realistisch ist wie die Presse schreibt, kann ich nicht beurteilen. Aber hart, schonungslos und trotzdem warmherzig, nie unglaubwürdig und sie wirkte noch lange, lange nach. HBO ist offenbar nach wie vor ein Garant für Qualitätsfernsehen. Die US-Version der Box ist übrigens codefree, auch wenn das nirgends vermerkt ist.

Der einzige Kinofilm auf DVD der es dieses Jahr in meine Sammlung geschafft hat, war Michael Manns Public Enemies. Dies dürfte dann auch mein letzter Michael Mann DVDkauf gewesen sein, denn obwohl er immer wieder eine fesselnde Atmosphäre in seinen Filmen zustandebringt, er meist eine erstklassige Besetzung zusammentrommelt und Ausstattung, Musik, Beleuchtung, Kamera etc. makellos sind, bleibt man oft gelangweilt und ratlos zurück: Was wollte er uns diesmal sagen, und warum hat er’s nicht einfach getan? Miami Vice, Collateral, Ali – Mann dreht Hochglanzfilme ohne nennenswerte oder sonderlich glaubwürdige Geschichte, seelenlos und blutarm, mit Ausnahme vielleicht von Heat. Es gibt schlechtere Filme, sicherlich, aber auch viele weitaus bessere.

Meine neuen Bücher werde ich dann demnächst sukzessive vorstellen. Soviel vorab: hier gab es keine Enttäuschungen.

  • Veröffentlicht am 15th Januar 2010,
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Das warme Gefühl nach einem heiteren Telefonat mit einem geliebten Menschen, das man für immer festhalten will. Und die Angst vor dem Telefonat mit einem anderen geliebten Menschen, wo man schon während des Wählvorgangs weiß, es einfach todsicher WEISS, daß wieder einmal niemand abheben wird und was sehr wahrscheinlich wieder einmal der Grund dafür ist. Das zittrige Stimmchen, für das man sich verachtet, mit dem man erneut auf den Anrufbeantworter spricht und um den Rückruf bittet, der nicht kommen wird. Der Kloß im Hals und die schweißkalten Fingerspitzen. Das Horrorszenario im Kopfkino, die Unfähigkeit sich auf die Arbeit zu konzentrieren, obwohl der heiße, faulige Atem der Deadline im Nacken spürbar ist. Die Wut, die einem die Kehle zurschnürt. Die Tränen der Angst, Hilflosigkeit, Schmerz, Hoffnungslosigkeit und Trauer, die über die Wangen rinnen und die man erst bemerkt, als sie auf die Tastatur tropfen. Eine auf das B und eine auf die Leertaste.

Nase putzen, einen Kaffee holen, Konzentration jetzt. Arbeiten, recherchieren, notieren, tippen, umformulieren.

Alle Sinne auf das Telefon gerichtet.

Nase putzen, weitermachen.

Weitermachen.

Meine Follower sind teurer als Dein MacBook Pro.

  • Veröffentlicht am 12th Januar 2010,
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In den letzten Tagen blitzt es wieder mal hier und da in meiner Twitter-Timeline auf, wie schon einige Monate zuvor mindestens einmal: „[Firma XYZ] verlost ein MacBook Pro. Ich bin hiermit dabei http://www.firmenwebsite.de „.  Ich weiß, was sich solche Firmen von dieser Art Social Marketing versprechen: Mittendrin statt nur dabei zu sein in den heissesten Peergroups, eine Mundpropaganda auf Mediendarling Twitter auszulösen und für den Preis eines MacBook Pro (Ca. 1.200 € netto) ein paar hunderttausend nachweisbare Kontakte zu generieren. (Keine Sorge: Da ich meine Follower nicht um den Preis eines Notebooks vergrätzen will werde ich mir den RT verkneifen und konsequent jeden entfolgen, der mich mit dem Kram zuspammt.)

Das Zauberwort heißt „nachweisbar“: Anders als bei jedem anderen Medium kann man die Anzahl der Kontakte und viele andere Faktoren online ziemlich genau messen. Werbetreibende geben massiv Geld aus für Bullshit-Pi-mal-Daumen-Zahlen wie TV-Zuschauer (gemessen an einer kleinen Testgruppe und dann hochgerechnet), Zeitungsabo- und Einzelverkaufszahlen (jedes Heft wird angeblich von x Leuten gelesen) oder, mein persönlicher Favorit, die Aussenwerbung: Wenn x Leute täglich auf der Y-Straße an der Litfassäule vorbeifahren oder -gehen, dann haben unter Milchmädchen Z Kontakte stattgefunden. So Fragen wie „klebt mein Plakat vielleicht gerade ganz unten und mit Blick zur Wand statt zur Straße?“ oder „Haben die Autofahrer vielleicht doch eher den Blick auf die Ampelphase statt auf die Werbung gerichtet?“ stellt man da besser nicht. Aber online lässt sich fast alles ziemlich genau nachweisen, mit dem Erfolg, daß der Verkauf von Online-Displaywerbung härter ist als ein Tritt von Chuck Norris. Die Kunden wollen nur noch Centpreise bezahlen und auch das am liebsten nur noch auf Klickbasis, also für einen Klick auf das Werbemittel, nicht mehr nur fürs Betrachten desselben. Immer häufiger reicht ihnen auch dies nicht mehr, sie wollen nur noch für jeden erfolgreichen Abschluß zahlen, der nachweisbar über das Online-Werbemittel kam. Ich glaube, eine Reihe von Onlinevermarktern würde sich, vor die Wahl gestellt, für den Tritt von Chuck Norris entscheiden.

Ich twittere seit zweieinhalb Jahren und habe aktuell 160 Folllower. Das klingt viel, wenn man sich vorstellt, daß die einem alle auf der Straße hinterherlaufen würden. De facto ist das sehr, sehr wenig. Es wären sicher ein paar Tausend inzwischen, wenn ich nicht „geschützt“ (also nicht-öffentlich) twittern, meine Tweets nicht täglich löschen und morgens wieder bei Null anfangen würde und außerdem meine Tweets noch über Facebook laufen ließe. (Mein top secret Zweitaccount, den ich mir zum Spaß und zu Testzwecken mal angelegt habe, ist erst wenige Wochen online und hat jetzt schon doppelt so viele Follower wie @e13kiki, auch ohne Facebookaccount. Insofern ist meine Einschätzung wohl nicht völlig aus der Luft gegriffen.) Meine 160 Follower haben selbst insgesamt atemberaubende 1.521.289 Follower, und auch wenn davon 1.235.313 auf Sir Stephen Frys Konto gehen, bleiben ohne den guten Mann immerhin noch 285.976 Kontakte übrig, bzw. im Schnitt 1.787 pro Nase. Wobei: er folgt mir ja (und 54.216 anderen), also besteht auch die Chance auf seinen Retweet, so winzig sie auch sein mag.

Denn der Retweet ist das Ziel: Die Lawine soll ins Rollen kommen. Wenn ich also den Eingangs erwähnten Satz twittere, in dem die URL steckt auf die all meine Follower (oder realistischer betrachtet: 1-2% von ihnen) klicken sollen und den sie idealerweise an ihre Follower re-tweeten, dann erst wird es interessant für den Werbetreibenden. Er muß sich da auch gar nicht auf seine Agentur verlassen (falls er unnötigerweise dafür eine beauftragt haben sollte), denn er kann es leicht selbst verfolgen: Er gibt [Firma XYZ] in die Twittersuche ein und bekommt in Echtzeit seine Ergebnisse ausgespuckt. Die muß er dann nur noch durchzählen, bzw. durchzählen lassen (macht sowieso der Prakti). Blöd nur, wenn er dabei so doofe Retweets findet wie „Hat eigentlich schon irgend jemand mal ein MacbookPro bei [Firma XYZ] gewonnen?“, oder „Daß dieser [Firma XYZ] Spam immer wieder hochkommt, ich versteh’s nicht“, oder, besonders nett: „Das bekannteste MacBookPro ist garantiert das von [Firma XYZ] – jeder kennt’s, keiner hat’s.“ Der letzte Satz hat übrigens 4 Retweets binnen einer Stunde hervorgebracht. Das wäre jetzt natürlich für Freunde des echten Kundenbeziehungsmanagements eine Steilvorlage: man geht hin, antwortet direkt auf die Kritik und verweist z.B. sehr transparent auf den Gewinner der letzten Runde. Man holt die Spötter mit ins Boot wird kreativ, denkt sich etwas Neues aus für dieses neue Medium. Man kommuniziert. Aber das ist natürlich aufwendiger und teurer.

Am Anfang war das Wort

  • Veröffentlicht am 10th Januar 2010,
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Über diesen (schon etwas älteren) Werbespot des französischen Fernsehkanals Canal+ bin ich bei nordfischbaby gestolpert und habe mir ein Loch ins Bein gefreut: Tolle Geschichte, gut umgesetzt, spannend bis zum Schluß und eine prima Auflösung. Würden sich doch mehr Filmemacher daran halten!

ARVE Fehler: id und provider shortcode Attribute müssen für die alten Shortcodes gesetzt sein. Es ist empfehlenswert auf den neuen [arve] Shortcodes zu wechseln der nur die URL braucht.

Mit Twitter durch das Jahr

  • Veröffentlicht am 5th Januar 2010,
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Januar

Kaum ist der Silvesterkater verflogen und mit ihm die besten Vorsätze, schon sind die üblichen gutmütigen Verdächtigen wieder im Büroalltag gefangen:

Februar

In diesem Monat blicken die Hausfrauen mißbilligend auf die Gardinen, die Tapeten, die Einrichtung und der lästige Frühjahrsputz gipfelt nicht selten einer Rundum-Renovierung, wenigstens aber einem IKEA-Besuch. Männer denken gar nicht einmal so selten in eine ähnliche Richtung, allerdings drehen sich die konkreten Pläne mehr um einen Besuch im Baumarkt, der selten folgenlos bleibt:

März

Der Frühling liegt in der Luft und die Gärtner sind fleissig wie die hoffentlich bald wiederkehrenden Bienen. Aber man sollte sich nicht zu früh freuen:

April

Wenn der Frühling sich trotz vermehrter Anzeichen immer noch nicht blicken läßt und der Regen kein Ende nehmen will, kann man sich schon mal solche Fragen stellen:

Mai

Der Graben zwischen den alten und neuen Medien ist nach wie vor breiter als gedacht, die neuen Medien haben doch so ihre Vorteile:

Juni

Andererseits lassen sich die alten Hasen nicht so rasch abhängen:

Juli

Der den sommerlichen Temperaturen geschuldeten gesteigerten Antriebslosigkeit wollen sich manche nicht widerstandslos ergeben. Doch auch ungewöhnliche Maßnahmen zur Steigerung der persönlichen Leistungsfähigkeit greifen nicht immer:

August

Nicht jeder ist verreist, oder falls doch, dann zumindest mit Plan und Abwesenheitsnotiz:

September

Aber vielleicht hätte man doch noch eine Woche Urlaub dranhängen sollen, der Erholung wegen?

Oktober

Wer den ganzen Sommer über sein Bier im Flußbett kühl gestellt hat und mit den Steaks direkt vom Schlachter in den Stadtpark zum Grillen radelte, der könnte jetzt zuhause auf Überraschungen treffen:

November

Die Vorbereitungen für die Adventszeit laufen auf Hochtouren:

Dezember

Auch in Twitterhude läßt sich die weihnachtliche Stimmung nun nicht länger leugnen und der Mantel der christlichen Nächstenliebe wird gerecht geteilt:

Durch den Nacktscanner: Ein Bestellvorgang in einem deutschen Onlineshop

  • Veröffentlicht am 4th Januar 2010,
  • veröffentlicht von

Ich suche schon längere Zeit einen Diascanner, um, quasi als Teil meiner persönlichen Argenda 2010, dutzende Kartons im Schrank modernder Familiengeschichte nach und nach ins 21. Jahrhundert zu befördern und auf dem Mac zu bearbeiten. Ich stieß bei meinen Recherchen auf die Seite eines bekannten Elektronikversands, der ein solches Gerät im Angebot hatte. Um es zu bestellen, sollte ich ein Kundenkonto anlegen. Es ist bei dem Laden nicht möglich etwas zu bestellen, ohne sich virtuell zu entblättern. Das hätte eigentlich normalerweise schon das Ende des Bestellvorgangs bedeutet, aber wahrscheinlich war ich noch nicht wieder ganz im Alltagsmodus und mein „smells like bullshit“-Detektor schlug nicht an.

Die Daten, die auf dieser Seite mit Sternchen als zwingend auszufüllen gekennzeichnet sind waren

  • Vorname/Name
  • Geburtsdatum
  • Straße, PLZ, Wohnort
  • eMail
  • eMail (wiederholen)
  • Passwort

Außerdem mußte man ankreuzen, daß man mit den AGB und den Datenschutzbestimmungen einverstanden sei. Optional war eigentlich nur das Feld für die Newsletterbestellung, aber immerhin war es nicht vorangekreuzt (opt-in).

Okay, Name und Adresse und eMail – das brauchen sie wirklich zur Erfüllung des Auftrags, das sehe ich ein. Aber warum kann ich nicht bestellen ohne ein Konto anzulegen? Und was um Himmels Willen wollen sie in diesem Stadium mit meinem Geburtsdatum?

Denn weiter ging es auf der nächsten Seite mit den Zahlungsmöglichkeiten. Bankeinzug war möglich (und, da als erstes angegeben, wahrscheinlich präferiert), und da stand dann auch explizit, daß das Geburtsdatum dafür benötig werde. OK, aber was, wenn ich nicht per Bankeinzug bezahlen will? Warum mußte ich dann doch schon eine Seite vorher mein Geburtsdatum angeben? Weitere angebotene Zahlungsmöglichkeiten waren Vorkasse, Sofortüberweisung, Nachname, Kreditkarte und Finanzierungsservice. Ich wählte Kreditkarte, weil ich damit im Netz relativ sicher bezahle.

Zu diesem Zeitpunkt erwartet man üblicherweise den Eingang einer Bestätigungsmail, daß man sich auf ihrer Seite angemeldet hat und in der man gebeten wird, auf den Bestätigungslink zu klicken oder aber Bescheid zu geben, daß sich jemand einen Scherz erlaubt hat. Es kam zwar eine Mail (die in meinem Spamordner landete), aber dort wurden nur im Klartext meine persönlichen Daten (immerhin ohne das Passwort) noch einmal aufgezählt. Außer dem Deppendisclaimer am Ende („Der Inhalt dieser E-Mail ist vertraulich und oder rechtlich geschützt“ etc. blafasel auf deutsch und englisch) stand sonst nicht weiter darin.

Auf der nächsten Seite wurde ich belehrt, daß ich aufgrund „hausinterner Anweisungen“ nur per Vorkasse, Bankeinzug oder Nachname bezahlen könne. Da mein Schufa-Eintrag weiß wie frisch gefallener Schnee ist und ich nicht unbedingt im Ghetto wohne schloß ich die Antwort „Scoring-Opfer“ für mich aus. Ich vermute eher, daß sie Erstbesteller nur gegen Vorkasse beliefern wollen oder Plastikgeld als Zahlungsmittel inzwischen abgeschafft, aber das noch nicht dem Webmaster erzählt hatten, auf daß er diese Zahlungsmöglichkeit entferne. Eine kurze Recherche der FAQ-Seite bestätigte das; dort war die Kreditkarte als Zahlungsmittel nicht aufgezählt. Allerdings war mir der Laden inzwischen dermaßen unsympathisch und kam so unprofesionell rüber, daß ich von einer Bestellung Abstand nahm. Ich wollte mein frisch angelegtes Konto löschen und stieß auf die nächste Hürde auf dem Weg zu einer glücklichen Kunden-Händlerbeziehung: Das ging nicht. Ich konnte wohl meine Adresse ändern, aber nicht das ganze Konto löschen. Also schrieb ich eine entsprechend Nachricht mit Bitte um Löschung meiner Daten und Bestätigung der Löschung an eine (Wegwerf-)mailadresse. Und natürlich konnte ich auch nicht einfach eine Mail schreiben, ich mußte ein Kontaktformular ausfüllen. Die Pflichtfelder in diesem Formular waren

  • Vorname/Name
  • Adresse, PLZ, Wohnort (alternativ Kundennummer)
  • eMail
  • Telefon

Das Telefonfeld durfte tatsächlich nicht leer bleiben, aber dank „Frank geht ran“ hatte ich eine passende Nummer zur Hand. Ich bekam auch unmittelbar eine Bestätigungsmail mit Vorgangsnummer. Mal sehen, was noch so kommt bis sie mich endlich gehen lassen. Ach ja: Als ich bei dem Versuch mein Konto selbst zu löschen in die Einstellungen ging, war der Newsletterbezug (HTML) jetzt plötzlich doch angekreuzt.

Der Shop hat vorne auf seiner Startseite eine Reihe bunter Logos und Medallien prangen, was für ein super-duper-Onlineshop das doch ist, und ich habe über Angebot und Service des Ladens bislang nichts schlechtes gehört. Mir ist auch klar, daß es Betrüger im Web gibt und man sich als Kaufmann hingehend absichern muß. Genauso, wie ich mich als Kunde ja auch absichere und auf Impressum, verschlüsselte Datenübermittlung und eben Kreditkartenzahlung achte. Garantieen gibt’s nirgends und ein Restrisiko bleibt immer, auf beiden Seiten. Aber es gibt inzwischen so viele positive Beispiele für den streßfreien und vor allem kundenorientierten Onlineeinkauf, daß ich ehrlich gesagt keine Lust habe, nach Entschuldigungen für solch einen Laden zu suchen. Ich kaufe ja auch nicht in der Innenstadt in einem Geschäft, wo ich noch vor der Anprobe eines Kleidungsstücks Name, Adresse, Geburtsdatum angeben soll und am besten noch mein Portemonnaie öffnen und zeigen, ob ich auch genügend Geld dabei habe.

Meinen Diascanner kaufe ich jedenfalls woanders.

Dasselbe, nur anders

  • Veröffentlicht am 3rd Januar 2010,
  • veröffentlicht von

OK, was ist neu, was bleibt, und was ist mit dem Archiv der letzten viereinhalb Jahre?

Was neu ist: Das Design. Nicht ganz ohne Bedauern verabschiede ich mich von meinem schönen e13 Header mit der wehenden Flagge auf einem 13. Grün. Aber da ich der Seite sowieso ein neues Gesicht geben will, warum soll ich nicht gleich meines nehmen? Ob ich dann tatsächlich so aussehe wie auf der Zeichnung rechts, das könnt Ihr dann ja spätestens auf der re:publica überprüfen, auf deren Besuch ich mich schon sehr freue (Hotelempfehlungen sind übrigens herzlich willkommen… ich kenne mich in Berlin nicht so aus). Das Site Icon und mein Gravatar bleiben zunächst im alten Look, bis ich etwas Adäquateres gefunden habe.

Neu in der Seitenleiste ist auch der „Was Sie mich ja schon immer einmal fragen wollten:“, ein Experiment mit dem neuesten „heissen Scheiss“ des social web namens formspring.me. Hier kann man mir, auch anonym, direkt über die Eingabemaske Fragen stellen. Je nach dem wie höflich die so sind und ich so gerade drauf bin, werde ich die dann auch beantworten. Allerdings behalte ich mir auch vor, das Teil sang- und klanglos wieder rauszuwerfen, wenn’s mir zu blöd wird. Update: Der Quatsch ist sang- und klanglos rausgeflogen.

Meine Blogroll hat sich deutlich erweitert. Ich möchte gern mehr als nur 13 tolle Blogs vorstellen, aber trotzdem kein Telefonbuch daraus machen.

Ansonsten gilt der klassische Spruch: Ein Blog, das nicht ständig „under construction“ ist, ist tot.

Was bleibt: Dieses Blog bleibt werbefrei. Soll heißen: Hier gibt es keine gekauften Meinungen und auch keine bezahlte Werbung. Das Rätsel wird wiederbelebt; Zutritt gibt’s auf Einladung. Und ich freue mich nach wie vor über jeden Kommentar.

Was ist mit dem Archiv der letzten viereinhalb Jahre? Das habe ich archiviert. Aber ich werde das in der Gesamtheit nicht wieder live stellen, höchstens irgendwann in Auszügen (v.a. den Kategorien Film und Golf). Neustart eben.