Hello world! (Again.)

  • Veröffentlicht am 30th Dezember 2009,
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Neustart. Man könnte auch sagen: „e13.de, Blogneustart, Klappe die Vierte!“

Unmittelbar nachdem ich vor drei Wochen die Tür zu meinem Blog mit hörbarem Krachen ins Schloß fallen ließ, fühlte ich eine Mischung aus Erleichterung und Trauer. Erleichterung, weil mir dieses Blog zur lästigen Pflicht geworden war, zum sprichwörtlichen Affen auf meinem Rücken. Ich wollte nicht mehr bloggen, ich wollte zumindest in diesem Bereich Ferien mit open End. Ich hatte viereinhalb Jahre lang mit zunehmendem Erfolg über Filme, Golf, Captain Jack und tausend weitere Themen geschrieben. Ich habe mich immer bemüht, dabei so unsichtbar zu bleiben, wie es eben geht im Netz, wo das Ende deiner Privatsphäre immer nur einen Klick entfernt ist. Die Trennung zwischen meinem privaten und meinem beruflichen Ich fiel mir immer schwerer.

Inzwischen wissen die meisten meiner Leser, daß ich beruflich „was mit Online-Marketing und Social Media“ und „was mit Entertainment“ mache, früher mal „was mit Werbung“ und „was mit Design“ gemacht habe und privat seit über 30 Jahren ziemlich golf- und filmverrückt bin. Sie wissen, daß ich Gitarre (ganz ordentlich), Klavier (geht auch noch), Bass (das wird schon noch!) und ein kleines bisschen Saxophon (äh…ja.) spiele und ein Mac und kein PC „bin“, gerne und gut koche und esse und die Kunst der Espressozubereitung zur Kunstform erhoben habe, dem FC St. Pauli die Daumen drücke aber deshalb noch lange nicht den HSV hasse, und mir trotz meiner Abneigung gegen Fahrradfahrer und Jogger im vergangenen Jahr ein Fahrrad gekauft habe und neuerdings gelegentlich (langsam) um den Stadtpark laufe. Lauter Dinge, die weder besonders ungewöhnlich noch besonders spannend sind. Ich hab‘ mir nicht einmal den Adelstitel eines Bloggers verdient, eine Abmahnung. Letzteres liegt vielleicht auch daran, daß ich Achtung vor fremder Menschen Eigentum habe und daher nicht ungefragt hier Texte, Bilder, Musik oder Filmclips einbinde ohne die Rechteinhaber vorher um Erlaubnis gebeten und ihr placet erhalten zu haben.

Aber es schlichen sich auch zunehmend politische Themen ein, was im Superwahljahr 2009 vielleicht auch gar nicht ausbleiben konnte. Und auch wenn ich mich gemeinhin ungern mit Politik und noch viel ungerner (gibt’s das Wort?) mit Politikern auseinandersetze  – an manchen Themen kam selbst ich nicht mehr vorbei. Und mir wurde klar, daß ich politischer bin als ich dachte und vor mir selbst zugeben wollte und ich manche Themen einfach nicht länger ausklammern konnte, wenn diese Blog „meins“ sein sollte. Diese Themen paßten aber nicht so recht  zum Konzept von here we are now, entertain us!.

Traurig war ich hingegen, weil ich doch über all die Jahre eine Menge Spaß mit diesem Monster namens Blog hatte. Meine Leserschaft wachsen zu sehen, von einigen handverlesenen Besuchern zu unfassbaren hundert! Menschen bis hin zu zuletzt durchschnittlich 700 Gästen, die sich täglich auf e13.de tummelten – das war eine fantastische Reise. Kaum hatte ich die Tür zugeknallt und den Schlüssel nicht weggeworfen sondern sicherheitshalber nur in die Tasche gesteckt, erlebte ich viele tolle Szenen, die ich gern gebloggt hätte und für die Twitter nicht das richtige Medium gewesen wäre. Und natürlich habe ich in den letzten drei Wochen eine Vielzahl toller und für mich größtenteils neuer Blogs gefunden und gelesen, die mir meine eigenen Unzulänglichkeiten , z.B. in Sachen Schreibkunst so richtig drastisch vor Augen führten. „Ich werde niemals so fantastisch schreiben wie x“, das ist mir besonders in den letzten Wochen wieder sehr bewußt geworden. Auch bewundere ich die Menschen mit einem Themenblog auf das sie sich eisern konzentrieren, und  dann bei Bedarf ein Zweitblog für ein weiteres Thema eröffnen. Das würde ich manchmal auch gern so handhaben, allein, mir fehlt die Zeit dafür. Aber ich möchte mich davon nicht lähmen lassen, sondern auf gewisse Weise anspornen: Ich habe mir z.B. nicht umsonst zu Weihnachten einen Duden schenken lassen, um in meinem ewigen Kampf gegen die beiden Monster „neue deutsche Rechtschreibung“ und „deutsche Zeichensetzungsregeln“ endlich mal ein paar Punkte zu machen. Meine Güte, das ist doch schließlich keine Raketenphysik! Am Ende muß ich mir das noch von Captain Jack zeigen lassen, der ja nun bald schon in die 5. Klasse geht!

Aber ich werde ich selbst bleiben und e13.de ist mein Blog. Dasselbe wie vorher, nur anders.

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  • Veröffentlicht am 18th Dezember 2009,
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Zehn Dinge, die ich immer im Küchen- oder Kühlschrank habe:

1. Milch. Für den Porridge, für den Kaffee, zu Keksen oder Schokolade, für den gelegentlichen abendlichen Pudding, oder einfach so zwischendurch ein Glas: Ich liebe und brauche Milch. Am liebsten natürlich Bio und Vollmilch, keine „längerfrische“, keine „fettarme“, keine H-Milch oder andere geklonte Plörre aus der Hölle, kein anderes Bier.

2. Frische Butter, optimalerweise Süßrahm, aber auch Sauerrahm geht. Margarine geht hingegen gar nicht, pfuibäh.

3. Senf in vielerlei Sorten. Höllisch scharfen Dijonsenf oder Düsseldorfer Senf, süßen bayrischen Senf, grobkörnigen Pommerysenf, mittelscharfen englischen Senf. Nur so auf Brot, um Soßen zu verfeinern, für die Vinaigrette zum Salat, für Marinaden: Senf ist wunderbar vielseitig und paßt in jede Küche, von mediterran bis asiatisch.

4. Verschiedene Pastasorten, für die Tage, an denen ich mal keine Zeit oder Lust habe zum selbermachen. Capellini oder Rigatoni sind eigentlich immer vorrätig.

5. Haferflocken. Für den morgendlichen Porridge (mit Milch und Haferflocken kommt man seeehr, sehr weit am Tag!), die leckeren selbstgemachten Haferplätzchen (die muß man nicht zwingend bei Prince Charles kaufen), oder kurz in der Pfanne geröstet zu Himbeeren über eine Kugel Vanilleeis gestreut.

6. Kaffee. Frische Bohnen, die selbst gemahlen werden und dann mit meiner ersten Spielkonsole, der Raniclio Miss Silvia, weiterverarbeitet. Oder alternativ (da das Gerät leider gerade reparaturbedürftig und außer Dienst ist) die Fertigvariante von Nespresso. Etwas gröber gemahlen für die French Press geht natürlich auch, wenn man prinzipiell gegen Fertiglösungen ist.

7. verschiedene Salze. Jodsalz, fürs Nudel- bzw. Kartoffelwasser oder zum gurgeln, wenn ich mal Halsweh habe. Grobes Meersalz, mit dem z.B die Gans innen und außen eingerieben wird, bevor sie im Backofen verschwindet (natürlich nicht ausschließlich mit Salz…). Fleur de Sel, zu frischem Brot, frischer Butter oder leckerem Ö; für Salate und Pellkartoffeln, zu frischem Fisch und vielem mehr. Einen wunderschönen Artikel über ein mallorcinisches Fleur de Sel, bzw. Flor de Sal (wie es in Spanien genannt wird) findet Ihr bei Mme. Creezy im Blog.

8. verschiedene Öle. Sonnenblumenöl (um schnell etwas anzubraten, was Butter wegen großer Hitze nicht schafft oder wo Olivenöl nicht wirklich passen würde), Olivenöl (aktuell ein sehr feines und leckeres, von lieben Freunden aus Griechenland mitgebracht), Trüffelöl (ein paar Tropfen ins Kartoffelpü ab und an bringen Abwechslung), steirisches Kürbiskernöl (nomnomnom), Sesamöl (für gelegentlichen Wokeinsatz und einige asiaitsche Gerichte).

9. Erdnussbutter (creamy) für Captain Jacks Besuche, und wenn mal eine Satay-Soße gebastelt werden muß für frittierte Shrimps.

10. Gut eineinhalb Dutzend Single Malts unterschiedlicher Intensität, von smoooooth bis zur Geschmacksrichtung „nasser Hund frißt Seetang am Novemberstrand von Islay“.

Und Ihr so?

„Apple iPhone User leiden unter dem Stockholm-Syndrom“

  • Veröffentlicht am 15th Dezember 2009,
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Zu diesem abenteuerlichen Schluß kommt eine Studie einer dänischen Consulting Firma, wie Heise berichtet. Vom Stockholm-Syndrom wird gesprochen, wenn sich Geiseln mit ihren Entführern solidarisieren und damit eine erstaunliche Wahrnehmungsverzerrung an den Tag legen. Also ein Verhalten, das man eher den Blackberrynutzern oder Google-Android-Benutzern zurechnen würde – vor allem letztere begeben sich ja höchst freiwillig in die Arme des Kraken, der sie virtuell nackt auszieht und unters Mikroskop legt, um dann anschließend die gefunden Daten wirtschaftlich zu verwerten.

Ich habe ein iPhone und seine Mängel sind mir wohl bekannt und hier im Blog auch schon öfter deutlich angeprangert worden. Aber es ist wie bei allen Dingen eine Frage der Prioritäten und des Abwägens – womit kann ich leben, was bin ich gewillt zu tolerieren weil der Benefit schwerer wiegt als die Summe der Nachteile? Ich hatte beruflich einen Blackberry und habe ihn gehasst. OK, ich habe auch den damit verbundenen Job gehasst („alle bekloppt hier“), aber das Gerät selbst war zu sehr das komplette Gegenteil von meinem privaten iPhone. Die Knöpfe waren zu winzig, die Funktionsbelegung zu undurchschaubar, die Menüführung völlig abstrus und natürlich der streichholzschachtelgroße Bildschirm viel zu sehr Mäusekino um ernst genommen zu werden. Gerade deshalb liebe ich Apple, weil mir deren Geräte erlauben produktiv zu sein, statt mich mit den Geräten selbst auseinandersetzen zu müssen. Ich habe keine Lust und auch nicht nötig, der Welt ständig meine MacGyver-Fähigkeiten zu beweisen. Als digital native und seit den frühen 80ern online (z.B. über einen TRS-80 m100 mittels Akustikkoppler, als das Klickibunti-Web 0.9 noch über ein Jahrzehnt entfernt lag), kann ich auch diesen ganzen Mist zusammenschrauben, konfigurieren und programmieren, selbst wenn ich inzwischen wahrscheinlich nicht zuletzt dank der Benutzerfreundlichkeit der Apple Produkte etwas aus der übung bin. Nur: ich will das nicht, dafür ist mir schlicht meine Zeit zu schade. Das iPhone tut was ich will, fertig. Außerdem gefällt mir das Design – genau wie allen anderen Smartphoneanbietern, die mehr oder weniger schamlos bei Apple abgekupfert haben, ohne dabei nennenswerte Verbesserungen mitgebracht zu haben. Natürlich hat diese Form von Usability und Benutzerfreundlichkeit ihren Preis, und der heißt u.a. proprietäre Software/Betreiber (Apple) oder Datenschutz adé (Android). Wer das nicht wahrhaben will, belügt sich tatsächlich selbst. Aber das Angebot an den von Apple abgesegneten Apps übersteigt schon jetzt bei weitem meine persönliche Nachfrage. Und die Bewegungsprofile, die die Provider anlegen und vermutlich widerrechtlich sammeln machen mir da sehr viel mehr Sorgen. Und wer unbedingt will, kann sich das iPhone ja jailbreaken (aber dann anschließend bitte nicht rumjammern, wenn er sich irgendwelche Trojaner oder Viren eingefangen hat).
In Geiselhaft, als Apple-Nutzer? Nicht mehr oder weniger als jeder Autofahrer, der sich halt für ein bestimmtes Modell entschieden hat und nun eben damit leider nicht die tollen Felgen des Konkurrenten nutzen kann. Oder ein Gamer, der bestimmte Spiele eben nur auf seiner Lieblingskonsole spielen kann.

Get a life, nerds.

Qualitätsjournalismus, my arse! (Teil 2)

  • Veröffentlicht am 15th Dezember 2009,
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Trotz aller Twitterei und Bloggerei bedarf es einer Instanz, die prüfen und nachprüfen muss, die den Schein mit der Realität, die Plattitüde mit den Fakten, die Inszenierung mit der Wirklichkeit, das Schrille mit dem Relevanten abgleicht. Diese Kontrollinstanz aber kann nur funktionieren, wenn sie unabhängig ist.

Quelle: Matthias Iken, „abendblatt.de gibt es seit heute im Abonnement„, HA, 14.12.2009

Stimmt. Eine dieser Kontrollinstanzen heißt z.B.  Bildblog.de und arbeitet kostenlos, aber nicht umsonst.

Es geht um das langfristige überleben der Medien, es geht um die vierte Gewalt. Es geht um die Demokratie, wie wir sie kennen. Medien sind gerade im Lokalen, vor Ort, wichtiger denn je.

Quelle: Matthias Iken, „abendblatt.de gibt es seit heute im Abonnement„, HA, 14.12.2009

Als vierte Gewalt haben sich die Medien in diesem Lande inzwischen selbst demontiert, entweder vom Verlag  kaputtgespart zwecks Gewinnoptimierung oder selbst lächerlich gemacht durch Recherchefaulheit und copy&paste von PR-Blabla aus Unternehmen bzw. dem automatisierten Einfließen von Agenturmeldung ins Content Management System. Ein Heer von Bürgerjournalisten ist an Eure Stelle getreten. Nicht immer besser, aber selten schlechter. Und insbesondere im Lokalen haben sie  immer öfter die Nase vorn, dank eines kostenlosen Angebots.

Das Netz braucht Euch nicht, aber Ihr braucht das Netz. Ihr liegt nicht im Sterben weil die Leute im Netz kein Geld für Qualität ausgeben wollen. Ihr siecht dahin, weil Euer Angebot für die allermeisten Menschen keinen Wert darstellt, weil Ihr fortgesetzt Euer angepeiltes Publikum beleidigt und weil Ihr einfach nicht versteht, daß sich Menschen im Netz informieren und unterhalten wollen, aber eben nicht so gerne mit Leuten die sie nur anbrüllen und ihnen Verkaufsgespräche aufdrängen. Mit nichtssagenden Klickstrecken vergrätzt Ihr nicht nur das zahlende Publikum, sondern auch die Anzeigenkunden, die sich bei Durchsicht der Abrechnung kaum weniger verschaukelt vorkommen dürften als die Leser.

Ist es zu viel verlangt, in Zeiten, wo aufgeschäumter Kaffee im Pappbecher drei Euro kostet oder das Telefonvoting für sinnbefreite Casting-Shows mindestens 50 Cent, für das Produkt Qualitätsjournalismus knapp 30 Cent am Tag zu bezahlen?

Quelle: Matthias Iken, „abendblatt.de gibt es seit heute im Abonnement„, HA, 14.12.2009

Gegenfrage: Wenn man Euer Angebot an dem Qualitätsjournalismus der privaten und kostenlos zugänglichen Konkurrenz im Netz mißt, wer, glaubt Ihr, wird die Nase vorne behalten und aus welchen Gründen? Ich gebe Euch einen Hinweis: Fangt schon mal an an mit dem Qualitätsjournalismus, dann können wir drüber reden. Ihr wollt die Haut des Bären verkaufen, bevor Ihr ihn erlegt habt.

Tiger Who?Golf

  • Veröffentlicht am 13th Dezember 2009,
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Der aussichtsreichste Nachfolgekandidat für den ehrenvollen Titel GRÖGAZ (Größter Golfer Aller Zeiten), den zur Zeit – und meiner bescheidenen Meinung nach bis in alle Ewigkeit – mit 18 gewonnenen Majors noch Jack Nicklaus hält, ist ja bekanntlich in den letzten Wochen auf seinem Durchmarsch zum Ziel etwas ins Straucheln geraten. Schon kurz nach Tiger Woods‘ nächtlichem Autounfall meldeten sich die ersten Damen die von seinen perfekten Annäherungen sprechen konnten und vor allem wollten. Tiger sah sich somit genötigt ein persönliches Statement auf seiner Website zu veröffentlichen, in dem er zerknirscht seine Unfehlbarkeit als Ehemann und Vater gestand. So weit, so unspektakulär, aber nachdem das der Medienmeute keinesfalls ausreichte sondern die Jagd nur verschärfte, sah er sich offenbar zum nächsten Schritt gezwungen: Eine unbestimmte Auszeit vom Golfspiel zu nehmen. Und ab jetzt wird es spannend, jedenfalls für die Golffans, denen Tiger Privatleben völlig schnurz ist, die sich aber eine aufregende Saison wünschen.

Wie die meisten Golfer wissen, auch wenn sie es nicht immer eingestehen wollen, so wird dieser Sport in erster Linie zwischen den Ohren gespielt und gewonnen. Golf ist Rasenschach mit unbekannten Variablen (Wind, Wetter, Platzzustand, Mitspielern) und bislang hat Tiger Woods dieses Spiel nicht nur dehalb so dominiert, weil er mit überirdischem Talent und dem perfekten Körperbau gesegnet wurde, sondern auch und vor allem deshalb, weil die gesammelte Gegnerschaft im Geiste schon vorab das Handtuch geworfen hatte. „Wenn Tiger mitspielt geht es nur darum, wer Zweiter wird“ ist die gängige Einstellung auf der Tour. Die TV-Quoten brechen um fast 50% ein wenn er nicht mitspielt, wie man im vergangenen Jahr gut feststellen konnte. Verletzungsbedingt mußte er monatelang pausieren, bevor er endlich wieder im Spiel war – meilenweit von seiner Bestform entfernt, aber immer noch gut genug, um auf halber Arschbacke eine Reihe von Siegen einzufahren.

Das erste Majorturnier ist immer das Masters in Augusta, GA, um Ostern herum. Momentan ist nicht davon auszugehen, daß er dort antreten wird. Das ist schade aus zwei Gründen: der Sieger wird immer der Sieger aus dem Jahr sein, in dem Tiger nicht dabei war. Und Tiger verpaßt die Chance, sich wirklich unsterblich zu machen: Gewönne er dort, nach all dem Drama der letzten Wochen – er gälte wohl wirklich zu Recht als der Auserwählte.

Essigchips

  • Veröffentlicht am 13th Dezember 2009,
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Die Kartoffelchipsszene blieb mir lange verschlossen. In unserem Haushalt gab es früher nur Tafelschokolade (Sprengel Vollmilch oder Mokka-Sahne). Papa inhalierte alles, was nach Schokolade aussah und nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnte, weshalb es auch eher selten welche gab. Zu meinen Kindergeburtstagen gab es in der Regel Mamas fantastorgasmisches Mousse au Chocolat, von dem sich jedes Kind sabbernd einen Berg auf den Teller häufte, bevor es nach drei Teelöffelchen von der gehaltvollen und äußerst fluffigen Traumspeise anfing, nach Luft zu japsen. (Zutaten u.a. 1 Dutzend Eier, jede Menge Schlagsahne und Créme Double in rauhen Mengen, natürlich Schokolade… you get the idea.) Es bestand anschließend, wenn man sich mit glasigem Blick die komplizierten Regeln des Topfschlagens in Erinnerung zu rufen versuchte, schlichtweg kein Bedarf mehr nach Gummibärchen, Kartoffelschips, Erdnußflips etc. Dieses Zeug lernte ich nur auf anderen Kindergeburtstagen kennen und war meist angeekelt von den Paprikachips, gelangweilt von Salzchips und relativ emotionslos gegenüber Salzstangen. Einzig Erdnußflips waren eine Zeit lang ganz lustig, aber wurden nach längerem daraufherumlutschens doch eher unter ’naja‘ abgelegt.

Mein Interesse an Kartoffelchips wurde erst sehr viel später, so Anfang der 90er geweckt. Mein damaliger Herzbube studierte in Glasgow, und bei meinen Besuchen lernte ich nicht nur schottisches Bier und schottischen Whisky sondern auch die Inselspezialität „gesalzene Kartoffelchips mit Malzessig“ sehr zu schätzen. Chips heißen übrigens auf der Insel crisps; „chips“ ist hingegen die englische Bezeichnung für Pommes Frites.
Warum in Deutschland noch niemand auf die Idee gekommen war, eine solche Köstlichkeit anzubieten, war mir schleierhaft. Inzwischen ist man aber auch hierzulande auf den Geschmack gekommen und die Auswahl an Essigchips ist zwar nicht riesig, aber doch vorhanden. Man kann wählen zwischen Walker’s Malt Vinegar Chips (klassische Pub-Chipssorte), den beiden überteuerten Posersorten Kettle Sea Salt and Balsamic Vinegar (geschmacklich sehr weit vorne) und Tyrell’s Cider Vinegar & Sea Salt (todlangweilig), Chio’s Salt‘ Vinegar (schon sehr sauer und ziemlich billig, aber manchmal genau richtig), Lorenz Naturals mit Balsamico (mein Favorit) und neuerdings auch Chipsfrisch Premium ‚Aceto Balsamico‘. Die habe ich nun gestern mal testhalber mitgenommen und erwartungsvoll die Tüte aufgerissen. Darin befand sich eine recht überschaubare Anzahl an Kartoffelchips im Farbton Pantone 122. Einen Balsamessiggeschmack konnte ich beim besten Willen nicht feststellen, höchstens eine Senfnote. Dafür waren sie recht stark gepfeffert. Insgesamt also ein ziemlicher Reinfall, was mich betrifft.

Es kann doch nicht so schwer sein, ein paar anständige Essigchips herzustellen. Hat jemand ein Rezept?

Trotz Star Wars, Harry Potter und Fussball:

  • Veröffentlicht am 4th Dezember 2009,
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Entchenangeln ist immer noch cool. Dosenwerfen ist für Kinder unter 10 ermäßigt. Er antwortet wahrheitsgemäß und ohne zu überlegen, allerdings sehr erstaunt auf die Frage nach seinem Geburtsdatum. Daß man sich als jünger ausgeben könnte, auch nur um ein paar Euro zu sparen, der Gedanke ist für ihn so abwegig wie für mich Geisterbahnfahren. Er ist immerhin schon Neun! Zum Achterbahnfahren hatte er wieder „gerade keine Lust“; ich allerdings auch nicht – viel zu kalt und naß. Die erste Zuckerwatte wurde staunend begutachtet, probiert und für eher enttäuschend befunden. Sein kleiner Bruder ist auf einem Kindergeburtstag eingeladen. Ich überlege laut, was wir ihm wohl mitbringen könnten. Er bietet großzügig an, seinen beim Dosenwerfen gewonnenen Flieger abzutreten.
Manchmal glaube ich, Captain Jack ist das letzte echte Kind in diesen Breitengeraden.

Das blöde Volk?

  • Veröffentlicht am 2nd Dezember 2009,
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Ein Land wie die Schweiz, das uns in Sachen Demokratie um ein paar hundert Jahre voraus ist, das ein klassisches Einwanderungsland ist und auf hundertprozentigen gelebten und erklärten Integrationswillen der Zugezogenen pocht, bevor man einen Schweizer Pass beantragen darf; ein Land, das Elemente der Basisdemokratie in seiner Verfassung verankert hat um die wir Internetbewohner hierzulande es meist sehr beneiden, wenn wir mal wieder eine Onlinepetition starten, die dann von unseren Regierenden ignoriert wird… solch ein Land kann uns nur als Vorbild dienen.

Demokratie bedeutet auch aushalten zu können, gelegentlich mit der eigenen Meinung der Mehrheitsauffassung zu unterliegen. Die Schweizer Basisdemokratie ist das Gegenteil von unserer deutschen Version, wo hauptsächlich gilt: Wer seine Stimme erst abgegeben hat, hat anschließend nichts mehr zu sagen. Und das Volk ist sehr selten so blöd, wie es die Lobbyisten, weichgespülten oder gekauften Medienvertreter und die politisch-korrekten Berufstoleranzler es gern behaupten.

Vergleiche mit den Protesten gegen die Hamburger Schulreform wurden laut (u.a. in der ZEIT). Doch haben hier keinesfalls nur die Eltern aus den bessergestellten Häusern protestiert, sondern Eltern aller Schichten und Stadtteile, auch auf der Veddel und in Wilhelmsburg. Es ging ihnen weniger darum, sechs Jahre gemeinsames Lernen zu verteufeln. Es ging darum, daß dieses Konzept so wie der Senat es angedacht hat, überhaupt nicht finanzierbar ist, in keiner Weise zu Ende gedacht und außerdem die Eltern entmündigt werden sollen. Die Entscheidung ob ein Kind künftig eine Zukunft haben wird oder nicht soll voll und ganz den Lehrern überlassen und die Eltern nicht einmal mehr ein Mitspracherecht haben, ob ihr Kind eine weiterführende Schule besuchen darf. Alle Versuche der Medien, das Ganze zum Klassenkampf hochzustilisieren sind angesichts des Ergebnis der Unterschriftensammlung zu Staub zerfallen: Es wurden überwältigend mehr Unterschriften gesammelt als nötig, eben auch in den ärmeren Vierteln der Stadt, in denen eine hohe Anzahl an Migrantenkindern vorherrscht. Nein, das Volk ist keineswegs blöd.

„Ihr werdet Euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen“ heißt ein berühmter Tweet dieses deutschen Wahljahres. Sein Autor hatte ganz eindeutig nicht die Entscheidung der Schweizer Bevölkerung im Sinn, als er ihn losließ und nimmt großen Anstoß an Henry Broders Kommentar zur schweizer Entscheidung. Klar, Broder polemisiert wie immer, aber auch wenn ich seine tit for tat Begründung so nicht unterschreiben würde, so steckt doch mehr als nur ein Körnchen Wahres in diesem Abschnitt: „Dieselben Pappnasen, […], die nicht müde werden, zu behaupten die Hamas sei „auf demokratischem Weg“an die Macht gekommen, werden die Mehrheitsentscheidung der Schweizer als „undemokratisch“ verurteilen[…].“

Update: Und da haben wir schon ein schönes Beispiel, daß Broder so falsch nicht lag: Der „rote Dani“, wie 68er Alumni Daniel Cohn-Bendit früher gern genannt wurde und der heute als Fraktionspräsident der Grünen im Europaparlament sitzt, fordet im tagesanzeiger Saudi-Arabien & Co. dazu auf, ihre Gelder aus der Schweiz abzuziehen. Außerdem müßten die Schweizer „noch einmal abstimmen“. Ich will jetzt gar nicht groß damit anfangen, daß ausgerechnet Saudi-Arabien nicht eben Vorbildcharakter hat, was die Einhaltung der Menschenrechte betrifft und auch im Ranking sonstiger Freiheiten keinen Top10-Platz belegt. (Weswegen es bislang vermutlich auch aus diesem Land noch keinen offiziellen Kommentar zum Schweizer Abstimmungsergebnis gab, soweit ich sehen kann. Korrigiert mich gerne.) Wie gesagt, tit-for-tat ist nur bedingt sinnvoll in meinen Augen. Das Volk aber wie einen ungezogenen Hund zu behandeln, der so lange „pfui“ zu hören kriegt, bis er endlich das tut, was sein Herrchen von ihm will… das ist so sinn- und hilflos wie anmassend. Deutlicher kann ein Politiker nicht zeigen, wie weit entfernt er von den Wählern lebt.

Popcorn

  • Veröffentlicht am 2nd Dezember 2009,
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Natürlich könnte Tiger Woods auch schlicht mitten in der Nacht nach dem exzessiven Truthahnmahl zu Thanksgiving noch einen Verdauungsschnaps von der Tanke holen gefahren sein. Als er aus dann der Einfahrt kam, rannte ihm ein Kaninchen ins Scheinwerferlicht und er hat vor Schreck seine Karre an den nächsten Hydranten gesetzt und ist dabei ohnmächtig geworden. Seine liebende Gattin fand auf die Schnelle den Ersatzschlüssel für das Auto nicht und schlug mit einem Golfschläger die Scheiben ein, um ihrem Tiger zu Hilfe zu eilen. Man weiß es nicht.

Mich erinnert das ja irgendwie an diese Szene aus Blues Brothers:

Jake: Oh, bitte! Bitte, bitte töte uns nicht! Du weißt, ich liebe dich, baby! Ich würde dich nie verlassen! Es war nicht meine Schuld!
Mystery Woman: Du miserables Schwein! Du glaubst, du kannst dich da so einfach rausreden? Du hast mich betrogen!
Jake: Nein, hab‘ ich nicht. Ehrlich… das Benzin war alle. Ich , ich hatte ’nen Platten. Ich hatte nicht genügend Geld für’n Taxi. Mein Smoking kam nicht aus der Reinigung. Dann kam ein alter Freund von außerhalb zu Besuch. Jemand hat mein Auto geklaut. Da war ein Erdbeben! Und eine schreckliche Flut! Heuschrecken! ES WAR NICHT MEINE SCHULD!