Musik, zwo, drei, vier… Der Audiomagnet „Best Unsigned Band Contest“

  • Veröffentlicht am 25th November 2009,
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Disclosure: Ich bin externe Beraterin von Audiomagnet zum Thema Online Marketing. Nichtsdestotrotz bin ich auch Hobbymusikerin und begeistert von der Idee dieses Start-Ups.

Auf audiomagnet.com läuft inzwischen in der vierten Woche ein ziemlich genialer Bandcontest. Gesucht wird die „Best Unsigned Band“, also per se erst mal nix wirklich Neues. Aber der Clou hier ist: gemessen wird die Band an ihren eigenen Vermarktungsmaßnahmen.Und zu gewinnen gibt es ein Promtionpaket im Wert von – festhalten! – 10.000 Euro. In Worten: zehn.tausend.Flocken.

Geil.

Was genau dafür erwartet wird, steht hier en détail. Haupsächlich sollte jeder Musiker auf der Plattform seine Fans mobilisieren und die vielen zur Verfügung stehenden Tools gewinnbringend einsetzen. Also anmelden und los – die erste Phase geht noch bis zum 13. Januar 2010. Der Einsatz beträgt Null Euro, aber jede Menge Einsatz. Hier der musikalische Zwischenstand nach vier Wochen:

Audiomagnet ist eine Plattform für Musiker, die noch keinen Plattenvertrag haben (oder grundsätzlich unabhängig in Eigenregie veröffentlichen wollen) und bietet ein rundum-sorglos-selfpromotion-Paket an, damit sich die Künstler verstärkt dem widmen können, was sie am besten und liebsten machen: Musik. Das Genre spielt keine Rolle. Wer dort seine Songs oder Alben bereitstellt entscheidet selbst über den Preis seiner Werke, und ob die Fans sie nur runterladen oder auch als CD-on-demand bestellen können. Wenn der Künstler es will, gibt’s sein Werk dann auch auf iTunes, bei Napster, Musicload oder Amazon sowie rund 300 weiteren „üblichen Verdächtigen“ Plattformen. Der Künstler sagt an, ob es im Audiomagnet-Player nur snippets oder den ganzen Stream zu hören geben soll. Der Player ist übrigens widgetfähig und kann so direkt auf Fanseiten etc. eingebunden werden. Der Künstler kann auf der Plattform mit seinen Fans in direkten Kontakt treten wenn er will, seine Konzerttermine bekanntgeben oder seine Merchandise-Artikel vertreiben. Mit einem Wort: Der Künstler hat die volle Kontrolle über seine Rechte und sein Werk und Audiomagnet nimmt ihm für ziemlich kleines Geld (verschiedene Accountmodelle von 0-ca. 250 €/Jahr) eine Menge lästiger Arbeit ab – übrigens auch die GEMA-Abwicklung, die, nach allem was man so hört, ja auch ein Quell endloser Freude sein soll und fast so schön, wie sich ein Loch ins Knie zu bohren und Tabasco reinzuträufeln.

Wenn ich da an meine eigenen Bandzeiten in den guten, alten 80ern zurückdenke, wo man stolze 1.000 DM für einen Karton mit 500 Demo-Cassetten hinlegen durfte (die dann unterm Bett verstaubten und von denen garantiert noch mindestens drei irgendwo in meinem Keller herumliegen, also, Cassetten, nicht Kartons), so hätten wir uns damals sehr einen Service wie diesen gewünscht. Inzwischen überlege ich mir, ob unser größter Hit „8-8-0“, benannt nach den ersten Ziffern der Telefonnummer der – vergebens – Angebeteten unseres Sängers, nicht neu aufgenommen und genau dort an den Mann gebracht werden sollte…  frei nach dem Motto: „Wir bringen die Band wieder zusammen!“ – „Die Band?“ – „Die Band!“

Jungs, meldet Euch!

Jetzt schon an Ostern denken!

  • Veröffentlicht am 24th November 2009,
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Na gut, die re:publica 2010, eine Konferenz rund um Social Media und das Echtzeit-Web, findet sogar erst nach Ostern statt, nämlich vom 14.-16.4. in Berlin. Aber ich hab‘ mir trotdem heute schon ein Early Bird Blogger-Ticket geleistet, denn die Veranstaltung dürfte ruckzuck ausverkauft sein, wenn die letzten Jahre da als Anhaltspunkt dienen.

Der erste Redner steht auch schon fest: Götz Werner spricht über seine Ideen zum bedingungslosen Grundeinkommen. Ich für meinen Teil halte die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für ausgemachten Blödsinn, aber will mich ja nicht der Diskussion verschließen und bin immer gern bereit, etwas dazuzulernen.

Ich freue mich jedenfalls auf eine gute Gelegenheit, viele alte Bekannte wiederzusehen, neue Bekanntschaften zu schließen und ein paar Blogger- und Twitternasen, die man immer „nur“ liest, endlich einmal persönlich kennenzulernen.

The Muppets: Bohemian Rhapsody

  • Veröffentlicht am 24th November 2009,
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Wie großartig ist das bitte? Freddie wäre begeistert, möchte ich wetten.

ARVE Fehler: id und provider shortcode Attribute müssen für die alten Shortcodes gesetzt sein. Es ist empfehlenswert auf den neuen [arve] Shortcodes zu wechseln der nur die URL braucht.

Hausputz

  • Veröffentlicht am 24th November 2009,
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Wie Ihr sehen könnt, habe ich mein altes Layout wieder aus der Schublade geholt, da mir das neue auf Dauer doch etwas zu „nackich“ aussah und vor allem, weil sich seit dem Wechsel zum neuen Design Google, Bing & Co. nicht mehr an meine „noarchive“-Meta-Anweisung hielten. OK, Bing hat sich noch nie einen Scheiß um noarchive gekümmert, aber die werde ich sowieso demnächst aussperren. Meinen RSS Feed habe ich mal probehalber gekürzt, da ich auf ein, zwei Contentsauger gestoßen bin, die irgendwo auf den Bahamas sitzen und meine Inhalte spidern. Dies ist kein CC-Blog, und ich weiß auch, daß ich denen nicht beikommen kann, aber ich will’s ihnen auch nicht leichter machen als notwendig.

Außerdem habe ich probehalber heute Google Analytics installiert. Einerseits um zu sehen, was und wie die inzwischen so alles an Informationen sammeln und aufbereiten. Und natürlich will ich wissen, ob mir die Statcounter-Ergebnisse zu Recht spanisch vorkommen. Meine Datenschutzerklärung ist entsprechend angepasst und rot markiert.

Dennoch gilt natürlich: Ich verkaufe hier keine Userdaten, es gibt hier keine Werbung, nicht einmal meine Amazonlinks haben einen Tag zum Provision abkassieren. Wenn ich Produkte oder Dienstleistungen hier empfehle (meist ja Filme oder DVDs) oder irgendwo hinlinke, wo’s kommerziell wird, dann deshalb, weil ich inhaltlich davon überzeugt bin. Ich muß natürlich Geld verdienen wie jeder andere Mensch auch, aber nicht mit e13. Das ist meine private Spielwiese. Ich werde Google Analytics probehalber für vier Wochen drinbehalten und dann vermutlich wieder ausbauen und berichten, was ich jetzt alles über Euch weiß.  Zieht Euch also saubere Unterwäsche und Socken an. *fg*

Spielend lernen

  • Veröffentlicht am 18th November 2009,
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Als frischgebackener Konsolengamer (meine Zeit mit PacMan, Frogger, Asteroids und SpaceInvaders auf der Atari 2600 vor 25 Jahren ist wohl inzwischen verjährt) lerne ich gerade Laufen. Genauer gesagt: wie sich die Figuren in den beiden mir vorliegenden Spielen, Uncharted 2 und Prince of Persia, bewegen können und sollen, um all das zu tun, was sie eben so tun müssen um voranzukommen. Und das ist gar nicht so einfach. Außer laufen müssen sie nämlich auch noch springen, klettern, sich ducken, mit Dingen werfen und wahrscheinlich später einmal fechten oder schießen. Mittler bei diesen Dingen ist ein sogenannter Controller, ein kleines Gerät mit immerhin 17 Knöpfen, das aussieht als sei es integraler Bestandteil des Batmobils. Das Teil ist drahtlos mit der Konsole verbunden und zittert manchmal, wenn im Spiel ein Sack Reis umgefallen eine Erschütterung oder Explosion stattfindet. Cool, ich bin gespannt, was Captain Jack dazu sagen wird. Aber wahrscheinlich kennt er das schon von seinen Freunden.

Für jemanden wie mich, computererfahren und online seit den frühen 80ern (Akustikkoppler, anyone?) und nach wie vor täglich rund 12 Stunden am Mac oder wenigstens per iPhone im Netz unterwegs, ist diese Steuerung alles andere als intuitiv. Das geht schon damit los, daß die Taste mit dem X der Enter- bzw. Bestätigungstaste entspricht, statt der gelernten „Abbrechen“-Anforderung. Der linke Daumen auf dem linken Joystick übernimmt hier die Steuerung der Figur, mit dem rechten Joystick kann man den Blickwinkel/die Perspektive wechseln. Was die restliche Tasten alles tun habe ich noch nicht rausgefunden. Und plötzlich habe ich einen Eindruck davon, wie es meiner Mutter gehen muß, die sich mit 70 Jahren erstmals ins Internet begeben hat – auf ihrem ersten Mac. Es geht nicht „nur“ darum, ein neues Programm oder Spiel zu lernen. Es geht ums Laufen lernen. Plötzlich kann ich ahnen wie sich sich fühlt, wenn ich mit zwei, drei Mausklicks ein für sie schier unüberwindbares Problem beseitige, das für mich keines ist. Und erneut gelobe ich mir, ein wenig geduldiger zu reagieren, wenn sie vor Schreck bei einer Fehlermeldung den Rechner zuklappt und mir blöde Sprüche zu verkneifen. Laufen lernen heißt manchmal auch, auf den anderen zu warten.

Am Mac habe ich nie viel gespielt, es gab zu wenig interessante und bezahlbare Spiele und ich hatte zu wenig Zeit für und Interesse an Computerspielen. Natürlich habe ich Phasen gehabt, in denen ich ganze Nächte ein Spiel gespielt habe, aber nie länger als ein paar Wochen. Meist waren das Flugsimulationen (Hellcats, F/A-18 Hornet) oder Adventures (Monkey Island) oder Puzzlespiele (MYST, Journeyman Project, Alone in the Dark) oder eben Jordan Mechners Klassiker Prince of Persia. Die Welt der Egoshooter ist komplett an mir vorbeigezogen und hat mich auch nie fasziniert. Genau wie im Kino sehe ich mir auch auf dem Computerbildschirm nicht gerne Splatterszenen und/oder schleimige Moddermonster an, und ich für meinen Teil finde solche Spiele und Filme reichlich abartig. Was nicht heißen soll, daß ich sie verbieten würde, da stehe ich ganz auf Seiten Voltaires, aber das ist ein anderes Thema. Die Spielstände zu sichern war die oberste und eherne Regel bei jedem dieser Spiele. Sonst durfte man einen ganzen Level wieder von vorne anfangen – was meiner natürlichen Ungeduld nicht wirklich entgegenkam.

Also gilt meine Aufmerksamkeit der Frage: Wie speichert man hier seine Spielstände? Per Knopfdruck? Wenn ja, welcher Knopf ist der richtige? Ich schaue ins Handbuch und lache plötzlich laut über mich selbst: RTFM statt ‚Versuch macht kluch‘? Ich lege das Handbuch wieder weg und beiße mich durch. Sechs- oder achtmal habe ich den armen Helden in die Tiefe stürzen lassen bis ich endlich draufhatte, wie er sich auf den rettenden Felsvorsprung retten kann. Jetzt sitzt er in einer tropischen Bar und trinkt ein Bier. Ich hole mir auch eines, das haben wir uns verdient. Man kann eine Menge lernen bei diesen Spielen. Geduld aufzubringen, nicht gleich aufzugeben, sich etwas zu trauen und sich auch über kleine Erfolge zu freuen.

Spongebob – Spongikus

  • Veröffentlicht am 17th November 2009,
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Sponge Bob Squarepants – Spongikus
Bild © und mit freundlicher Genehmigung von Paramount Home Entertainment

Als ich diese DVD zu Rezensionszwecken bekam, war mir klar: ich brauche Hilfe. Gemeinsam mit Captain Jack (9) und seinem kleiner Bruder (5), die heldenhaft ihre Schlafengehenszeit opferten um mir zur Seite zu stehen, schaute ich mir also die erste, titelgebende Folge dieser DVD an. Folgender Dialog entspann sich:

Ich: OK, also das spielt alles unter Wasser?
Cpt. Jack: Ja, genau! Das da ist Spongebob, ist klar, oder? Und die Krabbe ist sein Chef, voll fies!
Kl. Bruder: voll fies!
Ich: Und jetzt sperrt der die da unter Wasser in die Arena? Aber wieso schwimmen die nicht einfach oben raus?
Cpt. Jack: Maaaannn, das ist eben so! Das ist sooooo komisch, oder?
Kl. Bruder: nickt eifrig
Ich: Aha. OK, noch zwei Folgen, aber dann marsch ins Bett, hört Ihr?
Beide unisono: Oooooooch! Na gut!

Um im Unterwasserbild zu bleiben: Der Köder muß dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Unter diesem Aspekt kann man diese DVD, die seit dem 12. November im Handel ist (FSK 6), nur als vollen Erfolg verbuchen.

Sehnsucht

  • Veröffentlicht am 14th November 2009,
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Sehnsucht

Die kranken Häuser

  • Veröffentlicht am 14th November 2009,
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Vorab: Dieser Eintrag ist jetzt zehn Tage alt und wurde ursprünglich als spontane Reaktion auf Stefan Niggemeiers lesenswerten Eintrag „Das Geschäft mit den Bildern“ geschrieben.  Ich habe ihn vor sich hin simmern lassen, weil ich a) nicht sicher war, ob ich meine „Entjungferung“ in Sachen Medienwahrheit hier so schreiben darf und sollte und b) weil sich, wie meist nach einem Eintrag, das kurze, starke Gefühl des „ach komm, was soll’s, interessiert eh keine Sau und ändert sowieso nix“ einstellte. Ich habe mich jetzt dafür entschieden, den Eintrag doch noch scharf zu schalten, weil das Fünkchen Hoffnung („vielleicht liest es ja ein argloser Zuschauer und sieht Nachrichten danach mit anderen Augen“) mal wieder stärker war. (24.11.2009)

Wenn mich Leute fragen, warum ich Medienhäusern, ganz besonders denen, die auf Quote angewiesen sind, so zynisch gegenüberstehe und nicht fernsehen will, kommt als Argument meist entweder ein „Ach so, Du bist so ein Kulturfreak, der nur ins Museum und die Oper geht und klassische Musik hört“ oder – meist eher obendrauf noch – das Killerargument „Ja, aber Du mußt doch wissen, was vor sich geht in der Welt!“

Nein. Bin ich nicht und muß ich nicht. Ich gehe höchstens drei- oder viermal im Jahr ins Museum und in der Oper war ich zuletzt 2007. Um zu wissen, was vor sich geht in der Welt reicht mir eine internationale digitale Presseschau per RSS, gemischt aus Zeitungen und Blogs. Den Rest erfahre ich, wie wir alle, durch Osmose – an der Kaffeemaschine im Büro, in der U-Bahn, von Freunden, über Twitter. Ich brauche kein Fernsehen, und wenn Welt.de demnächst tatsächlich Geld für ihr Blabla haben will, werfe ich sie mit Freuden achtkantig aus dem Feedreader.

Früher war das anders. Früher sah ich gern „Heute“, manchmal auch „Tagesschau“, las die FAZ und die Welt und glaubte den Bildern, die mir serviert wurden. Dann folgten rasch nacheinander zwei einschneidende Erlebnisse, die meine Haltung radikal ändern sollten: Es war 1988 und der Computer hielt Einzug in die Verlage, Redaktionen und Ateliers. Adobe Photoshop war geboren. Die Manipulation von Fotos war so alt wie die Fotografie selbst, aber von nun an nicht mehr mit hohen Kosten verbunden und dazu noch verführerisch einfach zu erzielen, weitgehend ohne Spuren zu hinterlassen – jedenfalls im Vergleich zu früher. Und 1992, mit meinem taufrischen Diplom in der Hand, trat ich meinen ersten echten Job an: als Videografikdesignerin in der Nachrichtenredaktion eines großen privaten überregionalen TV-Senders.

Meine Aufgabe bestand darin, die Bilder („Kacheln“ genannt) hinter den Sprechern zu gestalten. In der Regel war das eine Hauptkachel, für die Aufmachernachricht, sowie eine Anzahl von thematisch passenden, recht generisch und damit wiederverwendbaren Kacheln. Die Hauptkachel ergab sich aus der morgendlichen Redaktionssitzung, wenn der Aufmacher besprochen wurde. Solange nichts weltbewegendes mehr dazwischenkam (z.B. Kohl unter einen Bus geriet), würden wir damit abends rausgehen. In meiner ersten Woche war das Thema Nummer eins immer noch der Krieg in Bosnien. Die Serben hatten gerade mit den ethnischen Säuberungen begonnen und Internierungslager eingerichtet. Und unser Aufmacher sollte ein Bild eines solchen Lagers sein. Das Ausgangsmaterial befand sich auf einer MAZ, von der Standbilder genutzt wurden, die dann im Computer (liebevoll HAL genannt) auf mehreren Ebenen miteinander verwoben wurden. Ähnlich, wie es bei Photoshop heute gemacht wird, nur daß es damals im Photoshop noch keine Ebenenfunktion gab, das kam erst später.

Ich bastelte also diese Kachel und bemühte mich um eine realistische und trotzdem würdevolle Darstellung. Nach einer Weile kam der Bildredakteur dazu und meinte „Nee, so geht das nicht. Haben wir kein besseres Material?“ Ich sah ihn fragend an. „Die sehen mir noch nicht verhungert genug aus. Da ist kein Drama drin.“ Er lachte über meinen schockierten Blick. „Mädel, wir wollen hier kein Kunstwerk fürs Museum schaffen, wir wollen die Leute an den Bildschirm fesseln, daß sie die Finger von der Fernbedienung lassen! Wir brauchen Augenfutter!“ Er wühlte in einem Schrank mit MAZen und nudelte eine im Schnelldurchlauf durch, fror ein, zwei Bilder ein und speicherte sie ab. „Hier, ist zwar die falsche Gegend, aber Elend ist Elend. Nimm die drei Skelette aus diesem Bild und kopiere sie bei dem da in den Hintergrund. Mach’s etwas dunkler, dann sieht keiner, daß das Asiaten sind. Ruf mich, wenn du fertig bist.“ Meinen Einwand, daß das wohl wenig mit Nachrichten zu tun habe, wischte er vom Tisch. „Nachrichten sind das, was du draus machst.“

Ich tat, wie mir geheißen. Die Kachel wurde gut, wie er es wollte. Ich sah mir die Sendung abends nicht an. Ich habe noch ein Jahr bei dem Sender gearbeitet und viele Nachrichten „passend bebildert“, bevor mich der Burnout erwischte und ich mich schließlich beruflich neu orientierte. Es war das Annus Horribilis der Queen. Ich wette, Windsor Castle hat live nicht so geil gebrannt wie es auf meiner Kachel aussah. Der rassistisch motivierte Anschlag in Solingen sah auf keinem Sender besser und schockierender aus als bei uns. Die durch die Straßen von Mogadishu geschleiften Leichen der U.S. Army Rangers kamen bei uns besonders toll zur Geltung. Ich kann heute noch nicht Black Hawk Down sehen ohne im Geiste die besten Standbilder aus Ridley Scotts Film herauszusuchen.

Ich fühle mich nicht mehr informiert wenn ich Nachrichten gesehen habe – egal auf welchem Kanal. Nur beschmutzt und angewidert. Ich habe genaugenommen nie wieder eine Nachrichtensendung gesehen seitdem, nur noch Elendspornos, produziert mit Material von Dealern wie diesen und gekauft und gesendet von jenen. Bei den Printerzeugnissen sieht es nicht sehr viel anders aus, Manipulation wohin das Auge blickt. Und Online natürlich ebenfalls, da mache ich mir keine Illusionen.

Wollen wir diesen angeblich so notwendigen Torwächtern wirklich die Informationshoheit überlassen? Ich bin froh und glücklich darüber, daß wir alle jetzt irgendwie von der Presse sind und für lau oder ganz kleines Geld veröffentlichen können. Und daß es nun mehr Versionen von der Wahrheit gibt, als uns die etablierten Medien zugestehen wollen. Und ja, es gibt wahrscheinlich mehr Spinner im Netz und mehr Lügen im Netz als im Print oder TV, aber das ist eine Frage der Mathematik: Es gibt ein paar tausend Fernsehsender auf der Welt und ein paar -zigtausend Zeitungen, jedenfalls heute noch. Aber es gibt Millionen von Websites und hunderttausende von Blogs. Klar, daß da auch eine Menge Müll bei ist, das wundert doch wirklich niemanden. Und klar, daß dieser Müll das Netz verstopft und es für Journalisten und Normalsterbliche immer mühsamer wird, sauber zu recherchieren. Mit „mal eben Google anwerfen“ ist es nicht getan. Recherchieren, Quellen bewerten, vergleichen und idealerweise verifzieren… all das, was mein naives Herz so an den beiden Watergate-Reportern Woodward und Bernstein, ihrem genialen Chefredakteur Ben Bradlee und seiner mutigen Verlegerin Katherine Graham bewundert hat und als Maßstab für journalistische Sorgfalt und Ethik gelten sollte, das gibt es heute offenbar nicht mehr. Klar, wie auch, es gibt auch keine Bradlees und Grahams mehr.

Doch das Schöne an diesem „Online“ ist, daß es Watchblogs und aufmerksame Leser gibt, die sich nun Gehör verschaffen können. Dank der Echtzeitkommunikation bleibt keine fette Lügenstory sehr lange unwiderlegt. Ein schwacher Trost, aber auch ein zartes Pflänzchen, dieses Stück Unabhängigkeit, das ja auch prompt von den Print- und TV-Machern unter Dauerbeschuß geraten ist.

Strategiespiele

  • Veröffentlicht am 13th November 2009,
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Captain Jack brütet über seinen Mathehausaufgaben, kaut auf seinem Tintenkiller herum und überlegt, wie man aus einem Blatt DIN A 4 Papier wohl einen dreidimensionalen Kegel basteln könnte. Ich sitze daneben, trinke ein Tässchen Tee und lasse beiläufig fallen, daß ich mir vom Weihnachtsmann eine PS3 wünsche. Er läßt erschrocken den Tintenkiller fallen.

„Aber eine Wii ist viel cooler! Da gibt’s die besten Spiele für! Die Spiele für die Playstation sind blöd!“

„Was hast du denn schon auf der Playstation gespielt?“ frage ich, aufrichtig interessiert. Seine Eltern und ich haben ein waches Auge über seinen Nintendo DSi und welche Spiele er sich von seinem Taschengeld kauft oder mit seinen Freunden tauscht. Noch sind das harmlose Super Mario, Pokémon, Harry Potter, Mini Ninjas oder Lego Star Wars. Aber natürlich wissen wir alle, daß manche seiner Freunde hauptsächlich deshalb neuerdings zu seinen besten Freunden zählen weil sie eine Konsole zuhause haben. Und weiß der Geier, welche Spiele ihnen dort noch so zur Verfügung stehen. Captain Jack kommt, wie alle seine Klassenkameraden, aus einem sehr behüteten Elternhaus und geht auf eine dieser Hamburger Grundschulen, die die Gegner der Schulreform meist verächtlich als „Zuckerzangenpinklerschule“ bezeichnen. Aber auch dort gilt: Jungs sind und bleiben Jungs, und je verbotener die Frucht, desto süßer ihr Duft.

Er druckst herum, das Thema ist ihm sichtlich unangenem. „Äh, weiß nicht mehr, aber es war nicht so toll wie die Wii. Es gibt Laserschwerter für die Wii!“

„Aha.“ Ich wende den alten Psychiatertrick an und schweige erwartungsvoll.

„Ja, also, und so andere Spiele, aber ich hab‘ vergessen wie die heißen. Waren aber nicht so toll wie die Wii. Für die Wii gibt es die Rayman Raving Rabbits und Lego Star Wars!“ Er killert hingebungsvoll und hochkonzentriert die Tinte von seinen Fingerspitzen. Ich beschließe, das Verhör auf ein andermal zu verschieben und weise behutsam daraufhin, daß ich mir nicht so wirklich viel aus Arcade Games mache und manchmal auch erwachsenere Spiele ganz spannend fände, Adventures zum Beispiel. Er nickt aufgeregt:

„Ja, das verstehe ich, aber es gibt auch erwachsene Spiele für Nintendo!“

„Welche denn?“ frage ich neugierig.

„Ãäh, weiß nicht so genau, ich glaube, Kochrezepte oder so. Du kochst doch gern!“

Ich verbeiße mir mühsam das Lachen. „Ja, das Abenteuer Kochen ist zwar manchmal ganz spannend, aber ich dachte da mehr an Flugzeugsimulationen und Autorennen. Gran Turismo sieht sehr vielversprechend aus.“

„GTA? Boah, das ist aber ganz schön hart, oder? Also, Freddie hat das und…“ er beißt sich auf die Zunge.

„Nein, nicht GTA“, erwidere ich. „Das mag ich nicht. Ich meinte Gran Turismo, ein reines Autorennspiel. Das kommt aber erst nächstes Jahr heraus.“

„Ah ja. Das kann man mit einem Lenkrad spielen, aber das gibt’s auch für die Wii, glaube ich“ lenkt er die Unterhaltung in Beckenrandnähe. „Aber weißt du was? Du kannst dir die PS3 nicht vom Weihnachtsmann wünschen!“

„Warum nicht?“ frage ich erstaunt.

„Na, der Weihnachtsmann macht keine Geschenke, die teurer sind als 100 Euro!“

„Oh.“

Er mißdeutet mein verdattertes Gesicht und legt mir den Arm um die Schulter. „Weißt du, du könntest ja auf den Wunschzettel dazuschreiben, daß ich auch damit spielen würde.“

„Und Dein Bruder auch. Der liebt Autos. Was für eine gute Idee!“ strahle ich ihn an. Er nickt. Dann fällt ihm noch etwas ein. „Also, die Spiele dazu… die würde ich nicht auch noch aufschreiben. Das könnte ein wenig gierig aussehen, weißt du. Kannst du die dir nicht selber kaufen?“ Er sieht mich prüfend an.

„Gute Idee. Das hatte ich gar nicht bedacht.“

„Und bis Weihnachten kannst du ja meinen Nintendo mitbenutzen“ bietet er großzügig an.

„OK, danke. Und du kannst ja nachher noch etwas PacMan auf meinem iPhone spielen.“

„Echt? Danke!“

„Klar. Aber jetzt mal zurück zu Mathe.“

Er seufzt theatralisch und beugt sich über sein Heft. Ich gieße mir noch eine Tasse Tee ein und formuliere in Gedanken meinen Wunschzettel. Captain Jack wäre wohl erstaunt wenn er wüßte, was draufsteht.

Wo warst Du am 9. November 1989?

  • Veröffentlicht am 9th November 2009,
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Cem und viele andere schreiben gerade ihre Memoiren, oder zumindest das auf, was sie von ihrem Tagesablauf am 9. November 1989 noch erinnern.

Ich kann das nicht so genau beantworten, wo ich damals war und was ich gerade gemacht habe. Ich erinnere mich eher an den 30. September 1989. Da war ich gerade auf Sylt, hatte Herbstferien und arbeitet wie im Fieberwahn an meiner Semesterabschlußarbeit. Ich studierte damals im 4. Semester Grafikdesign und frickelte mit Letracopy, Typometer, Skalpell, Ziehfeder und Deckweiß (simulierte Blindprägung) auf Reinzeichenkarton 4G einen Hochglanzprospekt für ein Kosmetikunternehmen zusammen. Im Hintergrund lief irgendwas im TV und ich fluchte über das trübe Licht der Eßzimmertischlampe unserer gemietete Wohnung, daß mein Doppeltesaklebeband alle war und darüber, daß der Rest der Familie langsam essen wollte und ich ergo „endlich den Wohnzimmertisch freischaufeln“ sollte.

Als Genscher gegen 19 Uhr auf den Balkon der Prager Botschaft trat, war meine Laune entsprechend auf dem Nullpunkt. Als zu mir durchdrang was sich da gerade ereignete, war ich ziemlich sprachlos. Der Rest der Familie auch, das Abendessen verlief irgendwie sehr schweigsam. Jeder dachte nur „das gibt’s doch nicht.“ Es gab Schnittchen, dazu Cornichons und Weintrauben. Die Tage bis zum 9. November (und auch die danach) verbrachten wir ziemlich durchgehend vor dem Fernseher, haben uns riesig gefreut und endlose Nächte debattiert, das ist alles ein einziger Bilderrausch, den ich nicht mehr auseinanderhalten kann. Ich kannte West-Berlin, „New York, Rio, Tokyo“ und fand mit verbundenen Augen Maui, Hawaii auf dem Globus. Leipzig, Dresden, Magdeburg waren für mich weiter weg als der Fra Mauro Krater. Ossis waren Aliens, was mich betraf.

Den Dummy des Prospekts habe ich noch, als eines der ganz wenigen handverlesenen Überbleibsel meiner fürs Studium angefertigten Werke. Inzwischen war ich in Leipzig, Schwerin und Meck-Pom. Ich habe in den letzten zwanzig Jahren mit Kollegen aus allen Bundesländern zusammengearbeitet. Von manchen erfuhr ich erst nach Monaten, daß sie „von drüben“ sind. War aber irgendwie auch egal.

Das sind ganz normale Leute da.

Welche Spielkonsole ist für mich die beste?

  • Veröffentlicht am 6th November 2009,
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Das ist eine Frage, die wahrscheinlich ungefähr so sinnvoll anmutet wie „welches Auto ist das beste?“. Trotzdem stelle ich sie mir in regelmäßigen Abständen. Und langsam muß ich mich wirklich mal ernsthaft mit der Materie auseinandersetzen, denn Captain Jack (9) daddelt nicht nur wie blöde auf seinem Nintendo DSi herum (hauptsächlich Harry Potter, Super Mario und Star Wars Spiele) sondern wünscht sich außerdem eine Wii.

Sollte ich mir deshalb ebenfalls eine Wii kaufen? Ich für meinen Teil möchte gern „Tiger Woods PGA Tour“ spielen. Das gibt’s aber für alle drei Systeme, XBox, PS3 und Wii, also wäre das wahrscheinlich egal. Die Rayman Rabbits finde ich ja ganz lustig, aber vermutlich würden mich die Viecher sehr schnell zu Tode nerven. Ich war nie so der Arcade-Spieler, außer zu PacMan- und SpaceInvaders-Zeiten auf der Atari 2600, oder dem handheld Donkey Kong Klappspiel, ca. 1984. Aber damals gab’s ja auch nicht viel anderes („wir hatten ja nichts“). Auf dem Mac bin ich dann Anfang und Mitte der 90er leidenschaftlich F/A-18 Hornet und  Hellcats over the Pacific geflogen, komplett mit Thrustmaster Ausrüstung. MYST ist für mich eines der genialsten Spiele, die ich je gespielt habe. Das erste Prince of Persia auf dem Mac (so ca. 1993) habe ich heiß geliebt (und kann kaum glauben, daß das jetzige gleichnamige Spiel noch etwas mit diesem niedlichen 8-Bit Prinzen von damals zu tun haben soll…). Ego-Shooter und Alienmassaker interessieren mich genauso wenig wie Torture Porn á la Saw oder Hostel, so’n Dreck kommt mir nicht ins Haus. Ein gutes Adventure wäre schön, aber eines mit wirklich guter Grafik und einer Storyline, bei der man nicht live dabei zusehen kann wie der eigene IQ ins Bodenlose fällt. An Online Multiplayer-Games habe ich kein Interesse. Und beim Anblick der Sims falle ich ihn einen Gähnkrampf. Das nur so zur Info.

Ich habe gehört, die Wii soll in der Steuerung den meisten Spaß bieten, aber die schlechteste Grafik der drei Konsolen zeigen und auch in der Spieleauswahl eher auf Arcadespaß beschränkt sein. Stimmt das? Für die XBox kann ich mich nicht so recht erwärmen, da sie – nach allem, was ich bislang gelesen und vernommen habe – zwar die wohl beste Grafik haben, aber hauptsächlich ihre Stärken in Online-Multiplayer-Games ausspielen soll. Stimmt das? Außerdem kann ich M$ nicht ausstehen und das Teil soll sehr anfällig für Systemabstürze der teuren Art sein. Die PS3 ist wohl (trotz des gestrigen Aldi-Angebots) die teuerste Variante, hat aber einen Blu-Ray-Player, der für einen Filmfreak wie mich natürlich sehr interessant ist. Allerdings bräuchte ich wohl einen HD-fähigen Fernseher oder einen entsprechenden Beamer, um das Teil jetzt genießen zu können. Und die habe ich nicht im Budget. Bis das mal anliegt, gibt es also vermutlich bessere Blu-Ray Player, so daß dieser Vorteil auch nicht so recht zieht.

Ich bin also weiterhin ratlos und fasse sehr subjektiv mal zusammen:

Für mich interessante Spiele:

  • Tiger Woods PGA Tour (für alle drei Plattformen erhältlich)
  • Lego Star Wars – die komplette Saga (für alle drei Plattformen erhältlich) – das würde ich mir natürlich nur wegen Captain Jack anschaffen. Ich selbst finde Star Wars etwa so interessant wie Farbe beim Trocknen zuzusehen
  • eine gute Autorennensimulation
  • eine gute Kampfflugsimulation
  • ein spannendes Adventure mit schöner Grafik und intelligenter Storyline

Vorteile Nintendo Wii:

  • Captain Jack wird auch bald eine haben – ich bleibe auf dem Laufenden, was er so spielt und wir können gemeinsam spielen und ggf. Spiele austauschen
  • Spielspaß durch den Bewegungsfaktor

Nachteile Wii:

  • die Grafik soll etwas schwachbrüstig sein
  • die meisten bislang erhältlichen Spiele kommen aus der Arcade- bzw. Kiddie-Ecke

Vorteile Sony PlayStation 3:

  • gute Grafik
  • Blu-Ray-Player integriert
  • große Auswahl an Spielen jeden Genres
  • Captain Jack hat keine, zusammen haben wir bei gemeinsamem Spiel also eine größere Auswahl

Nachteile PS3:

  • hoher Preis
  • Blu-Ray kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht nutzen

Vorteile Microsoft XBox 360:

  • gute (beste?) Grafik
  • große Auswahl an Spielen jeden Genres
  • Captain Jack hat keine, zusammen haben wir bei gemeinsamem Spiel also eine größere Auswahl

Nachteile XBox 360:

  • störungsanfällig („Ring of Death“)
  • Micro$oft

Die XBox 360 ist danach also eigentlich bereits rausgefallen – es sei denn, hier kommen ein paar überzeugende Argumente für diese Plattform. Und jetzt brauche ich Eure Hilfe: Welche Argumente, pro oder contra welches der drei Systeme auch immer, könnt Ihr mir hier noch nennen? Und welche Spiele könnt Ihr mir (unter den genannten Voraussetzungen) empfehlen?

„Was nix kost‘ is‘ auch nix wert.“

  • Veröffentlicht am 6th November 2009,
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Was kost‘ aber manchmal auch nicht: DWDL schreibt, der Axel Springer Verlag plane, sein mobiles Angebot der Seiten Bild.de und Welt.de für iPhone User kostenpflichtig zu machen. Vorerst nur für die und nicht auch für Blackberry, Googlephone etc. User, weil es für die noch keine entsprechenden Apps gibt, bzw. die erst noch entwickelt werden müssen. Außerdem: „Die Zahlungsbereitschaft ist gerade bei Mobilfunkkunden, insbesondere bei Besitzern des iPhones groß“, wie ein Sprecher des Konzerns erklärte. Lies: iPhone User sind reicher als Onkel Dagobert und dabei dümmer als die Panzerknacker. Nunja, da mag im Einzelfall durchaus etwas dran sein, aber ob es dann sinnvoll erscheint, sie mit diesem Angebot komplett in die Verblödung zu treiben?

Der mit Abstand lustigste Spruch ist jedoch folgender: „Nachdem sich über die Jahre im stationären Internet eine Kostenloskultur durchgesetzt hat, will der Axel Springer Verlag wenigstens bei den mobilen Angeboten so früh wie möglich eine Finanzierung über Bezahlinhalte etablieren.“ So früh wie möglich wäre wohl so ca. 2005/2006 gewesen, als man die ersten WAP-Portale halbwegs stabil auf den Markt brachte. Ich erinnere mich noch an einen stolzen AS-Vortragenden auf einem dieser vielen WebZwoNull-Kongresse, der vor Begeisterung fast in Ohnmacht fiel als er die mobile Seite des (ebenfalls um Springer-Konzern gehörenden) Hamburger Abendblatts vorstellte. Ich gebe zu, ich war beeindruckt – das lief alles ruckelfrei und mit sehr guter Geschwindigkeit auf meinem damaligen SE K750i. Aber „auf den Inhalt kommt es an“, wie schon die Sprengel-Schokoladen-Werbung meiner Kindheit wußte, und die mobilen Inhalte waren nicht weniger belanglos als die der Printversion dieses Blattes, bei dem mir jedes Mal die Schamesröte ins Gesicht steigt, daß dies tatsächlich die repräsentative Tageszeitung der Medien- und meiner Heimatstadt Hamburg sein soll. Schon damals hätte ich keinen Cent für das Angebot bezahlt, es tat weh genug, daß meine Handyrechnung am Ende des Monats dank des kurzen Tests auf dem Konkgreß explodiert war und ich für den dreiminütigen Abruf der mobilen Inhalte meinem Provider derart zur Kasse gebeten wurde, daß es ihm ein Quartalsplus in zweistelligen Prozentzahlen bescherte.

Man überlegt bei Springer auch, das Internetangebot mittelfristig auf Bezahlinhalte umzustellen, zumindest teilweise – man kann sich vorstellen, diejenigen Inhalte, die auch andernorts zu finden sind wie etwa Agenturmitteilungen, auch weiterhin kostenlos zu zeigen. Na, dann besteht ja keine unmittelbare Gefahr, daß die Schotten dicht gemacht werden. Denn meiner Meinung nach bestehen sowieso sämtliche Online-Portale aller Printmedien zumindest gefühlt aus 95% Agenturmeldungen.

Ob der Plan im Hause AS aufgeht, wird die Zeit zeigen. In meinem Haus (9 Parteien im gutbürgerlichen Stadtteil Hamburg-Winterhude) hält sich niemand mehr eine Tageszeitung. Einer hat die ZEIT abonniert, zwei den Spiegel und zwei weitere lesen regelmäßig Brand Eins. Dafür zeigt mir mein Rechner aktuell 12 WLAN-Namen aus der unmittelbaren Nachbarschaft an. Es wird sicher eine paar User geben, die für den „Qualitätsjournalismus“ auf welt.de und bild.de gerne Geld ausgeben wollen. Ob es genügend sein werden?

Serviceoase Deutschland

  • Veröffentlicht am 4th November 2009,
  • veröffentlicht von

OK, wer war das? Wer von Euch hat die Nadeln in mein Voodoopüppchen gesteckt? – Meine Nespressomaschine funktioniert nicht mehr. Sie blinkt nur noch traurig vor sich hin. Da, in Abwandlung eines schönen Loriot-Zitats, „ein Leben ohne Kaffee möglich aber sinnlos“ erscheint und das Teil gerade mal sechs Monate alt ist, suche ich also die Hotline an und rüste mich geistig für das Schlimmste. Erste freudige überraschung: die Hotline ist gebührenfrei. Zweite freudige überraschung: Der Mitarbeiter ist freundlich, kompetent und schlägt mir vor, das Teil mal eine Stunde vom Netz zu nehmen und es dann noch einmal zu versuchen. „Sollte es dann immer noch nicht funktionieren, müssen wir wohl eine Reparatur durchführen. Rufen Sie dann einfach noch einmal an und fragen nach mir,“ – er nennt mir seinen Namen – „damit Sie den ganzen Vorgang dann nicht noch einmal von vorn erzählen müssen.“ Ich bin baff.

Es kommt wie befürchtet, auch nach einer stromlosen Stunde tut’s das Teil immer noch nicht. Ich rufe an und frage nach meinem freundlichen Servicemitarbeiter, werde umgehend freundlich verbunden und er erklärt mir das weitere Procedere: „Unser Mitarbeiter ruft Sie heute noch an und macht einen Abholtermin mit Ihnen aus. Selbstverständlich stellen wir Ihnen kostenlos für die Dauer der Reparaturzeit, ca 7 Werktage,  ein Ersatzgerät, denn Sie können ja nicht so lange ohne Kaffee bleiben, oder? Das läuft alles auf Garantie, es fallen keine Kosten für Sie an.“ Ich bin sprachlos.

Tatsächlich klingelt zehn Minuten später das Telefon und ein freundlicher Nespresso-Mitarbeiter ist dran. „Wann passt es Ihnen denn? Morgen Vormittag, so zwischen 9 und 11 Uhr?“ Ich sage zu und rechne eigentlich nicht wirklich damit, daß das alles so klappt. Man kennt das ja von Handwerkern, Stromablesern, DSL-Installateuren und den anderen üblichen Verdächtigen. Wann hätten die schon mal die vereinbarte Zeit eingehalten?

Heute früh gegen 10 Uhr klingelt es und der Servicemitarbeiter schnauft mit einem Ersatzgerät unter dem Arm die Treppe hinauf. Er packt meinen Würfel ein, wünscht mir einen schönen Tag und geht wieder. Das Ganze hat keine 2 Minuten gedauert. Ich drücke vorsichtig aufs Knöpfchen des brandneuen Ersatzgeräts – es funktioniert. Ich inhaliere einen doppelten Espresso und kichere vor mich hin.

Irre.

November

  • Veröffentlicht am 1st November 2009,
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