Braunschweig will ungeflasht bleiben

  • Veröffentlicht am 26th Juli 2009,
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Es gibt malerische Kleinstädte in den USA, da darf man auf offener Straße kein Eis essen, weil man ja kleckern und das Pflaster und somit das Gesamtbild besudeln könnte. In Singapur ist angeblich Kaugummi kauen verboten und wer einen solchen ausspuckt, darf mit empfindlicher Geldstrafe rechnen (ich glaub‘ die Todesstrafe droht noch nicht dafür, aber ich will’s nicht beschwören).

In Braunschweig will das Ordnungsamt nun ein Picknick auf dem Schloßplatz verbieten, zu dem jemand über StudiVZ aufgerufen hat:

  • Jegliche öffentliche Flashmobs in Braunschweig sind illegal und werden notfalls mit einer Allgemeinverfügung verboten und polizeilich aufgelöst.
  • Der öffentliche Raum in Braunschweig dient ausschließlich dem Verkehr, also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu Geschäft b oder von Geschäft a zu Geschäft b.

Aha. Unter „öffentlicher Raum“ verstehe ich als steuerzahlender Bürger, daß ich diesen selbstverständlich jederzeit und zu jedem Zweck nutzen kann, wie es mir beliebt – solange ich nichts zerstöre und niemanden schädige oder gefährde. Ob ich auf dem Rathausmarkt einen Apfel essen möchte oder in Planten und Blomen mit Freunden um die Wette Purzelbäume schlagen will, das sollte das Ordnungsamt nichts angehen, oder? Die Braunschweiger Definition des öffentlichen Raums und seiner planmäßigen Nutzung läßt erinnert mich stark an Worte wie „Ausgangsverbot“ und „Sperrstunde“ denken und weckst üble Assoziationen an Diktaturen in Bananenrepubliken sowie an V for Vendetta (und das sind bei dem Mistfilm wahrlich üble Assoziationen…). Aber das sieht das Ordnungsamt Braunschweig ganz anders – die Begründung für das Verbot klingt jedenfalls abenteuerlich in meinen Ohren:

Öffentliches Eigentum ist durch das Picknick gefährdet. Auf meine Frage, was denn gefährdet sei, antwortete mir Herr Heidelberg vom Fachbereich Öffentliche Sicherheit, dass das Sandsteinpflaster vorm Schloss teuer sei. Die Frage, inwiefern dieses Pflaster, über das tagtäglich Tausende von Frauen in High-Heels stolzieren, durch samtene Decke von Picknickern gefährdet sei, wurde mir leider nicht beantwortet.

Das Picknick könnte ähnlich wie eine Flashmob-Party auf Sylt ausarten und statt der erwarteten max. 100 Picknicker kommen mehr als 5 000 Personen, die kein friedliches nachmittägliches Flashmob-Picknick veranstalten, sondern eine wüste Orgie wie im Film „Das Parfüm“.

Auch die Anmeldung einer Demonstration ähnlich wie bei der Love Parade wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am 8.8. keine Aussicht auf Erfolg haben, weil eine Demonstration mit Picknick (schriftliches Zitat Paschen) „eine nicht genehmigungsfähige Sondernutzung“ darstellt.

Wahrscheinlich hat man sich hier durch das vom Organisatoren unachtsam benutzte Wörtchen <em>Flashmob</em> zu dieser Verbotsorgie hinreißen lassen. Ein Flashmob ist eine einmalige Momentaufnahme, völlig spontan und meist nach wenigen Minuten vorbei. Ein Beispiel für einen gelungenen Flashmob ist z.B. dieser hier:

ARVE Fehler: id und provider shortcode Attribute müssen für die alten Shortcodes gesetzt sein. Es ist empfehlenswert auf den neuen [arve] Shortcodes zu wechseln der nur die URL braucht.

Dieses Braunschweiger Schloßplatz-Picknick ist ungefähr so spontan wie Ebbe und Flut, es sollte dieses Jahr zum dritten Mal am selben Ort stattfinden. Insofern bleibt es das Geheimnis des Organisatoren, was daran „Flashmob“ sein soll, aber hey, wir wollen nicht kleinlich sein. Auch wenn man angedenk der rund 5.000 Chaoten, die letztens auf Sylt bei einer spontanen Party einen Haufen Müll und Ärger hinterlassen hatten, die Sorgen der Behörden für berechtigt ansehen kann.

Reif für die Insel

  • Veröffentlicht am 26th Juli 2009,
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Ich lass‘ mir mal ein paar Tage frische Salzluft um die Nase wehen. Bleibt artig und  macht nix kaputt, dann bring‘ ich Euch vielleicht eine Muschel mit.

Katzen(hasser)content

  • Veröffentlicht am 25th Juli 2009,
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ARVE Fehler: id und provider shortcode Attribute müssen für die alten Shortcodes gesetzt sein. Es ist empfehlenswert auf den neuen [arve] Shortcodes zu wechseln der nur die URL braucht.

Zitat des Tages

  • Veröffentlicht am 21st Juli 2009,
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PR funktioniert einfach nicht. Funktioniert nicht, hat nie funktioniert, wird nie funktionieren. PR ist der komische Typ, den keiner kennt und der uneingeladen auf eine Party kommt. Es ist der peinliche Onkel des Gastgebers, der unverhofft in eine bis dato lebhafte Studentenparty hereinplatzt und mit Bier in der Hand „Party!“ ruft, worauf diese schlagartig zu Ende ist.

Details zum Vodafail gibt es hier.

Quite how sneakers did this…

  • Veröffentlicht am 16th Juli 2009,
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Quite how sneakers did this just by being left on the floor overnight was a question that could not be answered – it was one of those things, like nuns and bad weather, that life threw at you periodically – but it took endless reserves of patience and scientific judgement to get them right, for no matter how painstakingly you shunted the laces around the holes, they always came out at unequal lenghts.

Bill Bryson, The Life And Times of The Thunderbolt Kid

Dieses Stöckchen ging vor ein paar Jahren schon einmal herum, ich finde meinen damaligen Eintrag gerade nicht; wahrscheinlich gehört er zu den vielen beim letzten Datenbankabsturz verlorengegangenen Blogeinträgen.
Die Regeln sind folgende: Greife Dir das nächstgelegene Buch, schlage S. 56 auf und zitiere den 5. Satz auf der Seite. Nimm nicht Dein Lieblingsbuch, sondern wirklich das, das Dir als erstes in die Hände fällt.

(Via Erik diesmal.)

Viel Rauch um Nichts

  • Veröffentlicht am 9th Juli 2009,
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Es gibt mal wieder eine Werbekampagne, bei der Blogger mit im Boot sitzen, und die Reaktion der Blogosphäre lautet vorhersehbar „Die haben sich kaufen lassen!“ – wahlweise mit Empörung ausgerufen oder mit Anerkennung geknurrt.

Das neue an dieser Kampagne ist, daß die Blogger, anders als bei der damaligen Opel-Nummer, nicht als Testimonials für eine kleine Nische oder als Experiment ausschließlich im Netz stattfinden, sondern auf Plakaten, im TV-Spot der breitest möglichen Öffentlichkeit die für diese Kampagne eigens kreierte „Generation Upload“ vorstellen sollen. OK, ich gehöre schon zur Generation Baby Boomers (allerdings zu deren alerletzten Ausläufern), zur Generation X, zur Generation Golf, zur Generation C 64, warum nicht auch noch zur Generation Upload. Wenn’s denn schön macht… „Schad‘ ja nix, aber was soll’s?“ wie mein alter Dozent zu sagen pflegte.

Sascha Lobo ist der breiten Zielgruppe, die hier ja mit einer Massenkampagne angesprochen werden soll, trotz seines in jüngster Zeit vermehrten Einsatzes in Talkshows und Illustrierten sehr wahrscheinlich kein Begriff. Sein Einsatz als Testimonial erinnert mich irgendwie an eine Philipp Morris Aktion mit Ossi Urchs als Zukunftsminister, vor gefühlten drölf Jahrzehnten; im Gedächtnis zurück bleibt (bei beiden, Urchs und Lobo) am Ende ein vages „das ist doch dieser Freak mit den komischen Haaren, der was mit Internet macht oder so“. Was „dieser Freak“ mit meiner Auswahl eines Mobilfunkbetreibers zu tun haben soll, wissen der Mobilfunkbetreiber und dessen Werbeagentur allein.

Aber wer sucht sich seinen Mobilfunkanbieter schon über die Werbung aus? Beim Verbraucher zählt doch einzig und allein der Preis, genau wie beim Anbieter. Ausnahme ist das iPhone, dank dessen sex appeal wechselt manch einer (so wie ich) schon mal zum rosa Riesen, einfach, deshalb weil er das Teil unbedingt haben will und keinen Bock auf den Streß mit jailbreaking etc. hat. Nicht einmal das Googlephone hat die Leute in Scharen zum Anbieterwechsel verführen können.

Testimonials in der Werbung haben meist einen sehr schalen Nachgeschmack für den Kunden und den eingesetzten Promi. Ein Teil der Verbraucher kennt den Promi nicht, der nächste Teil kennt den Promi aber mag ihn nicht, weitere Teile mögen ihn aber das Produkt nicht und der Rest kriegt die Kampagne nicht mit oder trifft seine Kaufentscheidungen nicht nach der Werbung. Wenn’s ganz hart kommt, muß man sich dann als fast 70jähriger noch die mit 20 begangenen Jugendsünden
um die Ohren hauen lassen, wie Kaiser Franz Beckenbauer seinen Auftritt für Maggi… oder war es Knorr? Das ist nämlich auch so ein Problem, das allerdings nicht nur Testimonial-Spots betrifft: Viel zu häufig gibt es keine erkennbare Korrelation zwischen dem Produkt und dem Werbespot, so daß man sich vielleicht noch an „diesen witzigen Spot“ erinnert, aber nicht mehr daran, wofür geworben wurde. Wer sich mal eine x-beliebige Cannes-Rolle angeschaut hat, weiß, was ich meine.

Ausgerechnet Sascha Lobo, den bekennenden iPhone-Nutzer und Taxifahrer, als einen irgendein-Multimedia-Handy-Benutzer in einen Bus zu setzen zeugt davon, daß man sich wenig mit ihm befasst hat, bzw. mit dem Image, das Lobo selbst geschaffen hat und transportiert. Nicht nur deshalb ist dies keine „Webzwonull“-Kampagne, sondern ganz klassische Werbung, bei der die transportierte Botschaft wenig mit der Realität oder dem Produkt zu tun hat.

Aber daß David Bowies wunderschöner Song Heroes als akustisches Testimonial herhalten muss darf, das stört mich dann doch sehr. Die Generation Upload besteht also aus „Helden für einen Tag“? Warum? Weil sie sich heldenhaft mit gebrandeten Geräten auseinandersetzen, obwohl es bei anderen Providern Geräte ohne solche idiotischen Einschränkungen gibt? Weil sie trotz des Wissens um die Zensurmaßnahmen ihres Providers über dessen Netz persönliche Informationen preisgeben? Wäre Fame da nicht passender gewesen?

Cui bono? Am Ende bleibt für den Kunden im nie vergessenden Gedächtnis des Internets, dem Google Cache, ein Haufen unerfreulicher Suchergebnisse zurück. Die Agentur hat sich in diesen schweren Zeiten ausgezeichnet ins Gespräch gebracht und einen schönen Etat sowie ordentlich viel PR in der Fachpresse bekommen. Sascha Lobo (und die anderen Blogger) bleiben unbeschadet, da ihre Fans ihnen so oder so anerkennend auf die Schultern hauen und ihre Gegner sie so oder so runterputzen, komme was da wolle. Und die Verbraucher vergleichen nach wie vor die Tarife und AGBs, um den günstigsten und fairsten Anbieter zu wählen.

Viel Rauch um Nichts. Bzw. Ashes To Ashes.

Warum mit HVV fahren, wenn man mit LSD fliegen kann?

  • Veröffentlicht am 7th Juli 2009,
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Das hier ist kein abstraktes Gemälde sondern ein Foto der Sitzbezüge in einem Bus der Linie 22 des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV).

„Na und? Beschmierte Sitzbezüge im öffentlichen Personennahverkehr, erzähl‘ uns was Neues“ höre ich Euch gähnen.

Das Neue ist: Diese Sitzbezüge wurden nicht von früh bis spät pubertierenden Graffito“künstlern“ beschmiert sondern sind brandneu und mit diesem, äh, „Design“ bedruckt. Das soll ganz offensichtlich so aussehen, als wäre da schon ein Rudel Schwachmaten mit ihren Eddings drüber hergefallen und hätte die Polster mit ihren Tags verunziert. Der Bus begibt sich sozusagen mit diesen Sitzen schon auf die Jungfernfahrt.

Der Erfolg den ich beobachten konnte war, daß sich die meisten Leute beim Betreten des Busses sehr mißtrauisch die Sitze ansahen, angewidert die Köpfe schüttelten und zwei ältere Herrschaften mit nachlassender Sehkraft sich weigerten, sich mit ihrem Sonntagsstaat auf den „besudelten“ Sitzen niederzulassen.

Aber vielleicht ist das ja Sinn und Zweck der Sache, wer weiß? Nicht benutzte Sitze halten schließlich länger!

R.I.P. Robert McNamara (1916-2009)

  • Veröffentlicht am 7th Juli 2009,
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Wir, die Mitglieder der Regierungen Kennedy und Johnson, die an den Entscheidungen über Vietnam teilhatten, handelten entsprechend dem, was wir für die Prinzipien und Traditionen unseres Landes hielten. Wir trafen unsere Entscheidungen  anhand dieser Wertvorstellungen. Aber wir haben uns geirrt, schrecklich geirrt. Und wir sind künftigen Generationen eine Erklärung schuldig, warum das so war.

Quelle: Robert McNamara, „Vietnam, Das Trauma einer Weltmacht“, Goldmann Verlag, München