Grün ist die Heide

  • Veröffentlicht am 16th November 2008,
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Wenn man seinen Ball ins Wasserhindernis schlägt, verfährt man nach einer der bekannten Regeln, trauert ggf. seinem Ball hinterher (sofern man ihn nicht wieder rausangeln konnte) und spielt mehr oder weniger gelassen weiter. Unser Platz verfügt zwar nicht über Wasser, aber dafür aber über eine ganze Menge schottischer Heide, was den Spielfluss mitunter – besonders im Sommer, wenn sie blüht – sehr entschleunigen kann. Zunächst einmal muß man den Ball nämlich wiederfinden, was sich gar nicht so einfach gestaltet. 5 Minuten sind hier eine Nanosekunde. Und dann folgt im Erfolgsfall der spaßige Teil: man muß den Ball wieder herausschlagen. Das ist etwa so leicht durchführbar, wie einer Löwenmutter ihre Jungen wegzunehmen. Während sie sie gerade säugt.

Einmal im Jahr sind die Mitglieder aufgerufen, die Heide aufzuräumen und von Kiefern-/Birken und Eichen-Schößlingen zu befreien. Kiefernschößlinge zu finden und zu entfernen gestaltet sich dabei noch am einfachsten. Sie sind puschelig und relativ leicht zu entdecken, und auch wenn sie harzen wie der Teufel, so lassen die Wurzeln wenigstens mit sich reden. Bei Birkenschößlingen ist das schon schwieriger; die sieht man nämlich fast gar nicht, da null Laub daranhängt. Aber wirklich übel sind Eichenschößlinge. Wenn oben zehn Zentimeter Miniatur-Eichenlaub rausschaut und man denkt „hach, wie nüdlich“, wird man nach dem ersten Drehen und Zerren denken „WTF?“ „Nanu?“ und dann nach Verstärkung rufen: Die Wurzeln dieser kleinen Mistkerle sind fingerdick und haben durchschnittlich eine Länge von 100 bis 150 Zentimetern. Wie gesagt: oben rausgucken tun 10 cm.

Suchbild: Finde den Birkenschößling!

Warum machen die Mitglieder das, und nicht die Greenskeeper? Zum einen, weil es Tradition hat und es eben unser Platz ist, den wir gern erhalten wollen, zum anderen, weil wir wie gesagt eine ziemlich große Menge Heide haben und die Greenskeeper nicht zahlreich genug sind, bzw. ohne unsere Hilfe wochenlang nichts anderes machen könnten. Also trafen sich ca. 60 von uns, jung und alt, bei allerliebstem Novemberwetter, ausgerüstet mit Wachsjacken, Gummistiefeln und Gartenhandschuhen, teilten sich in drei Gruppen und ließen die Heide wackeln. Nach etwas über zwei Stunden strebten wir wieder zum Clubhaus und freuten uns über die heiße Erbsensuppe vor dem lodernden Kaminfeuer, auch das eine oder andere Bier wurde gezischt und die Kleinsten zählten sich stolz vor, wieviele Bälle sie gefunden hatten. Ich glaube, der Sieger brachte es auf ein ganzes Dutzend.

Man hätte den Tag natürlich auch auf dem Sofa liegen und lesen können. Aber dann hätte ich jetzt nichts zu bloggen gehabt und meine Finger würden nicht so gut nach Kiefernharz duften.