Print-Biotop Flugzeug?

  • Veröffentlicht am 6th Februar 2008,
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Komisch, ich käme nie auf die Idee, im Flugzeug eine Zeitung zu lesen. Erstens hat man dann die Finger voller Druckerschwärze. Nicht auf allen Strecken oder bei allen Airlines gibt es noch heisse Handtücher vor dem Essen und vor der Landung. (Das hat aber wohl weniger mit 9/11 als mit 08/15 zu tun.) Und selbst wenn man das Glück hat, mit Cathay, Singapore oder Thai zu fliegen und einen entsprechenden Service zu genießen, so möchte man ja anschliessend auch nicht mit betretenem Blick der Stewardess einen vormals blütenweißen, nun kohleschwarzen Waschlappen reichen müssen, den man auch irgendwo im Pott unter Tage gefunden haben könnte.

Zweitens finde ich es reichlich asozial, den Sitznachbarn in das Grabtuch des deutschen Journalismus einzuwickeln bzw. solchermaßen in seinen persönlichen Luftraum einzudringen. Hinzu kommt, daß die gesamte nähere Umgebung quasi gezwungen wird, mitzulesen. Das kann man natürlich spielerisch sehen und sozusagen als kostenlosen Sehtest nutzen. Aber mit lauten Zeitungen ist es wie mit lauter Musik, die am Strand aus dem Kofferradio des benachbarten Strandkorbs klingt: nicht jedermanns Geschmack.

Nein, Zeitungen sind etwas für den Frühstückstisch. Der dort sitzende Nachbar (soweit überhaupt vorhanden) wird sich meist nicht daran stören, sondern eher selbst hinter einem eigenen Mauervorsprung dieses Schutzwalls der vierten Gewalt im Staate verschanzen. Die Druckerschwärze haftet schlechter an Butterfingern und der persönliche Bewegungsraum ist höchstens durch Fragen wie „bist du schon durch mit dem Sport?“ in Gefahr.

Wenn das Flugzeug überhaupt ein Biotop für Druckerzeugnisse darstellt, dann doch eher für Bücher. Diese sind verhältnismässig klein und kompakt und man hat endlich mal richtig Zeit, ungestört zu lesen. Allerdings haben Bücher natürlich den Nachteil, viel über ihre Leser zu verraten. Die von den mitfliegenden Zeitungslesern üblicherweise angebrachten Schutzbehauptungen („sie hatten keine FAZ mehr, nur noch die Bild“) greifen hier nicht: ein Buch kauft man sich selbst. Mit dieser Art von Selbstdarstellung können die wenigsten umgehen, weshalb man meist im Flugzeug – und ganz besonders in der Business Class – auch selten jemanden ein Buch lesen sieht (oder nur solch völlig schmerzfreie Zeitgenossen mit einer Dan Brown-Schwarte in den Händen).

Das wäre natürlich eine Erklärung für die Beliebtheit der Hörbücher, die man sich höchst privat in die Ohren stopfen kann. Aber auch diese Erfindung wird die Macher der Tagespresse kaum trösten. Sie müssen sich etwas anderes ausdenken, um verlorenen Boden gutzumachen. Z.B. gute Arbeit abliefern und dann Vertrauen in ihre Leser haben. „If you build it, they will come.“ Ich fürchte nur, dieses Konzept ist zu altmodisch, um sich heute noch durchzusetzen.

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

  • Veröffentlicht am 5th Februar 2008,
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The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford
R: Andrew Dominik
D: Casey Affleck, Brad Pitt, Sam Shepard
Offizielle Website | Offizielle deutsche Website | Trailer | IMDB Eintrag

Es ist schon eine ganze Weile her, daß ich dreimal hintereinander am selben Tag im selben Film war. Hätte ich die Zeit und Chance gehabt, dieser wäre ein solcher Kandidat für einen weiteren Kino-Marathon. Der Film ist einfach magnetisch.Brad Pitt spielt Jesse James, den legendären Räuber und Mörder, der den Ruhm mindestens ebenso nötig hat wie ein geregeltes Familienleben. Casey Affleck spielt den jungen Robert Ford, dessen grenzenlose Bewunderung für sein Idol Jesse James in Hass umschlägt, als dieser ihn einmal zu oft verspottet. Das war auch schon alles an Geschichte, aber wie sie erzählt wird, wie die Kamera die Darsteller und Landschaft ableckt, wie die Musik den Zuschauer verführt, überrascht, heimsucht – das macht Lust auf Mehr.Ganz großes Kino, einer der besten drei Filme des Jahres bislang. Ein Film für die große Leinwand, geht los und nutzt die Chance.

In fünf leckeren Sorten

  • Veröffentlicht am 2nd Februar 2008,
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Anke und der Dramaking listen ihre VIP-Schnuckels. Dann will ich auch mal nicht so sein und die Hosen runterlassen die Typen aufzählen, bei denen ich glatt weiche Knie bekäme. Und weil das hier so eine Art Filmblog ist, zählen natürlich nur die Rollennamen, ist klar, ne?

Knapp rausgeflogen ist James Leer (im Bild rechts), denn „das ist irgendwie, als würde ich meinen kleinen Bruder küssen“ wie es in einem ganz anderen Film heisst. Aber niedlich ist er ja schon. Aus dem gleichen Grund hat ’s auch J.D. nicht geschafft. Schon klar, alle Kerls sind eigentlich kleine Jungs – aber nicht jeder kleine Junge ist ein echter Kerl, also raus mit ihm. Ebenfalls knapp, um nicht zu sagen: hauchdünn aussen vor geblieben ist dieser junge Mann, der es in zwanzig Jahren wahrscheinlich locker in die Top 5 schafft (die Seite ist etwas lahm weil heute erst gediggt worden, aber das Warten lohnt sich). Man weiß es nicht. But let ’s separate the boys from the men:

Nr. 5: Doc McCoy. *hach*. (Und das gilt eigentlich auch für Thomas Crown oder Bullitt, auch wenn bei letzterem natürlich der eigentliche Star des Films das Auto war.)

Nr. 4: Danny Ocean. OK, die Filme sind natürlich kalter Kaffee, aber mirdochschnurz, der Typ bleibt heiss, wenn auch vielleicht ein bisschen zu glatt.

Nr. 3: Vincent. Mag ja sein, daß es falsch ist Franzose zu sein, aber für diesen hier stehe ich sogar Mission Impossible durch – ganz zu schweigen von Ronin (übrigens Robert de Niros letztem wirklich coolen Auftritt).

Nr. 2: Die Jungs aus Brokeback Mountain waren ja ganz nett für ihr Zielpublikum, aber ich mag Butch und Sundance.

Nr. 1: The Man With No Name. Keine weiteren Worte.

Schnuckelcontent für die Ohren wird übrigens fraglos von Sam Elliott geliefert.