Wie auf Schienen

  • Veröffentlicht am 27th September 2007,
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Berlin, Hauptbahnhof

Die Deutsche BundesBahn und ich, wir haben ein etwas, sagen wir, angespanntes Verhältnis zueinander. Ich fahre nicht sehr häufig mit der Bahn, was zum einen daran liegt, dass ich sehr gerne fliege (auch wenn die Paranoia-Spackos aller Länder und Parteien gerade ihr bestes tun, es mir mit hirnrissigen „Sicherheits“-Stripteaseshows verleiden zu wollen). Und zweitens daran, dass ich die ereignislosen und im besten Sinne des Wortes fahrplanmässigen Reisen mit diesem Fortbewegungsmittel an einer Hand abzählen könnte. Schreinerhand. Alter Schreiner.

Ich habe es in vollen Zügen genossen, auf freier Strecke ohne jegliche Durchsage oder Informationen seitens des Zugpersonals rund drei Stunden einfach so stehen gelassen zu werden. Ich habe zwei Wochenenden hintereinander am selben Bahnhof den Zug wechseln müssen, weil, „wir bitten um Entschuldigung“, die Lok gebrannt hat. Ich habe an einem glühend heissen Hochsommertag in einem Regionalexpress gesessen, bei dem die Heizung nicht auszustellen ging und die Fenster grösstenteils nicht zu öffnen waren. Ich habe am Tag nach Neujahr bei zweistelligen Minusgraden in einem Zug gesessen, in dem die Heizung nicht ging. Ich habe eine Februarnacht auf dem Münchner Hauptbahnhof verbringen dürfen, weil durch diverse Verspätungen mein Anschluss-ICE schon weg war und der nächste erst morgens früh um fünf ging. Ich bin nach all den Jahren zu dem Schluss gekommen: ich hasse die Bahn und die Bahn hasst mich.
Die einzigen positiven Erinnerungen, die ich mit dem Thema Bahnfahren verknüpfe, stammen aus dem Jahre 2000 und drehen sich sämtlichst um den Metropolitan Express, der zwischen Hamburg und Düsseldorf im Einsatz war. Der Zug war so klasse, so wenig Bahn, und hatte so einen guten Service, dass sie ihn prompt von der Speisekarte genommen haben. Nun heisst es wieder umsteigen in Dortmund.

Da ich jedoch leider in den kommenden Monaten einige beruflich bedingte Bahnreisen auf meinem Zettel habe, kämpfte ich mich durch die Website meines Feindes, um wenigstens Schadensersatz Ermässigung dabei rauszuhauen. Ich bestellte mir also eine Bahncard 25 – aus weiser Voraussicht zweieinhalb Wochen vor dem ersten geplanten Einsatz. Vorgestern wurde ich dann doch nervös und rief die Hotline an.

„Guten Tag, meine vor zehn Tagen bestellte Bahncard ist noch nicht da. Wann darf ich damit rechnen?“

„Ähm, moment… (Tastaturgeräusche)… also die ist schon raus und müsste allerspätestens am Freitag bei Ihnen sein.“ (Ich nehme diese Aussage als das, was sie ist: Eine recht offensichtliche Umschreibung für „Oh shit, voll verpennt, wir schicken sie heute noch raus.“)

„Und falls nicht? Ich wollte jetzt mein Ticket buchen für Montag, sagen Sie mir doch bitte schon mal die Nummer meiner Bahncard, damit die Ermässigung in Anspruch nehmen kann.“

„Das darf ich leider nicht. Sehen Sie, der Schaffner kontrolliert ja Ihr Ticket, und wenn Sie dann Ihre Bahncard nicht dabeihaben, dann ist das wie schwarzfahren. Jetzt stellen Sie sich mal vor, die geht in der Post verloren und wir müssen Ihnen eine andere ausstellen, dann stimmen die Nummern nicht überein. Dann müssten Sie Strafe zahlen.“

Bidde was? Laut jedoch sage ich: „OK. Also dann buche ich jetzt zum vollen Preis und bekomme die Differenz aber nachher erstattet? Meine Bahncard ist ja bereits fertig und gültig und nur eben noch nicht bei mir angekommen.‚“

„Nein, das ist etwas komplizierter: Sie müssten sich jetzt dann zwei Tickets kaufen, ein normales und ein Bahncard-ermässigtes. Falls Ihre Karte bis Montag noch nicht angekommen sein sollte, dann habe Sie jedenfalls ein gültiges Ticket und lassen das vom Schaffner abzeichnen. Das ermässigte stornieren Sie dann einfach und bekommen eine Gutschrift. Falls Ihre Bahncard bis Montag ankommt, dann benutzen Sie eben das ermässigte Ticket und stornieren das zum Vollpreis.“

„Aha. Und wie bestelle ich online ein Bahncard-ermässigtes Ticket ohne die Nummer der Bahncard zu kennen?“ Schweigen am anderen Ende der Leitung.

„Hallo?“

„Äh ja. Die kommt schon. Ganz bestimmt.“

Kam sie dann auch gestern. Und ich konnte damit unfallfrei mein ermässigtes Ticket heute buchen. Und heute abend gleich wieder stornieren, weil der Termin geplatzt ist. Es geschehen Zeichen und Wunder. Ist ja auch Saison dafür.

Zuletzt geklaut

  • Veröffentlicht am 13th September 2007,
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Gleich zwei meiner Lieblingswortschmiede haben denselben Fragebogen auf der Startseite heute. Dann will ich mal nicht so sein und mich rotzfrech selbst bedienen:

Letzte Zigarette: hab’ nicht auf die Uhr gesehen.

Letzte Autofahrt: Sonntag, vom Golfplatz. (Ein dusseliger Chapmanvierer, aber wir haben das erste Brutto gewonnen, ich bitte um Szenenapplaus!)

Letzter Kuss: Sonntag, vom Familienmops, der rein narrisch war als er mich endlich mal wiedersah.

Letzter Weinkrampf: im Februar, als meine Tante starb.

Letztes Buch: The Life And Times Of The Thunderbolt Kid von Bill Bryson. Wie alle Brysons zum verschlingen und zum gesundlachen.

Letzter Film: Im Kino The Bourne Ultimatum, auf DVD Kenneth Branaghs Hamlet.

Letztes benutztes Schimpfwort: The f-bomb.

Letztes Getränk: Milch. (wegen des letzten Essens…)

Letztes Essen: Spaghetti aglio e olio mit Shrimps und etwas zu viel Chili (mir ist beim kochen die Flasche ausgerutscht).

Letzter Anruf: Von einer Freundin.

Letzte Sendung im TV: Das müßte die Fussball WM im letzten Jahr gewesen sein. Ich guck‘ seit ca. fünfzehn Jahren kein TV mehr, nur DVDs (bzw. davor halt Videos).

Letzte Dusche: heute früh.

Letzte CD: Weed von Chris Whitley.

Letzter gekaufter Gegenstand: ein Brot.

Letztes Mal aufgeregt wegen: keine Ahnung. Lange her.

Letzte Enttäuschung: Der zweite Platz bei den Clubmeisterschaften.

Letzte Worte: „Danke.“

Letzte sexuelle Fantasie: I’m taking the 5th here.

Letzte merkwürdige Begegnung: eine alte Schulfreundin.

Letztes Mal amüsiert: Als mein Patensohn mir am Telefon aufgeregt etwas über Vulkane erzählte, ins Stocken kam und dann ins off schrie “Mama, wie heisst noch mal das Land wo die Nudeln herkommen?“

Letztes Mal verliebt: da war Reagan noch Präsident.

Letztes Mal umarmt: Das wiederum ist noch nicht so lange her.

Letztes Mal getanzt: Ich tanze nicht.

Letztes Konzert: Jamie Cullum im letzten Sommer, glaube ich. Falls noch eins danach kam, hat es keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber als Stadtparkanrainer ist man ja immer live dabei, ob man will oder nicht.

Letzte Website besucht: Barmblog Nord. Lesebefehl!