Kraftpunkte sammeln

  • Veröffentlicht am 30th Juni 2007,
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Mein Kleiner – der größte Fluch der Karibik Fan unter der Sonne, der noch nicht Fluch der Karibik gesehen hat und das die nächsten zwei, drei Jahre auch nicht tun wird, wenn’s nach seinen Eltern und mir geht, aber seit wann geht’s nach Eltern und Patentanten? –äh, wo war ich? Ah ja. Also, mein Kleiner sammelt Pokémonkarten.

Pokémon ist ein Spiel, bei dem es offenbar hauptsächlich darum geht, möglichst viele Karten mit japanischen Zeichentrickmonsterfiguren zu sammeln. Und wenn ich meine „moeglichst viele“, dann meine ich ab-so-fuck-ing-lute-ly jede Karte unter der Sonne. Wozu? Na, damit man mehr hat als der Rest der Schulhofgang, blöde Frage. Doubletten werden ganz im Sinne des ersten merkantilen Gesetzes, nach dem jede beteiligte Partei das Feld im vollen Bewusstsein verlassen sollte den anderen gebührend übers Ohr gehauen zu haben, getauscht. Es gibt eine Menge Doubletten, denn Pokémonkarten gibt es meines Wissens nach nicht einzeln oder zum Nachbestellen (wie diese Paniniklebebildchen), sondern nur in sogenannten Decks. Ein Deck hat mindestens 60 Karten und darunter mindestens eine Glitzerkarte. Die ist mindestens so wertvoll wie eine blaue Mauritius und deren Auflagen sind streng limitiert. (Allerdings nicht ganz so limitiert wie bei o.g. Postwerzeichen, sondern schätzungsweise auf so viele Exemplare wie man drucken kann.)

Da mein Kleiner mich lieb hat (nicht ganz so doll wie seine Mama, seinen Papa, seinen kleinen Bruder und seinen Teddybären, aber ich belege in seiner Gunst einen soliden fünften Platz), schenkt er mir gelegentlich eine seiner Doubletten. Stets mit einer ausführlichen Erklärung, warum genau dieses Pokémon einfach spitze ist und was ich alles damit machen kann. Auch eine Glitzerkarte habe ich schon.

„Also: das ist Glumanda, es hat 50 Kraftpunkte und kann Kopfnuss und Schlitzen. Es hat einen Feuerschwanz! Du kannst es zum Angriff und zur Verteidigung einsetzen. Du kannst es auch mit einer Ernergiekarte kombinieren und den Gegner ausser Gefecht setzen.“

Ich überlege kurz, bei welcher Gelegenheit ich diese Karte gewinnbringend einsetzen würde. Ein, zwei Kollegen fallen mir ein, bei denen Kopfnüsse und Schlitzen durchaus angebracht wären. Von einigen Kunden ganz zu schweigen.

Er reisst mich rüde aus meinem Tagtraum. „Schau mal, das ist Flemmli, auch 50 Kraftpunkte. Das hat den hypnotischen Blick!“ Ich sehe mir die Karte an, auf der ein Wesen, das aussieht wie eine Mischung aus Goldfisch und Spatz, mich mit grossen Augen ansieht. Darunter steht „Das Verteidigende Pokémon schläft jetzt.“ Ich beschliesse umgehend, diese Karte das nächste Mal zu ziehen, wenn er auch nach zwei vorgelesenen Asterix-Baenden und einer Kissenschlacht noch nicht das Licht ausmachen will.

„Und diese hier?“ Ich zeige auf eine Karte namens Porygon. Drunter steht nur lapidar Schärfer. „Hilft die gegen schlechte Augen?“ Er überlegt kurz. Seine Brille verfügt schon morgens um zehn über mehr Fingerabdrücke als die Karteien von BKA, Verfassungsschutz, FBI und CIA zusammen. Daß er überhaupt noch etwas sieht, ist ein Wunder. „Das wäre cool, oder? Aber ich glaube nicht. Das ist bestimmt für Schwerter und so“ glaubt er.

„Da könnte was dran sein. Hat Jack Sparrow so eine Karte? Wäre doch praktisch, oder?“ Ich betrachte nachdenklich die letzte Karte auf dem Stapel, die mir die Option Blitz-Teleportation offeriert. Wenn ich sie mit einer Energiekarte kombiniere, reicht es vielleicht für eine erfolgreiche Flucht, zumindest aber ein erfolgreiches Ablenkungsmanöver:

„Wollen wir mal schauen, ob der Eismann noch auf hat?“

Can’t blame a guy for tryin’!

  • Veröffentlicht am 22nd Juni 2007,
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„Was wollen wir denn gucken heute abend? Hast du schon Shrek 3 gesehen?“

„Nein. Der läuft glaube ich noch nicht einmal im Kino.“ Und selbst wenn, Wayne?

„Aber du hast die ersten beiden Teile doch auf DVD, oder?“

„Klar.“ Dank meiner umsichtigen Kollegin nenne ich zwei noch eingeschweisste Shrek 1 & 2 DVD-Exemplare mein eigen. Bevor wir wieder eine Fluch der Karibik Diskussion haben…

„Wir könnten ja auch Fluch der Karibik gucken, oder?“

„Könnten wir. Tun wir aber nicht.“

„Hey, du hast ja Hulk! Wow!“ Stimmt; als Ang Lee Fan konnte ich nicht widerstehen, ich geb’s ja zu.

„Fuhgeddaboutit.“

„Was?“

„Was hältst Du von Bernard & Bianca?“ Den würde ich jetzt jedenfalls gern sehen.

„Och, lieber Batman. Oder Spidey, ja? Spidey ist sooooo cool!“

„Ich könnte schwoeren, wir hatten diese Unterhaltung schon einmal. Also: Shrek oder Bernard & Bianca?“

„Naaa guuut, dann Shrek. Hab’ ich dir schon meinen Spider-Man-Guertel gezeigt?“

*Seufz.*

Ein blindes Huhn vergeht nicht

  • Veröffentlicht am 15th Juni 2007,
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Eine meiner Lieblingsszenen aus Boondock Saints ist ja, wie die Jungs den Tourette-geplagten, stotternden Barkeeper (Doc) aufziehen, weil er immer seine Sprichwörter durcheinanderbringt.

Doc: You know what they say: People in glass houses sink sh… sh… sh… ships.

Rocco: I got to buy you a proverb book or something, because this mix ’n’ match shit’s got to go.

Doc: What?

Connor: Well, a penny saved is worth two in the bush, isn’t it?

Murphy: And don’t cross the road if you can’t get out of the kitchen.

Hätte ich mir eigentlich denken können, dass es dafür jetzt auch ein Tool gibt: Voilà der Sprichwortrekombinator. Denn eigener Herd erspart den Zimmermann!

„To Protect And To Surf“

  • Veröffentlicht am 14th Juni 2007,
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Seit fünfzehn Jahren bin ich Mitglied der Surfrider Foundation, einer non-profit Organisation von Surfern und Ozeanliebhabern, die sich aktiv fuer den Schutz der sieben Weltmeere und der Kuesten stark machen. Aus einer kleinen Gruppe US-amerikanischer Surfer, die taeglich unmittelbar feststellten wann es vor Ort im Wasser wirklich uebel wird, wurde ueber die Jahre eine weltweit ernstzunehmende Organisation mit Dependencen in Japan, Australien, Brasilien und Europa. In oertlichen Gruppen (chapters) sorgen sie seither durch Aufklaerung und gezielte Aktionen fuer mehr Aufmerksamkeit gegenueber der Verschmutzung der See und der Straende und machen sich u.a. auch fuer den allgemein freien Zugang zum Strand und zum Meer stark. Surfrider fuehrt Wassertests durch, organisiert Strandsaeuberungs- bzw. aufraeumaktionen, betreibt Aufklaerungsarbeit in Schulen und an Unis und mischt sich aktiv in die Lokalpolitik der oertlichen Kommunen ein – getreu ihrem Motto To Protect And To Surf. Unterstuetzt werden sie dabei z.B. von Pros wie Kelly Slater, Rob Machado, Laird Hamilton, Joel Tudor und surfenden Stars wie Pearl Jams Eddie Vedder, Incubus’ Ben Kenney und Brandon Boyd oder Pennywise-Saenger Jim Lindberg.

Es hat mich immer etwas traurig gemacht, dass es in Deutschland keine local chapter gibt. Das europaeische Hauptquartier sitzt in Biarritz, Frankreich und hat inzwischen seine Website gelauncht – sie besteht hauptsaechlich aus einem under construction Teil und einem brandneuen Blog.
Als surfverrueckte Hamburgerin bin ich kein unmittelbarer Anrainer der Nord- oder Ostsee und surfe mit meinem Longboard auch meist mehr auf Asphalt als auf tatsaechlichen Wellen. Ich beobachte erfreut, dass z.B. auf Sylt das Wellenreiten, insbesondere das longboarding, mehr und mehr Zulauf bekommt, aber ein oertliches oder wenigstens norddeutsches Chapter scheint es noch nicht zu geben. Die Muenchner sind uns da voraus und haben offenbar im November letzten Jahres losgelegt. Falls es unter meinen Lesern Surfer oder wasserverrueckte Idealisten gibt, die sich mit mir fuer ein norddeutsches Chapter stark machen wollen, wuerde ich mich freuen.