Timber!

  • Veröffentlicht am 24th Mai 2007,
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Mit Kopfweh aufzuwachen, weil man am Abend vorher ein Glas zu spät mit dem Alkohol aufgehört und zu wenig Wasser getrunken hat, ist fies, aber nichts, was zwei Aspirin auf Toast und eine kalte Dusche nicht in den Griff bekämen.

Mit Kopfweh aufzuwachen, weil man falsch gelegen hat und nun ausserdem den Kopf nicht drehen kann, ist fieser, weil nicht so einfach zu behandeln. Den Masseur für die nötige Nackenmassage hat man ja nicht immer gerade so griffbereit neben sich liegen.

Mit Kopfweh aufzuwachen, weil sich das Wetter wie ein Eisenring um die Birne spannt und langsam aber sicher zudrückt, so dass man glaubt man befände sich in einer Müllpresse auf der Inhaftierungsebene des Todesplaneten, ist richtig fies und legt sich leider meist erst, wenn das Gewitter endlich losbricht.

Aber mit Kopfweh aufzuwachen, weil man nachts im Schlaf aus unerfindlichen Gründen den Arm senkrecht hochgehalten hat, der daraufhin quasi abgestorben ist und folgerichtig wie ein Baumstamm auf die Nase gekracht  – das ist nicht nur fies, sondern einfach lächerlich in seiner ganzen Absurdität. Rather humiliating, my dear.

Werbeunterbrechung

  • Veröffentlicht am 11th Mai 2007,
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Als ich klein war, gab’s im deutschen Werbefernsehen zwischen Ilja Richters Disco’73 („Licht aus – WOMM! Spot an – YEAH!“) und Onkel Otto nicht nur Tabakwerbung mit Loriot-Figuren („Drei Dinge braucht der Mann: Feuer – Pfeife – Stanwell!“) oder Tillys Tips zur Nagelpflege mit Geschirrspülmittel Palmolive, sondern auch den Hustinettenbären: Das war ein Zeichentrickbär, der nach der eingängigen Melodie von “Horch, was kommt von draussen rein” den aufmunternden Text Nehmt den Husten nicht so schwer/ jetzt kommt der Hustinettenbär! brummte. Da ich dank der schlechten Luft im Grossraum Frankfurt und meines kettenrauchenden Vaters (r.i.p.) dauerhustete wie ein Zauberbergbewohner, warf ich schon bald schachtelweise diese Bonbons ein.

Wie das so ist in Hessen (und andernorts südlich der Zivilisation Elbe): Dort gibt es eine fünfte Jahreszeit, genannt Fasching, Fasenacht oder auch Karneval (bei den Jecken im Westen). Jedes hessische Grundschulkind wurde also ermuntert, an wenigstens einem dieser Tage verkleidet in die Schule zu kommen. Geburtstagsfeiern wurden sowieso nur in maskiertem Zustand angesteuert – ein Zustand, der sich seither wenig geändert hat, auch wenn die Masken andere sind.

Kindergeburtstag in den Siebzigern hiess: die Jungs gehen als Pirat, Cowboy, Indianer oder Polizist. (Ich habe lange gebraucht um mich davon überzeugen zu lassen, dass die Village People ein doppeltes Spiel trieben…) Fuer Mädchen gab’s die Optionen Prinzessin, Squaw oder Funkenmariechen. Ich war noch nie ein typisches Mädchen und meine Mutter wollte mich nicht als Pirat gehen lassen, also schlug ich vor, als Hustinettenbär zu punkten. Mama überlegte kurz. Das Geburtstagskind kam aus einem eher spiessigen konservativen Hause. Dann nickte sie grinsend.

In den Tagen bis zu meinem grossen Auftritt übte ich, den Text fehlerfrei zu brummen. Mama schneiderte aus einem Bettlaken ein Kostüm. An den Füssen wuerde ich meine langhaarigen weissen Fellstiefel tragen, die sonst immer nur im Skiurlaub zum Einsatz kamen. (Wie ich im letzten Winter sah, sind die Dinger wohl wieder schwer angesagt.)

Aber woher eine Bärenmaske nehmen? Wir pusteten einen Luftballon auf und bestrichen ihn mit Ponal. Darum wickelten wir bunten Bast. Als Ohren, Nase und Schnauze (???) verwendeten wir mit Bast umwickelte leere Joghurtbecher. Dann wurde der Luftballon entfernt und – presto! – fertig war die Bärenmaske. Sie kratzte fürchterlich, und sehen konnte ich auch nicht sehr viel, aber es sah sehr, sehr unheimlich aus, fand ich.

Nur nicht sehr nach Hustinettenbär. Aber Mama drückte mir einen Kuss auf die Wange und eine Schachtel meiner Bonbons in die Hand, versicherte mir, dass ich super und sehr bärig aussah und klingelte für mich, da ich kaum etwas sehen konnte. Die Mutter des Geburtstagskindes öffnete die Tuer und quiekte überrascht. Ich sang fehlerfrei meinen Hustinettenbärsong. Ich war der Star der Veranstaltung. Irgendjemand machte ein Foto.

Mein Patensohn wird demnächst Sieben. Soll ich?