The Guardian

  • Veröffentlicht am 29th April 2007,
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The Guardian | auf DVD

R: Andrew Davis
D: Kevin Costner, Ashton Kutcher, Clancy Brown

Ich mag Kevin Costner. (So, jetzt ist es raus.) Und seinen Film auch. OK, rein technisch betrachtet hat er mehrere gedreht, aber bei Licht besehen ja doch meist denselben noch einmal. Das Strickmuster lautet: Einsamer Macho mit geheimnisvollen wundem Punkt in der Vergangenheit – wahlweise schlichten Beziehungsstörungen – kämpft gegen sich selbst und eine Übermacht Windmühlenflügel, gern auch mit Buddy. Costner-Filme haben was von täglich wechselndem Mittagstisch „Montag: Nudeln mit Rindfleisch und Champignon-Rahmsauce, Dienstag: Rindfleisch mit Rahm-Champignons und Nudeln, Mittwoch: Champignons á la créme mit Nudeln an Rindfleisch“ etc. Es gibt keine hässlichen Überraschungen und meist schmeckt’s sogar ganz gut.

Costner und Wasser sind allerdings keine glückliche Kombination. (Naja, anyone+Wasser sind keine gute Kombination in Hollywood. Zeige mir einen Film mit viel Wasser und ich zeige Dir einen teuer abgesoffenen Film. (Jaws und Titanic sind die berühmten Ausnahmen der Regel.)
So auch The Guardian, einem tatsächlich für die grosse Leinwand produzierten TV-Film der Woche, der in gefühlten sechs Stunden und tatsächlichen 139 Minuten eine rundherum vorhersehbare Geschichte vom alten Hasen und dem Grünschnabel runterleiert, bevor man sich fragt: WTF habe ich für diesen Kasperkram auch noch Geld ausgegeben?

Kevin spielt den alternden Küstenwachehelden mit Eheproblemen, der bei einem tragischen Unfall seine Crew verliert und zur Strafe die neuen Rekruten schinden darf. Your wife left you. Your best friend is dead. You sound like a country song. If you had a dog, he’d be run over by now stellt in seiner Lieblingskneipe die alternde Tresenschlampe mit Herz fest. (Die Szene kommt ähnlich in Clints Heartbreak Ridge irgendwie besser und glaubwürdiger. Aber dass Costner kein Eastwood ist, wissen wir ja spätestens seit Perfect World.)

Costner gegenüber steht und nervt der jugendliche Strahlemann Ashton Kutcher, der ebenfalls eine tragische Backgroundstory hat, gegen Costners Figur rebelliert und sich in die obligatorische junge, emanzipierte Frau verliebt.
Es folgen einige langweilige Trainingsszenen mit den Rekrutenschnuckis, die jedoch nicht so wirklich mitzureissen wissen. Liebe Regisseure, Ausstatter, Kostümbildner – ein kleiner Tip für die Zukunft: wet-T-Shirt contests sind auf der Leinwand nur etwas für Mädels. Junge Schwimmer hingegen dürfen gerne auch nur mit Badehose bekleidet durchs Bild laufen.

Der Film hat zwar null Handlung, dafür jedoch -zig Enden, jedes davon ziemlich unbefriedigend. There’s dead and there’s dead lautet ein Spruch der US Coast Guard. The Guardian is as dead as it gets.

Und du? Ich nicht!

  • Veröffentlicht am 25th April 2007,
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Unddu hat die härteste Tür in der Welt der Social Networks: Unddukummsthiernetrein ohne GMX- oder Web.de Mailadresse. – Nicht, daß man diese nicht kiloweise im Schrank hätte, direkt neben den Einweghandschuhen und dem Klopapier, aber ich habe nach flüchtigem Blick auf die Seite nicht mal Lust, eine von denen dafür zu verplempern.

Falls sich einer opfert, kann er dann ja anschliessend mal berichten, ob man da genauso schwer wieder raus- wie reinkommt.

Vorsicht, Touristenattraktion!

  • Veröffentlicht am 19th April 2007,
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Direkt neben den Deichtorhallen befindet sich die Touristenattraktion (?) High Flyer. Wer 15 Euro zuviel hat, kann bei Windstille in einem Fesselballon Hamburg aus rund 150 Meter Hoehe bestaunen.

Jeden Tag auf dem Weg zum bzw. vom Buero sehe ich den Ballon da muessig herumstehen, ohne dass auch nur ein schwindelfreier Tourist um den Container mit der Kasse und den Souvenirs von dieser atemberaubenden Attraktion schleicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass bislang jeden Tag „aufgrund des starken Windes leider keine Fahrten moeglich sind“, wie es am Eingang heisst. In stiller Verzweiflung wird auch darauf hingewiesen, dass der Souvenirshop geoeffnet ist.

Der Ballon steht also in einer ziemlich toten Gegend auf einem rundherum zwei Meter hoch eingezaeunten Stueck Rasen und ist an sich schon ein ziemlich absurder Anblick, aber gekroent wird die Chose durch folgendes Schild, das mehrfach am Zaun rund um den High Flyer angebracht ist:

Was fuer ein Hund soll das sein, der nur nachts beisst? Die Rasse kann ich auf dem Bild nicht so recht erkennen, zunaechst dachte ich es handele sich um ein etwas ungluecklich getroffenes Maultier. Hat jemand eine Idee?‘

Fehlerverzeihend? Nicht wirklich!

  • Veröffentlicht am 17th April 2007,
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Wer in einem großen Sporthaus in der Mönckebergstrasse durch die Golfabteilung schlendert, findet nicht nur zu ich-fall-in-Ohnmacht-Preisen angepriesene unfassbare Klamotten, mit denen man für die nächste Karnevalsaison optimal gerüstet wäre. Mit etwas Glück wird man auch Zeuge eines Verkaufsgesprächs zwischen einem jungen, dynamischen Golfsportartikelverkäufer und seinem potentiellen Opfer. Dieses schleicht behutsam um den Ständer mit den Hybrid-Schlägern, vergleicht Gradzahlen, Markennamen und markige Werbesprüche (flexible Schläge mit traumhaftem Bodenkontakt selbst bei schlimmsten Balllagen) und strahlt rundherum mehr Hilflosigkeit aus, als vermutlich Eisbärbaby Knut(sch) in seinen ersten Stunden.

Hybrid-Schlaeger sind ein Kompromiss zwischen den für die meisten Golfer schwierig zu spielenden langen Eisen (2, 3, 4, manchmal sogar 5) und den Fairway-Hölzern. Sie werden auch Rescue-Schläger, also Rettungs-Schläer genannt; vorgeblich, weil sie den Score auch noch aus aussichtslosen Lagen und dem Rough retten helfen sollen. In mir keimt allerdings mehr der Verdacht, dass sie die Golfschlägerindustrie retten sollen. Schon vor zwanzig Jahren steckten die ersten Rescues unter dem Namen „Ginty“ in den Bags der Verzweifelten, die ihren Schwung verloren hatten, und statt zu üben oder dem Pro fünfzig DM in den Rachen zu werfen lieber 250 DM für diese magischen Zauberstäbe hinblätterten. Das Image der Warmduscherschläger wurden sie jedoch nicht so recht los, so daß der Hype rasch eines natürlichen Todes starb und die Dinger schnell und unauffällig wieder aus den Bags flogen. Wer Rescues kauft, ist auch ein potentieller AbFlex Benutzer, hat vermutlich eine Zählkette am Golfbag und ein lustiges Plüschtier auf dem Driver, trägt karierte Hosen und benutzt einen Chipper. Aber ich schweife ab. Die Nicht-Golfer unter meinen Lesern haben jetzt bereits vermutlich glasige Augen. Ihr seid entschuldigt und dürft diesen Beitrag überspringen.

Vor ein paar Jahren dann gewann ein drittklassiger US Profigolfer, der bis dato nicht weiter aufgefallen war und höchstens mal auf der Asian Tour punkten konnte (der Waldorfschule des Profi-Golfs) die Open, das älteste Golfturnier der Welt und das prestigeträchtigste der vier Major Turniere. Todd Hamilton benutzte sehr effektiv einen Rescue-Schläger um sich den Claret Jug und knapp 700.000 Pfund zu holen und plötzlich waren die Dinger nicht mehr peinlich sondern hip und fanden reissenden Absatz, auch bei anderen drittklassigen Pros. Hamilton ist seitdem wieder in der Versenkung verschwunden (aktuell Rang 720 der PGA Weltrangliste), aber die Rescues bleiben uns diesmal erhalten, wie’s aussieht.

Doch zurueck zum Ausgangsort: „Ich sehe, Sie möchten etwas für Ihren Spielspaß tun“ lächelt der Verkäufer und zwinkert dem irritierten Opfer, einem etwa fünfzigjährigen Plattfüssler mit rotem Kopf und Bierbauch, verschwörerisch zu. Er fischt gekonnt einen Schläger aus dem Display und hält ihn dem Mann unter die Nase. Ich beobachte die Szene aus den Augenwinkeln, während ich so angeregt wie fassungslos den Preis für ein Dutzend Titleist Pro V1 studiere.

„Hiermit gehören getoppte oder zu fette Schläge der Vergangenheit an. Der ist brandneu, gerade reingekommen. Probieren Sie mal!“ Der Verkäufer drückt dem Opfer den Schläger in die Hand und schiebt ihn sanft aber bestimmt in Richtung des Simulators. Das Opfer wirft einen Blick auf das Preisschild und erbleicht.

„Äh, nein, danke, ich wollte mich nur mal umschauen.“ Der Schläger wird mit leichtem Bedauern zurück ins Display gestopft. Doch so leicht gibt der Verkäufer nicht auf. „Sie werden sehen, Ihr Handicap faellt in Nullkommanix ins Bodenlose! Bald sind Sie Singlehandicapper.“ Er zwinkert wieder.

Das ist der Schubs für das wackelige Ego des Opfers. Es nimmt den Schläger wieder in die Hand, wackelt ihn ein paar Male unsicher hin und her und zögert: „Ich weiss ja nicht…“.

Jetzt fällt das Stichwort, auf das ich die ganze Zeit schon gewartet habe: „Einen so fehlerverzeihenden Schläger haben Sie noch nie gespielt!“ Der Verkaeufer lächelt aufmunternd. Das Opfer überlegt für jeden deutlich sichtbar: Ich krebse jetzt schon zwei Jahre auf Handicap 34 herum, sooo teuer ist der gar nicht, ich gehe ja auch nie zum Pro, das spart ja auch Geld – alle haben so ein Ding, damit gehört der nächste Monatsbecher mir, man gönnt sich ja sonst nichts, und so weiter, und so fort.

Ich kämpfe derweil mit Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern. Soll ich eingreifen und dem armen Kerl klarmachen, dass das alles Bullshit ist und er seine Kohle lieber in Unterrichtsstunden investieren sollte? Und wenn er unbedingt so ein Teil haben will, dann sollte er es woanders kaufen, übers Internet, denn hier zahlt er Apothekenpreise? Teufelchen gewinnt; ich widme mich wieder den Bällen. Hmm, die NXT Tour werden ja gerade ziemlich verschleudert…

„Ja, äh, welchen Schläger soll ich denn jetzt dafür zuhause lassen?”

„Dieser hier hat einen Loft von 23° und ersetzt das Eisen 3. Das können Sie jetzt getrost aus dem Bag nehmen.”

„Aber ich habe gar kein Eisen 3?”

Der Verkäufer gerät nicht eine Sekunde aus dem Takt: „Dann haben Sie mit Sicherheit eine klaffende Lücke zwischen Ihrem Holz 5 und Ihrem Eisen 4. Die schliesst der Hybrid optimal.”

„Ah ja.” Das Opfer schaut leicht verwirrt und schweigt. Ich könnte wetten, dass es auch kein Eisen 4 hat und sein Holz 5 höchstens vom Tee halbwegs trifft. An Sonntagen. In Schaltjahren. In Monaten, die nicht auf  ‘r’ enden.

„Kann ich den doch mal ausprobieren?” Bingo. Die zwei traben ab zum Simulator. Nach drei hilflosen Schwüngen, die aussehen als hätte jemand in ein Hornissennest gegriffen, ist für jeden offenbar: Dieser Mann ist Bewegungslegastheniker und wird in diesem Leben keinen verlässlichen und reproduzierbaren Schwung mehr haben. Er braucht alle Hilfe die er kriegen kann.

Diese kommt unerwarteterweise in Gestalt einer Frau. Seiner Frau. „Jetzt sag’ nicht, du willst dir schon wieder neue Schlaeger kaufen!”  Sie rollt mit den Augen und funkelt den Verkäufer an. „Was soll das Teil kosten? 230 Euro? Du hast doch nicht mehr alle beieinander! Das hat doch Dein ganzer Satz nicht gekostet!” Er zuckt zusammen, will sich aber nicht so leicht geschlagen geben. „Aber schau doch mal, an der elf käme ich dann endlich über den Teich…” Weiter kommt er nicht. Sie wirft ihm einen Blick zu, der frische Milch gerinnen liesse. „Fuer wen hältst du dich, für Tiger Woods? Der Pro hat gesagt, du sollst vorlegen. Wenn ich nur daran denke, wie viele Bälle du da schon versenkt hast!” Sie schnaubt.

Er legt den Schläger widerstrebend zurück. Der Verkäufer hat sich unauffällig zurückgezogen und sortiert drei Regale weiter Handschuhe, als hätte er überhaupt nichts mit der Szene zu tun. Die Gelegenheit ist vorbei, doch das nächste Opfer kommt bestimmt. Er wirft mir einen prüfenden Blick zu und zögert kurz. Ich bedenke ihn mit meinem schönsten quatsch-mich-an-und-du-stirbst-Funkeln und ziehe mit meinen Titleists zur Kasse. Von einem Singlehandicap bin ich weit entfernt, aber wenigstens bin ich Single.