The Departed

  • Veröffentlicht am 24th Februar 2007,
  • veröffentlicht von

The Departed | Ab 13. April auf DVD

R: Martin Scorsese
D: Jack Nicholson, Matt Damon, Leonardo DiCaprio
Offizielle Website | Trailer | Offizielle deutsche Website | IMDB Eintrag

Das Hollywood-Remake liess dann auch nicht allzu lange auf sich warten. 2004 lief Infernal Affairs in den USA an und der Drehbuchautor William Monahan (Kingdom of Heavens) bekam den Auftrag, sich an eine Adaption zu machen. Monahan erinnert sich: „Ich hatte Infernal Affairs nicht gesehen und schaute ihn mir auch nicht an, bevor ich mit meiner Fassung begann. Als Vorlage diente mir eine Uebersetzung des chinesischen Skripts. Die zentrale Handlung ist grossartig, und um sie herum konnte ich neue Figuren einbauen. Mir gefiel vor allem das Doppelspiel der Hauptfiguren im chinesischen Original, aber thematisch geht es in meiner Version vor allem um die Tragoedie, die in Gang gesetzt wird, als die Figuren von ihren Grundsaetzen abweichen.“

Monahan uebernahm also nicht nur die Haupthandlungsstraenge, sondern fuegte einen eigenen hinzu: Waehrend im chinesischen Original die Frauen im Film fuer die Handlung vernachlaessigbar sind und nur helfen, das Gesamtbild der Erzaehlung abzurunden und die beiden Hauptcharaktere naeher zu beleuchten, gibt es in The Departed eine starke Frau, die Polizeipsychologin Madolyn (hervorragend: Vera Farmiga), die – unwissentlich – zwischen den beiden Maulwuerfen steht. Ausserdem verlegte er den Schauplatz der Handlung an seinen Geburtsort Boston: Ein kluger Zug, denn Hong Kong ist ein wichtiger Protagonist im Original und die Hafenstadt Boston mit ihrem keltischen Erbe verfuegte ueber das noetige Flair und steht gewichtig und praesent im Hintergrund des Films (auch wenn aus Kostengruenden viele Szenen in New York gedreht wurden).

Eine weitere Figur die hinzugefuegt wurde, ist die des Staff Sgt. Dignam, gespielt von Mark Wahlberg. Waehrend man ueber Sinn und Unsinn der weiblichen Hauptrolle noch streiten kann, so ist hier voellig raetselhaft, was mit der Schaffung des baerbeissigen Bullen beabsichtigt wurde. Inhaltlich macht seine Rolle wirklich ueberhaupt keinen Sinn und sein Auftritt am Schluss konterkarikiert de facto den gesamten Film und macht ihn zu einem platten Abklatsch der zensierten chinesischen Fassung. Mal ganz abgesehen davon, dass man Mark Wahlberg diese Rolle auch keine Minute lang abnimmt – seine einzige Qualifikation bestand offenbar darin, dass er als gebuertiger Southie im korrekten Slang fluchen kann, was er auch eindrucksvoll und ausfuehrlich in jeder seiner Szenen demonstriert und offenbar die Academy of Motion Picture Arts and Sciences prompt dazu veranlasste, Wahlberg fuer einen Oscar als bester Nebendarsteller vorzuschlagen. Oscarreif ist jedoch keine der schauspielerischen Leistungen, was vielleicht den einen oder anderen ueberraschen mag. Immerhin spielt Jack Nicholson mit, und der wird ja ueblicherweise schon nominiert wenn er nur die Augenbraue hebt. In The Departed mimt er den Mafiaboss Frank Costello und uebertreibt wie gewoehnlich auf ganzer Linie. Subtilitaet ist ja ohnehin kein Attribut was man seinem Spiel zuordnen wuerde, aber in The Departed wird er vollends zur Karikatur seiner selbst. Director of Photography Michael Ballhaus erklaert dazu in einem Interview mit der Sueddeutschen: „Jack hat, fuer die 24 Tage, die er am Set war, diesen Film uebernommen. […] Es hat mich deprimiert, dass mein Idol Martin Scorsese in dieser Situation war. Fuer ihn ist Nicholson ein Idol.“

Ballhaus erzaehlt: „Vor allem Leonardo DiCaprio war davon betroffen, den Nicholson in jeder Szene versuchte an die Wand zu spielen. Mit allen Mitteln.“ Das ist ihm jedoch gluecklicherweise nicht gelungen, denn DiCaprio hat durch seine Erfahrungen und Erfolge bei Publikum und Kritikern ueber die Jahre genuegend Selbstbewusstsein getankt, um sich muehelos gegenueber Nicholson behaupten zu koennen. Seine Praesenz in jeder seiner Szenen ist so ausserordentlich, dass Nicholsons duemmliche Improvisationen umso peinlicher wirken. DiCaprio ist eindeutig der Star in diesem Ensemble, in dem an grossen Namen kein Mangel herrscht.

Ballhaus selbst verzichtet diesmal auf sein auffaelligstes Markenzeichen, die 360°-Kamerafahrt rund um die Schauspieler. Seine Kamera ist ungewohnt nah dran am Geschehen, was dem Film sehr gut tut – schliesslich soll sich der Zuschauer als unsichtbarer Beobachter inmitten der Handlung fuehlen, statt auf eine Buehne zu schauen. Die Erfahrung, ein Fremdkoerper zu sein, allein unter Feinden, wird intensiv vermittelt. Ballhaus verabscheut Gewalt und dreht nicht gerne Gewaltszenen. Umso staerker wirken diese dann auch: Er weiss, wie man Gewalt am abstossendsten in Szene setzen muss, damit sie nicht als cool missverstanden werden kann.

Scorsese hingegen hat bekanntlich nie ein Problem mit der Darstellung von Gewaltszenen gehabt. The Departed ist auch um einiges blutiger als Infernal Affairs und das ist sehr schade, denn die Gewalt ist eigentlich nicht zentrales Thema des Films. Dennoch haelt der Film sehr gut den Spagat zwischen den Gefuehlen der Zuschauer, die sich einerseits durch blutige Exzesse abgestossen fuehlen und andererseits nicht anders als mitfuehlen koennen mit „Mister French“ (fantastisch: Ray Winstone), der sentimental wird, wenn er an seine Ex-Frau denkt – die er garottierte, damit sie „verlaesslich“ wurde. Ein comic relief Moment, den man so eher bei Tarantino erwartet haette, insbesondere, da die Figur alles andere als eine tragische Witzfigur ist, wie noch Joe Pesci in Casino oder Goodfellas.

Waehrend die beiden Vaterfiguren in Infernal Affairs sympathisch und durch und durch glaubwuerdig dargestellt wurden, diskreditiert Nicholson seine Figur also durch voellig ueberzeichnetes Spiel. Sein Gegenspieler in der Figur des Chefs der Undercovertruppe und direkter Vorgesetzter von Wahlbergs Staff Sgt. Dignam ist Captain Queenan – voellig farblos von Martin Sheen gespielt, der sich offenbar mit seinem Schicksal abgefunden hat, nur noch in zweitklassigen TV-Produktionen das Abziehbild eines Kennedyfamilienmitglieds zu geben. Sheens Dackelblick betont Queenans eklatanten Mangel an Autoritaet noch mehr als Wahlbergs staendiges Gefluche das tut, und die Figur wird daher am Ende vom Zuschauer auch nicht wirklich betrauert oder vermisst. Umso unlogischer und aergerlicher ist dann auch der Schluss des Films.

Matt Damon geht sichtlich auf in der Rolle des aufstrebenden Stars der Bostoner Polizei, Colin Sullivan, der jedoch ausschliesslich Frank Costello (Nicholson) gegenueber Loyalitaet fuehlt und ihn heimlich immer wieder vor Razzien und Verfolgern warnt. Damon – der wie Wahlberg aus Boston stammt und somit wenig Muehe hatte, den entsprechenden Akzent aus dem Hut zu ziehen – sagt ueber die Vorbereitung auf seine Rolle, als er er u.a. eine Drogenrazzia als Beobachter begleiten durfte : „Als ich Colin analysierte, wurde mir klar, dass er nicht nur Recht und Gesetz abgrundtief verachtet, sondern auch die Polizisten selbst. Wenn man tagtaeglich diese selbstlose Opferbereitschaft miterlebt und sie trotzdem unterminieren will, dann sagt das eine Menge ueber Colin aus. Ich konnte viele Dinge in meine Darstellung einfliessen lassen, von denen ich keine Ahnung haette, wenn ich die Experten nicht begleitet haette.“

Unabhaengig was man davon halten mag, dass Schauspieler bei Einsaetzen der US-Polizei dabeisein duerfen: Damon ueberzeugt in der Rolle des Sullivan, als dunkles Spiegelbild Costigans (DiCaprios). Sullivan ist ein Siegertyp, dessen brennender Ehrgeiz ihm den rasanten Karriereaufstieg und dessen jungenhafter Charme das Maedchen beschert. Er plant und denkt sich aus jeder kitzligen Situation heraus und ist dem Rest der Welt immer einen Schritt voraus. Am Ende hat er selbst den widerwilligsten Zuschauer auf seiner Seite und ihm dessen Sympathien oder wenigstens Respekt abgenoetigt.

The Departed ist ein gutes Remake mit einigen Schwaechen, ueber die man gut hinwegsehen kann solange man das Original nicht kennt. Mit ueber zweieinhalb Stunden ist der Film recht lang, jedoch selten langweilig; er nimmt sich Zeit bei der Charakterzeichnung. Ein echter Gluecksgriff sind der Soundtrack und der ueberraschend untypische Score von Howard Shore, der hier u.a. auf die Kraft des Tango setzt, um das verzwickte Doppelspiel musikalisch zu untermalen. Billy’s Theme ist fragil, eindringlich und unterstreicht nachhaltig DiCaprios Darstellung des einsamen Undercover-Polizisten. Die Entscheidung, mit Roy Buchanans Sweet Dreams den Abspann einzulaeuten entpuppt sich als wahrer Geniestreich, und die spoettische Melodie der schmutzig-verzerrten Gitarre ueber dem Easy Listening Teppich der Hammondorgel laesst einen lange nach dem Film noch nicht los.

The Departed erscheint hierzulande am 13. April auf DVD.

Infernal Affairs

  • Veröffentlicht am 21st Februar 2007,
  • veröffentlicht von

Mou gaan dou (2002) | auf DVD

R: Wai Keung Lau, Siu Fai Mak
D: Tony Leung Chiu Wai, Andy Lau, Anthony Wong Chau-Sang, Eric Tsang
Imdb Eintrag | Trailer | offizielle Website | Amazon

Der Gangsterboss Sam (Eric Tsang) hat die Nase voll von Stoerungen seiner Geschaefte durch die Polizei und bringt einen Haufen seiner jugendlichen Bandenmitglieder – diejenigen, die noch eine weisse Weste haben und nicht aktenkundig geworden sind – auf der Polizeiakademie unter. Einer seiner Schuetzlinge, Lau Kin Ming (Andy Lau) legt eine steile Karriere hin und wird zuegig befoerdert, bis hin zum Inspektor. Die andere Seite des Gesetzes ist jedoch auch nicht untaetig und hat parallel einen ganz aehnlichen Plan in die Tat umgesetzt. Inspektor Wong Chi Shing (Anthony Wong) pflueckt einen hochintelligenten jungen Polizeischueler namens Chan Wing Yan (Tony Leung) von der Akademie und macht ihn zum Undercover-Agenten in Sams Bande. Beide Maulwuerfe arbeiten jeweils ueber zehn Jahre in den Reihen des Feindes. Das taegliche Versteckspiel und die Verleugnung der eigenen Identitaet bleibt bei beiden nicht folgenlos. Ming hat Charme, ist beliebt bei den Kollegen und hat eine nette Freundin, die Schriftstellerin ist. Sie schreibt an einer Geschichte ueber einen Mann, der 28 verschiedene Identitaeten hat und nicht mehr weiss, wer er ist. Yan fleht Jahr um Jahr seinen Boss an, ihn „heimzuholen“; er ertraegt das Undercover-Dasein nur schwer und seine gewalttaetigen Ausbrueche verschaffen ihm eine Serie von Zwangssitzungen beim Polizeipsychiater. Nach und nach gehen sowohl Sam als auch Wong auf, dass sich ein Maulwurf in ihren Reihen versteckt haben muss. Ming und Yan werden jeweils darauf angesetzt, „sich selbst“ zu finden. Schliesslich stehen sie sich gegenueber: Zwei sympathische Typen, beide jeweils Cop und Gangster, beide loyal gegenueber einer Idee, die sie offiziell ihr ganzes Leben lang verleugnen mussten. Wer von beiden – wenn ueberhaupt – kann das Spielfeld lebendig und als Sieger verlassen?

Als dieser Film 2002 in Hong Kongs Kinos kam, ueberraschte er Kritiker wie Zuschauer auf der ganzen Ebene. Niemand hatte damit gerechnet, dass Lau noch eine solide, geschweige denn hervorragende Regiearbeit abliefern wuerde oder dass ein spannender, origineller und perfekt inszenierter Stoff aus den eigenen Reihen die Zuschauer in Scharen in die Kinos locken wuerde. Mou gaan dou – Infernal Affairs – kam „totally out of left field“: aus dem Nichts. Und er traf voll ins Schwarze.

Die Besetzung ist superb und vereint einen Haufen Megastars, die hierzulande wie ueblich fast niemand kennt: Andy Lau, Tony Leung, Anthony Wong, Eric Tsang – die crème de la crème des Hong Kong Kinos ist komplett angetreten. Und es ist schwer zu sagen, wer am besten spielt; das Niveau ist unglaublich hoch. Kaum ein Film in der juengeren Geschichte des Hong Kong Kinos hat so viel Energie, Spannung und Spielfreude transportiert. Kein Wunder, dass der Film lange vor ausverkauften Haeusern spielte, in einer Stadt, in der noch mehr als bei uns die Filme parallel zum Kinostart bereits illegal und fuer lau oder kleinstes Geld auf VCD erhaeltlich sind. Mou gaan dou war ein Ereignis. Eines, das Wellen bis nach Hollywood und Europa schlug, wo man gemeinhin keinen blassen Schimmer und noch viel weniger Interesse daran hat, was „da hinten“im Kino laeuft. Ich wurde neugierig und beschloss einen Blindkauf zu wagen.

So landete schliesslich irgendwann Ende 2002/Anfang 2003 die limited Edition DVD von Infernal Affairs in meinem Briefkasten. Ich spreche kaum ein Wort chinesisch , aber dankenswerterweise war die Scheibe mit englischen Untertiteln ausgestattet. Ich war mir durchaus bewusst, dass diese natuerlich genauso sinnentstellend sein koennten bzw. wuerden wie eine Synchronfassung, aber zum einen sehe ich Filme grundsaetzlich im Original, weil die Stimme ein wesentlicher Bestandteil im Repertoire eines Schauspielers ist und enorm zur Atmosphaere eines Films beitraegt. Und zum anderen war es zu dem Zeitpunkt noch voellig unklar, wenn nicht sogar reichlich unwahrscheinlich, ob der Film jemals in synchronisierter Fassung einen westlichen Markt sehen wuerde.

Der Film verfuegt ueber eine Kantonesische (Hong Kong chinesische und damit originale) und ueber eine Mandarin Tonspur sowie das originale Ende und optional ein Ende, das die chinesischen Zensoren fuer angemessen hielten und auf dem chinesischen Festland gezeigt wurde.

Ein erfolgreicher Film schreit geradezu nach einer Fortsetzung. Da einige der Protagonisten jedoch ueber die Klinge gesprungen waren, hiess das Zauberwort also: Prequel. Dieses kam puenktlich 2003 in Hong Kongs Kinos und zeigte atmosphaerisch dicht und sehr gelungen die Zeit des Aufstiegs der beiden Maulwuerfe. Ein dritter Teil war dann des guten zuviel und ziemlich schwach, aber konnte dem Mythos dennoch nicht schaden: Mou gaan dou war bereits Legende und ein Hollywood-Remake nur eine Frage der Zeit.

Pans Labyrinth

  • Veröffentlicht am 21st Februar 2007,
  • veröffentlicht von

El Laberinto del Fauno | Ab 22. Februar im Kino

R: Guillermo del Toro
D: Ivana Baquero, Ariadna Gil, Sergi Lopez
Offizielle Website | Trailer | IMDB Eintrag

Guillermo del Toro macht Horrorfilme, die diesen Namen auch verdienen: Mit seinem Regieerstling Cronos reicherte der ausgebildete Make-Up Spezialist aus der Schule von Dick Smith (The Exorcist) das ausgelutschte Vampirgenre um eine Faust’‘ sche Komponente an und gewann erste Auszeichnungen. Mit Mimic erschuf er einen fiesen kleinen und ueberraschend effektiven Beitrag zum Genre „Rieseninsekten bedrohen die Welt“ und eine der besseren Comicverfilmungen der letzten Jahre, der leider ziemlich untergegangene Hellboy erfaehrt demnaechst seine Fortsetzung.

Die elfjaehrige Ofélia (Ivana Baquero) waechst im Buergerkrieg in Francos Spanien auf und fluechtet sich als ungeliebtes Stiefkind des brutalen Capitan Vidal (Sergi Lopez) in eine Fantasiewelt, die von Feen und Geistern beherrscht wird. Dort gilt sie als lange verschollene und heiss erwartete Prinzessin, wie ihr ein Faun (Doug Jones) erklaert. Um jedoch sicherzugehen, dass sie auch die richtige ist und in der Zwischenzeit kein Mensch geworden, soll sie bis zum kommenden Vollmond drei Pruefungen bestehen. Ofélia laesst sich auf das Wagnis ein und begibt sich in das Labyrinth des Fauns…

Wer jetzt denkt, es handele sich um einen Kinderfilm à la Die Chroniken von Narnia, der irrt. Aber auch diejenigen, die auf den reinen Horrorfilm spekulieren, werden enttaeuscht aus dem Kino kommen: Pans Labyrinth ist eine Mischung aus Kriegsdrama, Horrorfilm und Fantasy, wobei sich diese scheinbar unvereinbaren Elemente wunderbar zu einer ganz besonderen Mischung formen. Zusammenfassend kann man vielleicht sagen, dass der wahre Horror nicht in der Fantasiewelt liegt sondern in den „wirklichen“ Momenten. Und so furchterregend der Pale Man auch anzuschauen ist, mit Augen, die wie Stigmata in seinen Haenden liegen – er verblasst im wahrsten Sinne des Wortes gegen Ofélias Stiefvater und seine Greueltaten.

Mit Pans Labyrinth hat sich der Mexikaner endgueltig in die Riege der ernstzunehmenden Regisseure katapultiert und gilt am Sonntag als wohl heissester Anwaerter fuer den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“, in der ja auch ein deutscher Beitrag – Florian Henckel von Donnersmarks Debut Das Leben der Anderen – nominiert ist. In ausserdem gleich fuenf weiteren Kategorien ist der Film fuer den kleinen Goldkerl nominiert: Beste Art Direction, beste Kamera, bestes Makeup, beste Originalmusik und bestes Original-Drehbuch. Letzeres stammt ebenfalls von del Toro, der fuer Pan im letzten Jahr auch ausserhalb Hollywoods mit Preisen ueberschuettet wurde, darunter der Goldenen Palme und zuletzt drei BAFTAs.

Alles ist gut, so lange du wild bist

  • Veröffentlicht am 12th Februar 2007,
  • veröffentlicht von

Es ist Sonnabend morgen, so gegen acht Uhr. Mein Besuch vom Vorabend ist seit etwa drei Stunden weg. Das Telefon holt mich aus dem Koma. Ich will es ignorieren, aber es muss wohl dringend sein. Muss es. Wehe, wenn nicht.

Es ist superdringend. „Hallo! Willst du morgen nachmittag mit mir ins Kino, Wilde Kerle 4 gucken?“

„dsnsdnrnst.“ Das. Ist. Nicht. Dein. Ernst.

„Hallo? Bist du’s? Ich hoere die aufkeimende Panik, er könnte jemanden wildfremden ins Kino eingeladen haben.

„Ich bin’s.“ Glaube ich jedenfalls. Sicher bin ich mir da nicht.

„Du hörst dich so heiser an?“ D’oh. Ich räche mich so in zehn, fünfzehn Jahren, ich schwör’ s.

„Ich bin nicht heiser, mein Engel. Nur sehr müde.“

„Also, hast du Lust, morgen mit mir Wilde Kerle 4 zu sehen?“

„Na klar.“ Alles was du willst. Nur lass’ mich jetzt schlafen. Bitte.

„Um wieviel Uhr denn?“ Immer noch besorgt, ich klinge wohl wirklich ziemlich finster.

„Keine Ahnung wann das anfängt. Nachmittags halt.“ How the fuck shall I know?

„Ich geb’ Dir mal Mama, OK?“ Ich winke matt ab, aber höre ihn ihm Hintergrund durchs ganze Haus brüllen: „MAMAAAA! SIE HAT JA GESAGT! ERSCHRECK’ DICH NICHT, SIE KLINGT GANZ HEISER, ABER SIE IST NUR SEHR, SEHR MÜDE!“

P.S.: Ach ja, der Film. Ich hab’ schon schlechtere gesehen. Nicht viele, und mir fällt auch gerade keiner ein, aber ich bin mir da ganz sicher.

300

  • Veröffentlicht am 3rd Februar 2007,
  • veröffentlicht von

300 | Ab 5. April im Kino
R: Zack Snyder
D: Gerard Butler, Lena Headay, Rodrigo Santoro
Offizielle Website | Offizielle deutsche Website | Trailer | IMDB Eintrag

Der Autor Frank Miller ist die Kompetenz in Sachen Eye Candy. Leider haben die Filme, die auf seinen oft brillianten Graphic Novel-Vorlagen beruhen (ich denke da z.B. an Daredevil oder Sin City) umso weniger inhaltliche Substanz und sind im Grunde sterbenslangweilig. Das haelt jedoch weltweit die PR-Opfer Lemminge nicht davon ab, sich begeistert der geballten Wucht der Bilder entgegen von der Klippe zu stuerzen; ganz besonders solche nicht, die nicht all zu schwer bildungsbeladen sind und beim Stichwort „Homer“zunaechst mal an Doughnuts denken.

300 erzaehlt die Geschichte der ersten Schlacht bei den Thermopylen, als sich ein kleines Haeufchen Spartaner, 300 an der Zahl (d’oh!) und gefuehrt von Koenig Leonidas, den ueberwaeltigenden Heerscharen des Perserkoenigs Xerxes entgegenwarf – um zu sterben. Diese an sich klare und schnoerkellose – man ist fast versucht zu sagen: spartanische – Geschichte wird von Regisseur und Co-Autor Zack Snyder mit einem Haufen sinnloser CGI-Monster, die nicht nur mich an diverse Herr der Ringe-Figuren (Hoehlentroll, Olifanten) erinnert, angereichert und auf satte zwei, gefuehlte zwoelf Stunden Langeweile aufgeblasen.

Der Trailer ist fraglos fantastisch geschnitten. Die zweieinhalb Minuten reichen aber voellig aus; den ganzen Film braucht kein Mensch  – weniger ist auch hier deutlich mehr.