Be careful what you wish for

  • Veröffentlicht am 10th September 2006,
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Freitagmittag noch rasch fuers samstaegliche Sunrise Turnier in Deinste gemeldet. Absage wegen mangelhafter Beteiligung. Den Samstag ohne Golf? Das geht nicht, das geht gar nicht, unter gar keinen Umstaenden! Was soll ich denn sonst machen, etwa die Waesche? Einkaufen, putzen, buegeln, Post der vergangenen acht Monate sortieren und beantworten oder gar lange schlafen, gemuetlich fruehstuecken und dann lesen, Musik machen oder den Stapel ungesehener DVDs abarbeiten?

Panisch, mit schweissnassen Fingern scrolle ich im Handy durch die Telefonummern der Clubs rund um Hamburg, die so etwa ein Drittel meines Adressbuchs ausmachen, und suche nach einem Turnierstartplatz fuer den naechsten Tag. Escheburg und GreenEagle – ausgebucht, Warteliste. Dito der Weidenhof (Ihr seht, die Verzweiflung war enorm…). Drei weitere Clubs haben interne Turniere – schliesslich erbarmt sich Gut Apeldoer meiner. Ja, um zehn koennten sie mich dazupacken, es habe jemand abgesagt, ob das ok sei? Fuer einen Fruehaufsteher wie mich ist zehn Uhr nachgerade Mittag. Jubel! Meine Kollegin starrt mich entgeistert vom Schreibtisch gegenueber an und schuettelt nur den Kopf. Suechtige und ihre Macken.

Samstag frueh um acht fahre ich los, die letzten der knapp 110 Kilometer zuckele ich hinter den Treckern und Apfeltransportern her. Der Himmel sieht bedrohlich aus, aber noch ist es trocken. Um halb zehn bin ich da, schiebe mit vor freudiger Erregung zitternden Fingern das Startgeld ueber den Tresen. Der Dealer meines Vertrauens Clubsekretaer schiebt im Gegenzug meine Scorekarte rueber, die ich hastig einstecke bevor ich zum ersten Abschlag eile. Meine beiden Mitspieler sind schon da und kloenen. Einer reicht zur Begruessung und zum Aufwaermen kleine Apfelkornflaeschchen herum. Selbstgebrannter, auf nuechternen Magen – Helau.

Der Starter schickt uns auf die Runde. Der erste holt aus zum Probeschwung, da legt Petrus den Schalter von ‘stuermisch-bedeckt’ auf ‘stuermisch-Platzregen’ um. Binnen Sekunden sieht man die Hand vor Augen nicht mehr. Nicht mal meine Dusche hat so viel Druck (jaja, entkalken, ich weiss). Mein Regenanzug ist gefordert und haelt tapfer durch, aber ab der fuenfzehn wirft er das Handtuch. Das einzig trockene sind meine Fuesse (Walter Genuin sei Dank). 20 Nettopunkte, neuer Negativrekord der Saison. Und trotzdem bin ich gluecklich. Wir haben alle drei ein irres Grinsen im Gesicht als wir reinkommen. Acht oder zehn haben aufgegeben, ‘no return’. Die Flaschen. Am Ende die heisse Dusche, das Weizen, der Kartoffeleintopf – und ein froehliches „wird nicht gewertet heute“ von der Spielleitung. Es war mal wieder ein toller Tag. Auf der Heimfahrt schien uebrigens die Sonne, klar.